{"id":10926,"date":"2004-07-17T22:43:09","date_gmt":"2004-07-17T22:43:09","guid":{"rendered":".\/?p=10926"},"modified":"2004-07-17T22:43:09","modified_gmt":"2004-07-17T22:43:09","slug":"10926","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2004\/07\/10926\/","title":{"rendered":"Droht eine neue &Ouml;lkrise?"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-style: italic;\">Welche Folgen hat der deutliche Anstieg der &Ouml;lpreise? <\/span><br \/>  In Europa wurde der Anstieg durch den fallenden Dollarkurs etwas abgefedert, in anderen L&auml;ndern ist er noch st&auml;rker. Gr&uuml;nde f&uuml;r ihn sind wachsende Nachfrage, ein begrenztes Angebot und Spekulation. <br \/>  <span style=\"font-style: italic;\">von Wolfram Klein, Stuttgart <\/span><!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\nUS-Regierung und US-Notenbank haben massiv Geld in die Wirtschaft gepumpt und so einen ganz ansehnlichen Aufschwung zuwege gebracht. Sie haben dadurch zwar das Kartenhaus von aufgebl&auml;hten Aktienkursen und Verschuldung nur noch h&ouml;her gebaut und es ist nur eine Frage der Zeit, wann es einst&uuml;rzen wird. Aber kurzfristig bedeutet es eine steigende Nachfrage nach &Ouml;l und &Ouml;lprodukten. <br \/>  &Auml;hnlich sieht es in China aus, wo es einen Investitions- und Bauboom gibt, der die Nachfrage nach &Ouml;l in die H&ouml;he treibt. <br \/>  In ihrem Schlepptau ist auch Japan vorl&auml;ufig aus seiner Dauerdepression der neunziger Jahre herausgekommen. Dieses Wirtschaftswachstum bringt auch ein Wachstum des Handels und Transports mit sich. <br \/>  Da die Macht der &Ouml;l- und Autokonzerne verhindert hat, dass seit den letzten &Ouml;lkrisen umweltfreundlichere Energiequellen in gr&ouml;&szlig;erem Umfang genutzt worden w&auml;ren, f&uuml;hrt dieses Wachstum zu einer deutlichen Zunahme des &Ouml;lverbrauchs &#x96; laut Financial Times vom 23. Juni die gr&ouml;&szlig;te j&auml;hrliche Zunahme seit 24 Jahren. <br \/>  <br style=\"font-weight: bold;\"> <span style=\"font-weight: bold;\">Unsichere Versorgung <\/span><br \/>  Die steigende Nachfrage st&ouml;&szlig;t auf ein begrenztes Angebot. Beim Irak-Krieg ging es den USA um die Kontrolle &uuml;ber die gro&szlig;en irakischen &Ouml;lvorkommen, um die Profitm&ouml;glichkeiten der US-&Ouml;lkonzerne weiter zu steigern und die Macht des OPEC-&Ouml;lkartells v&ouml;llig zu brechen. Er hat das Gegenteil bewirkt. <br \/>  Die Unf&auml;higkeit von profitgierigen US-Konzernen wie Halliburton, die irakische Infrastruktur zu reparieren plus h&auml;ufige Sabotageakte von Widerstandsgruppen, f&uuml;hren zu Unterbrechungen der &Ouml;llieferung. <br \/>  Die anderen OPEC-L&auml;nder haben die Gr&uuml;nde f&uuml;r den Irak-Krieg verstanden. Sie warteten relativ lange, bis sie auf den steigenden &Ouml;lpreis mit der Erh&ouml;hung der F&ouml;rdermengen reagierten. Dazu kommt, dass der US-Imperialismus bei ihren eigenen Bev&ouml;lkerungen zutiefst verhasst ist. <br \/>  Nach den Angriffen auf Mitarbeiter von westlichen &Ouml;lfirmen in Saudi-Arabien k&ouml;nnen auch Angriffe auf die &Ouml;linfrastruktur kommen. <br \/>  In Nigeria bedrohen ethnische Konflikte im Niger-Delta die &Ouml;lf&ouml;rderung. In Venezuela setzt sich Pr&auml;sident Ch&aacute;vez f&uuml;r hohe &Ouml;lpreise ein. Auch in anderen L&auml;ndern hat die versch&auml;rfte Auspl&uuml;nderung durch den Imperialismus in den letzten Jahrzehnten so viel Hass und Instabilit&auml;t erzeugt, dass die &Ouml;lf&ouml;rderung davon in Mitleidenschaft gezogen werden kann. <br \/>  Dazu kommt, dass die &Ouml;lf&ouml;rderung auch technisch nicht so einfach gesteigert werden kann. In L&auml;ndern wie Indonesien gehen die &Ouml;lreserven zur Neige. In Russland verhindert der Zustand der Infrastruktur die Steigerung der F&ouml;rderung. Westliche &Ouml;lkonzerne waren mehr an schnellen Profiten als an der langfristigen Erschlie&szlig;ung von &Ouml;lfeldern interessiert. Bei der Konferenz in Beirut am 3. Juni musste die OPEC zum ersten Mal seit langem &uuml;ber Mangel an Reservekapazit&auml;ten debattieren. <br \/>  Diese Instabilit&auml;ten und Risiken sind ein gefundenes Fressen f&uuml;r Spekulanten. Nat&uuml;rlich spekulieren sie vor allem auf steigende &Ouml;lpreise &#x96; und treiben damit die Preise noch weiter hoch. <\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">Wirtschaftliche Folgen <\/span><br \/>  Hohe &Ouml;lpreise bedeuten, dass Verbraucher und Unternehmen mehr Geld f&uuml;r &Ouml;l und &Ouml;lprodukte ausgeben m&uuml;ssen und weniger Geld f&uuml;r anderes &uuml;brig haben. Dadurch sinkt die Nachfrage und sinken die Profite (abgesehen von den Profiten der direkt vom Preisanstieg Profitierenden). Beides bremst das Wirtschaftswachstum. In den USA wird gesch&auml;tzt, dass ein &Ouml;lpreisanstieg von zehn Dollar pro Barrel die gleiche Wirkung hat wie eine Erh&ouml;hung der Verbrauchssteuern um 70 Milliarden Dollar. Weltweit soll ein solcher Anstieg das Wirtschaftswachstum um 0,5 Prozent verringern. Besonders schlimm sind die Folgen in r&uuml;ckst&auml;ndigeren Wirtschaften mit energieintensiverer Produktion (Indien, China und so weiter). <br \/>  Dazu kommt, dass der &Ouml;lpreisanstieg kurzfristig h&ouml;here Inflationsraten bedeutet und die Notenbanken zur Inflationsbek&auml;mpfung die Zinsen hoch halten (beziehungsweise in den USA schneller erh&ouml;hen) werden, was das Wirtschaftswachstum weiter bremst und die Spekulationsseifenblasen in den USA und anderswo zum Platzen bringen kann. Dann w&uuml;rden die weltwirtschaftlichen Folgen noch verheerender. <br \/>  Man versucht uns damit zu tr&ouml;sten, dass die &Ouml;lpreise real viel niedriger sind und wohl auch bleiben werden, als in den &Ouml;lkrisen der siebziger Jahre. Au&szlig;erdem ist die Abh&auml;ngigkeit vom &Ouml;l verringert. Das ist aber eine einseitige Betrachtung. Die Kehrseite ist, dass die Widerspr&uuml;che des Kapitalismus sich so weit zugespitzt haben, dass selbst bei unseren niedrigen &Ouml;lpreisen das Wachstum nicht so hoch ist wie vor 1973, sondern entweder so schw&auml;chlich wie in Europa oder auf Sand gebaut wie in den USA und anderswo. Die genaue Entwicklung der Weltwirtschaft ist nicht vorherzusagen (hier spielen neben den &Ouml;lpreisen verschiedene Faktoren rein). Wahrscheinlich wird die Wirtschaft durch die &Ouml;lkrise keinen so starken Schlag erhalten wie 1973 oder 1979. Aber sie ist inzwischen schon so angeschlagen, dass sie auch bei einem schw&auml;cheren Schlag &#x84;zu Boden gehen&#x93; k&ouml;nnte. <br style=\"font-weight: bold;\"> <br style=\"font-weight: bold;\"> <span style=\"font-weight: bold;\">Politische Folgen <\/span><br \/>  Die Folgen der letzten &#x84;&Ouml;lkrisen&#x93; und der durch sie ausgel&ouml;sten Weltwirtschaftskrisen waren enorm. Sie f&uuml;hrten zu Massenstreiks und einer Radikalisierung in vielen L&auml;ndern und zu Revolutionen wie in Portugal 1974. <br \/>  Auch wenn das Klassenbewusstsein und die Unterst&uuml;tzung f&uuml;r sozialistische Ideen in den neunziger Jahren international stark abgenommen haben, w&uuml;rde eine neue &Ouml;l- und Weltwirtschaftskrise auch jetzt massive Folgen haben. Die Gefahr besteht, dass Protest- und Widerstandsbewegungen in einigen L&auml;ndern erstmal in reaktion&auml;re Sackgassen (wie den islamischen Fundamentalismus) gehen werden. Aber insgesamt wird auch die Diskussion &uuml;ber eine Alternative zum Kapitalismus zunehmen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><span style=\"font-style: italic;\">Welche Folgen hat der deutliche Anstieg der &Ouml;lpreise? <\/span><br \/>\n In Europa wurde der Anstieg durch den fallenden Dollarkurs etwas abgefedert, in anderen L&auml;ndern ist er noch st&auml;rker. 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