{"id":10922,"date":"2004-07-13T22:32:02","date_gmt":"2004-07-13T22:32:02","guid":{"rendered":".\/?p=10922"},"modified":"2004-07-13T22:32:02","modified_gmt":"2004-07-13T22:32:02","slug":"10922","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2004\/07\/10922\/","title":{"rendered":"Wenn die Konzerne zweimal klingeln"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-style: italic;\">Die Genossen der Bosse machen einen R&uuml;ckzieher bei der Frage der Ausbildungsplatzabgabe <\/p>\n<p> <\/span>In den letzten Monaten fand eine gro&szlig;e Diskussion um die sogenannte Ausbildungsplatzabgabe statt. Durch diese Geb&uuml;hr, die Unternehmen bezahlen sollten, falls sie nicht oder zu wenig ausbilden, h&auml;tten dringend ben&ouml;tigte neue Ausbildungspl&auml;tze geschaffen werden sollen. <br \/> <span style=\"font-style: italic;\">von Immo Schott, Kassel <\/span><!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\nDoch auf Dr&auml;ngen der Wirtschaft lie&szlig; die SPD diese Abgabe nun fallen und ersetzte sie ? wieder einmal ? durch ?freiwillige Leistungen? der Unternehmen. Durch diese Politik gingen Jugendliche schon in der Vergangenheit leer aus und es wird diesmal nicht anders laufen. <\/p>\n<p> <span style=\"font-weight: bold;\">Ausbildungsplatzabgabe: mehr Schein als Sein <\/span><br \/> In Deutschland herrscht Ausbildungsplatznot. Laut DGB-Chef Sommer suchen etwa 100.000 Jugendliche einen Ausbildungsplatz. Zus&auml;tzlich gibt es noch eine gro&szlig;e Anzahl von Jugendlichen, die weiter die Schulbank dr&uuml;cken, weil sie keinen Ausbildungsplatz gefunden haben. In Reaktion auf den &ouml;ffentlichen Protest kramte die SPD-Gr&uuml;nen-Regierung etwas aus der Mottenkiste, was schon lange eine gewerkschaftliche Forderung ist: Die Ausbildungsplatzabgabe. <br \/> Jeder Betrieb, der nicht oder zu wenig ausbildet, muss nach diesem Gesetz eine Geb&uuml;hr bezahlen. Mit dem so gesammelten Geld sollen dann neue Ausbildungspl&auml;tze geschaffen werden. Doch dieses Gesetz bot bereits eine Menge Schlupfl&ouml;cher f&uuml;r die Unternehmen. So konnte zum Beispiel in ?wirtschaftlich besonders harten Zeiten? auf eine Erhebung der Geb&uuml;hr verzichtet werden ? das hei&szlig;t wer am lautesten jammert, muss am wenigsten zahlen (siehe auch die letzten Ausgaben der Solidarit&auml;t). <\/p>\n<p> <span style=\"font-weight: bold;\">Schlupfloch f&uuml;r Unternehmen <\/span><br \/> Die Unternehmer hatten schon im Vorfeld alles m&ouml;gliche getan, um dieses Gesetz zu verhindern. Viele Gewerkschafter sahen die SPD aufgrund des Gesetzes schon wieder auf der Seite der Jugendlichen. Und tats&auml;chlich wurde das Gesetz auch verabschiedet. Doch weil der Bundesrat (CDU-Mehrheit) nicht zustimmte, muss das Gesetz in den sogenannten Vermittlungsausschuss. Und dort gedenkt die SPD es auch liegen zu lassen: Der R&uuml;ckzieher wurde durch einen Deal mit hohen Vertretern der Wirtschaft m&uuml;hsam kaschiert: den ?Ausbildungspakt?. <br \/> Dieser Pakt sieht vor, dass die Wirtschaft 30.000 neue Ausbildungspl&auml;tze sowie eine Anzahl von einj&auml;hrigen Praktikantenstellen schafft. Doch der Pakt ist weder verpflichtend, noch gibt es ein Gremium, das kontrolliert, wie viele Ausbildungspl&auml;tze denn nun geschaffen wurden. Auch bedeuten ?neue? Ausbildungspl&auml;tze keine zus&auml;tzlichen, sondern blo&szlig; andere. <br \/> Doch selbst wenn 30.000 Pl&auml;tze geschaffen w&uuml;rden, w&uuml;rde das bei etwa 100.000 Jugendlichen ohne Ausbildungsplatz nicht reichen. Und bei Praktikumspl&auml;tzen hat man so gut wie null Chance auf &Uuml;bernahme. <\/p>\n<p> <span style=\"font-weight: bold;\">Qualifizierte Ausbildung f&uuml;r alle <\/span> <br \/> Der Ausbildungspakt ist f&uuml;r uns Jugendliche also nicht einmal das Papier wert, auf dem er gedruckt wurde. Schon in den letzten paar Jahren gab es immer wieder Versprechen der Wirtschaft und wie toll die eingehalten wurden, sieht man ja an der jetzigen Situation.<\/p>\n<p> <span style=\"font-weight: bold;\">Die SAV fordert: <\/span> <br \/> &#8211; F&uuml;r jeden und jede einen qualifizierten Ausbildungsplatz nach Wahl <br \/> &#8211; Azubis sind keine Hilfskr&auml;fte ? kein Azubi darf mit ausbildungsfremden T&auml;tigkeiten besch&auml;ftigt werden <br \/> &#8211; f&uuml;r einen Mindestlohn f&uuml;r jeden Azubi von 800 Euro netto <br \/> &#8211; volle und freie politische Bet&auml;tigung in Betrieb, Lehrwerkst&auml;tten und Schule von Gewerkschaften, Betriebs- und Personalr&auml;tInnen und Jugend- und AuszubildendenvertreterInnen <br \/> &#8211; garantierte und unbefristete &Uuml;bernahme im erlernten Beruf <br \/> &#8211; Finanzierung der Ausbildung durch die Unternehmen ? jedes Unternehmen muss eine Ausbildungsquote von zehn Prozent erf&uuml;llen (gemessen an der Besch&auml;ftigtenzahl) und alle Kosten f&uuml;r die Ausbildung tragen ? erf&uuml;llen Unternehmen die Ausbildungsquote nicht, m&uuml;ssen sie eine Ausbildungsabgabe von 20.000 Euro pro nicht eingestellten Azubi f&uuml;r zus&auml;tzliche Ausbildungsstellen im &ouml;ffentlichen Dienst zahlen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><span style=\"font-style: italic;\">Die Genossen der Bosse machen einen<br \/>\nR&uuml;ckzieher bei der Frage der Ausbildungsplatzabgabe<\/p>\n<p><\/span>In den letzten Monaten fand eine<br \/>\ngro&szlig;e Diskussion um die sogenannte Ausbildungsplatzabgabe<br \/>\nstatt. 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