{"id":10913,"date":"2004-07-10T20:02:42","date_gmt":"2004-07-10T20:02:42","guid":{"rendered":".\/?p=10913"},"modified":"2004-07-10T20:02:42","modified_gmt":"2004-07-10T20:02:42","slug":"10913","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2004\/07\/10913\/","title":{"rendered":"Zur&uuml;ck ins 19. Jahrhundert?!"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-weight: bold;\">40 + x Stunden-Woche, Lohnraub, Hartz IV, &#8230; <\/span><br \/>  <span style=\"font-style: italic;\">&#8211; F&uuml;r k&auml;mpferische Gewerkschaften &#x96; Bruch mit der SPD <\/span><br style=\"font-style: italic;\"> <span style=\"font-style: italic;\">&#8211; Neue Partei der ArbeitnehmerInnen aufbauen <\/p>\n<p>  <\/span>Was macht ein Konzern, der nach eigenen Angaben seinen Gewinn vom Gesch&auml;ftsjahr 2002 auf 2003 von 1,661 Milliarden Euro auf 2,445 Millarden Euro steigern konnte und dessen Haupteigent&uuml;mer, die gleichnamige Familie, gesch&auml;tzte 13 Milliarden Euro besitzt? Er greift die Besch&auml;ftigten an: Der Konzern vernichtet im gleichen Zeitraum 9.000 Jobs. Dann sollen die ArbeitnehmerInnen in einzelnen Werken &#x96; bedroht von Verlagerungen &#x96; auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld verzichten und 40 Stunden arbeiten. Das ist Siemens, live. <br \/>  <span style=\"font-style: italic;\">von Stephan Kimmerle, Berlin <\/span><!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\nUnd dieser Konzern steht nicht allein da. Der neoliberale Horror wird zur Zeit lautstark formuliert: &#x84;F&uuml;r jeden zumutbar&#x93; h&auml;lt es der Continental-Chef, Manfred Wennemer, &#x84;40 oder 42 Stunden pro Woche&#x93; zu arbeiten. &#x84;Um Jobs zu sichern, m&uuml;ssen auch mal 50 Stunden pro Woche gearbeitet werden&#x93;, sagte der Pr&auml;sident des Deutschen Instituts f&uuml;r Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann. Und Gerhard Handke vom Bundesverband Deutscher Gro&szlig;- und Au&szlig;enhandel packte gleich noch die Forderung nach einem Verzicht auf eine Woche Urlaub im Jahr oben drauf. <br \/>  Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel h&auml;lt den Siemens-Abschluss f&uuml;r &#x84;das richtige Signal&#x93; und die SPD-Gr&uuml;ne-Bundesregierung langt selber zu: Nach den BeamtInnen in den L&auml;ndern sollen die BeamtInnen nun auch im Bund 40 Stunden arbeiten. <br \/>  Mit Siemens als Vorreiter wird der Fl&auml;chentarifvertrag geknackt. Siemens, einer der &#x84;Global Player&#x93; und keineswegs in Existenzn&ouml;ten, behauptet, die Handy-Sparte sei zu teuer. Die Werke Bocholt und Kamp-Lintford in Nordrhein-Westfalen w&uuml;rden nach Ungarn verlagert. Und schon wurden aus den 4.000 Besch&auml;ftigten 4.000 Geiseln, um den Ausstieg aus dem Fl&auml;chentarifvertrag zu bewerkstelligen. <br \/>  Mit der IG Metall wurde vereinbart, in diesen Werken wieder 40 Stunden in der Woche zu arbeiten &#x96; ohne jeden Lohnausgleich! Au&szlig;erdem werden Urlaubs- und Weihnachtsgeld in eine &#x84;erfolgsabh&auml;ngige Jahreszahlung&#x93; umgewandelt. <\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">Die Wut steigt! <\/span><br \/>  Arbeitgeber und Regierungen nutzen die &#x84;Gunst der Stunde&#x93;. Dass nach der Demonstration von mehr als einer halben Million Menschen am 3. April gegen Sozialkahlschlag keine gr&ouml;&szlig;eren Proteste mehr folgten, sehen sie als Aufforderung, richtig zuzulangen: Jede Andeutung von Verz&ouml;gerung der Angriffe, ob bei Ausbildungsabgabe, Hartz IV oder sonstwo, wurde beiseite gewischt. <br \/>  Der gemeinsame Kampf der MetallerInnen im Februar &#x96; 500.000 nahmen an Warnstreiks teil, die Stimmung war explosiv &#x96; brachte die Arbeitgeber zum Einknicken. Alleine auf sich gestellt werden die KollegInnen &#x96; wie in Bocholt oder Kamp-Lintfort &#x96; erpressbar. <br \/>  Die Folge sind Lohnraub, steigende Arbeitshetze und die weitere Vernichtung von Arbeitspl&auml;tzen. Allein die Erh&ouml;hung der Arbeitszeit f&uuml;r die BundesbeamtInnen von 38,5 auf 40 Stunden stellt 13.000 Jobs in Frage &#x96; von den gleichen Politikern, die von Senkung der Arbeitslosigkeit faseln. <br \/>  Eine Verl&auml;ngerung der Arbeitszeit von 35 auf 40 Stunden in der Woche bedeutet, dass die gleiche Arbeitszeit, die vorher von acht Leuten erbracht wurde, nun von sieben Leuten geschafft werden soll. Einer von acht kann nach Hause gehen und sich den Erwerbslosen anschlie&szlig;en &#x96; denen ja gleich mit Hartz IV &#038; Co die Bez&uuml;ge gek&uuml;rzt werden. <br \/>  Doch die Wut dar&uuml;ber steigt. <br \/>  Die Gewerkschaften haben jetzt zwei M&ouml;glichkeiten. Die erste M&ouml;glichkeit nutzen die Spitzenfunktion&auml;re: Sie k&ouml;nnen sich weiter in die Tasche l&uuml;gen oder die Seiten wechseln. IG-Metall-Vize Berthold Huber &uuml;ber den Siemens-Abschluss: &#x84;Ein gro&szlig;er Erfolg der Besch&auml;ftigten&#x93;. <br \/>  F&uuml;r ArbeitnehmerInnen generell d&uuml;rfte diese Methode schwierig werden: In den Taschen klafft schon lange ein Loch durch Reallohnverluste und Angriffe der Regierung wie der&#x84;Gesundheitsreform&#x93;. <br \/>  N&ouml;tig ist es &#x96; und das ist die zweite M&ouml;glichkeit &#x96; endlich die Kraft aller von Angriffen der Arbeitgeber und der Regierung Betroffenen zusammen zu fassen: Dann stehen die Besch&auml;ftigten von Kamp-Lintfort oder Bocholt nicht allein. Dann k&ouml;nnen die sieben Millionen Mitglieder des DGB und seiner Einzelgewerkschaften zusammen mit den Millionen, die f&uuml;r einen gemeinsamen Kampf gegen Schr&ouml;der und Konzerne zu begeistern sind, mit Protesten und Streiks ihre Kraft ins Spiel bringen. <br \/>  Ein eint&auml;giger Generalstreik in Deutschland, der die ganze Wut zusammen fasst, gegen die Dreistigkeiten der Regierung und die Angriffe auf L&ouml;hne und Arbeitszeiten &#x96; das w&uuml;rde die Ausgangslage grundlegend ver&auml;ndern. <br \/>  Um dazu zu kommen, muss die Blockade der Gewerkschaftsspitzen durchbrochen werden. <br \/>  <span style=\"font-weight: bold;\"><br \/>  Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit <\/span><br \/>  Die Spitzenfunktion&auml;re der Gewerkschaften kuschen, denn sie k&ouml;nnen sich das mit ihren Geh&auml;ltern leisten. Sie kuschen aber auch, um ihren SPD-Freunden in der Regierung den R&uuml;cken frei zu halten. &#x84;Wir wollen mit dieser Regierung die Politik &auml;ndern&#x93;, so J&uuml;rgen Peters, der IG-Metall-Chef &#x96; &uuml;ber eine Regierung, die die Politik in Deutschland nachhaltig ver&auml;ndert hat: Schr&ouml;ders Agenda 2010 war und ist das gr&ouml;&szlig;te Verarmungsprogramm f&uuml;r die Masse der Bev&ouml;lkerung zur Sanierung der Profite der Banken und Konzerne seit dem 2. Weltkrieg. <br \/>  Mit diesem Kurs, mit der Unterordnung der Gewerkschaften unter die SPD, muss Schluss sein. Die finanzielle, personelle und inhaltliche Unterst&uuml;tzung, die die Gewerkschaften der SPD mehr als ein Jahrhundert zukommen lie&szlig;en, muss jetzt in den Aufbau einer neuen Kraft gesteckt werden. <br \/>  Die Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit bietet &#x96; auch aus den Gewerkschaften heraus &#x96; einen Bezugspunkt f&uuml;r den Aufbau einer neuen Interessensvertretung f&uuml;r Besch&auml;ftigte, Erwerbslose, Jugendliche und RentnerInnen &#x96; einer neuen Arbeiterpartei. Ihre Entwicklung ist offen (siehe Seite 2). Wir fordern aber alle AktivistInnen aus Betrieben, Gewerkschaften und sozialen Bewegungen auf, den Widerstand in Betrieben, Gewerkschaften und sozialen Bewegungen zu organisieren und mit uns f&uuml;r eine neue Arbeitnehmerpartei aktiv zu werden, die die Regierenden und die Arbeitgeber auf allen Ebenen herausfordert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><span style=\"font-weight: bold;\">40 + x Stunden-Woche, Lohnraub, Hartz IV, &#8230; <\/span><br \/>\n <span style=\"font-style: italic;\">&#8211; F&uuml;r k&auml;mpferische Gewerkschaften &#x96; Bruch mit der SPD <\/span><br style=\"font-style: italic;\"> <span style=\"font-style: italic;\">&#8211; Neue Partei der ArbeitnehmerInnen aufbauen <\/p>\n<p> <\/span>Was macht ein Konzern, der nach eigenen Angaben seinen Gewinn vom Gesch&auml;ftsjahr 2002 auf 2003 von 1,661 Milliarden Euro auf 2,445 Millarden Euro steigern konnte und dessen Haupteigent&uuml;mer, die gleichnamige Familie, gesch&auml;tzte 13 Milliarden Euro besitzt? 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