{"id":10905,"date":"2004-06-16T13:55:11","date_gmt":"2004-06-16T11:55:11","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=10905"},"modified":"2012-06-24T15:40:03","modified_gmt":"2012-06-24T13:40:03","slug":"10905","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2004\/06\/10905\/","title":{"rendered":"Volksbegehren zu Neuwahlen in Berlin"},"content":{"rendered":"<p>Stellungnahme der SAV Berlin zur Initiative &#8222;Volksbegehren &#8222;Soziales Berlin&#8220; f?r Neuwahlen&#8220; <!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\nJeder Tag, den der Berliner Senat seine Politik fortsetzen kann, ist ein Tag zuviel. SPD und PDS kn&uuml;pfen da an, wo die Gro&szlig;e Koalition unter F&uuml;hrung von Eberhard Diepgen aufgeh&ouml;rt hat: <\/p>\n<p> &#8222;Sparen, bis es quietscht&#8220; (Wowereit, Regierender B&uuml;rgermeister): Laut Sozialatlas leben in Berlin heute eine halbe Million Menschen in Armut. 17 Prozent sind offiziell erwerbslos. Die Rotstiftpolitik wird unter dem neuen Senat weitergef&uuml;hrt und versch&auml;rft: Ob K&uuml;rzungen bei der Bildung (Lernmittelfreiheit, Studiengeb&uuml;hren, Kita-Geb&uuml;hren etc.) oder im Sozialbereich (Sozialticket, Blindengeld, Telebus etc.). <\/p>\n<p> &#8222;Viele der &uuml;belriechenden Beamten werden eigentlich nicht mehr gebraucht&#8220; (Sarrazin, Finanzsenator): SPD und PDS sind Vorreiter bei der Demontage des Fl&auml;chentarifvertrags im &ouml;ffentlichen Dienst, sie haben drei Arbeitzeitverl&auml;ngerungen f&uuml;r LehrerInnen innerhalb von vier Jahren mitzuverantworten, dazu kommen weitere Einschr&auml;nkungen beim Freizeitausgleich f&uuml;r ErzieherInnen etc. <\/p>\n<p> &#8222;Der Selbstbedienungsladen &ouml;ffentlicher Dienst ist geschlossen&#8220; (K&ouml;rting, Innensenator): Der Diebstahl an &ouml;ffentlichem Eigentum geht weiter &#8211; ob neue Privatisierungspl&auml;ne bei Wasserbetrieben, Behala, Wohnungsbaugesellschaften oder St&auml;dtischen Krankenh&auml;usern. <\/p>\n<p> Nicht nur die SPD, auch die PDS-Spitze in Berlin tr&auml;gt diesen Kurs mit. Im Europa-Wahlkampf war auf den PDS-Plakaten zu lesen: &#8222;Sozial w&auml;hlen.&#8220; In Berlin bedeutet die real existierende Sozialpolitik der PDS eine beispiellose Umverteilung von unten nach oben. <\/p>\n<p> Darum muss diesem Senat der Kampf angesagt werden. <\/p>\n<p> In den letzten Wochen haben AktivistInnen vom Berliner B&uuml;ndnis gegen Sozial- und Bildungsraub, vom Berliner Sozialforum, von attac und andere die Initiative &#8222;Volksbegehren &#8222;Soziales Berlin&#8220; f&uuml;r Neuwahlen&#8220; gestartet. Am Mittwoch, den 12. Mai fiel der Startschuss f&uuml;r die Unterschriftensammlung. <\/p>\n<p> Auf gewerkschaftlicher Ebene wird in dieser Frage lebhaft gestritten. W&auml;hrend der Berliner Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Eberhard Sch&ouml;nberg, und achtzig Prozent der Delegierten auf der GdP-Landeskonferenz im Mai ein Volksbegehren unterst&uuml;tzt haben und sich auch eine klare Mehrheit des Berliner Landesvorstands der GEW daf&uuml;r ausgesprochen hat, diese Diskussion zu forcieren, tritt die ver.di-F&uuml;hrung auf die Bremse. <\/p>\n<p> Was steht nach den Gro&szlig;demonstrationen am 1.11. und am 3.4. an? Auf diese Demonstrationen m&uuml;ssten Streikma&szlig;nahmen folgen. Streik ist die einzige Sprache, die die Herrschenden verstehen. Erst wenn sie da getroffen werden, wo es sie wirklich schmerzt &#8211; bei ihren Profiten -, kann ihrer Sanierung der Gewinne auf Kosten der arbeitenden Bev&ouml;lkerung Einhalt geboten werden. Erst wenn der gr&ouml;&szlig;tm&ouml;gliche &ouml;konomische Druck ausge&uuml;bt wird, kann die Politik f&uuml;r die Banken und Konzerne, wie sie die Regierungen in Bund und L&auml;ndern betreiben, gestoppt werden. <\/p>\n<p> Was tut die Gewerkschaftsf&uuml;hrung? F&uuml;r die Gro&szlig;demos wurde nur mit angezogener Handbremse geworben. Statt die Handbremse jetzt zu lockern, will DGB-Chef Sommer die n&auml;chste Sommer-Pause verk&uuml;nden. Dabei w&auml;re der Kampf der L&auml;nderbesch&auml;ftigten im &ouml;ffentlichen Dienst gegen Arbeitzeitverl&auml;ngerungen ohne Lohnausgleich der beste Ansatzpunkt, einen Vollstreik im &ouml;ffentlichen Dienst einzuleiten und einen bundesweiten Streiktag gegen die Arbeitgeberoffensive auf allen Ebenen vorzubereiten. <\/p>\n<p> In Berlin sind die Besch&auml;ftigten der BVG in der aktuellen Tarifrunde mit der Arbeitgeberforderung von 13-prozentigen Lohnk&uuml;rzungen konfrontiert. Die KollegInnen bei den vivantes-Krankenh&auml;usern sollen auf ihr Urlaubs- und Weihnachtsgeld verzichten. Bei der S-Bahn kam es im April zu Warnstreiks gegen Gehaltseinbu&szlig;en. Der Widerstand gegen diese Angriffe m&uuml;sste geb&uuml;ndelt werden. Eine stadtweite 24-st&uuml;ndige Arbeitsniederlegung verbunden mit einer Gro&szlig;demonstration w&auml;re das Gebot der Stunde. <\/p>\n<p> Die Gewerkschaftsspitze f&uuml;rchtet offenbar den Streik als Kampfmittel wie der Teufel das Weihwasser. Es sollte hellh&ouml;rig machen, dass die IG Metall gegenw&auml;rtig bundesweit eine Unterschriftensammlung starten will. Oder dass ein Horst Schmitthenner auf der Perspektivenkonferenz von attac, ver.di und anderen die St&auml;rkung plebiszit&auml;rer Elemente vorgeschlagen hat. Solche Ideen wollen f&uuml;hrende Gewerkschaftsvertreter nutzen, um von den eigentlich anstehenden n&auml;chsten Kampfschritten abzulenken. In Berlin, (wo derzeit nur Vorstandsmitglieder bei der GEW und der GdP f&uuml;r ein Volksbegehren eintreten), f&uuml;hrt die Volksbegehren-Kampagne auch dazu, dass die notwendigen Diskussionen &uuml;ber betriebliche Proteste und Streikma&szlig;nahmen in den Hintergrund geraten. <\/p>\n<p> Dar&uuml;ber hinaus m&uuml;ssen wir uns bewusst sein, dass ein Volksbegehren und damit die Sammlung von 50.000 Unterschriften in sechs Monaten (und danach in einer zweiten Stufe 480.000 Unterschriften, und damit die Zustimmung von einem Viertel aller Wahlberechtigten) in gro&szlig;em Ma&szlig; Kr&auml;fte b&uuml;ndeln wird. Den Protest ausschlie&szlig;lich &uuml;ber eine Unterschrift zu &auml;u&szlig;ern ist zudem eine sehr passive Form der Gegenwehr. <\/p>\n<p> Hat das Berliner &#8222;Volksbegehren &#8222;Soziales Berlin&#8220; f&uuml;r Neuwahlen&#8220; &uuml;berhaupt Erfolgschancen? Da es gegenw&auml;rtig unwahrscheinlich ist, dass ver.di und die anderen gr&ouml;&szlig;eren Einzelgewerkschaften diese Initiative unterst&uuml;tzen, ist von einem Scheitern auszugehen. Wenn ein erstmal begonnenes Volksbegehren nicht die erforderlichen Unterschriften zusammenbekommt, kann das auch AktivistInnen demoralisieren und dem SPD\/PDS-Senat in die H&auml;nde spielen. <\/p>\n<p> Was bewirken Volksbegehren? Sind wir nicht auf Gedeih und Verderb davon abh&auml;ngig, wie der b&uuml;rgerliche Staat dar&uuml;ber befindet? So hat sich das Establishment &uuml;ber die Volksbegehren in Sachen Berliner Bankenskandal oder Kita-Geb&uuml;hren eiskalt hinweggesetzt. In Hamburg haben am letzten Wahltag drei Viertel gegen den Verkauf der LBK-Kliniken gestimmt; dennoch wurde schon im Vorfeld von oben sichergestellt, dass es sich dabei lediglich um eine Meinungs&auml;u&szlig;erung und um nicht viel mehr handelt. <\/p>\n<p> Bei Volksbefragungen haben es die Herrschenden in der Hand, wie sie damit umgehen. Massenbewegungen mit Demonstrationen und Streikma&szlig;nahmen geben ArbeitnehmerInnen und Jugendlichen dagegen eine Vorstellung von ihrer eigenen St&auml;rke, f&ouml;rdern die Selbstaktivit&auml;t und k&ouml;nnen Regierungs- und Konzernchefs enorm unter Druck setzen. Der Spiegel erinnerte Mitte Mai in seiner Titelgeschichte an den R&uuml;cktritt von SPD-Kanzler Willy Brandt vor drei&szlig;ig Jahren. Grund daf&uuml;r war nicht die Guillaume-Spionage-Aff&auml;re sondern ein fl&auml;chendeckender Streik im &ouml;ffentlichen Dienst f&uuml;r Lohnerh&ouml;hungen in zweistelliger Gr&ouml;&szlig;enordnung. Der Amtsantritt von Maggie Thatcher, konservativer Premierministerin in Gro&szlig;britannien, j&auml;hrt sich zum 25. Mal. Auch Thatcher wurde gezwungen, vorzeitig abzutreten. Nicht auf Grund von Unstimmigkeiten innerhalb der Tories &uuml;ber die Europa-Politik, sondern weil sie durch die Anti-Kopfsteuer-Bewegung, einem Massenboykott von einer Million in Schottland sowie mehr als zehn Millionen in England und Wales zu Fall gebracht wurde. <\/p>\n<p> Die Initiatoren des Volksbegehrens weisen darauf hin, dass die Initiative keinen Streik organisieren oder ausrufen kann. Allerdings gibt es sehr wohl M&ouml;glichkeiten, die Notwendigkeit von Streikma&szlig;nahmen heute zu thematisieren und darauf hinzuarbeiten. In den letzten Wochen stand in der Frage eines Volksbegehrens die Auseinandersetzung zwischen den Unterst&uuml;tzerInnen dieser Initiative und der ver.di-Spitze im Zentrum der Debatte. Statt auf ver.di einzuwirken, ein Volksbegehren mit auf den Weg zu bringen, h&auml;tte f&uuml;r die Dringlichkeit von Kampfma&szlig;nahmen und f&uuml;r einen stadtweiten Streiktag gegen Privatisierung und Lohnraub argumentiert werden sollen. &Ouml;ffentlichkeitsarbeit, Unterschriftensammlungen auf den j&uuml;ngsten Gro&szlig;demos und Aktionen f&uuml;r diese Forderungen vor den Betrieben h&auml;tten bewirken k&ouml;nnen, dass diese Frage intensiver und zugespitzter diskutiert worden w&auml;re. In Kassel konnte bereits am 9. Dezember 2003 ein branchen&uuml;bergreifender mehrst&uuml;ndiger Streik von VW-Besch&auml;ftigten, Bus- und BahnfahrerInnen und anderen auf die Beine gestellt werden &#8211; nicht zuletzt dank des Einflusses vom Nordhessischen B&uuml;ndnis (in dem die SAV eine wichtige Rolle spielt). <\/p>\n<p> Au&szlig;erdem w&auml;re es m&ouml;glich und n&ouml;tig, linke Vertrauensleute und betriebliche AktivistInnen, die f&uuml;r einen k&auml;mpferischen Kurs der Gewerkschaften eintreten, aktiv zu unterst&uuml;tzen; allen voran Volker Gernhardt und die Betriebsr&auml;te der Liste &#8222;Gegen den Strom&#8220; im vivantes-Krankenhaus Neuk&ouml;lln. <\/p>\n<p> Das Sozialb&uuml;ndnis und die Initiatoren des Volksbegehrens k&ouml;nnten noch konkretere Schritte unternehmen. Bei der BVG und bei vivantes stehen derzeit die wichtigsten Konflikte im Berliner &ouml;ffentlichen Dienst an. Bei vivantes geht ein tiefer Riss durch den Gesamtbetriebsrat (in der Frage Notlagentarifvertrag, sprich der Streichung von Weihnachts- und Urlaubsgeld). Daran k&ouml;nnte angekn&uuml;pft werden. In dieser Auseinandersetzung k&ouml;nnten leicht die gemeinsamen Interessen von PatientInnen und Besch&auml;ftigten vermittelt werden. Hier k&ouml;nnten die Anliegen der Besch&auml;ftigten von au&szlig;en unterst&uuml;tzt werden: durch Stadtteilarbeit, Anwohnerversammlungen, Protestkundgebungen und Demonstrationen gegen Privatisierung, Arbeitshetze und Lohnraub. Die SAV plant derzeit vivantes-Kampagnen in den Stadtteilen Friedrichshain und Prenzlauer Berg und unterst&uuml;tzt die Arbeit vom Netzwerk f&uuml;r eine k&auml;mpferische und demokratische ver.di, das sich hiermit in der n&auml;chsten Zeit ebenfalls schwerpunktm&auml;&szlig;ig besch&auml;ftigen will. Unserer Meinung nach w&auml;re es die Aufgabe vom Sozialb&uuml;ndnis und den AktivistInnen der Volksbegehren-Initiative, solche Schritte auf stadtweiter Ebene zu unternehmen. <\/p>\n<p> Welche Aufgaben stellen sich im Augenblick f&uuml;r kritische und k&auml;mpferische AktivistInnen in den Betrieben und Gewerkschaften? Die Gewerkschaftsspitze darf nicht aus der Verantwortung gelassen werden. &Uuml;ber Antr&auml;ge von Betriebsgruppen oder Vertrauensleutek&ouml;rpern und &uuml;ber Anfragen und Beitr&auml;ge auf Funktion&auml;rsversammlungen w&auml;re es m&ouml;glich Diskussionen dazu einzufordern, wie die ganze Kampfkraft in die Waagschale geworfen werden k&ouml;nnte. Der Druck, der &uuml;ber die Demonstration am 1.11. entstanden ist und die F&uuml;hrung der DGB-Gewerkschaften gezwungen hatte, am 3. April zumindest eine halbe Million auf die Stra&szlig;e zu bringen, zeigt, dass auch diese Gewerkschaftsf&uuml;hrung nicht alles abblocken kann. <\/p>\n<p> Wenn wir uns jedoch auf die DGB-Spitze verlassen, dann sind wir verlassen. Darum sind gleichzeitig Initiativen von unten gefordert. Betriebsversammlungen, Vertrauensleutekonferenzen und erste begrenzte Arbeitsniederlegungen k&ouml;nnten Anf&auml;nge sein. <\/p>\n<p> Allerdings f&uuml;hrt an dem Kampf f&uuml;r grundlegende Ver&auml;nderungen in den Gewerkschaften kein Weg vorbei. Damit stellt sich die Frage von einer programmatischen und personellen Alternative. Der Aufbau von innergewerkschaftlicher Opposition ist dringender denn je. <\/p>\n<p> Ein Teil der F&uuml;rsprecher der Volksbegehren-Initiative beklagt eine angeblich sehr begrenzte Protestbereitschaft. In ihren Augen stellt sich die Frage von Streiks und Arbeitsk&auml;mpfen nicht akut. Aus diesen Gr&uuml;nden sehen sie in einem Volksbegehren den einzigen konkreten Ansatzpunkt, Unmut zu artikulieren. <\/p>\n<p> Dabei haben die 100.000 auf der von unten initiierten bundesweiten Demonstration am 1. November, die halbe Million an den IGM-Warnstreiks beteiligten MetallerInnen und die 500.000, die am 3. April trotz halbherziger Mobilisierung der Gewerkschaftsf&uuml;hrung auf die Stra&szlig;e gingen, eindrucksvoll das Gegenteil bewiesen. Das gilt auch f&uuml;r Berlin. Immerhin kamen beispielsweise zwei Drittel der TeilnehmerInnen am 1.11. aus Berlin. <\/p>\n<p> Es ist richtig, dass die Arbeiterklasse auf betrieblicher Ebene in Berlin besonders gro&szlig;e R&uuml;ckschl&auml;ge zu verkraften hatte. In Ost-Berlin und auch in Teilen von Westberlin ging der Prozess der Deindustrialisierung sehr weit. Au&szlig;erdem geh&ouml;rte die Stadt seit Mitte der neunziger Jahre zu den Vorreitern in der Verscherbelung &ouml;ffentlichen Besitzes. Es ist kein Zufall, dass in der letzten Tarifrunde im &ouml;ffentlichen Dienst ausgerechnet Berlin abgeh&auml;ngt wurde. Die Schw&auml;chung der Belegschaften hat Auswirkungen auf die Zuversicht der KollegInnen. Dennoch er&ouml;ffnete der Betriebsrat bei Daimler-Chrysler in Berlin-Marienfelde beim ersten IG-Metall-Warnstreik Anfang des Jahres die Kundgebung mit dem Eingest&auml;ndnis, dass die KollegInnen lieber einen Generalstreik als einen kurzen Warnstreik erleben w&uuml;rden. Auch bei den Warnstreiks der S-Bahn-FahrerInnen oder bei den Betriebsversammlungen von vivantes in den letzten Wochen kam eine wachsende Kampfbereitschaft zum Ausdruck. Das geht einher mit einer klaren Ablehnung der Berliner Senatspolitik: Die Unterst&uuml;tzung f&uuml;r SPD und PDS ging seit den Wahlen 2001 von 52 Prozent auf 32 Prozent zur&uuml;ck. <\/p>\n<p> Falls Widerstand von unten zum Sturz dieser Regierung f&uuml;hren sollte, dann h&auml;tte jede neue Regierung schlechtere Karten, das Streichkonzert fortzusetzen. <\/p>\n<p> Zu der Versammlung im Audimax der Humboldt-Universit&auml;t, auf der die Einleitung des Volksbegehrens eingeleitet wurde, kamen nicht mehr als achtzig TeilnehmerInnen. Viele werden keinen Sinn darin sehen, auf Neuwahlen und auf einen Regierungswechsel hinzuarbeiten (solange keine Wahlalternative beziehungsweise eine neue Partei f&uuml;r die arbeitenden Menschen existiert). <br \/> Zurecht verstehen sie, dass es nicht um eine andere Regierung, sondern um eine andere Politik gehen muss. Die Initiatoren des Volksbegehrens haben die Forderung nach Abwahl des Senats an f&uuml;nf Programmpunkte gekoppelt, darunter R&uuml;cknahme der K&uuml;rzungen im Bildungs- und Sozialbereich, Stopp von Privatisierungsvorhaben und R&uuml;ckkehr Berlins in den kommunalen Arbeitgeberverband. Entscheidend ist aber der Aufbau einer k&auml;mpferischen Alternative f&uuml;r ArbeitnehmerInnen, Erwerbslose, Jugendliche und RentnerInnen auf der politischen Ebene. Daf&uuml;r m&uuml;ssten alle Kr&auml;fte angespannt werden. Der Widerstand gegen Privatisierungen und Sozialk&uuml;rzungen sollte mit Versammlungen in den Stadtteilen, in Schulen und Universit&auml;ten sowie auf betrieblicher Ebene verbunden werden. Dort sollte dar&uuml;ber diskutiert werden, wie eine neue politische Interessenvertretung f&uuml;r die arbeitende und erwerbslose Bev&ouml;lkerung geschaffen werden kann. Das muss Priorit&auml;t haben. Wenn eine Wahlinitiative beziehungsweise eine neue Partei ins Leben gerufen werden k&ouml;nnte, die f&uuml;r ArbeitnehmerInnen und Jugendliche eine Perspektive darstellt, dann k&ouml;nnte es Sinn machen, eine Kampagne f&uuml;r Neuwahlen zu starten. In der aktuellen Situation dagegen laufen wir Gefahr, dass die traditionell b&uuml;rgerlichen Parteien ihren Nutzen aus einer Unterschriftensammlung gegen diesen Senat ziehen. Es spricht f&uuml;r sich, dass CDU, FDP und die Gr&uuml;nen die Initiative &#8222;Volksbegehren &#8222;Soziales Berlin&#8220; f&uuml;r Neuwahlen&#8220; unterst&uuml;tzen wollen. <\/p>\n<p> Eine der f&uuml;nf politischen Mindestforderungen der Volksbegehren-Initiative, (wenn sie so isoliert aufgestellt wird), f&uuml;hrt im &uuml;brigen auch noch zu berechtigten Bef&uuml;rchtungen bei Besch&auml;ftigen: die Forderung nach R&uuml;cknahme des Risikoabschirmungsgesetzes f&uuml;r die Bankgesellschaft. Was soll aus den Arbeitspl&auml;tzen werden? Schon die Initiative Berliner Bankenskandal hat darauf keine ausreichende Antwort gegeben. Es muss klipp und klar f&uuml;r eine Gesamtl&ouml;sung eingetreten werden, die zum einen Schluss macht mit der &ouml;ffentlichen F&ouml;rderung derjenigen, die sich jahrelang bereichert haben und zum anderen die Verteidigung aller Arbeitspl&auml;tze beziehungsweise die Schaffung von Ersatzarbeitspl&auml;tzen sicherstellt. <\/p>\n<p> Aus den genannten Gr&uuml;nden lehnt die SAV die Initiative f&uuml;r ein Volksbegehren f&uuml;r vorgezogene Neuwahlen ab und beteiligt sich nicht an dieser Kampagne. Auch in der Auseinandersetzung mit der Gewerkschaftsf&uuml;hrung stehen andere Fragen an. Gegen&uuml;ber den Vorst&auml;nden der verschiedenen DGB-Gewerkschaften m&uuml;sste vorrangig f&uuml;r die Entwicklung und Umsetzung einer wirklichen Kampfstrategie gestritten werden. Zentrale Aufgabe der Linken ist es im Augenblick, sich f&uuml;r Streiks und Arbeitsniederlegungen gegen den Sozialkahlschlag stark zu machen. Parallel dazu sollten wir daf&uuml;r k&auml;mpfen, dass die Gewerkschaften mit der SPD brechen und sich Gewerkschaftsfunktion&auml;re daf&uuml;r aussprechen, den Aufbau einer neuen Partei f&uuml;r ArbeitnehmerInnen und Jugendliche aktiv zu unterst&uuml;tzen &#8211; einer Partei, die demokratisch, k&auml;mpferisch und antikapitalistisch beziehungsweise sozialistisch ausgerichtet ist.<\/p>\n<p> <span style=\"font-style: italic;\">Berlin, den 11. Juni 2004<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stellungnahme der SAV Berlin zur Initiative &#8222;Volksbegehren &#8222;Soziales Berlin&#8220; f?r Neuwahlen&#8220; <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[75],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10905"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10905"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10905\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10905"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10905"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10905"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}