{"id":10904,"date":"2004-06-16T13:22:48","date_gmt":"2004-06-16T13:22:48","guid":{"rendered":".\/?p=10904"},"modified":"2004-06-16T13:22:48","modified_gmt":"2004-06-16T13:22:48","slug":"10904","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2004\/06\/10904\/","title":{"rendered":"Venezuela: Eine neue Phase in der Revolution"},"content":{"rendered":"<p>Bedrohung durch rechte Verschw?rer<!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\nDieser Artikel wurde vor der Entscheidung des venezolanischen Obersten Gerichtshofes, dass Referendum zur Abwahl von Pr&auml;sident Ch&aacute;vez zuzulassen, verfasst. Unabh&auml;ngig davon analysiert er die wichtigen und dramatischen Entwicklungen in Venezuela. Eine Analyse zur Referendum-Entscheidung wird in K&uuml;rze auf <a class=\"moz-txt-link-abbreviated\" href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\">www.archiv.sozialismus.info<\/a> folgen.<\/p>\n<p> <font style=\"font-weight: bold;\" size=\"3\">Venezuela: Eine neue Phase in der Revolution<\/font><span style=\"font-weight: bold;\"> <\/span><br style=\"font-weight: bold;\"> <font size=\"3\">Bedrohung durch rechte Verschw&ouml;rer<\/font><\/p>\n<p> <font size=\"3\">Der soziale und politische Aufruhr, der Venezuela seit der Wahl des radikalen links-populistischen ehemaligen Armee-Offiziers Hugo Ch&aacute;vez zum Pr&auml;sidenten 1999 ersch&uuml;ttert, ist nun in eine neue und kritische Phase eingetreten. Ch&aacute;vez hat jetzt zur Bewaffnung der Bev&ouml;lkerung und dem Aufbau einer &#8222;Volksmiliz&#8220; aufgerufen. Er hat auch zum ersten Mal den Kapitalismus direkt angegriffen und erkl&auml;rt, dass die ? Bolivarische Revolution in eine neue antiimperialistische Phase eingetreten&#8220; sei. Gleichzeitig sind 7000 ArbeiterInnen in Sider&uacute;rgica del Orinoco (Sidor)- Lateinamerikas gr&ouml;&szlig;tem Stahlunternehmen- seit &uuml;ber einem Monat im Streik und fordern die Verstaatlichung des Werks. <\/font> <br \/> <font size=\"3\">Dieser Linksschwenk von Ch&aacute;vez kam nach der Festnahme von bis zu 130 kolumbianischen Paramilit&auml;rs in Venezuela, nach der Entdeckung eines weiteren Komplotts, um ihn zu st&uuml;rzen oder m&ouml;glicherweise zu ermorden. Die Bedrohung durch die Konterrevolution und der massive Druck der Arbeiterklasse f&uuml;r radikalere und militantere Ma&szlig;nahmen der Regierung, hat Ch&aacute;vez nach links gedr&uuml;ckt. Dies k&ouml;nnte wahrscheinlich eine entscheidende Phase f&uuml;r die venezolanische Revolution er&ouml;ffnen. <\/font> <br \/> <font size=\"3\">Die Notwendigkeit f&uuml;r die Arbeiterklasse, die Ideen des Sozialismus aufzunehmen und Kapitalismus zu &uuml;berwinden, indem sie eine sozialistische Revolution durchf&uuml;hrt, ist jetzt eine Sache h&ouml;chster Dringlichkeit. Der Aufbau einer revolution&auml;ren sozialistischen Massenpartei, die daf&uuml;r k&auml;mpft, ist wesentlich um die sozialistische Revolution durchzuf&uuml;hren und letztendlich die Gefahr durch die Reaktion entscheidend abzuwenden. <\/font> <br \/> <font size=\"3\">Der US- Imperialismus und die venezolanische herrschende Klasse haben bisher zweimal versucht, die Regierung Ch&aacute;vez zu st&uuml;rzen. Sie wurden zweimal durch die Massenbewegung und das Eingreifen der Arbeiterklasse und der einfachen Soldaten besiegt. <\/font> <br \/> <font size=\"3\">Zuerst schlug eine spontane Massenbewegung, die armen StadtbewohnerInnen und die einfachen Soldaten einen Putschversuch im April 2002 nieder. Nachdem er verhaftet und von seinem Pr&auml;sidentenamt enthoben worden war, hatte die Massenbewegung der ArbeiterInnen Ch&aacute;vez aus seiner Gef&auml;ngniszelle befreit und wieder als Pr&auml;sidenten eingesetzt. <\/font> <br \/> <font size=\"3\">Das zweite Mal wurde die von den Bossen organsierte ?Aussperrung?, die zwischen Dezember 2002 and Januar 2003 stattgefunden hatte, schlie&szlig;lich durch den bestimmten Widerstand der Arbeiterklasse gebrochen. <\/font> <br \/> <font size=\"3\">W&auml;hrend Ch&aacute;vez` Regierungszeit hat die herrschende Klasse eine Politik der &ouml;konomischen und politischen Sabotage betrieben. Eine Kapitalflucht fand statt und die reiche Elite hat ihren Reichtum aus dem Land geschafft. Die ?Aussperrung? allein kostet sch&auml;tzungsweise 40 Mrd. US $ an ausgebliebenen &Ouml;leink&uuml;nften. <\/font> <br \/> <font size=\"3\">Der ?Aussperrung? folgte ein Versuch der rechten Opposition, die 2,5 Millionen Unterschriften zu sammeln, die gebraucht werden um die Absetzung Ch&aacute;vez und die Einberufung neuer Pr&auml;sidentschaftswahlen zu erzwingen. Diese Kampagne &#8211; die immer noch vor Gericht ausgetragen wird- war auf fast absurde Ausma&szlig;e geschrumpft. Anfangs gab die Rechte bekannt, 3,8 Millionen Namen gesammelt zu haben. Einer der Sprecher korrigierte das und sagte, dass es in Wirklichkeit nur 2,8 Millionen waren. Dann versp&auml;teten sie sich bei der Abgabe zur &Uuml;berpr&uuml;fung um 20 Tage. <\/font> <br \/> <font size=\"3\">Zu diesem Zeitpunkt gaben sie bekannt, dass sie 3,4 Millionen h&auml;tten, r&auml;umten aber ein, dass ein Fehlerquote von mindestens 10 % m&ouml;glich sei. Zu den eingereichten Namen z&auml;hlten Leute, die tot waren, und zwar manche l&auml;nger als ein Jahrzehnt! Der Glaubw&uuml;rdigkeit der Kampagne wurde dann ein weiterer Schlag versetzt als ein Journalist ein auf Tonband aufgezeichnetes Telefongespr&auml;ch zwischen einem Oppositionsf&uuml;hrer und seinem Vater in Paris ver&ouml;ffentlicht hatte. W&auml;hrend dieses Gespr&auml;chs war gesagt worden, dass bei der Kampagne nur 1, 9 Millionen Unterschriften gesammelt worden waren. Die Echtheit des Tonbandes wurde von den Verantwortlichen der Unterschriftenkampagne anerkannt, sie brachten den Journalisten aber vor Gericht, weil er es an eine Zeitung und ans Fernsehen weitergegeben hatte! <\/font> <\/p>\n<p> <font style=\"font-weight: bold;\" size=\"3\">Rechtsextreme Todeskommandos <\/font> <\/p>\n<p> <font size=\"3\">Der letzte Versuch einer Konterrevolution, bei dem kolumbianische Paramilit&auml;rs beteiligt waren, ist vor diesem Hintergrund aufgedeckt worden. Obwohl die Details im Unklaren bleiben, ist bewiesen worden, dass bis zu 130 Kolumbianer nach Venezuela eingereist sind und Waffen&uuml;bungen in einer Ranch ganz in der N&auml;he von Caracas durchgef&uuml;hrt haben. Diese Ranch geh&ouml;rt Robert Alonso , einem Anti-Castro-Kubaner und f&uuml;hrendem Mitglied der venezolanischen Opposition.<\/font> <br \/> <font size=\"3\">Unter den Festgenommenen waren auch bekannte langj&auml;hrige Mitglieder der ?Autonomen Selbstverteidigungs-Einheiten?, einer extrem-rechten kolumbianischen Paramilit&auml;rischen Killertruppe. In diese Verschw&ouml;rung ist der ehemalige venezolanische Pr&auml;sident Carlos Andr&eacute;s P&eacute;rez verwickelt. Dieser hatte k&uuml;rzlich in einem Radiointerview in Kolumbien verlauten lassen, dass man Ch&aacute;vez mit Gewalt loswerden m&uuml;sse, weil nun erkannt werden m&uuml;sse, dass dies nicht friedlich geschehen k&ouml;nne. <\/font> <br \/> <font size=\"3\">Es scheint, dass der Plan der Verschw&ouml;rer darin bestand, eine Milit&auml;rbasis anzugreifen und Waffen f&uuml;r eine gr&ouml;&szlig;ere Einheit zu beschaffen, die sp&auml;ter aus Kolumbien kommen sollte. Einige Berichte weisen auch auf einen Plan hin, ein Milit&auml;rflugzeug zu sichern und dann den Pr&auml;sidentenpalast Miraflores zu bombardieren. Andere Berichte geben an, dass eine Kampagne von Bombardements und Schie&szlig;ereien organisiert werden sollte als Mittel, gr&ouml;&szlig;ere Instabilit&auml;t zu provozieren und einen Versuch, Ch&aacute;vez zu st&uuml;rzen, zu rechtfertigen. <\/font> <br \/> <font size=\"3\">Das findet auch vor dem Hintergrund wachsender Spannungen zwischen Kolumbien und Venezuela statt. Die kolumbianische Regierung hat vor kurzem &uuml;ber 40 AMX30 Panzer von der spanischen Regierung eingekauft. Kolumbien ist auch nach Israel der gr&ouml;&szlig;te Empf&auml;nger milit&auml;rischer Hilfe von den USA, nach der Durchf&uuml;hrung des ?Plan Columbia?. Dieser war von Clinton initiiert worden, um Kolumbien ins Rampenlicht des US-imperialistischen Operationen in Lateinamerika zu r&uuml;cken. Unvermeidlicherweise haben sowohl kolumbianische als auch die US- Regierung jegliche Beteiligung in irgendeiner Form an der vergangenen paramilit&auml;rischen Operation abgestritten. <\/font> <br \/> <font size=\"3\">Auch wenn nicht ausgeschlossen werden kann, dass diese eine unabh&auml;ngige Operation gewesen sein k&ouml;nnte, von einer kleinen Gruppe die in Eigeninitiative handelt, wollen der US- Imperialismus, die venezolanische herrschende Klasse und die rechte kolumbianische Uribe- Regierung Ch&aacute;vez loswerden. Nur eine Woche vor der Aufdeckung der Operation hat der kolumbianischen Senat eine Resolution verabschiedet, die Ch&aacute;vez angreift. Bushs Regime hat sowohl den Putschversuch im April 2002 unterst&uuml;tzt als auch die ?Aussperrung? 2003\/2004. Der Pr&auml;sidentschaftskandidat der Demokratischen Partei, John Kerry, hat Ch&aacute;vez als ?undemokratisch? angegriffen. Es ist m&ouml;glich, dass sowohl der US- Imperialismus als auch die herrschende Klasse Kolumbiens und Venezuelas jetzt hoffen, Ch&aacute;vez durch die Arbeit mit Stellvertreterkr&auml;ften aus Kolumbien abzusetzen, die mit der rechten Opposition in Venezuela zusammenarbeiten. <\/font> <br \/> <font size=\"3\">Venezuela ist der f&uuml;nftgr&ouml;&szlig;te &Ouml;lproduzent international und einer der gr&ouml;&szlig;ten Import&ouml;l-Lieferanten in die USA. Die Krise im Nahen Osten hat die Notwendigkeit f&uuml;r den US- Imperialismus unterstrichen, ein aus seiner Sicht ?sicheres? oder ?freundliches? Regime in Venezuela zu haben. Der US- Imperialismus f&uuml;rchtet, dass die Arbeiterklasse und die Massenbewegung, die sich in Venezuela entwickelt hat, Ch&aacute;vez dazu bringen k&ouml;nnten, ihre Interessen noch st&auml;rker anzugreifen als er bis jetzt dazu bereit gewesen war. Die j&uuml;ngsten Ereignisse weisen darauf hin, dass die &Auml;ngste des US- Imperialismus mehr als gerechtfertigt sind. <\/font> <br \/> <font size=\"3\">Ch&aacute;vez ist ein Dorn im Auge des US- Imperialismus. Er hat h&ouml;here &Ouml;lpreise forciert und die US- Au&szlig;enpolitik, besonders im Zusammenhang mit dem Irak, angegriffen. Zu Hause hat er einige wichtige Reformen zugunsten der Arbeiterklasse und der &auml;rmsten Schichten der Gesellschaft eingef&uuml;hrt, die korrupte politische Elite angegriffen und einige von deren Privilegien abgeschafft. <\/font> <br \/> <font size=\"3\">Drei Millionen Hektar Land sind den Bauern &#8211; Kooperativen zur Verf&uuml;gung gestellt worden. Die Bildungsreform hat zus&auml;tzlich drei Millionen Menschen prim&auml;re und sekund&auml;re Ausbildung erm&ouml;glicht. Universit&auml;ten standen erstmalig der Arbeiterklasse offen. 3200 neue Schulen wurden er&ouml;ffnet. Eine Million Menschen sind vom Analphabetismus befreit worden, mit einem Ziel von 1,5 Millionen, was bis zum Sommer erreicht werden soll. Millionen erhalten zum ersten Mal prim&auml;re Gesundheitsversorgung &#8211; eine Million allein in Caracas &#8211; durch das ?Barrios ? Adentro? ? Programm ( ?in die Viertel? ). Dies beinhaltet die Einstellung von 3500 &Auml;rzten aus Cuba, die in die &auml;rmsten Gebiete geschickt wurden- inklusive l&auml;ndlicher Gebiete wo es niemals zuvor &Auml;rzte gegeben hatte. <\/font> <br \/> <font size=\"3\">Diese Reformen sind von der rechten Opposition bek&auml;mpft worden. Ch&aacute;vez und seine Regierung haben die &uuml;berw&auml;ltigende und enthusiastische Unterst&uuml;tzung der Massen der Arbeitklasse und der Unterdr&uuml;cktesten. Er wird von Millionen der &auml;rmsten Schichten der Gesellschaft als Repr&auml;sentant ihrer Interessen gesehen. Folglich wird er von der herrschenden Klasse gehasst. <\/font> <br \/> <font size=\"3\">Jedoch hat Ch&aacute;vez bisher noch nichts dahingehend unternommen, den Kapitalismus zu st&uuml;rzen. Die Regierung hat noch keinen Wirtschaftssektor verstaatlicht. Ch&aacute;vez und die ?Bolivarische Revolution?, die er vertreten hat, haben bis jetzt nur die Frage einer ?humaneren Form des Kapitalismus? aufgeworfen und Schritte unternommen, mit der Korruption und dem Vetternwirtschaft ?aufzur&auml;umen? damit denen die herrschende Elite Venezuelas gef&uuml;hrt hatte. <\/font> <br \/> <font size=\"3\">Aber selbst das hat den Hass und den Zorn der Herrschenden Klasse erweckt. Das Versagen darin ,weiterzugehen und entschieden mit dem Kapitalismus zu brechen, hat zu einem bestimmten Patt im Klassenkampf in der j&uuml;ngsten Periode gef&uuml;hrt. Die Reaktion hat den Triumph verpasst und ist nicht stark genug gewesen, die Regierung zu st&uuml;rzen. <\/font> <br \/> <font size=\"3\">Aber gleichzeitig hat die Revolution noch nicht die notwendigen Ma&szlig;nahmen ergriffen, den Kapitalismus zu st&uuml;rzen und die Aufgabe des Aufbaus von Sozialismus anzugehen. <\/font> <\/p>\n<p> <font style=\"font-weight: bold;\" size=\"3\">Sackgasse <\/font> <\/p>\n<p> <font size=\"3\">Dies hat in eine Sackgasse gef&uuml;hrt, was einige Zeit andauern k&ouml;nnte. Das kann jedoch nicht ewig weitergehen. Entweder muss die Revolution dem Kapitalismus einen entscheidenden Schlag verpassen oder die Reaktion wird triumphieren. Ungl&uuml;cklicherweise hat Ch&aacute;vez nicht die Frage danach aufgeworfen, dass die Arbeiterklasse die F&uuml;hrung der Gesellschaft &uuml;bernehmen muss und beginnen soll, den Sozialismus aufzubauen. <\/font> <br \/> <font size=\"3\">Das Vers&auml;umen von Ch&aacute;vez, solch ein Programm anzunehmen, stellt die gr&ouml;&szlig;te Gefahr f&uuml;r die Revolution dar. Nach dem gescheiterten rechten Putschversuch im April 2002, als er von den Massen wieder als Pr&auml;sident eingesetzt worden war, machte Ch&aacute;vez den Fehler, zu versuchen, die herrschende Klasse lieber zu beschwichtigen und eine &Uuml;bereinkunft mit ihr zu treffen, anstatt einen entscheidenden Schlag gegen sie zu f&uuml;hren. Dadurch hat Ch&aacute;vez ihr Zeit gegeben, sich erneut darauf vorzubereiten, sein Regime zu st&uuml;rzen und eine blutige Niederlage &uuml;ber die Arbeiterklasse zu bringen. <\/font> <br \/> <font size=\"3\">Die derzeitige Sackgasse hat Ch&aacute;vez zweifellos einiger Unterst&uuml;tzung unter der Mittelklasse gekostet. Er war urspr&uuml;nglich mit &uuml;ber 60 % der Stimmen des Volkes gew&auml;hlt worden. Die Wirtschaftskrise bedeutet, dass es immer noch massive Arbeitslosigkeit gibt, obwohl einige Reformen eingef&uuml;hrt worden sind. Die Inflation schnellte auf 30 % hoch und hat begonnen, sich in die Ersparnisse der Mittelschicht zu fressen. 70% der Bev&ouml;lkerung leben nun unter der Armutsgrenze. In den ersten drei Jahren der Regierung Ch&aacute;vez ist das BIP um unglaubliche 47 % gefallen. Ein gro&szlig;er Teil davon kam durch die ? Aussperrung? der Unternehmer, der Kapitalflucht aus dem Land und anderer Akte &ouml;konomischer Sabotage. Die sozialen Konsequenzen dieser Krise untergruben allerdings teilweise die Unterst&uuml;tzung f&uuml;r Ch&aacute;vez` Regierung. Anfangs hatte Ch&aacute;vez die Unterst&uuml;tzung einer bedeutenden Schicht der Mittelklasse gewonnen. Dadurch dass er im Rahmen des Kapitalismus blieb, ohne entschieden darauf hinzuarbeiten, mit ihm zu brechen und dadurch unf&auml;hig, ihre Probleme zu l&ouml;sen hat Ch&aacute;vez jetzt die Unterst&uuml;tzung beachtlicher Teile der Mittelschicht verloren, die urspr&uuml;nglich hinter ihm gestanden hatten. <\/font> <br \/> <font size=\"3\">Der letzte &Ouml;lpreisanstieg, begleitet vom Ende der ? Aussperrung?, hat die Einnahmen der Regierung gesteigert und ihr einigen Raum mehr zu man&ouml;vrieren gegeben. Der Mai- Bericht der venezolanischen Regierung weist auf ein Wirtschaftswachstum von 29,8% im ersten Quartal 2004 hin verglichen mit dem gleichen Zeitraum 2003. Mit anderen Worten, der Zusammenbruch, der durch die ? Aussperrung? ausgel&ouml;st worden war, ist nun ausgeglichen worden. Die &ouml;lbezogene Wirtschaftaktivit&auml;t liegt bei 72,5%. Der Mindestlohn ist am 1. Mai um 30 % angestiegen. <\/font> <br \/> <font size=\"3\">Dies verringert jedoch nicht die Bedrohung durch die Reaktion, wie die Ereignisse vor kurzem illustriert haben. Die Krise im Nahen Osten, und besonders im Irak, erh&ouml;ht die Notwendigkeit f&uuml;r den US- Imperialismus, ein ?sicheres Paar H&auml;nde? zu haben, die die Dinge in Caracas regeln. <\/font> <br \/> <font size=\"3\">Konfrontiert mit diesen neuen Versuchen der Reaktion, sein Regime zu st&uuml;rzen und dem wachsendem Druck der Massen, scheint sich Ch&aacute;vez in eine radikalere linke Richtung bewegt zu haben. Er wird von der Bedrohung der Konterrevolution getrieben &#8211; die ihn diesmal vielleicht nicht nur ins Gef&auml;ngnis stecken wird, wenn sie die Gelegenheit dazu h&auml;tte, erneut zuzuschlagen und einen Sieg davonzutragen. <\/font> <br \/> <font size=\"3\">Hunderttausende gingen am 17. Mai gegen die kolumbianische Intervention auf die Strasse. Ch&aacute;vez rief zur Volksbewaffnung und Aufstellung einer ? Volksmiliz? auf. Am 14. Mai hatte Ch&aacute;vez zur ?Enteignung jedes Geb&auml;udes, jedes Grundst&uuml;cks oder Anlage, wo erwiesen ist, dass diese Paramilit&auml;rs dort trainiert haben? aufgerufen. Er kritisierte auch die Tatsache, dass ? &#8230; nach dem Kalten Krieg viele Linke auf h&ouml;rten, von Kapitalismus zu sprechen und ihn mit Neo- Liberalismus ersetzten. Beide Begriffe beziehen sich auf dieselbe m&ouml;rderische, perverse und stinkende Herrschaft.? Ungl&uuml;cklicherweise hat Ch&aacute;vez immer noch nicht die Notwendigkeit von Sozialismus als Alternative zum Kapitalismus aufgeworfen, und hat zur UNO geschaut als Schl&uuml;ssel zur L&ouml;sung des Konfliktes im Nahen Osten. Ohne Warnung vor der neuen ?sozialistischen ? Regierung f&uuml;r den Kapitalismus hat Ch&aacute;vez auch den k&uuml;rzlichen Wahlsieg Zapateros in Spanien einfach begr&uuml;&szlig;t. <\/font> <br \/> <font size=\"3\">Nach der Ank&uuml;ndigung, dass der Nationale Verteidigungsrates nun in permanenter Sitzung tagt, erkl&auml;rte Ch&aacute;vez am 17. Mai, dass er in den n&auml;chsten paar Wochen beginnen wird, ?Direktiven und Linien auszugeben, ich appelliere an die Stadtr&auml;te, die sozialen Bewegungen, der Volksstr&ouml;mungen zur Unterst&uuml;tzung. Erwachsene M&auml;nner und Frauen, die nicht in der Reserve, aber auf andere Art und Weise bereit sind, SoldatInnen zu werden ohne durch die Kasernen gehen zu m&uuml;ssen, milit&auml;risches Training zu erhalten und sich milit&auml;risch f&uuml;r die Verteidigung des Landes zu organisieren.?<\/font> <br \/> <font size=\"3\">Dieser generelle Appell muss durch die Arbeiterklasse und die Massenbewegung in Realit&auml;t umgewandelt werden. Die venezolanische Revolution braucht keine Freunde, die nur radikalen Schritten und Reden Beifall klatschen. Was sie braucht ist wirkliche internationale Arbeitersolidarit&auml;t und ein revolution&auml;res sozialistisches Programm, das auf der kollektiven internationalen Erfahrung der Arbeiterklasse aufbaut. Ein revolution&auml;res sozialistisches Programm und Austausch der internationalen Erfahrungen der Arbeiterklasse wird die venezolanischen Massen im Kampf um die Beseitigung von Kapitalismus und Imperialismus st&auml;rken. <\/font> <br \/> <font size=\"3\">Ch&aacute;vez&#8216; Aufruf f&uuml;r die Bewaffnung der Bev&ouml;lkerung muss jetzt durch die unabh&auml;ngige Aktion der Arbeiterklasse und der Basis der Armee konkret gemacht werden. In Chile, vor dem blutigen Putsch 1973, der die linke Regierung Allendes gest&uuml;rzt hatte, hatte die Arbeiterklasse Waffen verlangt, um die Revolution zu verteidigen. 500.000 waren vor den Pr&auml;sidentenpalast marschiert und forderten Waffen. Einige ArbeiterInnen besa&szlig;en sogar einige leichte Waffen und in einigen Fabriken wurden Verteidigungstrupps aufgebaut. Die F&uuml;hrer antworteten, dass Waffen verteilt w&uuml;rden, ?sobald die Zeit reif ? sei. <\/font> <br \/> <font size=\"3\">Tragischerweise war jedoch selbst das nicht genug. Als der Putsch kam gab es keine Waffen. Die ArbeiterInnen gingen zu den Fabriken, als die Allende- Regierung verlangte dass sie ?sie zu Festungen der Revolution? machen sollten anstatt in die Offensive zu gehen und der Konterrevolution durch einen Marsch zum Pr&auml;sidentenpalast entgegenzutreten. Ohne Verteidigung wurden die ArbeiterInnen durch die pro- putschistischen Teile der Armee abgeschlachtet. <\/font> <br \/> <font size=\"3\">Diese tragische Niederlage steht im Kontrast zu den Ereignissen w&auml;hrend der Revolution in Spanien Juli 1936 in Barcelona, wo die Arbeiterklasse in die Offensive ging, Waffen aus den Kasernen holte, die Kontrolle &uuml;ber die Stadt &uuml;bernahm und die Konterrevolution zu diesem Zeitpunkt besiegt hatte. Die Revolution erlitt schlie&szlig;lich w&auml;hrend des B&uuml;rgerkrieges, wegen der falschen Politik der F&uuml;hrung der Arbeiterbewegung, eine Niederlage. <\/font> <\/p>\n<p> <font style=\"font-weight: bold;\" size=\"3\">Arbeitermilizen <\/font> <\/p>\n<p> <font size=\"3\">Die Arbeiterklasse Venezuelas und die Basis der Armee m&uuml;ssen die konkreten notwendigen Schritte unternehmen, um eine bewaffnete Arbeitermiliz zu schaffen. Die Soldaten m&uuml;ssen Basiskomitees w&auml;hlen und beginnen Waffen an Arbeiterselbstverteidigungstrupps zu verteilen, die zusammengestellt werden m&uuml;ssen. Diese Soldatenkomitees sollten auch ein System entwickeln, ihre Offiziere zu w&auml;hlen und die, welche mit den rechten pro- putschistischen Kr&auml;ften sympathisiert haben, abzusetzen. Einige pro- putschistische Offiziere sind bereits abgesetzt worden, aber das muss nun ausgeweitet werden. Jeder Offizier, der sich zur Wahl stellt, muss jederzeit wieder durch die gew&auml;hlten Komitees der Basissoldaten abw&auml;hlbar sein k&ouml;nnen. <\/font> <br \/> <font size=\"3\">Jede Fabrik, jeder Betrieb und Slum muss eine Selbstverteidigungstruppe organisieren. Diese m&uuml;ssen vernetzt und von den Bolivarischen Komitees organisiert werden. Die Bolivarischen Komitees m&uuml;ssen vergr&ouml;&szlig;ert werden, um gew&auml;hlte Delegierte aus allen Betrieben, Gemeindeorganisationen, UNT und anderen. Gew&auml;hlte Delegierte m&uuml;ssen sich dem Recht auf Abwahl durch Betriebsversammlungen unterwerfen. Die Bolivarische Komitees m&uuml;ssen sich auf stadtviertel-, stadtweiter, regionaler und nationaler Ebene vernetzen, um eine revolution&auml;re Regierung der ArbeiterInnen und armen B&auml;uerInnen zu errichten. <\/font> <br \/> <font size=\"3\">Der Aufbau einer Arbeitermiliz, unter der demokratischen Kontrolle der Arbeiterklasse, w&uuml;rde einen gewaltigen Schritt vorw&auml;rts darstellen. Allein w&uuml;rde jedoch selbst dieser Schritt nicht sicherstellen, dass die Reaktion &uuml;berw&auml;ltigt wird und die Arbeiterklasse erfolgreich ist. Die Lehren aus dem Spanischen B&uuml;rgerkrieg 1936-39 sind noch aktuell. Die Spanische Arbeiterklasse war bewaffnet und k&auml;mpfte heldenhaft. Aber wegen der falschen Politik der sozialistischen und kommunistischen F&uuml;hrer wurde der Kapitalismus nicht gest&uuml;rzt und es wurde keine Arbeiterregierung aufgebaut. Am Ende blieben Francos faschistischen Kr&auml;fte siegreich. <\/font> <br \/> <font size=\"3\">Der Aufbau einer Arbeitermiliz in Venezuela muss auch mit dem Aufbau einer Regierung der ArbeiterInnen und B&auml;uerInnen und mit einem revolution&auml;ren sozialistischen Programm verbunden werden. Die wichtigsten Banken und Finanzinstitutionen, sowohl national als multi-national, m&uuml;ssen unter demokratischer Arbeiterkontrolle und -verwaltung verstaatlicht werden. Ein wirtschaftlicher Notfallplan muss aufgestellt werden. <\/font> <br \/> <font size=\"3\">Ein Element von Arbeiterkontrolle ist schon in einigen Betrieben aufgebaut worden und im entscheidenden staatseigenen &Ouml;lunternehmen PVDSA. Arbeiter in jedem Betrieb m&uuml;ssen den t&auml;glichen Ablauf jeder Fabrik und jeden Betriebes &uuml;bernehmen. Dies muss verbunden werden mit einem System von demokratischer Arbeiterkontrolle &uuml;ber die gesamte Wirtschaft. Die K&ouml;rperschaften der verstaatlichten Unternehmen m&uuml;ssen aus gew&auml;hlten Repr&auml;sentantInnen der ArbeiterInnen der Industrie, der Arbeiterregierung und der UNT ( Bolivarische Gewerkschaftsf&ouml;deration )gebildet werden. Alle diese Delegierten sollten jederzeit abw&auml;hlbar sein und nicht mehr als den durchschnittlichen Lohn eines Facharbeiters erhalten. Alle Regierungsfunktion&auml;re sollten derselben Pr&uuml;fung und demokratischen Kontrolle der Arbeiterklasse unterstellt sein. <\/font> <br \/> <font size=\"3\">Die Arbeiterorganisationen werden gest&auml;rkt. Der UNT gab bekannt, dass sie 2 Millionen Mitglieder hat, die in 500 Gewerkschaften eingegliedert sind. Diese schlie&szlig;en die zwei gr&ouml;&szlig;ten &Ouml;lgewerkschaften mit ein, Fedepetrol and Sinutrapetrol, die Gewerkschaft des &Ouml;ffentlichen Dienstes Fentrasep und Gewerkschaften des privaten Sektors in Firestone, Pirelli, Ford, Polar und Bigott. Die alte korrupte Gewerkschaft der Bosse, die CTV, hat mehr und mehr an Unterst&uuml;tzung verloren. Aber nur 20 % der Arbeiterschaft ist gewerkschaftlich organisiert. Die UNT hat eine Kampagne gestartet, mehr als 80 % der ArbeitnehmerInnen zu organisieren. <\/font> <br \/> <font size=\"3\">Die Besetzung einiger Betreibe und die Massenmobilisierung deuten auf einen militantere Wendung nach links durch die Massen hin, die fordern, dass die Revolution weitergeht. So trugen einige Gewerkschaften, wie die Gewerkschaft der Graphischen K&uuml;nste auf der diesj&auml;hrigen 1. Mai- Demonstration Transparente, die verk&uuml;ndeten: ? Lasst uns unser Vaterland verteidigen. Nein zur US -Invasion. Venezuela zum Sozialismus.? <\/font> <br \/> <font size=\"3\">Der Linksschwenk seitens Ch&aacute;vez und der Massenbewegung kann sein Regime auch dazu bringen, direktere Schl&auml;ge gegen den Kapitalismus und Imperialismus zu t&auml;tigen, einschlie&szlig;lich der Verstaatlichung einiger Industrien. Sollte das passieren, und die Idee des Sozialismus sich innerhalb der Revolution st&auml;rker verbreiten, wird der Kampf in Venezuela zweifellos weitreichendere internationale Auswirkungen haben als er sie bis jetzt hatte. <\/font> <br \/> <font size=\"3\">Um den Erfolg zu sichern, muss der Kapitalismus durch das Ausf&uuml;hren eines revolution&auml;ren sozialistischen Programms &uuml;berwunden werden. Dies muss auch einen Appell an die Arbeiterklasse Lateinamerikas und den USA f&uuml;r Solidarit&auml;t und Unterst&uuml;tzung beinhalten, und f&uuml;r den solidarischen Kampf gegen jeden Versuch des Imperialismus, solch eine Revolution niederzuschlagen. Solch ein Appell, im Kontext des massiven anti- imperialistischen Bewusstseins, das sich als Konsequenz aus dem Irak ?Krieg entwickelt hat, w&uuml;rde massive Unterst&uuml;tzung international bekommen ? auch unter den ArbeiterInnen und Jugendlichen der USA. Ein Appell f&uuml;r internationale Solidarit&auml;t m&uuml;sste mit der Idee verbunden werden, eine demokratische sozialistische F&ouml;deration Lateinamerikas und der USA aufzubauen. Nur solch ein Programm kann den Imperialismus und die herrschende Klasse in Venezuela besiegen. <\/font> <\/p>\n<p> <font style=\"font-style: italic;\" size=\"3\">Tony Saunois (Internationales Sekretariat des Komitees f&uuml;r eine Arbeiterinternationale), <\/font> <br style=\"font-style: italic;\"> <font style=\"font-style: italic;\" size=\"3\">24. Mai 2004<\/font><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bedrohung durch rechte Verschw?rer<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[41],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10904"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10904"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10904\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10904"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10904"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10904"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}