{"id":10897,"date":"2004-06-03T14:42:09","date_gmt":"2004-06-03T14:42:09","guid":{"rendered":".\/?p=10897"},"modified":"2004-06-03T14:42:09","modified_gmt":"2004-06-03T14:42:09","slug":"10897","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2004\/06\/10897\/","title":{"rendered":"Lohndumping bei Leverkusener Busfahrern"},"content":{"rendered":"<p>Interview mit Alois Skrbina <!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\nSeit dem 9. Januar streiken in Leverkusen 80 BusfahrerInnen der Herweg-Bus-Betriebe (HBB) f&uuml;r einen ?Einstieg? in den Spartentarifvertrag. Die HBB ist eine Tochterunternehmen des &ouml;ffentlichen Verkehrsbetriebs der Kraftwerk Wupper-Sieg AG (KWS). Diese wiederum geh&ouml;rt zu je 50 Prozent der Stadt Leverkusen und dem Rheinisch-Bergischen Kreis. Die Gesch&auml;ftsf&uuml;hrung ist bisher zu keinen Verhandlungen bereit. <br \/> Aussage des Gesch&auml;ftsf&uuml;hrers: ?Die k&ouml;nnen streiken, bis sie schwarz werden?. Die HBB bezahlt ihre Fahrer nach einem Tarifvertrag der christlichen Gewerkschaft G&Ouml;D, die kein einziges Mitglied in dem Betrieb hat. 90 Prozent der Fahrer sind ver.di-Mitglied, 95 Prozent stimmten f&uuml;r Streik. Der G&Ouml;D-Tarifvertrag bedeutet f&uuml;r die Busfahrer 1.200 Euro brutto Regelverdienst. <br \/> Solidarit&auml;t interviewte Alois Skrbina, einst bei den Essener Verkehrsbetrieben und jetzt bei einem Tochterunternehmern besch&auml;ftigt und dort Betriebsratsmitglied. Die Essener Verkehrsbetriebe waren Vorreiter bei der Einf&uuml;hrung des Spartentarifvertrags. Alois ist auch Mitglied im Sprecherrat des ?Netzwerks f&uuml;r eine k&auml;mpferische und demokratische ver.di?. Er ist aktiv in der Solidarit&auml;tsarbeit f&uuml;r die streikenden Busfahrer in Leverkusen. <\/p>\n<p> <span style=\"font-style: italic;\">In der ganzen Auseinandersetzung geht es letztlich um den Spartentarifvertrag f&uuml;r den &ouml;ffentlichen Nahverkehr. Die Kollegen der HBB k&auml;mpfen um den Spartentarifvertrag. Du hast gegen seine Einf&uuml;hrung bei den Essener Verkehrsbetrieben gek&auml;mpft ? warum?<\/span><br style=\"font-style: italic;\"> Ich habe im Jahr 2001 gegen die Einf&uuml;hrung des Spartentarifvertrages Nahverkehr bei der Essener Verkehrs AG gek&auml;mpft, weil dieser gegen&uuml;ber den bis daher geltenden BMT-G [Fl&auml;chentarifvertrag f&uuml;r ArbeiterInnen im &ouml;ffentlichen Dienst] wesentliche Verschlechterungungen enth&auml;lt. Allein elf freie Tage wurden nach Einf&uuml;hrung des TV-N [Spartentarifvertrag &ouml;ffentlichen Nahverkehr] gestrichen. Mein Kampf blieb damals allerdings erfolglos, weil man mich von einer ver.di-Mitgliederversammlung, auf der &uuml;ber die Einf&uuml;hrung des TV-N abgestimmt wurde, ausschloss und anschlie&szlig;end ein Ausschlussverfahren aus ver.di gegen mich einleitete.<\/p>\n<p> <span style=\"font-style: italic;\">ver.di-Funktion&auml;re verteidigen den Spartentarifvertrag mit dem Argument, dass damit die Chance besteht, die noch schlechteren Tarife bei den privaten Busbetrieben auf ein h&ouml;heres Niveau zu bringen. Was ist Deine Bilanz von zweieinhalb Jahren Spartentarifpolitik von ver.di?<\/span><br \/> Dieses Argument von ver.di wird nicht aufgehen, denn wo immer die Arbeitgeber die M&ouml;glichkeit haben einen schlechteren Tarifvertrag anzuwenden, werden sie dies tun. Leverkusen ist hierf&uuml;r das beste Beispiel. Im Ergebnis werden also nur die &ouml;ffentlichen Verkehrsbetriebe ihre Tarifvertr&auml;ge nach unten angleichen und die Privaten werden ihre schlechten Tarife beibehalten. Der Gesetzgeber k&ouml;nnte hier aber Abhilfe schaffen, indem er den TV-N f&uuml;r allgemeinverbindlich erkl&auml;ren w&uuml;rde, denn dann m&uuml;ssten wirklich alle Verkehrsbetriebe den TV-N anwenden.<\/p>\n<p> <span style=\"font-style: italic;\">Was m&uuml;sste Deiner Meinung nach von ver.di getan werden, um den Streik bei der HBB zu einem Erfolg zu machen?<\/span><br \/> Ich bin mir sicher, dass es zu wesentlich gr&ouml;&szlig;eren Solidarit&auml;tsma&szlig;nahmen kommen w&uuml;rde, wenn ver.di diesen Streik bundesweit bekannt machen w&uuml;rde. Ich w&uuml;rde aber auch den rechtlichen Aspekt nicht aus den Augen verlieren, denn die HBB wendet hier einen Tarifvertrag der G&Ouml;D an, obwohl nicht ein einziger Mitarbeiter der G&Ouml;D angeh&ouml;rt. Dies verst&ouml;&szlig;t eindeutig gegen das Tarifvertragsgesetz, welches besagt, dass nur beiderseitig tarifgebundene Tarifvertragsparteien tariff&auml;hig sind. Und im vorliegenden Fall fehlt auf Arbeitnehmerseite eindeutig die Tarifbindung durch die G&Ouml;D. Eine rechtliche Kl&auml;rung durch das Arbeitsgericht w&auml;re meines Erachtens daher angebracht.<br \/> Ich verstehe auch nicht, warum eine solche rechtliche Kl&auml;rung durch ver.di nicht schon l&auml;ngst durchgef&uuml;hrt wurde. Ich habe diese Frage auf der K&ouml;lner Solidarit&auml;tsveranstaltung auch schon an den Betriebsrat der HBB gerichtet, der mir aber hierauf auch keine Antwort geben konnte, weil er von ver.di diesbez&uuml;glich immer nur ausweichende Antworten erh&auml;lt. <br \/> Eine Feststellungsklage beim Arbeitsgericht w&auml;re aber auch durch die betroffenen Arbeitnehmer zul&auml;ssig. Auch dies habe ich dem Betriebsrat der HBB mitgeteilt. Ich kann ehrlich gesagt nicht verstehen, warum dies bis zum jetzigen Zeitpunkt nicht erfolgt ist. Ich kann den streikenden Leverkusener BusfahrerInnen daher auch an dieser Stelle nur noch einmal raten, versucht auch diesen Weg. <br \/> Zum Abschluss m&ouml;chte ich den streikenden KollegInnen in Leverkusen nochmal meine Solidarit&auml;t aussprechen und ihnen ein gutes Gelingen w&uuml;nschen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Interview mit Alois Skrbina <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[17],"tags":[161],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10897"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10897"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10897\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10897"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10897"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10897"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}