{"id":10896,"date":"2004-06-03T14:40:30","date_gmt":"2004-06-03T12:40:30","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=10896"},"modified":"2012-06-13T17:31:59","modified_gmt":"2012-06-13T15:31:59","slug":"10896","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2004\/06\/10896\/","title":{"rendered":"Emanzipation statt Sozialraub und Ehezwang"},"content":{"rendered":"<p>  35 Jahre Christopher-Street-Day &#8211; 35 Jahre Kampf gegen Diskriminierung<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Der 27. Juni 1969 markiert den Beginn der modernen Schwulen- und   Lesbenbewegung. An diesem Tag begehrten die BesucherInnen der New Yorker   Szenebar &quot;Stonwall Inn&quot; in der Christopher Street erstmals gegen   gewaltsame Polizeirazzien und Beh&#246;rdenwillk&#252;r auf, tagelange   Stra&#223;enschlachten in der Christopher Street und angrenzenden Stra&#223;en   zwischen den Opfern der Repressionen und den Ordnungskr&#228;ften schlossen   sich an. Seit Anfang der 70er Jahre erinnern Schwule, Lesben und   Transgender weltweit mit Paraden, Demonstrationen und Stra&#223;enfesten an   diesen Tag und demonstrieren f&#252;r Emanzipation und gegen Diskriminierung.<br \/>Gerade   aber in Deutschland fand in den vergangenen Jahren eine immer st&#228;rkere   Kommerzialisierung und Entpolitisierung der CSD&#8217;s statt, insbesondere   bei den beiden gr&#246;&#223;ten in K&#246;ln, mit zwischen 750.000 und 1,5 Millionen   BesucherInnen und Berlin mit 500.000 bis 700.000 BesucherInnen.<\/p>\n<p><span><b>Fiasko   &quot;Homo-Ehe&quot;<\/b><\/span><\/p>\n<p>Diese Entwicklung scheint in   diesem Jahr erstmals, zumindest in Ans&#228;tzen, eine Korrektur zu erfahren.   So wird in K&#246;ln insbesondere das Fiasko der&#160;&#160; &quot;Eingetragenen   Lebenspartnerschaft&quot; (&quot;Homo-Ehe&quot;) Thema sein, die den Betreffenden nur   Pflichten aber kaum Rechte bringt, das Partnerschaftsmodell auf die   reine klassische Zwei-Personen-Beziehung reduziert und das erste   Sondergesetz f&#252;r Schwule und Lesben nach der Abschaffung des   ber&#252;chtigten &quot;Schwulenparagraphen&quot; 175 StGB (Strafgesetzbuch) ist.<br \/>Daneben   werden auch die Sozialraubz&#252;ge der Herrschenden, die K&#252;rzungsorgien bei   Selbsthilfegruppen, kulturellen Einrichtungen und in der   Gesundheitsversorgung zu einem immer wichtigeren Thema. Die sogenannte   &quot;Gesundheitsreform&quot;, die Gesundheit und medizinische Versorgung zu einer   Ware macht, hat in der schwullesbischen Gemeinde vielen erstmals die   Unmenschlichkeit und die Perspektivlosigkeit des auf Profitsteigerung   einiger weniger beruhenden kapitalistischen Systems gezeigt &#8211; und auch,   dass es keine Partei gibt, die tats&#228;chlich die Interessen der Menschen,   etwa nach allgemein zug&#228;nglicher und kostenloser medizinischer   Versorgung, nach freiem Zugang zu Kultur und Bildung, nach Arbeit von   der man auch leben kann, vertreitt.<\/p>\n<p><span><b>Kampf f&#252;r   Emanzipation<\/b><\/span><\/p>\n<p>Auch wenn derzeit Schwule und Lesben in   Deutschland seltener direkt Opfer von Ausgrenzung und offener   Minderheitenfeindlichkeit sind, so sind wir von einer tats&#228;chlichen   Akzeptanz und Emanzipation noch weit entfernt &#8211; was in einer   Gesellschaft, die gerade auf Ausgrenzung, Diskriminierung und   Ausbeutung, auf dem Ellenbogen und dem &quot;Recht des St&#228;rkeren&quot; basiert,   nicht verwundern kann. Auch darf nicht vergessen werden: Noch immer   k&#246;nnen in manchen Teilen Deutschlands Schwule und Lesben nicht offen   leben, in manchen L&#228;ndern Europas und anderswo auf der Welt werden   Schwule, Lesben, Transgender verfolgt, k&#246;rperlich bedroht und auch   get&#246;tet.<br \/>Der Kampf f&#252;r die Emanzipation von Schwulen und Lesben   kann nur erfolgreich sein, wenn er eingebettet ist in einen Kampf f&#252;r   die Emanzipation aller Menschen und f&#252;r eine emanzipatorische   Gesellschaft, in der die Freiheit aller abh&#228;ngig ist von der Freiheit   des einzelnen und in der der Mensch und nicht der Profit im Mittelpunkt   steht.<\/p>\n<p><span><i>von J&#246;rg Fischer, K&#246;ln<\/i><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      35 Jahre Christopher-Street-Day &#8211; 35 Jahre Kampf gegen Diskriminierung\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[33],"tags":[270,161],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10896"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10896"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10896\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10896"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10896"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10896"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}