{"id":10878,"date":"2004-05-18T17:36:37","date_gmt":"2004-05-18T15:36:37","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=10878"},"modified":"2012-06-28T15:39:56","modified_gmt":"2012-06-28T13:39:56","slug":"10878","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2004\/05\/10878\/","title":{"rendered":"Nigeria &#8211; Ein Land in der Krise"},"content":{"rendered":"<p>Peter Hadden berichtet von seinem Besuch in Nigeria, den er im letzten Herbst unternahm, um die Arbeit Demokratische Sozialistische Bewegung (Democratic Socialist Movement &#x96; DSM) zu unterst&uuml;tzen. Die DSM ist die nigerianische Schwesterpartei der SAV.<!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\n<font size=\"3\">Nach ein paar Tagen in Lagos traf ich Joseph, einen sozialistischen Aktivisten aus Ghana, der wie ich gekommen war, um an der Konferenz der Democratic Socialist Movement of Nigeria teilzunehmen.<\/font> <\/p>\n<p>  <font size=\"3\">Wir trafen uns in den wild wuchernden Arbeiterbezirken und Slumvorst&auml;dten die Lagos West ausmachen. Joseph war in der Nacht zuvor angekommen, nach einer schwierigen Reise &uuml;ber Land durch Togo und Benin und nachdem er die unvermeidliche Schikane der nigerianischen Grenzbeamten ertragen hatte, die ihm den gr&ouml;&szlig;ten Teil seines Geldes f&uuml;r die &uuml;blichen Bestechungsgelder abgepresst hatten.<i> <\/i><\/font> <\/p>\n<p>  <font size=\"3\">Als er mir erz&auml;hlte, dass dies sein erster Besuch in Nigeria war, fragte ich ihn was er &uuml;ber das denke, was er von Lagos gesehen hatte. Er antworte mir nur, dass er &#x84;geschockt&#x94; sei. Ghana ist, wie der Rest von Westafrika, ein Land in dem dr&uuml;ckende Armut die Norm ist. Der Mindestlohn liegt bei $ 1 am Tag, aber viele arbeiten f&uuml;r sehr viel weniger. 70Prozent der Menschen sind Analphabeten. Selbst afrikanische Augen, die an diese Zust&auml;nde gew&ouml;hnt sind, waren nicht vorbereitet auf die Armut, das Chaos und die Korruption, welche die wesentlichen Merkmale der gr&ouml;&szlig;ten Stadt Afrikas sind. <\/font> <br \/>  <font size=\"3\"> <\/font> <br \/>  <font size=\"3\">Joseph dachte an die Schmutzpfade, die sich, breit wie Flussbetten, &uuml;ber die Strassen ziehen und w&auml;hrend der tropischen Wolkenbr&uuml;che in der Regenzeit innerhalb von Minuten in Seen verwandeln k&ouml;nnen. Er dachte an die Stromversorgung, oder vielmehr das Nichtvorhandensein davon. In Ghana ist die Versorgung unregelm&auml;&szlig;ig, aber die Leute nehmen die Ausf&auml;lle wahr. In Lagos gibt es nur eine einzige Garantie in den kurzen Perioden, in denen die Lichter mal angehen: dass sie bald wieder aus sein werden. <\/font> <\/p>\n<p>  <font size=\"3\">Joseph meinte vielleicht auch die schwei&szlig;treibenden Staus in einem Verkehrssystem, dass meistens stillsteht und diejenigen, die Arbeit haben, dazu verdammt, stundenlang im Qualm<u> <\/u>kaputter Auspuffe zu ersticken. Die Menschen quetschen sich in Busse oder riskieren Leib und Leben, wenn sie die &#x84;Okada&#x93; fahren &#8211; Motorr&auml;der, die einzige Transportform, die sich viele Menschen leisten k&ouml;nnen und auf denen sich manchmal ganze Familien plus ihren Besitzt&uuml;mern unsicher festklammern. <\/font> <\/p>\n<p>  <font size=\"3\">Er mag sich auch auf die verknoteten Netze der Telefondr&auml;hte bezogen haben, die von den Masten an den Stra&szlig;enseiten herabh&auml;ngen und sicherstellen, dass das Telefonsystem, so wie alles andere, nicht funktioniert. Um die drei Millionen der 120-Millionen-k&ouml;pfigen Bev&ouml;lkerung haben Handys und m&uuml;ssen westliche Preise zahlen f&uuml;r die einzigen Kommunikationsmittel, die funktionieren. <\/font> <\/p>\n<p>  <font size=\"3\">Oder auf die Stra&szlig;enkontrollen der Polizei, die wie Mautstationen aufgestellt sind und wo die Fahrer so lange aufgehalten werden, bis sie ein paar Naira Schmiergelder bezahlen. Die Polizei wird, wie der Rest der Gesellschaft, kaum bezahlt und bewusst gezwungen, in brutalisierenden Umst&auml;nden zu leben. Dann werden sie mit ihren Maschinenpistolen nach drau&szlig;en geschickt, um ihre L&ouml;hne aus der Bev&ouml;lkerung zu pressen. <\/font> <\/p>\n<p>  <font size=\"3\">Ich hatte eine etwas direktere Erfahrung mit den Bedingungen, denen sich die Polizei gegen&uuml;ber sieht, und mit der klapprigen aber brutalen Natur des Staates, als ich zusammen mit einem DSM- Mitglied kurzzeitig verhaftet und zu einer Polizeiwache gebracht wurde. Angeblich ging es um ein Verkehrsdelikt &#8211; und das in einer Stadt, in der wenig Regeln auf den Strassen herrschen und noch weniger befolgt werden. In Wirklichkeit war es<u>,<\/u> weil ein wei&szlig;es Gesicht in einem solchen Stadtteil, wo keine Wei&szlig;en leben, die Aussicht auf ein h&ouml;heres Schmiergeld bedeutet. Der Parkplatz in dem schlammigen Hinterhof war vom Regen in kleine H&uuml;gel und Schluchten zerfurcht worden. Drinnen war es dunkel, schwer bewaffnete Polizei musste sich den Weg um ihren Baracken herum ertasten da sie nicht mit einem Generator ausger&uuml;stet waren und mussten deshalb mit der stockenden staatlichen Elektrizit&auml;tsversorgung zurechtkommen. Wir wurden in einem gro&szlig;en Raum befragt, mit einem leeren Tisch, ein paar Gefangenen und einem bewaffneten, verschwommen sichtbaren W&auml;chter am anderen Ende. Schlie&szlig;lich brachte ein Offizier einen Kerzenstummel mit und erledigte unter dessen flackernden Licht einigen Papierkram. <\/font> <\/p>\n<p>  <font size=\"3\"><span style=\"font-style: normal;\">Das sind die Zust&auml;nde in Lagos, das &#8211; mit der Ausnahme der Hauptstadt Abuja, dem Vorzeigest&uuml;ck &#8211; der am weitesten entwickelte Teil des Landes ist. F&uuml;r die Masse der EinwohnerInnen in den l&auml;ndlichen Gebieten und im Norden ist alles noch schlimmer. Dort gibt es keine Stra&szlig;en, keine Elektrizit&auml;t und nicht mal die Kr&uuml;mel des Schattens einer Infrastruktur wie sie in Lagos existiert.<\/span><i> <\/i><\/font> <\/p>\n<p>  <font style=\"font-weight: bold;\" size=\"3\">Eine verfallende Gesellschaft <\/font> <\/p>\n<p>  <font size=\"3\">Das ist keine Gesellschaft, die sich entwickelt, sondern mehr ein Land, das sich mit immer gr&ouml;&szlig;erer Geschwindigkeit aufl&ouml;st. Der Prozess des Niedergangs ist von der neoliberalen Privatisierungsagenda beschleunigt worden, die von der gegenw&auml;rtigen &#x84; Zivil&#x93;- Beh&ouml;rde des ehemaligen Milit&auml;rdiktators Obasanjo enthusiastisch begr&uuml;&szlig;t worden war. Staatliche Leistungen sind zur&uuml;ckgefahren worden. Es hat massive Stellenstreichungen im &ouml;ffentlichen und privaten Sektor gegeben. <\/font> <\/p>\n<p>  <font size=\"3\">Das Pro-Kopf-Einkommen, das im Jahr 1980 1000 Dollar betragen hatte, ist heute auf 250 Dollar gefallen. 1998 lebten 48 Prozent der Bev&ouml;lkerung unter der Armutsgrenze, heute ist ihr Anteil auf 70 Prozent angestiegen. Weniger als 10 Millionen Menschen haben Zugang zur Gesundheitsversorgung. In Lagos West gibt es z. B nur ein Krankenhaus f&uuml;r ca. drei Millionen Menschen. 24 Millionen hungern. 89 Millionen leben von weniger als einem Dollar am Tag. Die Lebenserwartung von M&auml;nnern liegt zur Zeit bei 47, die von Frauen bei 52 Jahren; durch das auff&auml;llige Fehlen von alten Gesichtern auf den Stra&szlig;en eine beunruhigend offensichtliche Tatsache. Statistiken wie diese sind der Grund daf&uuml;r, dass die Weltbank Nigeria jetzt als das 13. &auml;rmste Land der Welt f&uuml;hrt. <\/font> <\/p>\n<p>  <font size=\"3\">Aber Nigeria ist nicht arm. Wie die umliegenden L&auml;nder, einschlie&szlig;lich und vielleicht vor allem Ghana, ist es fruchtbar und reich an Bodensch&auml;tzen. &Ouml;l ist der Schl&uuml;ssel- Rohstoff. Nigeria hat zwischen 24 und 31,5 Milliarden Barrel erwiesene Reserven und zur Zeit produziert es &uuml;ber 2 Millionen Barrel am Tag. Das macht 98 Prozent seiner Exporteink&uuml;nfte aus. Es hat auch die zehntgr&ouml;&szlig;ten erforschten Gasreserven der Welt, ungef&auml;hr 300 Billionen Fu&szlig; Gas sind entdeckt worden. <\/font> <\/p>\n<p>  <font size=\"3\">Dieser Reichtum, vern&uuml;nftig genutzt, w&uuml;rde ausreichen, um das Leben der nigerianischen Menschen umzuw&auml;lzen. Jetzt k&ouml;nnte f&uuml;r die Masse der NigerianerInnen, die nur Armut und den t&auml;glichen Kampf um Nahrung kennen, das &Ouml;l genauso gut auf dem Mond oder Mars liegen wie im Niger Delta. Das ist so besonders f&uuml;r die ethnischen Minderheiten wie die Ogoni, Ijaw, Itsekiri und viele andere, die die Bev&ouml;lkerung des Deltas ausmachen.<\/font> <\/p>\n<p>  <font size=\"3\">Trotz des &Ouml;lsees unter ihrer Erde und an ihren Ufern ist die Delta-Region eine der strukturschw&auml;chsten und seine EinwohnerInnen geh&ouml;ren zu den &auml;rmsten im Land. Es gibt keine ordentlichen Stra&szlig;en. Die Gebiet erzeugt 80Prozent der Elektrizit&auml;t des Landes und 70 Prozent seiner 3000 Gemeinden haben noch nicht mal die periodische Versorgung von Lagos, sie haben &uuml;berhaupt keine Versorgung. <\/font> <br \/>  <font size=\"3\">Alles was &Ouml;l f&uuml;r diese Menschen bedeutet ist Dreck und Umweltzerst&ouml;rung. <\/font> <\/p>\n<p>  <font size=\"3\">Wie ein BBC-Reporter 2002 es ausdr&uuml;ckte: &#x84;Der &Ouml;lreichtum aus Cabinda verk&ouml;rpert mehr als 100 000 Dollar jedes Jahr f&uuml;r jeden Einwohner der Provinz. Es f&uuml;hrt zu einer Art psychologischem Hunger wenn dein Haus Blick auf die &Ouml;lbohrinsel hat und du immer noch jeden Tag k&auml;mpfen musst um deine Familie zu ern&auml;hren.&#x93; <\/font> <\/p>\n<p>  <font style=\"font-weight: bold;\" size=\"3\">&Ouml;lmultis <\/font> <\/p>\n<p>  <font size=\"3\">Nigeria ist reich und das Delta ist sicher verschwenderisch mit Rohstoffen und Naturressourcen ausgestattet. Trotzdem hat dies noch nicht mal minimale Auswirkungen<u>,<\/u> um die Armut der Menschen zu lindern, weil dieser Reichtum gestohlen wurde. Er wurde und wird gestohlen von &Ouml;lkonzernen durch ihr systematisches Auspl&uuml;ndern dieses Teils von Afrika. Seit der Unabh&auml;ngigkeit wurde und wird es im Mobutu-Stil von korrupten Eliten, welche die L&auml;nder regiert haben, gestohlen. <\/font> <\/p>\n<p>  <font size=\"3\"><span style=\"font-style: normal;\">Anglo-Dutch Shell treibt sich im Niger Delta seit 1927 rum und stellt immer noch 50 Prozent der Produktion nigerianischen Roh&ouml;ls. Seit der Entdeckung gro&szlig;er Vorkommen in den F&uuml;nfzigern bekamen sie bei ihren Raubz&uuml;gen Gesellschaft von ChevronTexaco, ExxonMobil, Haliburton, William Brothers, LitwinAgig, Total Fina, Elf Aquitaine, Bamboil, Statoil, Dietsman Comerint und SASOL.<\/span><i> <\/i><\/font> <\/p>\n<p>  <font size=\"3\">Obwohl die F&ouml;deralregierung einen 55-prozentigen Anteil in den Joint Ventures h&auml;lt blieb die wahre Macht bei den ausl&auml;ndischen Konzernen als die st&auml;rksten &#x84;Partner&#x93;. Vereinbarungen auf dem Papier &uuml;ber Ziele f&uuml;r die Einstellung einheimischer ArbeiterInnen werden systematisch ignoriert. Die technischen Arbeitspl&auml;tze gehen an ausl&auml;ndische ArbeiterInnen, so dass die F&auml;higkeiten, die gebraucht werden, um die Industrie am Laufen zu halten, au&szlig;erhalb des Landes bleiben, ein Schutzwall gegen jede zuk&uuml;nftige Bedrohung von Verstaatlichung. <\/font> <\/p>\n<p>  <font size=\"3\">Die &Ouml;lgiganten haben ihre eigenen Gesetze. Sie stellen ihre eigene Polizei und Sicherheitsorganisationen ein, um Proteste zu unterdr&uuml;cken und ihre Anlagen zu sch&uuml;tzen. <\/font> <\/p>\n<p>  <font size=\"3\">Die Entdeckung von &Ouml;lvorkommen im Golf von Guinea und benachbarten L&auml;ndern hei&szlig;t, dass diese ganze Region eine wachsende strategische Bedeutung f&uuml;r den Imperialismus bekommt, vor allem durch den Aufruhr im Irak und die Instabilit&auml;t des Regimes in Saudi Arabien. Es wird erwartet, dass bis n&auml;chstes Jahr sch&auml;tzungsweise 20 Prozent der US &Ouml;limporte aus Afrika kommen werden. <\/font> <\/p>\n<p>  <font size=\"3\">Au&szlig;er Nigeria, was schon jetzt ungef&auml;hr die H&auml;lfte seines &Ouml;ls an die USA liefert, gab es Entdeckungen im &auml;quatorialen Guinea, Sao Tom&eacute; und dem Tschad. Die gr&ouml;&szlig;te kommerzielle Investition in ganz Afrika ist ein 3,7 Milliarden-Dollar-Projekt von Exxon Mobil, um eine 1000 Kilometer lange Pipeline vom Tschad durch Kamerun bis an die K&uuml;ste zu bauen. Es ist so als h&auml;tte der Imperialismus eine gigantische Spritze ins Herz des Kontinents gejagt um seinen Wohlstand auszusaugen. <\/font> <\/p>\n<p>  <font size=\"3\">&Ouml;l war der wahre Grund f&uuml;r George Bushs Besuch verschiedener afrikanischer L&auml;nder, inklusive Nigeria, im letzte Sommer. Die USA haben bereits eine kleine milit&auml;rische Pr&auml;senz im Golf von Guinea mit einer Basis in Sao Tom&eacute;, aber aufgrund der Verzettelung ihrer Truppen im Irak und der Erinnerungen an ihren hastigen Abzug aus Somalia ein Jahrzehnt zuvor, werden sie sich eine direkte milit&auml;rische Intervention in Westafrika zweimal &uuml;berlegen. <\/font> <\/p>\n<p>  <font size=\"3\">Sie ziehen es zum jetzigen Zeitpunkt eher vor, das nigerianische Regime zu hofieren und sich darauf zu st&uuml;tzen, als eine regionale Supermacht um die Interessen des westlichen Kapitalismus in der Region zu sichern. Nigeria mag verrottete wirtschaftliche und politische Grundlagen haben ( seine sp&auml;rlich ausger&uuml;steten, gering bezahlten Soldaten in Liberia werden mehr Zeit damit verbracht haben, Schmiergelder bei Stra&szlig;ensperren zu sammeln und zu pl&uuml;ndern als mit &#x84;friedenssichernden Ma&szlig;nahmen&#x93; ) aber verglichen mit seinen Nachbarn ist es ein milit&auml;rischer und &ouml;konomischer Koloss und ist das beste Mittel das Bush zur Verf&uuml;gung steht, um die Interessen seiner Geldgeber aus der Wirtschaft zu sch&uuml;tzen. <\/font> <\/p>\n<p>  <font size=\"3\">Die USA haben der Nigerianischen Marine Schiffe zur Verf&uuml;gung gestellt um seine K&uuml;stengew&auml;sser und nat&uuml;rlich die &Ouml;lanlagen zu sch&uuml;tzen. Sie sind bereit, Geld aufzubringen und Druck f&uuml;r UN- Hilfe zu machen um Nigeria zu helfen, Truppen an &#x84; Brennpunkte&#x93; wie Sierra Leone und Liberia zu schicken. Bei all dem ignorieren sie bewusst die wahre Natur des nigerianischen Regimes. <\/font> <\/p>\n<p>  <font style=\"font-weight: bold;\" size=\"3\">Korruption <\/font> <\/p>\n<p>  <font size=\"3\">Die herrschende Elite wird nur zu den &#x84;Good Guys&#x94; der Welt gez&auml;hlt, weil sie bereit sind die Interessen des Westens zu verteidigen und als regionaler Polizist zu agieren. Die Korruption, die Unterdr&uuml;ckung und das Niederhalten demokratischer Rechte, ist vergessen und Nigeria wird zu den weltweiten &#x84;Demokratien&#x94; gez&auml;hlt oder zumindest als eine Nation &#x93;im &Uuml;bergang zur Demokratie &#x94;.<i> <\/i><\/font> <\/p>\n<p>  <font size=\"3\">Faktisch ist das Hauptgesch&auml;ft der derzeitigen &#x84;demokratischen&#x94; Regierung, wie das der Milit&auml;rjuntas die bis 1999 mit Ausnahme von zehn Jahren seit der Unabh&auml;ngigkeit an der Macht gewesen waren, die Korruption. Die wichtigsten Ministerien die in Abuja arbeiten sind die Ministerien f&uuml;r Betrug, Erpressung und Diebstahl. Die Hauptaufgabe der Verantwortlichen ist es ihre Bezirke auszunehmen in dem sie das Geld, bestimmt f&uuml;r Stra&szlig;en, Elektrizit&auml;t, Schulen, und Krankenh&auml;user, auf ihre Auslandskonto verschieben. <\/font> <\/p>\n<p>  <font size=\"3\">Bei diesem heiklen Thema ist es schwierig, an pr&auml;zise Daten f&uuml;r Korruption und Diebstahl zu kommen. Aber das Ausma&szlig; ist kolossal. Paul Collier von der Oxford Universit&auml;t hat gesch&auml;tzt, dass sich bis 1998 70 Prozent des nigerianischen Privatverm&ouml;gens &#8211; um die 107 Milliarden Dollar &#8211; au&szlig;erhalb des Landes befand. Der &#x84;Demokrat&#x94; Obasanjo hat sich gegen&uuml;ber seinen ehemaligen Milit&auml;rkollegen gn&auml;dig erwiesen. Er hat festgelegt, dass dem verhassten ehemaligen Diktator Abacha erlaubt wird, 100 Millionen Dollar seines erbeuteten Geldes zu behalten. Babangida, ein anderes ehemaliges milit&auml;risches Staatesoberhaupt, besitzt immer noch seine 50 Zimmer-Villa im Staat Niger. Und f&uuml;r die Elite, die nun an der Macht unter Obasanjo ist, bedeutet &#x84;Demokratie&#x93; eine Lizenz um mit ihren Beutez&uuml;gen fortzufahren wie immer.<\/font> <\/p>\n<p>  <font size=\"3\">Es ist kaum ein Wunder, dass nichts in Nigeria funktioniert. Nehmen wir das &Ouml;l als ein Beispiel. 400,000 Barrel am Tag dessen was produziert wird, ist f&uuml;r den Inlandsverbrauch bestimmt. Trotzdem muss Nigeria, der sechstgr&ouml;&szlig;te &Ouml;lproduzent der Welt, sein &Ouml;l importieren. F&uuml;r die meisten Nigerianer ist &Ouml;l nur auf dem Schwarzmarkt erh&auml;ltlich, zu hohen inflation&auml;ren Preisen. <\/font> <\/p>\n<p>  <font size=\"3\">Das Land hat vier &Ouml;lraffinerien gebaut, aber wegen Nachl&auml;ssigkeit und Vers&auml;umnissen funktionieren sie nicht. Ein gro&szlig;er Teil des f&uuml;r den Inlandskonsum bestimmten &Ouml;ls endet auf dem Schwarzmarkt. Einiges wird in benachbarte afrikanische Staaten geschmuggelt, wo es raffiniert und wieder zur&uuml;ck nach Nigeria verkauft wird. <\/font> <\/p>\n<p>  <font size=\"3\">Jeder, der versucht herauszufinden, wohin das &Ouml;l und die &Ouml;leink&uuml;nfte gegangen sind, wird einen schweren Job haben, die Wahrheit auszugraben. Einer der wenigen modernen Wolkenkratzer auf Lagos Island, dem kommerziellen Kern der Stadt, ist nun ein schwarzes ausgebranntes Gerippe. Bevor er pl&ouml;tzlich in Rauch aufging war er das Hauptquartier des &Ouml;lministeriums. B&uuml;ros, Ausstattung und nat&uuml;rlich Aufnahmen wurden praktischerweise oder vielleicht absichtlich, von den Flammen aufgefressen. <\/font> <\/p>\n<p>  <font size=\"3\">Die derzeitige korrupte und autokratische Regierung gibt dem Begriff &#x84; Demokratie&#x93; ein dehnbare Bedeutung. Es ist wahr, dass zum ersten Mal in Nigeria eine Zivilregierung eine gesamte Amtsperiode &uuml;berlebt, eine Wahl abgehalten hat und eine zweite Amtszeit eingegangen ist. Trotzdem sind die demokratischen Referenzen hauchd&uuml;nn. <\/font> <\/p>\n<p>  <font style=\"font-weight: bold;\" size=\"3\"> Wahlmanipulation <\/font> <\/p>\n<p>  <font size=\"3\">Die bundesweiten Wahlen im April 2003 waren alles andere als demokratisch. Es gab massiven Stimmenbetrug. Die 99,92 Prozent Stimmen f&uuml;r Obasanjo in seinem eigenen Bundesstaat Ogun, ein Ergebnis das ein L&auml;cheln auf Stalins Lippen gezaubert h&auml;tte, gibt einen Eindruck davon wie die Befragung durchgef&uuml;hrt wurde. <\/font> <\/p>\n<p>  <font size=\"3\">In Lagos und im Bundesstaat Lagos traten Mitglieder der Democratic Socialist Movement (der Schwesterpartei der Socialist Party und der SAV) als KandidatInnen f&uuml;r die National Conscience Party (NCP) an. Die NCP ist eine radikal-populistische Partei, die gegen Korruption und auch gegen Privatisierung und andere Aspekte des neoliberalen Einheitsbreis auftritt. Sie genoss gro&szlig;e Unterst&uuml;tzung unter der Arbeiterklasse, besonders in Lagos. W&auml;hrend der Wahlen sind 6000 Menschen, vor allem Arbeiterjugendliche, mobilisiert worden um f&uuml;r ihre KandidatInnen zu arbeiten. <\/font> <\/p>\n<p>  <font size=\"3\">Niemand mit dem ich gesprochen habe hatte irgendeinen Zweifel daran, dass die NCP mehrere Sitze im Senat in Lagos gewonnen hat, unter ihnen der Sitz in Lagos West wo das DSM- Mitglied Lanre Arogundade kandidiert hatte. Die meisten Leute waren auch davon &uuml;berzeugt, dass die NCP zur st&auml;rksten Partei im ganzen Bundesland Lagos aufgestiegen war. <\/font> <\/p>\n<p>  <font size=\"3\">Nichts von dem hatte sich in dem offiziellen Ergebnis widergespiegelt. Die NCP hat eine beweiskr&auml;ftige Dokumentation &uuml;ber den massiven Wahlbetrug erstellt. Die angewendete Methode war nicht besonders kompliziert. Die Zettel mit den echten Ergebnissen wurden schlicht durch die Zettel mit neuen ersetzt, die ganz andere Resultate angaben. Die Stimmen f&uuml;r die NCP wurden einfach weggewischt. Anstatt einen Sitz zu gewinnen bekam Lanre immerhin noch bedeutende 7763 Stimmen angerechnet &#8211; 9,6 Prozent der gesamten Stimmen in Lagos West &#8211; und er wurde Dritter. <\/font> <\/p>\n<p>  <font size=\"3\">Das ist &#x84;Demokratie&#x94; in Obasanjos Art und Weise. Obasanjo hat seine Ansichten und Vorbehalte &uuml;ber eine Mehrparteiendemokratie kundgetan: &#x84; Was die Existenz mehrerer Parteien hervorgerufen hat ist gr&ouml;&szlig;ere Verwirrung&#x85; Ich denke, dass sobald wir eine Wahl h&auml;tten zwischen einer oder zwei Parteien, besonders Parteien die keine ideologischen Differenzen haben, w&auml;re das besser f&uuml;r das Land.&#x94; Diese Meinung wurde bei den Wahlen in die Praxis umgesetzt indem die Stimmen f&uuml;r Parteien wie die NCP, die die &#x84; demokratischen&#x93; Regeln gebrochen haben indem sie &#x84;ideologische Differenzen&#x93; hatten, hinterh&auml;ltig von den Listen gel&ouml;scht wurden. <\/font> <\/p>\n<p>  <font size=\"3\">Nigerias &#x84;Demokratie&#x94; bedeutet, dass die Regierung sich ein ziviles Gewand gibt, aber Milit&auml;rmethoden anwendet. Diese Regierung wird wie ihre milit&auml;rischen Vorl&auml;ufer von einem Ex-Diktator, Angebern und Wichtigtuern gef&uuml;hrt. Alle Milit&auml;rregimes bauen sich gerne Denkm&auml;ler. So ist das Nationaltheater auf einem H&uuml;gel nahe des Zentrums von Lagos plaziert, wo es sich von der Skyline absetzt. Es wurde unter Milit&auml;rherrschaft gebaut und absurderweise in der Form des Hutes eines Armeeoffiziers konstruiert! <\/font> <\/p>\n<p>  <font size=\"3\">Das Obasanjo-Regime hat genauso seine Prestige-Objekte. Ein 330 Millionen Dollar- Nationalstadion wird gerade in Abuja gebaut. Kurz nach ihrer Macht&uuml;bernahme 1999 startete diese Regierung das Nigeriasati-Projekt, Nigerias eigenes 94 Millionen Dollar- teures Raumfahrtprogramm. W&auml;hrend ich dort war, wurde der erste Satellit des Landes gerade f&uuml;r den Abschuss fertiggestellt. Sein Zweck, abgesehen von milit&auml;rischer Nutzung, ist angeblich das &#8222;disaster monitoring&#8220;. Wenn man in Nigeria lebt braucht man nicht den Weltraum zu erobern um Katastrophen aufzudecken. Ich musste daran denken, dass es billiger f&uuml;r die Regierung gewesen w&auml;re ihre Augen f&uuml;r das irdische Chaos um sie herum zu &ouml;ffnen! <\/font> <\/p>\n<p>  <font style=\"font-weight: bold;\" size=\"3\">Milit&auml;rregierung hinter ziviler Fassade <\/font> <\/p>\n<p>  <font size=\"3\">In einem Land wie Nigeria, wo die Mehrheit der Bev&ouml;lkerung am Existenzminimum lebt und alles immer schlechter statt besser wird, ist eine stabile und best&auml;ndige Demokratie auf kapitalistischer Basis unm&ouml;glich. Ob eine Regierung vom Milit&auml;r oder aus rechten Parteien gebildet wird, sie kann keine wirkliche Verankerung oder Basis innerhalb der Gesellschaft haben, au&szlig;er durch ihre Stammeswurzeln. Sie kann nur das Land zusammenhalten und weiter durch Zwang herrschen. <\/font> <\/p>\n<p>  <font size=\"3\">In den ersten vier Jahren der Obasanjo-Regierung t&ouml;tete die Polizei &uuml;ber 4000 Menschen und die Armee noch viel mehr. Im Oktober 2001 kamen neunzehn Soldaten bei Zusammenst&ouml;&szlig;en im Bundesstaat Benue um. Die Armee antwortete mit einem Massaker an 200 DorfbewohnerInnen. Obasanjo wurde sp&auml;ter in einem Interview f&uuml;r ein Special der Financial Times gefragt, ob dies gerechtfertigt werden k&ouml;nne. <\/font> <\/p>\n<p>  <font size=\"3\"><span style=\"font-style: normal;\">Er antwortete: &#x93; Sie erwarten doch nicht von mir, dass ich meine H&auml;nde in den Scho&szlig; lege und nichts tue, denn sonst werden morgen weder Soldaten noch die Polizei irgendwo hingehen wenn ich sie losschicke. Ich habe Soldaten eingesetzt. Wenn Sie Soldaten entsenden gehen die nicht zu einem Picknick.&#x93; Auf die Frage, ob die Soldaten nichts desto trotz &uuml;berreagiert<\/span><i> <\/i><span style=\"font-style: normal;\">h&auml;tten f&uuml;hrte er aus: &#x84;Aktion und Reaktion sind nicht immer gleich und entgegengesetzt. Es gibt &Uuml;bereinstimmungen und Widerspr&uuml;che in der Physik. In der menschlichen Natur ist die Reaktion immer mehr als die Aktion.&#x93; <\/span><\/font> <\/p>\n<p>  <font size=\"3\">Die Milit&auml;rintervention ist immer &ouml;fter die einzige Option, die der Regierung bleibt wenn nationale Spannungen und Konflikte ausbrechen. Nigeria ist ein Kessel von mindestens 240 nationalen und ethnischen Gruppen. Es nicht &uuml;berraschend, dass sich unter den Bedingungen der wachsenden Verarmung der Masse der Bev&ouml;lkerung die blutigen zwischenethnischen Konflikte versch&auml;rft haben. <\/font> <\/p>\n<p>  <font size=\"3\">Von den 10 000 Menschen, die w&auml;hrend Obasanjos erster Amtszeit ums Leben kamen, starb die Mehrheit in solchen Konflikten. Die Auseinandersetzungen zwischen Christen und Moslems, entbrannt durch die Einf&uuml;hrung der Scharia in einer Reihe von Bundesstaaten im Norden, hat zu Tausenden Toten gef&uuml;hrt. Es gab Pogrome gegen Angeh&ouml;rige von Minderheitenst&auml;mmen, die nach Lagos umgezogen waren. Vor kurzem gab es eine fast b&uuml;rgerkriegs&auml;hnliche Situation in der &ouml;lerzeugenden Warri-Region im westlichen Delta. 400 wurden dort in K&auml;mpfen zwischen den drei ans&auml;ssigen ethnischen Gruppen gegen Ende des letzten Sommers umgebracht.<\/font> <br \/>  <font size=\"3\">Die milit&auml;rische Strategie der harten Hand &#x96; die reflexartige Reaktion des Bundessstaates- sind keine Antwort. Interventionen der Marine und der Armee in Warri haben keine L&ouml;sung gebracht. Chevron und Shell sahen sich gezwungen, das Gebiet zu evakuieren und die &Ouml;lf&ouml;rderungen im westlichen Delta wurden um 40 Prozent zur&uuml;ckgefahren. <\/font> <\/p>\n<p>  <font size=\"3\">&Uuml;berraschend ist nicht, dass Tausende in blutigen ethnischen Zusammenst&ouml;&szlig;en sterben, sondern dass Nigeria, urspr&uuml;nglich eine k&uuml;nstliche Sch&ouml;pfung des britischen Imperialismus, die letzten 44 Jahre nach der Unabh&auml;ngigkeit zusammengehalten hat. Obwohl es Hunderte von nationalen Gruppen gibt, dominieren drei: die Yoruba im S&uuml;dwesten, die Igbo in der &ouml;stlichen Region und die Hausa-Fulani im Norden. Es gab und gibt m&auml;chtige sezessionistische Bewegungen, vor allem der blutige Biafran &#8211; B&uuml;rgerkrieg in den Sechzigern als die Igbo-Milit&auml;relite versuchte, die &ouml;stliche Region abzuspalten und einen Konflikt anstie&szlig;, in welchem bis zu einer Million Menschen starben. <\/font> <\/p>\n<p>  <font size=\"3\">Immer noch h&auml;lt das Land zusammen, wenn auch so gerade eben. Das Milit&auml;r, dass die Rechte der Nationalit&auml;ten und der Minderheiten beschr&auml;nkt und knebelt, ist ein Faktor. So ist es paradoxerweise das &Ouml;l, sowohl die Quelle gro&szlig;er Konflikte, besonders unter den St&auml;mmen im Delta, als auch eine Barriere daf&uuml;r, wie weit die Bewegungen der Hauptgruppen in Richtung Unabh&auml;ngigkeit gehen konnten. <\/font> <\/p>\n<p>  <font size=\"3\">Das gemeinsame Problem der Yoruba, Hausa oder Igbo sind die Ambitionen auf einen eigenen Staat und dass ihre traditionellen Gebiete nicht die Delta- Region und das &Ouml;l beinhalten. Ohne dass eine Bewegung f&uuml;r eine Abtrennung irgendwie auch zu einem Krieg zur Eroberung des Deltas wird, w&uuml;rde jeder abgespaltenen Staat ein Staat ohne &Ouml;l sein. Das Igbo-Territorium liegt dem Delta am n&auml;chsten, aber w&auml;hrend des Biafran-Konfliktes neigten die Minderheiten dort dazu der Bundesregierung beizustehen weil sie sich nicht unter der Knute eines Igbo Staates stellen wollten. <\/font> <\/p>\n<p>  <font size=\"3\">Nigeria ist wie eine gewaltige instabile Masse, die die ganze Zeit am Rand einer Explosion pendelt, die sie hinwegfegen w&uuml;rde, aber durch einen Balanceakt zwischen den Eliten der gr&ouml;&szlig;ten drei Nationalit&auml;ten in einem<u> <\/u>wackligen Gleichgewicht zusammengehalten wird. Das kann so in der derzeitigen chaotischen Form eine zeitlang weitergehen, aber auf der Basis einer sich vertiefenden wirtschaftlichen Krise kann das Gleichgewicht schnell zusammenbrechen. <\/font> <\/p>\n<p>  <font size=\"3\">Ein Auseinanderbrechen des Landes auf kapitalistischer Basis w&auml;re eine blutige Angelegenheit. Ernsthafte Versuche einer der drei Hauptgruppen k&ouml;nnte nicht einen, sondern eine Serie von B&uuml;rgerkriegen ausl&ouml;sen. Der Zusammenbruch Jugoslawiens k&ouml;nnte ein politischer Bezugspunkt sein, aber wegen der verzweifelten sozialen Situation k&auml;me der V&ouml;lkermord in Ruanda dem Ausma&szlig; dessen, was passieren w&uuml;rde, n&auml;her. <\/font> <\/p>\n<p>  <font size=\"3\">Kapitalismus bedeutet Horror ohne Ende. Nigeria ist ein lebendiger Beweis dieser Tatsache. Aber es gibt auch eine andere, positive Seite. Abgesehen von seiner Rolle beim Misshandeln, Bedrohen und Terrorisieren der Menschen gibt es im Grunde keinen Staat in Nigeria.<\/font> <br \/>  <font size=\"3\">Die Menschen sind weitestgehend auf sich selbst gestellt um ihre Grundbed&uuml;rfnisse zu befriedigen. Wenn sie Wasser wollen m&uuml;ssen sie einen Brunnen bis zum Grundwasserspiegel bohren. Wenn sie dauernde Stromversorgung wollen m&uuml;ssen sie sich einen Generator besorgen. Und so weiter. <\/font> <\/p>\n<p>  <font size=\"3\">Wie auch immer kommen die Leute irgendwie zurecht. Das einzig Positive in Nigeria ist die pulsierende Energie und der Einfallsreichtum seiner EinwohnerInnen. Wenn ein Ausweg gefunden werden soll aus dem Desaster dass der Imperialismus und einheimische Kapitalismus in diesem Land geschaffen haben, k&ouml;nnen nur die unterdr&uuml;ckten Massen, gef&uuml;hrt von der Arbeiterklasse, daf&uuml;r sorgen. <\/font> <br \/>  <br style=\"font-weight: bold;\"> <font style=\"font-weight: bold;\" size=\"3\"> Gewerkschaftsbewegung <\/font> <\/p>\n<p>  <font size=\"3\">Trotz des Stellenabbaus gibt es eine starke Arbeiterklasse und eine nach wie vor starke Gewerkschaftsbewegung Der Nationale Arbeits-Kongress (NLC), das Koordinierungs-Gremium der Gewerkschaften, spricht von eine Mitgliedschaftszahl von ca. 4 Millionen. Obwohl das nur 10 Prozent der Arbeiterschaft sind, ist es immer noch eine Errungenschaft angesichts der sozialen Bedingungen und dem Mangel an Infrastruktur, der jede Art von Organisation schwierig macht. <\/font> <\/p>\n<p>  <font size=\"3\">Wenn die organisierte Arbeiterklasse in Aktion tritt vereinigt sie alle unorganisierten und alle anderen unterdr&uuml;ckten Schichten hinter sich. Die Kampfkraft der Arbeiterklasse hat sich wiederholt im Widerstand gegen die neo-liberalen Angriffe der Regierung gezeigt. <\/font> <\/p>\n<p>  <font size=\"3\">Es hat Streiks in den meisten Wirtschaftbereichen gegeben. Letztes Jahr hatten die Universtit&auml;tsdozentInnen f&uuml;r fast sieben Monate gestreikt und einige haben in diesem Akademischen Jahr weitergemacht. W&auml;hrend meines Besuchs gab es eine bittere und gewaltt&auml;tige Auseinandersetzung mit &Ouml;larbeiterInnen, die sich mit den ausl&auml;ndischen Konzernen angelegt hatten mit der Forderung nach Einstellung einheimischer ArbeiterInnen. <\/font> <br \/>  <font size=\"3\"><span style=\"font-style: normal;\">Am bedeutendsten waren die drei Generalstreiks in einem Zeitraum von drei Jahren, die in den gr&ouml;&szlig;ten, stabilsten und erfolgreichsten Streik gegen den Anstieg der &Ouml;lpreise im Vorfeld von Bushs Besuch im letzten Juli m&uuml;ndeten. Der Streik wurde im ganzen Land strikt befolgt: Fabriken und B&uuml;ros waren geschlossen, der Transport ist zum Stillstand gekommen, Gesch&auml;fte geschlossen, sogar die Markth&auml;ndler und zahllosen Stra&szlig;enverk&auml;ufer machten mit. Er vereinigte arbeitende und unterdr&uuml;ckte Menschen aller Nationalit&auml;ten und ethnischen Gruppen und demonstrierte die einzigartige F&auml;higkeit der Arbeiterklasse die sonst unl&ouml;sbaren nationalen Probleme in den Hintergrund zu dr&auml;ngen und vielleicht sogar zu &uuml;berwinden.<\/span><i> <\/i><\/font> <\/p>\n<p>  <font size=\"3\">Seitdem hat die Regierung einige Versprechungen bez&uuml;glich der &Ouml;lpreise gebrochen und die NLC-F&uuml;hrung musste auf den w&uuml;tenden Druck von unten etwas tun und zwei weitere Generalstreiks ank&uuml;ndigen, einen im Oktober letzten Jahres und im Januar diesen Jahres. Beide sind von den NLC- F&uuml;hrern im letzten Moment abgesagt worden. Sie strichen den Oktoberstreik wegen der Versprechung von Zugest&auml;ndnissen, die nicht einger&auml;umt wurden. Der letzte Streik wurde abgesagt nachdem die Regierung ein sehr begrenztes Zugest&auml;ndnis bez&uuml;glich der Benzinsteuern gemacht hatte, was aber das Hauptproblem, den in die H&ouml;he schnellenden Benzinpreis, nicht beseitigte. <\/font> <\/p>\n<p>  <font size=\"3\">Die ArbeiterInnen haben ihre Kampfkraft entgegen allen Hindernissen gezeigt. Was sie brauchen ist eine entschlossene, k&auml;mpfende F&uuml;hrung. Sie brauchen auch eine politische Organisation die eine Alternative zu der rechten Politik nicht nur Obasanjos, sondern aller seiner Hauptfeinde, anbieten kann. <\/font> <\/p>\n<p>  <font style=\"font-weight: bold;\" size=\"3\">Demokratische Sozialistische Bewegung &#8211; Democratic Socialist Movement <\/font> <br style=\"font-weight: bold;\"> <br \/>  <font size=\"3\">Die Democratic Socialist Movement (DSM) k&auml;mpft f&uuml;r ein sozialistisches Nigeria als einzigen Ausweg aus dem gegenw&auml;rtigen wirtschaftlichen und sozialen Albtraum. In Nigeria ist der Kampf um Wasser, Elektrizit&auml;t, f&uuml;r sanit&auml;re Einrichtungen und genug Nahrung der Kampf um Sozialismus. Der einzige Weg, diese Dinge zur Verf&uuml;gung zu stellen, w&auml;re, den Reichtum dieses Landes aus den H&auml;nden der Diebe zu nehmen, ob in- oder ausl&auml;ndisch, und in die H&auml;nde des Volkes zu legen. W&auml;ren die Ressourcen, der &ouml;ffentlichen Dienst, die Hauptindustrien und Banken in &ouml;ffentlichem Eigentum und w&uuml;rden demokratisch von der Arbeiterklasse betrieben, w&uuml;rde man leicht sehen wie dramatische Verbesserungen der sozialen Bedingungen und Lebensstandards sehr schnell bewerkstelligt werden k&ouml;nnten. <\/font> <\/p>\n<p>  <font size=\"3\">Die DSM konnte beachtliche Unterst&uuml;tzung f&uuml;r die Idee des Sozialismus aufbauen. Ihre Verankerung in den Gewerkschaften, Betrieben und Gemeinden wurde sogar von der NLC-F&uuml;hrung anerkannt, die Lagos zur Vorbereitung des f&uuml;r Oktober geplanten Generalstreiks in vier verschiedene Gebiete eingeteilt hatte und DSM- Mitglieder in die Verantwortung f&uuml;r zwei dieser Gebiete einsetzte. <\/font> <\/p>\n<p>  <font size=\"3\">DSM Mitglieder sind auch in der F&uuml;hrung der National Conscience Party in Lagos, sehr wichtige Positionen angesichts der Basis die diese Partei in der Arbeiterklasse und der Jugend hat. Diese ganze Arbeit spiegelte sich bei der DSM Konferenz wieder, an der ich teilnahm. Um die 120 Delegierte und Besucher nahmen teil, ein bedeutende Errungenschaft wenn man die Transport- und Kommunikationsprobleme bedenkt. Es waren Arbeiter, Jugendliche, Menschen verschiedener Nationalit&auml;ten und ethnischen Hintergr&uuml;nden und eine Anzahl von Arbeiterfrauen, was bedeutsam ist in einem Land wo Frauen zweifach unterdr&uuml;ckt sind. <\/font> <\/p>\n<p>  <font size=\"3\">Abgesehen von der Konferenz war es mir m&ouml;glich zu reisen und die Arbeit der DSM vor Ort zu sehen. Die &ouml;ffentliche Veranstaltung im Ajegunle-Bezirk, eines der verarmtesten Slum-Viertel Lagos`, wo ich sprach, war unvergesslich. <\/font> <\/p>\n<p>  <font size=\"3\">Das Treffen wurde im Freien abgehalten, an einer Stra&szlig;enecke direkt an einer der unpassierbaren dreckigen Stra&szlig;en, die durch das Zentrum dieses belebten Viertels f&uuml;hren. Auf der anderen Seite war ein verwahrlostes Grundst&uuml;ck mit H&auml;usern, die vor kurzem in den letzten ethnischen Auseinandersetzungen zerst&ouml;rt worden und noch nicht wieder aufgebaut worden waren. Zwischen zwei Holzh&uuml;tten, die als L&auml;den dienten, war ein Draht mit einer einzige Gl&uuml;hbirne gespannt. Menschen auf Motorr&auml;dern, barf&uuml;&szlig;ige Kinder, Frauen die Essen und Wasser trugen liefen aus beiden Richtungen vorbei. <\/font> <\/p>\n<p>  <font size=\"3\">Trotzdem h&ouml;rten mehr als 40 Menschen aus dem Viertel dem Sprecher und der folgenden Diskussion in gespannter Aufmerksamkeit zu. Das Treffen fand am Vorabend der M&uuml;llsteuerschlacht in Dublin statt und als ich diese Kampagne erw&auml;hnte gab es ein pl&ouml;tzliches und spontanes Aufbranden von Applaus. Die Idee dass ArbeiterInnen im privilegierten Westen bereit waren zu k&auml;mpfen war sehr inspirierend f&uuml;r dieses Publikum. Die Tatsache, dass BewohnerInnen in einem der &auml;rmsten Stadtteile von Lagos, deren meiste Energie f&uuml;r den &Uuml;berlebenskampf aufgezehrt wird, nach sozialistischen Ideen d&uuml;rsten, sollte f&uuml;r die Arbeiterklasse und die Jugend hier noch inspirierender sein. <\/font> <\/p>\n<p>  <font style=\"font-style: italic;\" size=\"3\">Aus &#x93;Socialist Review&#x94; No.12, Magazin der Socialist Party, der Sektion des CWI in Irland<\/font><span style=\"font-style: italic;\"> <\/span><br style=\"font-style: italic;\"> <font style=\"font-style: italic;\" size=\"3\">&Uuml;bersetzung: Conny Dahmen<\/font><span style=\"font-style: italic;\"> <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Peter Hadden berichtet von seinem Besuch in Nigeria, den er im letzten Herbst unternahm, um die Arbeit Demokratische Sozialistische Bewegung (Democratic Socialist Movement &#x96; DSM) zu unterst&uuml;tzen. 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