{"id":10871,"date":"2004-05-05T09:18:08","date_gmt":"2004-05-05T09:18:08","guid":{"rendered":".\/?p=10871"},"modified":"2004-05-05T09:18:08","modified_gmt":"2004-05-05T09:18:08","slug":"10871","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2004\/05\/10871\/","title":{"rendered":"Auf zu alten Ufern!"},"content":{"rendered":"<p>Eine neue Linkspartei sollte sich an den SPD-Gr&uuml;ndern orientieren<!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\nEin Gespenst geht um in Deutschland. Das Gespenst der neuen Linkspartei. Und wie das bei einem Gespenst so &uuml;blich ist, zeigt es sich selten, aber trotzdem reden alle dar&uuml;ber. Seit dem 5. M&auml;rz vergeht kaum ein Tag ohne eine Zeitungsmeldung zur dieser Frage. Eine intensive Debatte in der Linken hat begonnen. Aber: Reden ist Silber, Handeln ist Gold! Es darf keine Zeit verloren werden, eine neue Partei f&uuml;r Lohnabh&auml;ngige, Erwerbslose, Jugendliche und RentnerInnen aufzubauen.<br \/>  Die Austrittswelle aus der SPD h&auml;lt unvermindert an. Aus der &#x84;st&auml;rksten der Partei&#x92;n&#x93; ist ein neoliberaler Kanzlerwahlverein geworden. Und als h&auml;tte Kanzler Schr&ouml;der nicht schon genug Probleme, zieht sein Bruder ins Big Brother Haus und wird landauf landab &uuml;ber die Bildung einer neuen linken Partei debattiert. Die Initiative Arbeit und soziale Gerechtigkeit (ASG) der bayrischen IG-Metall-Funktion&auml;re und SPD-Mitglieder um den Schweinfurter IG-Metall-Sekret&auml;r Klaus Ernst hat mittlerweile &uuml;ber 2.000 Unterst&uuml;tzerInnen, &uuml;ber 3.000 Menschen haben sich in den Newsletter der anderen bundesweiten Gruppe &#x96; Wahlalternative 2006 &#x96; eingetragen. Diese Gruppe besteht aus ver.di-Funktion&auml;ren, PDS-Linken wie Uwe Hiksch und Joachim Bischoff und anderen Einzelpersonen. Hunderttausende Zugriffe wurden auf den jeweiligen Websites verzeichnet. Die ASG spricht von geplanten Regionalgruppengr&uuml;ndungen in 50 bis 70 St&auml;dten. Aber das ist noch nicht alles: in Hannover haben sozialdemokratische Stadtr&auml;te die SPD verlassen und eine &#x84;Hannoveraner Linke&#x93; gebildet; in Chemnitz bildete der &ouml;rtliche IG Metall-Sekret&auml;r Bender eine kommunale W&auml;hlervereinigung und wurde deshalb aus der SPD ausgeschlossen; in Sachsen diskutiert der DGB-Landesvorsitzende Hanjo Lucassen die Gr&uuml;ndung einer &#x84;S&auml;chsischen Arbeiterpartei&#x93;. <br \/>  Die Einsicht, dass mit dieser SPD auch nicht ann&auml;hernd eine Politik f&uuml;r ArbeitnehmerInnen gemacht werden kann, hat aufgrund der Agenda 2010 also auch Teile der mittleren Funktion&auml;rsebene der Gewerkschaften erreicht. Besser sp&auml;t als nie.<br \/>  Initiative Arbeit und soziale Gerechtigkeit und die Gruppe Wahlalternative arbeiten zusammen. Erste Regionaltreffen wurden in Frankfurt\/Main, Bremen und Nordrhein-Westfalen durchgef&uuml;hrt. Lei-der wurde nicht zu allen Treffen &ouml;ffentlich eingeladen. Gerade die GewerkschafterInnen der ASG scheinen sehr darauf bedacht zu sein, ihr Projekt nicht f&uuml;r alle interessierten Kr&auml;fte zu &ouml;ffnen, um es unter Kontrolle zu halten. Das geht einher mit einer politischen Orientierung, die ganz im Rahmen kapitalistischer Marktwirtschaft verharrt und darauf setzt, den Kapitalismus besser zu managen, als es die Kapitalisten tun beziehungsweise im Rahmen des Kapitalismus soziale Gerechtigkeit zu schaffen. <\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">Bundesweiter Kongress<\/span><\/p>\n<p>  Am 6. Juni wird es aber in Berlin zu einem bundesweiten Kongress kommen, der hoffentlich f&uuml;r alle Interessierten offen sein wird und zu dem &uuml;ber 1.000 TeilnehmerInnen erwartet werden. Dieser Kongress sollte die Gr&uuml;ndung einer Bewegung f&uuml;r eine neue Partei f&uuml;r Lohnabh&auml;ngige, Erwerbslose, Jugendliche und RentnerInnen proklamieren. Ausgehend davon sollten bundesweit lokale Initiativgruppen gebildet werden. Da, wo es wie in einigen St&auml;dten Nordrhein-Westfalens linke kommunale Wahlb&uuml;ndnisse gibt, sollte die Verbindung zur Kommunalwahl im September gezogen werden. <br \/>  Wenn eine solche Bewegung erfolgreich sein will muss von diesem Kongress ein klares Signal ausgehen: wir wollen nicht zur&uuml;ck zur SPD der 90er Jahre, also zu etwas weniger Sozialk&uuml;rzungen und etwas weniger Kriegseins&auml;tzen der Bundeswehr &#x96; wir wollen zur&uuml;ck zur SPD von Lassalle, Bebel und Liebknecht! Wir wollen eine k&auml;mpferische Partei, die ArbeiterInnen organisiert, um diesen als Kampfinstrument zu dienen. Wir wollen eine Partei die kapitalistische Kriegspolitik grunds&auml;tzlich zur&uuml;ckweist. Wir wollen eine Partei, die demokratisch ist und die kapitalistische Profitwirtschaft ablehnt. Auf zu alten Ufern!<\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">Das Potenzial nutzen!<\/span><\/p>\n<p>  Doch die Initiatoren des Projekts scheinen zu z&ouml;gern. Die bayrischen GewerkschafterInnen erkl&auml;ren immer wieder, dass die Gr&uuml;ndung einer neuen Partei nur eine Option sei und sie nicht die Hoffnung aufgeben wollen, die SPD f&uuml;r eine soziale Politik zu gewinnen. Das schafft nicht nur Illusionen in eine Reform der Sozialdemokratie. Zu einem Zeitpunkt, an dem eine entschlossene Strategie zum Aufbau einer neuen Partei verk&uuml;ndet werden m&uuml;sste, wird gez&ouml;gert. Mit Z&ouml;gern wird man aber niemanden begeistern k&ouml;nnen.<br \/>  Die Gruppe Wahlalternative hingegen spricht tats&auml;chlich nur von einer Wahlalternative. Sie gibt zwar verbal das unter Linken zum guten Ton geh&ouml;rende Bekenntnis zum Vorrang au&szlig;erparlamentarischer Aktivit&auml;ten ab, in Wirklichkeit jedoch hat die Gruppe eine weitgehend parlamentarische Orientierung. <br \/>  Diese Haltungen der f&uuml;hrenden K&ouml;pfe der beiden Initiativen birgt die Gefahr, dass das gro&szlig;e Potenzial f&uuml;r eine neue Arbeiterpartei nicht ausgesch&ouml;pft wird. Dieses Potenzial z&auml;hlt hunderttausende von den etablierten Parteien entt&auml;uschter und von den Angriffen durch Regierung und Kapital radikalisierter ArbeiterInnen, Erwerbsloser und Jugendlicher. Diese k&ouml;nnen nur mobilisiert werden, wenn sie davon &uuml;berzeugt werden, dass kein neuer Selbstbedienungsladen f&uuml;r privilegierte BerufspolitikerInnen entsteht, sondern eine Kraft, die in den t&auml;glichen K&auml;mpfen im Betrieb, im Stadtteil, in Schule und Hochschule an ihrer Seite steht. Nur eine Partei des aktiven Widerstands kann dieses Potenzial mobilisieren. <br \/>  Das repr&auml;sentieren die Protagonisten der beiden bundesweiten Initiativen bisher nicht. Aber sie k&ouml;nnen in der Lage sein, zehntausende linke und gewerkschaftliche AktivistInnen in einer parlamentarischen Plattform zusammen zu bringen und bei den kommenden Bundestagswahlen eine ernsthafte Wahlalternative anzubieten, die den Einzug in den Bundestag schaffen k&ouml;nnte. <br \/>  Die SAV unterst&uuml;tzt einen solchen Prozess und tritt daf&uuml;r ein, dass eine wirkliche Arbeiterpartei mit einem sozialistischen Programm geschaffen wird. <br \/>  (18.4.2004)&nbsp; <\/p>\n<p>  <span style=\"font-style: italic;\">von Sascha Stanicic, Berlin<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine neue Linkspartei sollte sich an den SPD-Gr&uuml;ndern orientieren<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[78],"tags":[160],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10871"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10871"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10871\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10871"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10871"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10871"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}