{"id":10867,"date":"2004-05-04T16:25:27","date_gmt":"2004-05-04T16:25:27","guid":{"rendered":".\/?p=10867"},"modified":"2004-05-04T16:25:27","modified_gmt":"2004-05-04T16:25:27","slug":"10867","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2004\/05\/10867\/","title":{"rendered":"Nur noch Leuchtt&uuml;rme im dunklen Osten?"},"content":{"rendered":"<p>15 Jahre nach der Einheit wurde aus den versprochenen bl&uuml;henden Landschaften eine &ouml;de W&uuml;ste<!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\nDie Forderung des&nbsp; &#x84;Gespr&auml;chskreises Ost&#x93; unter dem Vorsitz des fr&uuml;heren Hamburger B&uuml;rgermeisters Klaus von Dohnanyi nach Einf&uuml;hrung einer &#x84;Sonderwirtschaftszone Ost&#x93; (SWZ) bedeutet das Ende der M&auml;r vom Aufschwung Ost und der schnellen Angleichung der Lebensverh&auml;ltnisse an den Westen. <br \/>  F&uuml;r viele Ostdeutsche ist der Traum vom Wirtschaftswunderland inzwischen ausgetr&auml;umt. Real&nbsp; hingegen ist f&uuml;r die Masse der Bev&ouml;lkerung in Ost wie West, dass die sogenannte soziale Marktwirtschaft oder besser der Kapitalismus nur noch wachsende Verelendung, Erwerblosigkeit, Umweltzerst&ouml;rung und Krieg zu bieten hat.<\/p>\n<p>  Der Letzte macht das Licht aus!<\/p>\n<p>  Obwohl bisher 1.250 Milliarden Euro in den Osten oder besser &uuml;ber den Osten in die Taschen der Unternehmer geflossen sind, ist heute das Gebiet der ehemaligen DDR weitgehend deindustrialisiert. Die offizielle Erwerbslosigkeit ist mit derzeit 1,676 Millionen (19,6 Prozent) in etwa doppelt so hoch wie im Westen. Seit 1991 haben dem Statistischen Bundesamt zur Folge mehr als 2,1 Millionen meist Jugendliche, Akademiker und Frauen den Osten in Richtung Westen verlassen, weil sie sich dort bessere Arbeits- und Ausbildungsm&ouml;glichkeiten erhofften.<br \/>  Angeblich soll dieser Entwicklung durch die Einf&uuml;hrung der SWZ Einhalt geboten werden. <br \/>  Was das hei&szlig;t, erkl&auml;rte am 7. April 04 der s&auml;chsische Ministerpr&auml;sident Georg Milbradt (CDU) in der Frankfurter Rundschau: es ginge um eine &#x84;Entfesselung des Marktes und eine Abkehr von &Uuml;berregulierungen&#x93;. Statt mit der &#x84;Gie&szlig;kanne&#x93; sollen dann mittels &#x84;Leuchtturmpolitik&#x93; nur noch sogenannte &#x84;Cluster&#x93; (erfolgreiche Wachstumsunternehmen) gef&ouml;rdert werden. Die Gelder daf&uuml;r sollen &uuml;ber den massiven Abbau von Stellen im &ouml;ffentlichen Dienst oder durch eine sp&auml;tere Tarifangleichung reinkommen. Daf&uuml;r m&uuml;sste das Ost-Tarifrecht &#x84;einfach und verst&auml;ndlich, leistungsorientiert und regional flexibel&#x93; gestaltet werden und &Ouml;ffnungsklauseln beinhalten. &nbsp;<br \/>  Das w&uuml;rde bedeuten, dass Unternehmer und Betriebsr&auml;te auf betrieblicher Ebene &#x84;freiwillig&#x93; Abweichungen vom Tarifvertrag beschlie&szlig;en. <br \/>  &#x84;F&uuml;r die Allgemeinverbindlicherkl&auml;rung von Tarifvertr&auml;gen&#x93; besteht nach Milbradt &#x84;daneben kein Raum mehr&#x93;. Durch &#x84;Lohnspreizung&#x93; sollen Fach- und Spitzenkr&auml;fte auf Kosten niedrigerer Gehalts- und Lohngruppen mehr Geld bekommen, um nicht abzuwandern. F&uuml;r Erwerbslose hingegen sind staatliche Zusch&uuml;sse f&uuml;r Niedriglohnjobs statt Ersatzleistungen (&#x84;Aktivierende Sozialhilfe&#x93;) geplant. F&uuml;r Unternehmen mit bis zu 20 Besch&auml;ftigten und f&uuml;r &uuml;ber 50-j&auml;hrige wird von Milbradt die Abschaffung des K&uuml;ndigungsschutzes gefordert.<br \/>  Die Forderungen von Milbradt zeigen den ganzen kapitalistischen Irrsinn auf. Obwohl die Warteschlangen bei Beh&ouml;rden immer l&auml;nger werden, soll es im &ouml;ffentlichen Dienst Entlassungen geben. Obwohl die Gesellschaft noch nie so reich war wie heute, werden L&ouml;hne gesenkt. Und das alles nur, um die Profite zu steigern und die Reichen noch reicher zu machen. <br \/>  Stattdessen w&auml;re es n&ouml;tig, die vorhandene Arbeit durch Neueinstellungen auf alle zu verteilen. K&uuml;rzungen bei L&ouml;hnen und Geh&auml;ltern w&auml;ren nicht n&ouml;tig, wenn der Reichtum von Oben nach Unten verteilt werden w&uuml;rde. So k&ouml;nnten auch &ouml;ffentliche Investitionen in den Bereiche Umwelt, Soziales und Bildung neue Arbeitspl&auml;tze schaffen und demokratisch kontrolliert &#x96; jenseits der Profit-Herrschaft &#x96; sinnvolle Produkte und bessere Lebensverh&auml;ltnisse schaffen.<\/p>\n<p>  Sonderwirtschaftszone Gesamt-Deutschland<\/p>\n<p>  Die Misere im Osten ist ja lange bekannt. Warum soll dann gerade jetzt die SWZ eingef&uuml;hrt werden? Helmut Seitz, Wirtschaftsexperte des &#x84;Gespr&auml;chskreises Ost&#x93; wei&szlig; es: &#x84;Wir brauchen&#8230; keine Sonderwirtschaftszone Ost, wir brauchen eine Sonderwirtschaftszone Gesamtdeutschland&#x93;. <br \/>  Es geht also nicht darum, den Aufschwung Ost zu erreichen. Stattdessen sollen &uuml;berall die &#x84;Rahmenbedingungen&#x93; f&uuml;r die Profitwirtschaft auf Kosten der Lebensverh&auml;ltnisse der Masse der Arbeitenden, Erwerbslosen, Jugendlichen und RentnerInnen verbessert werden. Das kann nur gestoppt werden, wenn sich die Betroffenen dagegen zusammenschlie&szlig;en und gemeinsam k&auml;mpfen.<br \/>  <br style=\"font-style: italic;\"> <span style=\"font-style: italic;\">von Ronald Luther, Berlin<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>15 Jahre nach der Einheit wurde aus den versprochenen bl&uuml;henden Landschaften eine &ouml;de W&uuml;ste<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[78],"tags":[160],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10867"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10867"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10867\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10867"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10867"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10867"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}