{"id":10866,"date":"2004-05-04T16:24:30","date_gmt":"2004-05-04T16:24:30","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=10866"},"modified":"2012-06-24T15:36:51","modified_gmt":"2012-06-24T13:36:51","slug":"10866","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2004\/05\/10866\/","title":{"rendered":"Mehr Soldaten und mehr Heroin"},"content":{"rendered":"<p>Das sind die einzigen Bereiche des Aufschwungs in Afghanistan<!--more--><br \/> \u00a0<br \/> Seit etwa zweieinhalb Jahren befindet sich die Bundeswehr mit ungef\u00e4hr 2.000 deutschen Soldaten in Afghanistan, um Menschenrechte und Demokratie einzuf\u00fchren, das Land aus der Knechtschaft der Warlords zu befreien und den entrechteten Frauen ihre Freiheit zur\u00fcckerobern. Das waren die hehren Ziele der allierten Streitkr\u00e4fte. Weit von der versprochenen Stabilit\u00e4t entfernt, ger\u00e4t Afghanistan au\u00dfer Kontrolle der Besatzer und die Situation der Menschen verschlechtert sich ? auch wenn das kaum m\u00f6glich scheint.<br \/> Seit dem 4. Januar 2004, dem Ende der Afghanischen Ratsversammlung, der Loja Dschirga, ist Afghanistan eine Islamische Republik. So steht es in der von 502\u00a0 Delegierten (90 weibliche Delegierte)\u00a0 verabschiedeten Verfassung. <br \/> Dass bei der Ausz\u00e4hlung der Stimmen insgesamt 23 Stimmen mehr abgegeben wurden als stimmberechtigte Delegierte anwesend waren, st\u00f6rte nur wenig, denn Stimmenkauf und Korruption geh\u00f6rten ohnehin zum Politgesch\u00e4ft. So ist der\u00a0 Reigierungsbevollm\u00e4chtigte Modjadedi am 4. Januar mit einer Verfassung vor die Presse getreten, die hinter den Kulissen ausgehandelt wurde, ohne endg\u00fcltig abgestimmt worden zu sein.<br \/> Ein weiteres Ergebnis sind\u00a0 zwar weitreichende Machtbefugnisse des Pr\u00e4sidenten Karsai, doch scheint dies das Vertrauen der sogenannten Geberl\u00e4nder in die Interimsregierung (ATA) nicht zu st\u00e4ken.<br \/> Wie hoch das Vertrauen der westlichen Regierungen in die ATA ist sieht man daran, dass das Gros der 2002 versprochenen\u00a0 5,25 Milliarden US-Dollar auf Konten der Weltbank liegt und\u00a0 von den Geberl\u00e4ndern vewaltet wird. An dieser Vergabepraxis wird sich auch in den n\u00e4chsten Jahren nichts \u00e4ndern.<br \/> Skepsis bez\u00fcglich den Wiederaufbauf\u00e4higkeiten der Regierung sind durchaus angemessen. So ist die ATA bei ihrer wichtigsten Wiederaufbaumassnahme, der R\u00e4umung der etwa 30 Millionen Landminen nur minimal vorangekommen. Mit der jetztigen Kapazit\u00e4t an Mienenr\u00e4umungskr\u00e4ften w\u00fcrde die R\u00e4umung 400 Jahre dauern.<\/p>\n<p>Drogenhandel boomt<\/p>\n<p>Was die wirtschaftliche Entwicklung Afghanistans anbelangt, k\u00f6nnten die Zahlen d\u00fcsterer nicht sein. Der Staat ist bankrott und der einzige Wirtschaftszweig, der boomt ist der Drogenhandel. Laut UNO-Angaben stammen zwei Drittel des weltweit gehandelten Heroins aus Afghanistan.\u00a0 Die Heroinproduktion hat sich von 2001 bis 2003 auf 360 Tonnen verdoppelt. Dass bei Drogengesch\u00e4ften dieser Gr\u00f6ssenordnung nicht lediglich eine kleine Gruppe von gro\u00dfen Gangstern am Werk ist, sondern eine grosse Gruppe von Politikern und Warlords versteht sich von selbst. Insofern kann auch das Eingest\u00e4ndnis des afghanischen Finanzministers Ashraf Ghani, es handele sich um einen ?Drogenmafia-Staat? nicht wundern.<\/p>\n<p>Modell Afghanistan?<\/p>\n<p>Zur Situation der Frauen sagte die Frauenrechtlerin Shahla Asad im\u00a0 Interview mit der Wochenzeitung Freitag: ?Es gibt eine kaum ver\u00e4nderte Situation ? noch immer m\u00fcssen die meisten Frauen die Burka tragen, noch immer ist es gef\u00e4hrlich f\u00fcr sie, Jobs anzunehmen, in die Schule oder auf die Stra\u00dfe zu gehen. Noch immer gibt es in verschiedenen Landesteilen F\u00e4lle von Kidnapping und Mord an Frauen.? <br \/> Die Delegierte Malalei Joia fand schon bei der Ratsversammlung im Januar \u00e4hnlich klare Worte: ?Hier unter diesem Zelt sitzen lauter R\u00e4uber, Drogenh\u00e4ndler, Verbrecher und M\u00f6rder. Sie haben das Land aus Machtgier und Geldgier zugrunde gerichtet. Sie geh\u00f6ren nicht in eine freie, erhabene Versammlung, sondern vor Gericht?. Seit ihrer Rede steht sie wegen Morddrohungen unter permanentem Personenschutz. <br \/> Angesichts dieser Fakten verwundert die Einsch\u00e4tzung von Bundeskanzler Gerhard Schr\u00f6ders zur Situation in Afghanistan: Er bezeichnete Afghanistan ? nach der Afghanistan-Konferenz ? als Modell f\u00fcr das Vorgehen der Internationalen Gemeinschaft.<\/p>\n<p>Neue K\u00e4mpfe, wachsende Unruhen<\/p>\n<p>Aus Sicht der NATO-Staaten muss insbesondere der stets wachsende Einfluss der Warlords der ehemaligen Nordallianz besorgniserregend sein. So hat laut Spiegel online von Anfang April Rashid Dostam Regierungstruppen in die Flucht geschlagen, seinen Einfluss ausgedehnt und die Provinzhauptstadt Maymana besetzt. <br \/> Seit Jahresbeginn seien \u00fcber 200 Menschen get\u00f6tet worden und aufgrund der aktuellen Sicherheitslage sei zweifelhaft, ob die f\u00fcr September geplanten Parlamentswahlen stattfinden k\u00f6nnen. <br \/> In einer DPA-Meldung vom 12. April 04 heisst es, der Warlord\u00a0 Gulbuddin Hekmatyar habe seine Landsleute zum Aufstand gegen die USA aufgerufen. Wie im Irak sei nun auch in Afghanistan die Zeit f\u00fcr den Aufstand gegen die Besetzer gekommen.<br \/> In Afghanistan schein momentan alles m\u00f6glich zu sein, bloss kein Ende von Krieg, Hunger und Elend f\u00fcr den \u00fcberwiegenden Teil der Menschen.<\/p>\n<p><span style=\"font-style: italic;\">von Eckhard Geitz, Kassel<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das sind die einzigen Bereiche des Aufschwungs in Afghanistan<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[60],"tags":[160],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10866"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10866"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10866\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10866"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10866"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10866"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}