{"id":10854,"date":"2004-04-19T17:12:23","date_gmt":"2004-04-19T17:12:23","guid":{"rendered":".\/?p=10854"},"modified":"2004-04-19T17:12:23","modified_gmt":"2004-04-19T17:12:23","slug":"10854","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2004\/04\/10854\/","title":{"rendered":"ANC gewinnt mit &uuml;berw&auml;ltigender Mehrheit"},"content":{"rendered":"<p>Niedrige Wahlbeteiligung zeigt die wachsende Entt&auml;uschung der Menschen<!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\n<font size=\"3\">Wie nur schwer vorauszusehen war, wird der Sieg des ANC mit beinahe 70% der Stimmen von seiner F&uuml;hrung und den meisten Medien als Best&auml;tigung ihrer Politik gefeiert. Diese Sicht der Dinge wird noch durch die v&ouml;llige Niederlage der Parteien der Apartheid best&auml;rkt. <\/font> <\/p>\n<p>  <font size=\"3\">Die &#x84;New National Party&#x93; (NNP) erreichte bei den ersten demokratischen Wahlen 1994 noch 20% der Stimmen. 1999 sackte sie dann auf 7% ab, um schlie&szlig;lich bei den jetzigen Wahlen mit gerade einmal 257.000 Stimmen auf unter 1% abzust&uuml;rzen. Damit ist jene Partei, die beinahe 50 Jahre lang die schwarze Mehrheit der Bev&ouml;lkerung mit ihrer rassistischen Ideologie brutal unterdr&uuml;ckte, praktisch ausgel&ouml;scht.<\/font> <\/p>\n<p>  <font size=\"3\">Die IFP ist im Vergleich zu den Wahlen von 1994 von rund 10% auf unter 7% zur&uuml;ckgefallen. Sie ist in den 80er und Anfang der 90er Jahre f&uuml;r den Tod von 20.000 Menschen verantwortlich. Bedeutender aber ist, dass sei ihre traditionelle Verankerung in der Provinz &#x84;KwaZulu Natal&#x93; verloren hat. Auch trotz des Misserfolgs des ANC in dieser Provinz wird es aber der IFP nicht m&ouml;glich sein, mit ihrem neuen Partner, der &#x84;Democratic Alliance&#x93; (DA) eine Mehrheit zu bilden.<\/font> <\/p>\n<p>  <font size=\"3\">Die DA hat die direkte Nachfolge der liberalen &#x84;Democratic Party&#x93;, einer wei&szlig;en Oppositionspartei des gro&szlig;en Geldes unter dem Apartheid Regime, angetreten. Sie erreichte nun 12,3% im Gegensatz zu den 1,7% von 1994 und 8,5% von 1999. Dieser Erfolg resultiert haupts&auml;chlich vom Einbruch der NNP in einer ihrer Hochburgen, nachdem sie dort in eine Koalition mit dem ANC eingetreten war.<\/font> <\/p>\n<p>  <font size=\"3\">Die 10,8 Millionen Stimmen f&uuml;r den ANC k&ouml;nnen trotzdem nicht als Zustimmung f&uuml;r die Politik des ANC gesehen werden. Er profitiert haupts&auml;chlich von der Tatsache, dass er noch immer als Partei der Befreiung von der Apartheid gesehen wird und es keine ernstzunehmende Alternative gibt. So stimmten viele Schwarze trotz ihrer Entt&auml;uschung und &Auml;rgers &uuml;ber die herrschende Politik noch f&uuml;r den ANC. Praktisch alle Oppositionsparteien stehen mit ihren Wirtschaftsprogrammen genauso wie der ANC auf einer kapitalistischen Grundlage. Eine wirkliche Alternative gab es also nicht.<\/font> <\/p>\n<p>  <font size=\"3\">Die &#x84;Democratic Socialist Movement&#x93; (die Schwesterpartei der SLP und SAV in S&uuml;dafrika) verkaufte von ihrer Sondernummer zur Wahl alleine am Wahltag &uuml;ber 250 Ausgaben. Die dabei berichteten Reaktionen decken sich mit der bereits beschriebenen Einsch&auml;tzung. Viele Menschen sehen noch in den Ende 2003 angek&uuml;ndigten Erh&ouml;hungen bei den Pensionen, der Kinder- und Invalidit&auml;tsunterst&uuml;tzung, das Versprechen nach 1 Million neuer Arbeitspl&auml;tzen binnen der n&auml;chsten 5 Jahre und der Beginn der Auslieferung von AIDS Medikamenten ab 1. April, eine &Auml;nderung der Politik der Regierung und eine Hinwendung zu den Problemen der armen Bev&ouml;lkerung.<\/font> <\/p>\n<p>  <font size=\"3\">Aussagekr&auml;ftiger als der Sieg des ANC ist aber der R&uuml;ckgang der Anzahl der W&auml;hler &#x96; sowohl in Prozent als auch in absoluten Zahlen. Mit diversen Anreizen und einer Ausweitung der M&ouml;glichkeiten lie&szlig;en sich 20 Millionen Menschen in die Wahlregister eintragen. Ganze 7 Millionen Menschen konnten nicht &uuml;berzeugt werden und lie&szlig;en sich erst gar nicht f&uuml;r die Wahl registrieren. Darunter sind 52% der unter 25 J&auml;hrigen!<\/font> <\/p>\n<p>  <font size=\"3\">Und von den 20 Millionen &#x84;Registrierten&#x93; gingen auch wieder nur 15 Millionen zur Wahl. 1999 machten noch 16 und 1994 sogar noch 19,5 Mio Menschen von ihrem Wahlrecht Gebrauch. In Prozent ausgedr&uuml;ckt fiel die Wahlbeteiligung von 89% auf 75%. So repr&auml;sentiert der &uuml;berw&auml;ltigende Sieg des ANC gerade nur einmal 38% der Wahlberechtigten! Eine Umfrage vor der Wahl zeigte bereits, dass die Mehrheit der nicht registrierten sich nicht in die Wahlregister einschreiben lassen wollte.<\/font> <\/p>\n<p>  <font size=\"3\">Nachdem Feiern des Wahlsiegs wird beim ANC sehr schnell der Kater kommen. Das Zerbr&ouml;seln der kapitalistischen Oppositionsparteien l&auml;sst keine fadenscheinigen Ausreden und Entschuldungen f&uuml;r ihre Politik mehr zu. Eine Politik die zu 8 Millionen Arbeitslosen gef&uuml;hrt, 57% der Bev&ouml;lkerung in Armut h&auml;lt und 650 Menschen pro Tag an HIV\/Aids sterben l&auml;sst. <\/font> <\/p>\n<p>  <font size=\"3\">Der ANC ist jetzt klar die Partei der Kapitalisten. Im Gegensatz zu den vorangegangen Wahlen hat sich das Blatt gewendet. Damals stand immer die Angst im Vordergrund, dass der ANC eine 2\/3 Mehrheit und damit die M&ouml;glichkeit nach Verfassungs&auml;nderungen erlangen k&ouml;nnte. Das f&uuml;hrte zu mysteri&ouml;sen Wahlausg&auml;ngen, wo dem ANC dann genau die Stimmenanzahl f&uuml;r einen weiteren Sitz fehlt, der die Mehrheit bedeutet h&auml;tte (1999). Die jetzige Mehrheit mit 70% haben die B&ouml;rsen ohne Probleme weggesteckt. Aber eigentlich hatte der ANC schon seit 2000 eine 2\/3 Mehrheit. Damals wurde den Abgeordneten die M&ouml;glichkeit gegeben die Lager bzw. die Parteien zu wechseln &#x96; und die meisten liefen zum ANC &uuml;ber.<\/font> <\/p>\n<p>  <font size=\"3\">Das gewonnen Vertrauen der Kapitalisten hat dem ANC eine &#x84;Belohnung&#x93; in Form einer Wahlkampfspende in der H&ouml;he von 13 Millionen eingebracht. Damit kauften sie sich nicht nur ein Glaubensbekenntnis des ANC zum Kapitalismus. Mit der Weiterf&uuml;hrung der wirtschaftlichen St&auml;rkung und Schaffung einer schwarzen Kapitalistenklasse, wird die Politik fortgesetzt, die weiteres Elend f&uuml;r die Mehrheit der Besch&auml;ftigten bedeutet. Die St&auml;rkung schwarzer Kapitalisten und Mittelschicht wird den Prozess einer Klassenpolarisation beschleunigen. Damit wird der Boden f&uuml;r die Entwicklung einer Arbeitermassenpartei bereitet. Laut einer Umfrage des s&uuml;dafrikanischen Gewerkschaftsbundes (COSATU) aus dem letzten Jahr, w&uuml;rde bereits 1\/3 der Arbeiter die Gr&uuml;ndung einer Arbeiterpartei um an den Wahlen teilzunehmen, unterst&uuml;tzen. <\/font> <\/p>\n<p>  <font size=\"3\">Die COSATU F&uuml;hrung hat als Teil eines Dreierb&uuml;ndnisses mit der Kommunistischen Partei (SACP) wieder f&uuml;r den ANC aufgerufen und Wahlkampf betrieben. Und das trotz der Erniedrigungen, die sie durch Pr&auml;sident Mbeki und einigen SACP Mitgliedern in seinem Kabinett w&auml;hrend des Generalstreiks gegen Privatisierungen im Jahr 2002 erfahren haben. <\/font> <\/p>\n<p>  <font size=\"3\">6000 Mitglieder der Chemiearbeiter Gewerkschaft sind aus dem COSATU ausgetreten. Ihre Forderung nach einem Referendum, ob der COSATU weiterhin im Dreierb&uuml;ndnis bleiben soll, wurde einfach abgelehnt. Diese Arbeiter sind schlie&szlig;lich einer unabh&auml;ngigen Gewerkschaft beigetreten. Und das ist erst der Anfang eines Prozesses, der k&uuml;nftig eine immer gr&ouml;&szlig;ere Bedeutung erlangen wird. Die Kampagne des DSM f&uuml;r eine neue Arbeiterpartei auf Basis eines sozialistischen Programms wird so auf immer gr&ouml;&szlig;eres Echo sto&szlig;en.<\/font> <br \/>  <br style=\"font-style: italic;\"> <font style=\"font-style: italic;\" size=\"3\">DSM &#8211; S&uuml;dafrika<\/font><span style=\"font-style: italic;\"> <\/span><font style=\"font-style: italic;\" size=\"3\">(&Uuml;bersetzung: Albert Kropf &#x96; SLP)<\/font><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Niedrige Wahlbeteiligung zeigt die wachsende Entt&auml;uschung der Menschen<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[36],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10854"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10854"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10854\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10854"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10854"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10854"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}