{"id":10845,"date":"2004-04-05T11:01:48","date_gmt":"2004-04-05T11:01:48","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=10845"},"modified":"2012-06-24T15:30:57","modified_gmt":"2012-06-24T13:30:57","slug":"10845","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2004\/04\/10845\/","title":{"rendered":"F&uuml;r eine Welt ohne Kriege, Hunger und Elend"},"content":{"rendered":"<p>Interview mit Peter Taaffe zum 30-j\u00e4hrigen Bestehen des Komitees f\u00fcr eine Arbeiterinternationale \u2013 CWI<!--more--><br \/> \u00a0<br \/> Anl\u00e4sslich des 30-j\u00e4hrigen Bestehens des Komitees f\u00fcr eine Arbeiterinternationale (englische Abk\u00fcrzung: CWI) der internationalen Organisation, der die SAV angeschlossen ist, sprach Solidarit\u00e4t mit Peter Taaffe. Peter Taaffe ist Generalsekret\u00e4r der Socialist Party in England und Wales und ist Mitbegr\u00fcnder des CWI.<br \/> <br style=\"font-weight: bold;\" \/> <span style=\"font-weight: bold;\">Peter, du bist Gr\u00fcndungsmitglied des CWI. Vor welchem politischen Hintergrund fand die Gr\u00fcndung 1974 statt?<\/span><br \/> Die Gr\u00fcndung fand vor dem Hintergrund von sehr wichtigen und sehr explosiven Entwicklungen in der Weltgeschichte statt. Es war eine Periode von einer ganzen Reihe von revolution\u00e4ren und halb revolution\u00e4ren Ereignissen, sie war beeinflusst von den revolution\u00e4ren Ereignissen in Frankreich 1968. Hinzu kam der sogenannte Prager Fr\u00fchling 1968, der Aufstand der tschechoslowakischen Bev\u00f6lkerung gegen den Stalinismus, der brutal niedergeschlagen wurde. <br \/> Die Zeit war auch gepr\u00e4gt von der Bewegung gegen den Vietnamkrieg und von Protesten gegen diktatorische Regimes. Nur wenige Tage nach unserer offiziellen Gr\u00fcndung fand die Nelkenrevolution in Portugal statt, die der Diktatur ein Ende bereitete. Es war also eine Zeit, die gepr\u00e4gt war durch Massenbewegungen der Jugend, aber auch eine Zeit, in der ein G\u00e4r-ungsprozess innerhalb der damaligen Arbeiterparteien und der Gewerkschaften stattfand. <br \/> <br style=\"font-weight: bold;\" \/> <span style=\"font-weight: bold;\">Warum war es notwendig, eine neue Internationale zu gr\u00fcnden?<\/span><br \/> Als erstes m\u00f6chte ich sagen, dass wir uns sehr bewusst dazu entschieden haben, uns nicht \u201edie\u201c Internationale zu nennen. Wir haben uns den Namen \u201eKomitee f\u00fcr eine Arbeiterinternationale\u201c gegeben, weil wir noch keine Internationale mit Massenanhang waren oder sind. Es hat mit der ehrlichen Einsch\u00e4tzung der Kr\u00e4fte zu tun. Es ist aber auch klar, dass es unsere Aufgabe ist, eine neue Internationale mit Massenanhang aufzubauen. Eine Internationale, die so stark in der Arbeiterklasse verwurzelt ist, wie es die zweite und dritte Internationale waren. <br \/> Der Hauptgrund, mit dem Aufbau einer neuen Internationalen zu beginnen, war die mangelnde programmatische und methodische Klarheit anderer internationaler Organisationen, die unserer Meinung nach nicht in der Lage waren, Antworten und Perspektiven f\u00fcr die sich neu entwickelnde Weltlage zu geben.<br \/> <br style=\"font-weight: bold;\" \/> <span style=\"font-weight: bold;\">Was unterschied das CWI, selbst als damals noch relative kleine Kraft, von anderen?<\/span><br \/> Als allererstes waren das unsere politische Klarheit und unsere Perspektiven. Wir hatten zu einer ganzen Reihe von wichtigen Fragen unterschiedliche Positionen als andere marxistische Organisationen und Organisationen, die sich auf Trotzki beriefen. W\u00e4re das nicht der Fall gewesen, dann h\u00e4tte es nat\u00fcrlich auch keine Notwendigkeit f\u00fcr eine eigene, separate Organisation gegeben. Innerhalb der Arbeiterbewegung sollte man mit solchen Fragen ernsthaft umgehen. <br \/> Allerdings waren wir der Ansicht, dass unsere politischen Ideen, unser Programm und unsere Methoden und unsere Einsch\u00e4tzungen zu bestimmten Fragen fundamental mit denen anderer auseinander gingen, so dass es keinen Sinn machte, in der gleichen Organisation zu bleiben. <br \/> Wir hatten beispielsweise eine andere Einsch\u00e4tzung zur Rolle und Bedeutung der Arbeiterklasse im Kampf f\u00fcr eine sozialistische Gesellschaft. F\u00fcr uns war die Arbeiterklasse nach wir vor die entscheidende Kraft, die Kraft, die aufgrund ihrer Rolle im Produktionsprozess in der Lage ist, gesellschaftliche Ver\u00e4nderungen zu erreichen. Andere trotzkistische Organisationen waren der Meinung, dass kleinb\u00fcrgerliche Bewegungen oder die Bauern diese Rolle \u00fcbernommen hatten. Das ist nur ein Beispiel, eine detailliertere Auseinandersetzung l\u00e4sst sich in unserer Geschichte nachlesen.<br \/> Wenn du heute zur\u00fcckblickst, was denkst du war die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung f\u00fcr das CWI?<br \/> Die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung war und ist nach wie vor, f\u00fcr die Klarheit und Sch\u00e4rfe unserer Ideen zu sorgen. Aber genauso herausfordernd ist es nat\u00fcrlich, diese Ideen in die Sprache der Arbeiterklasse und Jugend zu \u00fcbersetzen. Es geht darum, an das bestehende Bewusstsein der Arbeiterklasse und Jugend anzukn\u00fcpfen und es weiter zu entwickeln. <br \/> Eine weitere Herausforderung war es, in die bestehenden Bewegungen zu intervenieren und bedeutsame Kr\u00e4fte in den verschiedenen L\u00e4ndern der Welt aufzubauen.<br \/> <br style=\"font-weight: bold;\" \/> <span style=\"font-weight: bold;\">Peter, kannst du uns einige Beispiele dessen nennen, was das CWI bisher erreicht hat?<\/span><br \/> Ich finde es sehr schwer, einzelne Beispiele herauszupicken. Aber sicherlich geh\u00f6rt der Kampf gegen die Poll-Tax (eine Kopf-Steuer, die Thatcher einf\u00fchren wollte), den wir angef\u00fchrt haben und der die Thatcher-Regierung zum R\u00fccktritt gezwungen hat, dazu. Gleichzeitig war es ein gro\u00dfer Erfolg, dass wir auf Basis von unserer Kampagne gegen die Einf\u00fchrung von Wassergeb\u00fchren in Dublin heute mit Joe Higgins einen Abgeordneten im irischen Parlament haben, der von einem durchschnittlichen Facharbeiterlohn lebt. Ich k\u00f6nnte noch viel mehr Beispiele nennen, weil wir nat\u00fcrlich auch heute dabei sind, Geschichte zu machen.<br \/> Was ist deiner Meinung nach die gr\u00f6\u00dfte Aufgabe, die vor uns liegt?<br \/> Die entscheidende Aufgabe, die vor uns liegt ist, die neue Generation f\u00fcr marxistische und trotzkistische Ideen zu begeistern und zu gewinnen. Und in dieser Hinsicht helfen uns die heutigen Entwicklungen. Der Irakkrieg hat vielen den wahren Charakter des Imperialismus vor Augen gef\u00fchrt. Es besteht die Chance, dass in der n\u00e4chsten Periode alle Kriegstreiber weggefegt werden. Aznar ist schon weg, Berlusconi und Blair befinden sich in einer schwierigen Position und auch Bush k\u00f6nnte Ende des Jahres die Koffer packen m\u00fcssen. <br \/> Sehr wahrscheinlich wird die begonnene Radikalisierung innerhalb der Arbeiterklasse und der Jugend weiter zunehmen und daraus wird sich f\u00fcr die Arbeiterklasse die Notwendigkeit nach politischem Handeln ergeben. 1938 hat Trotzki gesagt, dass die Krise der Menschheit auf die Krise der F\u00fchrung der Arbeiterbewegung zur\u00fcckzuf\u00fchren ist. Heute k\u00f6nnte man noch erg\u00e4nzen, dass es die Krise oder der Mangel an Organisation der Arbeiterklasse ist. Deshalb denke ich, dass die wichtigste Aufgabe, die vor uns liegt, die ist, mitzuhelfen, m\u00e4chtige und starke Arbeiterorganisationen aufzubauen, die in der Lage sind, eine Welt aufzubauen, in der es keine Kriege, keinen Hunger und kein Elend mehr gibt.<br \/> <br style=\"font-style: italic;\" \/> <span style=\"font-style: italic;\">Das Interview f\u00fchrte Tanja Niemeier.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Interview mit Peter Taaffe zum 30-j&auml;hrigen Bestehen des Komitees f&uuml;r eine Arbeiterinternationale &#x96; CWI<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[102],"tags":[159],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10845"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10845"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10845\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10845"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10845"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10845"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}