{"id":10838,"date":"2004-03-31T15:30:49","date_gmt":"2004-03-31T15:30:49","guid":{"rendered":".\/?p=10838"},"modified":"2004-03-31T15:30:49","modified_gmt":"2004-03-31T15:30:49","slug":"10838","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2004\/03\/10838\/","title":{"rendered":"&#x84;Manager in die Braunkohle&#x93;"},"content":{"rendered":"<p>Bombardier-Belegschaft belagert Aufsichtsratssitzung<!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\nDie komplette Belegschaft, rund 800 ArbeiterInnen, des Waggonbauwerks von Bombardier Ammendorf bei Halle machte sich am gestrigen Dienstag um 5.30 Uhr auf den Weg nach Berlin. Dort fand die Aufsichtsratssitzung des Konzerns statt. Einziger Tagesordnungspunkt: Zustimmung zur Schlie&szlig;ung des Werkes Ammendorf. <br \/>  Dies wollen die Besch&auml;ftigten nicht hinnehmen. Sie f&uuml;hlen sich verraten und verkauft &#x96; zurecht. Noch vor zwei Jahren konnte die damals schon vorgeschlagene Schlie&szlig;ung des Werkes verhindert werden. Versprechungen, die damals von der Konzernleitung zum Erhalt des Werkes gemacht wurden, entpuppten sich als leere Sprechblasen. &#x84;Manager in die Braunkohle&#x93; war die passende Parole, die auf einem Transparent zu lesen war. <br \/>  Einmal mehr zeigt sich auch hier, dass Verzicht nicht zu Arbeitsplatzsicherung f&uuml;hrt. Noch Ende November 2003 hatte der Betriebsrat einer Standortsicherungsvereinbarung zugestimmt, die den Abbau von 200 Arbeitspl&auml;tzen beinhaltete. Diese Zustimmung macht es der Konzernleitung jetzt nur leichter die restlichen Arbeitspl&auml;tze zu vernichten, schlie&szlig;lich ist die Belegschaft jetzt um 200 K&auml;mpferInnen schw&auml;cher. <br \/>  Betroffen ist nicht nur Ammendorf. Weltweit sollen 6.600 Arbeitspl&auml;tze vernichtet werden. In Deutschland ist au&szlig;erdem der Standort Henningsdorf betroffen. F&uuml;r die Region Halle w&auml;re die Schlie&szlig;ung des gr&ouml;&szlig;ten Industriebetriebs eine Katastrophe. Nach Angaben des stellvertretenden Betriebsratsvorsitzenden Armin Schoppe h&auml;ngen von jedem Bombardier-Arbeitsplatz drei weitere bei Zulieferern und Dienstleistern ab. Aus offiziell 20 Prozent Arbeitslosigkeit w&uuml;rde deutlich mehr. <br \/>  Die Wut und Verbitterung stand den Besch&auml;ftigten ins Gesicht geschrieben und sie lie&szlig; sich von den vielen selbstgemalten Transparenten ablesen, die sie mit nach Berlin gebracht hatten: &#x84;Wir lassen uns nicht BRDigen!&#x93; , &#x84;Sachsen-Anhalt &#x96; Armenhaus der Nation&#x93; oder &#x84;Bl&uuml;hende Landschaften aus Werksruinen und leeren St&auml;dten&#x93;. Solche Parolen dr&uuml;ckten auch die Desillusionierung vieler ostdeutscher ArbeiterInnen und Erwerbslosen nach 14 Jahren Wiedervereinigung aus. <br \/>  Trotz des Kampfeswillen der Belegschaft schlugen die Gewerkschaftsvertreter keine erfolgversprechende Strategie f&uuml;r den Kampf um den Erhalt des Werkes vor. Hasso D&uuml;vel, IG Metall-Bezirksleiter und Gewerkschaftsvertreter im Bombardier-Aufsichtsrat erkl&auml;rte, dass der Aufsichtsrat aufgrund formaler Fehler an diesem Tag keinen Beschluss zur Schlie&szlig;ung des Werkes f&auml;llen k&ouml;nne, was er dann auch tats&auml;chlich nicht tat. In einer wenig k&auml;mpferischen Rede sprach D&uuml;vel von den existierenden &Uuml;berkapazit&auml;ten und der schlechten Auftragslage. Seine L&ouml;sungsvorschl&auml;ge bewegten sich g&auml;nzlich in einem betriebswirtschaftlichen Konzept. So schlug er vor, dass die Belegschaft zusammen tragen solle, welche Komponenten von Fremdfirmen geliefert w&uuml;rden. Intention eines solchen Vorschlags ist offensichtlich diese Komponenten wieder bei Bombardier zu fertigen &#x96; was dann mit den Arbeitspl&auml;tzen bei den anderen Firmen geschieht scheint D&uuml;vel erst einmal egal zu sein. Auch einen Verkauf des Werks an ein anderes Unternehmen schloss er nicht aus. Die IG Metall hat dementsprechend eine Unternehmensberatung damit beauftragt, ein Konzept f&uuml;r das Ammendorfer Werk zu erarbeiten. Ein solches wird auch die dem Kapitalismus innewohnende Profitmaximierung zum Ausgangspunkt haben. Es ist kaum zu erwarten, dass auf dieser Grundlage Arbeitspl&auml;tze gerettet werden, es wird h&ouml;chstens zu Vorschl&auml;gen f&uuml;r Arbeitsplatzabbau an anderen Standorten geben. Genau dies gilt es aber zu verhindern. <br \/>  Ein Kollege hatte auf sein Schild geschrieben: &#x84;Wenn Dein starker Arm es will, alle R&auml;der stehen still&#x93;. Dieser alte Leitspruch der Arbeiterbewegung kann nur f&uuml;r die gesamte Bombardier-Belegschaft und letztlich f&uuml;r alle Besch&auml;ftigten im Waggonbau gelten. Sich gegeneinander ausspielen lassen, ist der Anfang vom Ende. Daher ist es bedenklich, dass die Kontakte zu anderen Belegschaften bisher nicht besonders intensiv zu sein scheinen. <br \/>  In einem Interview sagte der Betriebsratsvorsitzende Reiner Knothe, dass erst bei einem anstehenden Treffen des Gesamtbetriebsrates mit den Belegschaftsvertretern anderer Standorte gesprochen werden wird. N&ouml;tig w&auml;re stattdessen eine sofortige Aktionskonferenz von Betriebsr&auml;ten, Vertrauensleuten und Jugendvertretern der verschiedenen Bombardier-Werke zur Ausarbeitung eines gemeinsamen Aktionsplans. <br \/>  Die angedrohte Werksbesetzung in Ammendorf sollte vorbereitet werden und eine bundesweite Solidarit&auml;tskampagne &uuml;ber die IG Metall und andere Gewerkschaften organisiert werden. Und wenn die Bombardier-Konzernleitung nicht nachgeben will, sollte die Forderung aufgestellt werden: Bombardier in Arbeiterhand durch &Uuml;berf&uuml;hrung des Werkes in &ouml;ffentliches Eigentum bei demokratischer Kontrolle und Verwaltung durch die Besch&auml;ftigten. Waggonbau ist &ouml;kologisch sinnvoll und notwendig. Es g&auml;be keine &Uuml;berkapazit&auml;ten, wenn in diesem Bereich die n&ouml;tigen Investitionen f&uuml;r den Ausbau des &ouml;ffentlichen Nah- und Fernverkehrs get&auml;tigt w&uuml;rden. Stattdessen wird aber von der Bundesregierung weiter die Autoindustrie hofiert, die Bahn privatisiert und Streckenverbindungen abgebaut. Der Kampf um das Ammendorfer Bombardier-Werk muss daher nicht nur mit aller Konsequenz gef&uuml;hrt werden, sondern verbunden werden mit einem politischen Kampf f&uuml;r eine alternative Verkehrspolitik, in der nicht die Profite der &Ouml;l- und Automultis, sondern die Bed&uuml;rfnisse von Mensch und Umwelt. Dies w&uuml;rde eine gesamtgesellschaftliche und demokratische Planung des gesamten Waggonbaus als Teil eines demokratisch geplanten Verkehrswesens bedeuten.<\/p>\n<p>  <span style=\"font-style: italic;\">von Sascha Stanicic, Berlin<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bombardier-Belegschaft belagert Aufsichtsratssitzung<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[17],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10838"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10838"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10838\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10838"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10838"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10838"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}