{"id":10834,"date":"2004-03-29T11:01:50","date_gmt":"2004-03-29T11:01:50","guid":{"rendered":".\/?p=10834"},"modified":"2004-03-29T11:01:50","modified_gmt":"2004-03-29T11:01:50","slug":"10834","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2004\/03\/10834\/","title":{"rendered":"F&uuml;r einen hei&szlig;en Fr&uuml;hling 2004"},"content":{"rendered":"<p>Standpunkt aus der Solidarit&auml;t Nummer 24 &#8211; April 2004<!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\nNach dem 3. April ist eine Strategie n&ouml;tig, die aufzeigt, wie die Angriffe von Regierungen und Arbeitgebern zur&uuml;ckgeschlagen werden k&ouml;nnen. So eine Strategie &#x96; mit dem Willen zum Erfolg und der Chance, noch viel mehr KollegInnen einzubeziehen &#x96; kann nur von AktivistInnen in Betrieben, Gewerkschaften und sozialen Bewegungen von unten durchgesetzt werden.<br \/>  Die bisherige Geschichte des Widerstands gegen Schr&ouml;ders Agenda ist die Geschichte der Halbherzigkeit und des Bremsens durch die Gewerkschaftsspitzen. DGB-Vorsitzender Sommer versprach laut Frankfurter Allgemeiner Sonntagszeitung im April 2003 der SPD-Bundestagsfraktion, &#x84;dass der Gewerkschaftsbund zwar f&uuml;rs Schaufenster Kritik an der Reformpolitik Schr&ouml;ders &uuml;ben, es aber letztendlich nicht zu einem &#x82;hei&szlig;en Fr&uuml;hling&#x91; kommen lassen wird&#x93;. Das war und blieb Programm. Erst der 1. November 2003 mit 100.000 DemonstrantInnen in Berlin konnte die Blockade etwas aufbrechen. AktivistInnen aus Betrieben, Gewerkschaften und sozialen Bewegungen hatten gesehen, dass es darauf ankommt, dass sie selbst die Dinge in die Hand nehmen und den Widerstand organisieren. Die SAV hatte zusammen mit dem Netzwerk f&uuml;r eine k&auml;mpferische und demokratische ver.di daran entscheidenden Anteil, die AktivistInnen zu einer Aktionskonferenz im Sommer 03 zusammen zu bringen und so die Demonstration am 1. November auf den Weg zu bringen.<br \/>  Um die Dynamik vor, am und nach dem 1. November gerade in den Gewerkschaften wieder unter Kontrolle zu bekommen, mussten die Spitzen der Gewerkschaften selbst etwas anbieten und vorweisen. Zun&auml;chst kam es zu den Protesten gegen die Angriffe auf die Tarifautonomie. Dann wurde auch ein Termin gesetzt f&uuml;r eine bundesweite Mobilisierung gegen den Sozialkahlschlag &#x96; aber vom Dezember aus erst f&uuml;r den April! Das war nicht der einzige Winkelzug der Gewerkschaftsspitzen, um der SPD-Gr&uuml;nen-Regierung den R&uuml;cken frei zu halten und die Proteste einzud&auml;mmen.<br \/>  Ein Norbert Bl&uuml;m als Redner, vorgeschlagen vom DGB, in K&ouml;ln am 3. April, der selbst als Arbeitsminister der Regierung Kohl f&uuml;r Angriffe auf die Gewerkschaften (zum Beispiel Aussperrungsparagraph AFG 116) mitverantwortlich war, der den Kohlschen Sozialkahlschlag mittrug &#x96; so ein Redner soll dazu dienen, den Protesten die politische Spitze zu nehmen. <br \/>  Der 3. April wird trotzdem f&uuml;r R&uuml;ckenwind f&uuml;r alle AktivistInnen in Betrieben, Gewerkschaften und Bewegungen sorgen, denn allen halbherzigen Mobilisierungen zum Trotz: Massenhaft ergriffen KollegInnen die Gelegenheit ihren Unmut zu zeigen und besorgten sich Mitfahrgelegenheiten zur Demo. <br \/>  Doch den Haltungen der Gewerkschaftsspitzen ist gemein, dass sie die Proteste auf die Demonstration beschr&auml;nken wollen. Dabei k&ouml;nnte der R&uuml;ckenwind endlich genutzt werden, um selbst in die Offensive zu kommen. Wie viel mehr Menschen k&ouml;nnten erreicht werden, wenn endlich ein Kampf aufgenommen w&uuml;rde, bei dem es auch eine Strategie gibt, den Sozialkahlschlag zu stoppen! Daf&uuml;r reichen Demos nicht aus. Entscheidend ist, die Proteste in die Betriebe zu tragen.<br \/>  Davor haben die Spitzen(gehalts)-funktion&auml;re Angst: Sie haben l&auml;ngst ihren Frieden geschlossen mit dem kapitalistischen System. Sie wollen manches besser regeln, aber sie stellen die Profitlogik nicht grundlegend in Frage. Jede Bewegung, die sich uneingeschr&auml;nkt auf die Seite der Besch&auml;ftigten und Erwerbslosen stellt und keine R&uuml;cksicht nimmt auf die Profitinteressen der Unternehmer stellt ihre Haltung in Frage. Und kommen erst einmal Hunderttausende in Bewegung, wird es f&uuml;r die Gewerkschaftsspitzen verdammt schwer, die KollegInnen wieder zu bremsen.<br \/>  Der 1. November zeigt: Nur wenn AktivistInnen aus Betrieben, Gewerkschaften und sozialen Bewegungen die Dinge selbst in die Hand nehmen, tut sich was. Das gilt jetzt auch f&uuml;r die Streik-Frage. <br \/>  Bereits im April 03 gingen Tausende in Schweinfurt w&auml;hrend der Arbeitszeit gegen die Agenda 2010 auf die Stra&szlig;e, im Dezember 03 folgten 7.000 in Kassel diesem Beispiel und streikten gegen die Angriffe von Bundeskanzler Schr&ouml;der und Hessens Ministerpr&auml;sident Koch.<br \/>  Mit Antr&auml;gen und Inititativen von unten kann daf&uuml;r gesorgt werden, dass diese Beispiele Schule machen. Gegen die Blockade der Gewerkschaftsf&uuml;hrung ist das nicht einfach. Aktuelle Auseinandersetzungen k&ouml;nnen der Ausgangspunkt sein. Im &ouml;ffentlichen Dienst braut sich ein Angriff auf Arbeitsbedingungen, Arbeitszeiten und L&ouml;hne (&#x84;Prozessvereinbarung&#x93;) zusammen. Eine gemeinsame Antwort auf allen Ebenen, mit Streiks und stadt- oder landesweiten Vollstreiks von ver.di kann ein Ansatzpunkt sein, andere Gewerkschaften, andere Bereiche und letztendlich den DGB bundesweit zu Streikaktionen von unten zu ermutigen und die Spitzen zu zwingen. <br \/>  So kann eine Strategie von unten beginnen, die Kahlschlag und Lohnraub durchkreuzt. Dabei d&uuml;rfen die Gewerkschaftsspitzen nicht aus der Verantwortung entlassen werden. N&ouml;tig und m&ouml;glich ist ein gemeinsamer Kampf aller von Angriffen Betroffener. Ein eint&auml;giger Generalstreik zusammen mit dem Aufbau einer politischen Alternative, einer Partei f&uuml;r Besch&auml;ftigte, Erwerbslose, Jugendliche und RentnerInnen, kann aufzeigen, wie gegen die Banken, Konzerne und ihre Regierungen gek&auml;mpft werden kann.<br \/>  Um das durchzusetzen m&uuml;ssen die heutigen Gewerkschaftsspitzen inhaltlich und personell herausgefordert und eine organisierte Opposition in den Gewerkschaften aufgebaut werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Standpunkt aus der Solidarit&auml;t Nummer 24 &#8211; April 2004<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[78],"tags":[159],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10834"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10834"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10834\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10834"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10834"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10834"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}