{"id":10830,"date":"2004-03-27T14:11:47","date_gmt":"2004-03-27T13:11:47","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=10830"},"modified":"2012-06-24T15:23:06","modified_gmt":"2012-06-24T13:23:06","slug":"10830","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2004\/03\/10830\/","title":{"rendered":"Irak &#x96; eine gewaltige Herausforderung"},"content":{"rendered":"<p>Verzweifelt versucht das US Regime die Tagesgesch&auml;fte im Irak zu &uuml;bergeben, um im Hintergrund weiter die F&auml;den zu ziehen aber gleichzeitig die politischen, milit&auml;rischen und finanziellen Kosten der direkten Besatzung zu umgehen.<!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\nBush Politik im Nahen Osten wird, wie Robert Bechert berichtet, durch die zunehmend organisierte irakischen Opposition untergraben. <br \/>  Die Hilfsorganisation der US-Regierung im Irak, US-AID, berichtet in ihrem letzten R&uuml;ckblick, dass &#x84;der J&auml;nner die h&ouml;chste Zahl an Gewalt und Anschl&auml;gen seit September 2003 zu verzeichnen hatte&#x93;, mit 614 &#x84;Anschl&auml;gen h&ouml;chster Intensit&auml;t&#x93; verglichen zu 316 im Dezember. USAID f&uuml;rchtet eine &#x82;Balkanisierung&#x92; des Landes &#x96; ein Auseinanderbrechen in kriegsf&uuml;hrende ethnische und religi&ouml;se Gebiete. Ein &auml;hnlicher Prozess f&uuml;hrte 1975 zum B&uuml;rgerkrieg im Libanon und zum Zerfall Jugoslawiens in den 1990er Jahren. Im Februar gab es weitere Angriffe, massive Sprengstoffanschl&auml;ge mit Autos und hochorganisierte, simultan ausgef&uuml;hrte Anschl&auml;ge auf Polizei, Milit&auml;r und Verwaltungsgeb&auml;ude in Falluja. <br \/>  Ziel der USA ist es, die Zahl der stationierten Truppen im Irak von 130.000 auf 105.00 zu reduzieren, aber die andauernden Anschl&auml;ge auf irakische Polizei und Milit&auml;r scheinen Bushs Pl&auml;nen, von der Frontlinie zur&uuml;ckzutreten, entgegenzuwirken. Die USA hat versucht, s&auml;mtliche Anschl&auml;ge als Intervention von &#x82;Ausl&auml;nderInnen&#x92; darzustellen, die von der jordanischen Terrorgruppe Abu Musab al-Zarqawi organisiert w&uuml;rden &#8211; f&uuml;r deren Erfassung ist ein Kopfgeld von 10 Millionen US-$ ausgesetzt. Auf diese Art erhoffen sich die USA Unterst&uuml;tzung aus der irakischen Bev&ouml;lkerung zu sichern und die Aufr&uuml;hrer zu isolieren. Aber w&auml;hrend nur eine kleine Minderheit der IrakerInnen an diesen Angriffen teilnehmen, mu&szlig;te sogar die kriegsbef&uuml;rwortende Zeitung Daily Telegraph in ihrem Editorial am 12. Februar die Tatsachen anerkennen: &#x84;Zweifellos lehnen die Iraker die Besatzung ab&#x93;. <br \/>  Der Misserfolg bei der Suche nach Massenvernichtungswaffen hat sowohl im als auch au&szlig;erhalb des Irak Auswirkungen. The Times berichtet &uuml;ber die Meinung der Iraker: &#x84;Es ist gut, Saddam Hussein loszusein, weil er ein Tyrann war. Aber die Amerikaner h&auml;tten uns die wahren Gr&uuml;nde ihrer Intervention sagen sollen.&#x93; Andere fragen sich, welche Rechtfertigung es f&uuml;r jahrelange Wirtschaftssanktionen gibt, wenn es keine Massenvernichtungswaffen gab? In der Tat, die ReporterInnen der Times sprachen von einem &#x84;&uuml;berraschenden Grad an Hass&#x93;, der sich gegen die US Invasion richtet. Praktischniemand im Irak glaubt, dass die USA und Gro&szlig;britannien im Irak einmarschiert sind, um Massenvernichtungswaffen zu finden.&#x93; (The Times, 28. J&auml;nner) <br \/>  Alles deutet darauf hin (w&auml;hrend dieser Artikel geschrieben wird), dass der US-&Uuml;bergangsplan vom November 03, der ein hastiger Ersatz f&uuml;r den Vorhergehenden ist, eine Totgeburt ist, da er durch die Massenopposition im Irak untergraben und abgelehnt wird. Dieser Plan war ein Versuch der US-Besatzerinnen den Anschein zu erwecken, sie g&auml;be am 30. Juni den IrakerInnen die &#x82;Souver&auml;nit&auml;t&#x92; zur&uuml;ck. Die USA erhofft sich, dass diese fr&uuml;here &Uuml;bergabe von Seiten der Besatzungsbeh&ouml;rde &#8211; Coalition Provisional Authority (CPA) &#8211; an die IrakerInnen einen effektiveren Vorhang errichten w&uuml;rde, hinter dem sie wie gehabt ihre F&auml;den ziehen und vor allem Bush in seiner Wiederwahlkampagne unterst&uuml;tzen k&ouml;nnten. Aber dieses vorgeschlagene souver&auml;ne Parlament wird nicht gew&auml;hlt. Es wird von IrakerInnen nominiert, die zuvor von der CPA ausgew&auml;hlt wurden. Zudem w&uuml;rden die Besatzungsm&auml;chte weiterhin die &#x82;bewaffneten Kr&auml;fte&#x92; innerhalb des Landes bleiben. <br \/>  Die immer lauter werdende irakische Opposition gegen die Besatzung hat sich in verschiedenen Ereignissen gezeigt, angefangen bei der Forderung der schiitischen Massen f&uuml;r Wahlen bis hin zu den anwachsenden milit&auml;rischen Angriffen. Bush sieht sich mit einer Reihe widerspr&uuml;chlicher Tendenzen konfrontiert. An der Heimatfront ist seine Popularit&auml;t stark im Sinken. Bush m&ouml;chte den Abzug der US-Truppen fortsetzen, die Zahl der Anschl&auml;ge verringern und noch vor den Pr&auml;sidentenwahlen im November eine Art &#x82;Sieg&#x92; verk&uuml;nden. Doch seine Glaubw&uuml;rdigkeit leidet unter dem offensichtlichen Versagen, Massenvernichtungswaffen zu finden und wurde durch das Eingest&auml;ndnis des ehemaligen US-Chef-Waffeninspektors, David Kay, weiter untergraben, der die Informationen vor dem Krieg als falsch bezeichnete. <br \/>  Inzwischem beginnen die finanziellen Kosten von Bush Irakabenteuer zu explodieren. George Soros, milliardenschwerer Financier und Kriegsgegner, meinte, dass die Kosten alleine f&uuml;r die US-Truppen 160 Milliarden US-$ f&uuml;r die ersten zwei Jahre ausmachen &#x96; 73 Milliarden US-$ f&uuml;r 2003 und 87 Milliarden f&uuml;r 2004. Aber nur 20 Milliarden US-$ im Jahr 2004 werden in den Wiederaufbau investiert. Bush steht auch unter Druck eines der Hauptziele der Invasion, den Aufbau einer st&auml;rkeren Pr&auml;senz des US Imperialismus im Nahen Osten, zu sichern. Die Umsetzung dieses Zieles wurde gerade durch die Invasion und die chaotische Folgen um vieles erschwert. <\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">SchiitInnen fordern Wahlen <\/span><\/p>\n<p>  Der dritte Aufruf f&uuml;r direkte Wahlen des bekanntesten schiitischen Glaubensf&uuml;hrer, Ayatollah Ali al-Sistani, l&ouml;ste Mitte J&auml;nner haupts&auml;chlich unter den schiitischen Teilen der Bev&ouml;lkerung Massendemonstrationen aus. Die Parolen der DemonstrantInnen in Basra &#x96; &#x93;Yes, yes, to Sistani; Yes, yes, to Islam; No, no, to America!&#x94;&#x96; reflektieren die tiefgehende Ablehnung der USA und das Spiel mit der Macht von Seiten al-Sistanis. Das Ausma&szlig; der Proteste erstaunte die US-Regierung. Beinahe unverz&uuml;glich wurde Paul Bremer, Statthalter im Irak, f&uuml;r dringende Unterredungen nach Washington beordert. Urspr&uuml;nglich hatten die USA al-Sistanis Forderung nach Wahlen, erstmals im Juni erhoben, nicht ernst genommen. Aber die J&auml;nner-Proteste waren zu bedeutsam, um ignoriert zu werden. <br \/>  Al-Sistani selbst k&auml;mpft gegen Rivalen, unter denen sich auch Muqtada al-Sadr befindet, ein schiitischer Kleriker, dessen Vater von Saddams Regime ermordet wurde, und der Jamaat al-Sadr al-Thani anf&uuml;hrt. Er hat sich eine Machtbasis in der heiligen schiitischen Stadt Najaf aufgebaut und ebenso in Bagdad, wo das ehemalige Viertel &#x82;Saddam City&#x92; in &#x82;Sadr City&#x92; umbenannt wurde. Ein weiterer Konkurrent, der vom Iran unterst&uuml;tzte Oberste Rat der islamischen Revolution im Irak (Sciri) scheint geschw&auml;cht zu sein, seit dessen Anf&uuml;hrer Ayatollah Muhammad Baqr al-Hakim letzten August von einer Autobombe get&ouml;tet wurde. Al-Hakims Bruder, Abdel Aziz, &uuml;bernahm die Nachfolge als F&uuml;hrer der Sciri und ging in den von den USA eingesetzten irakischen Regierungsrat (IGC) &#x96; seither leidet seine Popularit&auml;t unter diesem Schritt.. <br \/>  Aus der Bef&uuml;rchtung, dass seine Rivalen, speziell al-Sadr die Initiative ergreifen k&ouml;nnten, war Al-Sistani gezwungen, die Proteste im J&auml;nner zu unterst&uuml;tzen. Aber schon nach knapp zwei Wochen lie&szlig; Al-Sistani die Demonstrationen stoppen, da er bef&uuml;rchtete , der Klerus k&ouml;nnte die Kontrolle dar&uuml;ber verlieren. Bezeichnenderweise setzten Al-Sistanis Gefolgsleute zeitgleich zur Forderung nach Wahlen reaktion&auml;re Erl&auml;sse im Namen des Islam um, ein Vorgeschmack darauf, was die Herrschaft der Mullahs bedeuten w&uuml;rde. <br \/>  W&auml;hrend das IGC kaum irgendeinen realen Einfluss im Land besitzt, ist al-Sistani zur Zeit die dominante Kraft unter der schiitischen Mehrheit. Der ehemalige UN-Direktor f&uuml;r Kommunikation, Salim Lone, fasste die Situation treffend zusammen, als er von &#x84;Sistanis m&uuml;helosem &Uuml;berschatten der US-bestimmten IGC&#x93; sprach. (Guardian, 3. Februar) Dem schiitischen Massendruck nachgebend, forderte nun auch der Anf&uuml;hrer des Irakischen National Kongress sowie einer der zuverl&auml;ssigsten Alliierten der USA, Ahmed Chalabi, die Einberufung von Wahlen und wies auch gleichzeitig darauf hin, dass al-Sistani als im Iran Geborener kein Wahlrecht bes&auml;&szlig;e. <br \/>  &#x93;Einer der Hauptgr&uuml;nde f&uuml;r Bush und Blairs Ablehnung sofortiger Wahlen&#x93;, schrieben wir in Socialism Today Nr 80, &#x84;ist gerade deren Angst, dass schiitische Parteien die Mehrheit gewinnen w&uuml;rden und somit eine Quelle permanenter Gefahr und Bedrohung f&uuml;r die imperialistischen Interessen w&auml;ren &#8230; Die USA ist &uuml;ber eine Zusammenarbeit mit einer schiitischen Mehrheit sehr skeptisch, sie bef&uuml;rchtet eine ethnische und religi&ouml;se Spaltung des Landes vergleichbar mit dem Libanon und gleichzeitig die Entstehung eines US-feindlichen Regimes, Entwicklungen, welche die Region weiter destabilisieren w&uuml;rden.&#x93; Konfrontiert mit den Massenprotesten der Schiiten hat Bush nun entschieden, die UNO als Nebelwand zu verwenden, um die Forderung nach sofortigen Wahlen zu entsch&auml;rfen. Er versucht auch verzweifelt aus der peinlichen Lage herauszukommen, vorgeblich einen Krieg f&uuml;r &#x82;Demokratie&#x92; gef&uuml;hrt zu haben, aber gleichzeitig die Forderung nach direkten Wahlen zu unterbinden. <br \/>  In grunds&auml;tzlichen Fragen handelt die UNO immer als Handlanger der gr&ouml;&szlig;ten imperialistischen M&auml;chte (wovor wir auch immer wieder gewarnt haben). Seit Beginn der Massenbewegung f&uuml;r fr&uuml;he Wahlen &#x96; was in der Realit&auml;t eine verschl&uuml;sselte Forderung nach dem Ende der Besatzung ist &#x96; hat die UN versucht, der fortgesetzten imperialistischen Kontrolle &uuml;ber den Irak ein &#x82;vern&uuml;nftiges,&#x92; ja sogar ein &#x82;humanit&auml;res&#x92; M&auml;ntelchen umzuh&auml;ngen. <br \/>  Die Financial Times zitiert einen ungenannten leitenden UN Verwaltungsoffizier, der meint, dass &#x84;fr&uuml;he Wahlen eher die extremistischen denn die moderaten Kr&auml;fte beg&uuml;nstigen w&uuml;rde.&#x93; (19. J&auml;nner) Und es gab Ende J&auml;nner Berichte dar&uuml;ber, dass UN Generalsekret&auml;r Kofi Annan al-Sistani geschrieben hatte, es werde nicht m&ouml;glich sein, Mitte des Jahres Wahlen abzuhalten. <br \/>  Dann, Mitte Februar, schickte Annan den offiziellen UN Verwaltungsbeamten im Irak, Lakhdar Brahimi, aus, um mit al-Sistani zu verhandeln. Brahimi selbst hat einen &auml;u&szlig;erst zweifelhafte &#x82;demokratischen&#x92; Vergangenheit. Zwischen 1991 und 1993 war er algerischer Au&szlig;enminister. W&auml;hrend dieser Zeit annullierte das Milit&auml;r die Ergebnisse der allgemeinen Wahlen vom Dezember 1991 und verbot im Februar 1992 die islamische Heilsfront (FIS), die diese Wahlen gewonnen h&auml;tte. Der darauf folgende B&uuml;rgerkrieg forderte rund 120.000 Tote. In Afghanistan organisierte Brahimi eine nicht gew&auml;hlte Versammlung, die im letzten Dezember eine neue Verfassung ohne der Zustimmung einer einzigen W&auml;hlerInnenstimme &#x82;beschloss. Die Delegierten hatten gegen Ende der Versammlung nur aufzustehen, um ihre Zustimmung zu zeigen. <br \/>  Brahimi hatte schon einige Zeit lang vor Wahlen gewarnt: &#x84;Wenn man die Priorit&auml;ten falsch setzt, k&ouml;nnen Wahlen zu einem sehr zwiesp&auml;ltigen Prozess f&uuml;hren. Sie erzeugen Spannungen. Sie erzeugen Wettbewerb. Und in einem instabilen Land &#8230; muss man sicher gehen, dass sie nicht mehr Schaden als Nutzen bringen.&#x93; (Guardian, 28. J&auml;nner) Interessanterweise kommentiert Brahimi nicht, wer den Irak denn vor den Wahlen regiert solle. Vielleicht m&ouml;chte er seine algerischen Erfahrungen einer faktischen Milit&auml;rherrschaft einbringen? <br \/>  Der US-kontrollierte &#x91;Demokratisierungs&#x92;-Prozess wird unterdessen straff gef&uuml;hrt und ist &auml;u&szlig;erst limitiert. Erst k&uuml;rzlich berichtete die Washington Post von einer &#x82;Rathaus&#x92;-Versammlung in Bagdad &uuml;ber die Zukunft des Irak, den eingeladenen TeilnehmerInnen war es aber nicht erlaubt, &uuml;ber Wahlen zu diskutieren. <br \/>  Es ist m&ouml;glich, dass der Druck der Massen &#x82;Wahlen&#x92; noch dieses Jahr erforderlich machen k&ouml;nnte. Auch scheinen einige britische Beamten, die historischen Erfahrungen der Kolonialherrschaft einbringend, im J&auml;nner gesagt zu haben, dass Wahlen vor Juni m&ouml;glich sind. Dominic D&#x92;Angelo, britischer Sprecher f&uuml;r den von Gro&szlig;britannien besetzten S&uuml;den, deutete in der Financial Times (20. J&auml;nner) an, dass Wahlen vielleicht auch nur im S&uuml;den stattfinden k&ouml;nnten. Nat&uuml;rlich erhoffen sie sich von so einer Konzession, die Bildung einer besatzungsfreundlichen Regierung, die auch unter den Massen eine gewisse Glaubw&uuml;rdigkeit besitzt. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass die BesatzerInnen versuchen, moderate religi&ouml;se F&uuml;hrer in eine Regierung einzubinden, die entweder durch Teilwahlen oder eine Art Referendum gew&auml;hlt werden. Die Frage, wie lange solch eine Regierung &uuml;berdauern w&uuml;rde und was ihr folgen wird, bleiben aber offen. <\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">Machtkampf <\/span><\/p>\n<p>  Das unmittelbare Problem der US-Regierung ist ihr Versagen, Strukturen f&uuml;r die t&auml;glichen administrativen Aufgaben im Irak zu schaffen, die ihnen auch einen Teilr&uuml;ckzug erm&ouml;glichen w&uuml;rden. Das IGC selbst hat kaum Autorit&auml;t, die reformierte irakische Polizei und Armee sind schwach und unzuverl&auml;ssig, genauso wie es jede nach den &#x82;Novemberpl&auml;nen&#x92; zusammengestellte Regierung riskiert, keine Basis in der schiitischen Mehrheit, geschweige denn bei anderen Gruppen, zu besitzen. In dieser Lage k&ouml;nnte die USA gezwungen sein, fr&uuml;he Wahlen in der Hoffnung einzuberufen, dass die dann gew&auml;hlte Regierung ihren Vorstellungen entspricht. Eine Schl&uuml;sselfrage ist, wie lange die Besatzungstruppen im Irak stationiert bleiben werden &#8211; diese bilden die Basis der direkten Machtaus&uuml;bung des US Imperialismus im Irak. <br \/>  Durch das Fehlen einer irakischen ArbeiterInnenbewegung mit der F&auml;higkeit die gew&ouml;hnlichen IrakerInnen zu gemeinsamen K&auml;mpfen zu vereinigen setzt sich die Libanonisierung oder Balkanisierung des Landes fort, die von religi&ouml;sen und ethnischen Bewegungen vorangetrieben wird. <br \/>  Der milit&auml;rische Widerstand gegen die Besatzung und die irakischen KollaborateurInnen sind momentan unter den Sunniten st&auml;rker vorhanden, von diesen gibt es aber weniger Unterst&uuml;tzung f&uuml;r Wahlen. Wahlen werden eher als Bedrohung gesehen, einer Unterdr&uuml;ckung durch schiitische Herrschaft zu unterliegen. Auch die wesentlich kleinere christliche Minderheit f&uuml;rchtet Wahlen aus denselben Gr&uuml;nden. <br \/>  W&auml;hrenddessen werden im Norden die kurdischen Bef&uuml;rchtungen gr&ouml;&szlig;er, dass ihre Forderungen nach Autonomie von den Besatzungsm&auml;chten zur&uuml;ckgewiesen werden. Bremer m&ouml;chte die kurdische Region in drei Gebiete aufteilen und eine kurdische Kontrolle &uuml;ber die &Ouml;lquellen verhindern. Ende J&auml;nner sagte Bush zum t&uuml;rkischen Premierminister Recep Tayyip Erdogan, dass Washington eine erweiterte kurdische Autonomie nicht unterst&uuml;tzt. Im Norden wachsen die ethnischen Spannungen, nachdem es zu Beginn des moslemischen Fest, Eid al-Adha, massive Bombenanschl&auml;ge in Arbil auf das B&uuml;ro der Demokratischen Partei Kurdistan (KDP) und der Patriotischen Union von Kurdistan (PUK) gab. Diese folgten ethnischen Zusammenst&ouml;ssen und Ermordungen zwischen KurdInnen, AraberInnen und TurkmenInnen in Kirkuk, der wichtigsten Stadt in den n&ouml;rdlichen irakischen &Ouml;lfeldern. Mitte J&auml;nner begann Muqtada al-Sadr unter Schiiten gegen die kurdischen Forderungen nach Autonomie zu mobilisieren. Neben dem bewaffneten Widerstand gegen die Besatzung gibt es mittlerweile vier rivalisierende ethnische oder religi&ouml;se Milizen: die der KDP und der PUK, Sciris Badr Organisation sowie die, von Muqtada al-Sadr gef&uuml;hrte, Mahdi Armee. <br \/>  In dieser Situation bildet das Fehlen einer irakischen, unabh&auml;ngigen ArbeiterInnenbewegung ein gef&auml;hrliches Vakuum, in das ethnische und religi&ouml;se Bewegungen hineinsto&szlig;en. Aber auch soziale Probleme dringen an die Oberfl&auml;che. Schon Anfang Februar warnte der IGC Vertreter in Washington: &#x84;Wir laufen Gefahr, ein Gef&uuml;hl der Entfremdung zu erzeugen zwischen jenen, die das Geld zum Anschaffen von Jobs haben, und jenen, welche minderwertigste Arbeit verrichten m&uuml;ssen. Das k&ouml;nnte zu einer Revolution f&uuml;hren.&#x93; Das war ein Verweis auf die Herausbildung einer Minderheit, die &#x96; wegen der vorherrschenden Massenarbeitslosigkeit &#x96; von dem Handel mit den BesatzerInnen oder den L&ouml;hnen profitiert, die von den Besatzern gezahlt werden. Das ist eine bewusste Politik der BesatzerInnen, um sich Unterst&uuml;tzung zu sichern.. <br \/>  Erst k&uuml;rzlich bildeten sechs s&auml;kularisierte Parteien, darunter auch KDP, PUK und die Irakisch Kommunistische Partei (IKP\/ICP) eine Allianz, das Konsortium der Demokratischen Kr&auml;fte, um den religi&ouml;sen-fundamentalistischen Organisationen Konkurrenz zu machen. Trotzdem ist eine solche Entwicklung auf dem gesamten Gebiet eher unwahrscheinlich. F&uuml;nf dieser Parteien, darunter auch die ICP mit ihrem Generalsekret&auml;r Hamid Majid Mousa, sitzen im IGC und werden als Alliierte des Imperialismus gesehen, vor allem in den nichtkurdischen Gebieten. Weiters vertreten alle eine pro-kapitalistische Politik, die unf&auml;hig ist, die elementaren Bed&uuml;rfnisse der irakischen ArbeiterInnen und Armen abzudecken. <br \/>  W&auml;hrend die Besatzung zu verurteilen und demokratische Forderungen der irakischen ArbeiterInnen und Armen unbedingt zu unterst&uuml;tzen sind, m&uuml;ssen SozialistInnen die Forderung nach dem Aufbau einer unabh&auml;ngigen ArbeiterInnenbewegung im Irak mit allen Kr&auml;ften unterst&uuml;tzen. Ohne solcher Organisationen, die f&uuml;r den Bruch mit dem Imperialismus und den Aufbau eines ArbeiterInnen- und LandarbeiterInnenstaates im Irak k&auml;mpfen, schwelt die Gefahr einer Kombination aus Balkanisierung, ethnischen oder religi&ouml;sen Kriegen und einer imperialistischen Marionette &#x96; oder eines reaktion&auml;ren islamischen Gottesstaats. Darin liegt die gewaltige Herausforderung f&uuml;r den Irak. <\/p>\n<p>  <span style=\"font-style: italic;\">aus: Socialism Today, Nr. 81 M&auml;rz 2004<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Verzweifelt versucht das US Regime die Tagesgesch&auml;fte im Irak zu &uuml;bergeben, um im Hintergrund weiter die F&auml;den zu ziehen aber gleichzeitig die politischen, milit&auml;rischen und finanziellen Kosten der direkten Besatzung zu umgehen.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[63],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10830"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10830"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10830\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10830"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10830"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10830"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}