{"id":10825,"date":"2004-03-24T09:39:16","date_gmt":"2004-03-24T08:39:16","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=10825"},"modified":"2012-06-24T15:23:59","modified_gmt":"2012-06-24T13:23:59","slug":"10825","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2004\/03\/10825\/","title":{"rendered":"Stellungnahme der SAV zur Debatte &uuml;ber eine Linkspartei"},"content":{"rendered":"<p>F&uuml;r eine neue Partei im Interesse von ArbeitnehmerInnen, Jugendlichen und sozial Benachteiligten<!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\n<a href=\"\/media\/m\/2004\/nAP23032004.pdf\">Die Stellungnahme kann hier als pdf-Datei (420kb) hinuntergeladen werden.<\/a><\/p>\n<p>  Anfang M&auml;rz wurden in der &Ouml;ffentlichkeit zwei &uuml;berregionale Initiativen f&uuml;r linke Wahlalternativen bekannt: Die wahlpolitische Alternative von f&uuml;hrenden ver.di-Mitgliedern und der Vorsto&szlig; &#x84;Arbeit und soziale Gerechtigkeit&#x93;, der von bayrischen IG Metall-Funktion&auml;ren ausgeht. Eine neue linke Wahlalternative auf bundesweiter Ebene? Die SAV ist der Ansicht: Das ist verdammt n&ouml;tig! <br \/>  Die politische und soziale Lage in Deutschland schreit nach einer neuen Interessenvertretung f&uuml;r ArbeiterInnen und Jugendliche. Es ist jetzt genau ein Jahr her, dass Kanzler Schr&ouml;der seine Agenda 2010 verk&uuml;ndet hat. Diese Agenda 2010 bedeutet f&uuml;r Lohnabh&auml;ngige, Erwerbslose, RentnerInnen und Jugendliche einen gnadenlosen Ausverkauf sozialer Rechte. In seiner ersten Amtszeit kn&uuml;pfte der &#x84;Genosse der Bosse&#x93; nach &#x84;Anlaufschwierigkeiten&#x93; nahtlos an die Politik der Kohl-Regierung an. Zum Beginn der zweiten Legislaturperiode folgt auf die Demontage der sozialen Sicherungssysteme unter Rot-Gr&uuml;n jetzt ein Konfrontationskurs, mit dem die vollst&auml;ndige Zerschlagung des so genannten Sozialstaats und die Abschaffung von erk&auml;mpften Rechten ins Visier genommen werden. <br \/>  Schr&ouml;der wurde von den Konzernchefs auf Linie getrimmt. Als willf&auml;hriger Diener des deutschen Kapitals, das im versch&auml;rften kapitalistischen Konkurrenzkampf die Nase vorn haben will, gibt der Kanzler wieder, was die Hundts und Rogowskis h&ouml;ren m&ouml;chten: Europa (nat&uuml;rlich mit Deutschland an der Spitze) soll bis 2010 &#x84;zum dynamischsten Wirtschaftsraum&#x93; werden. Wirtschaftliche und milit&auml;rische Aufr&uuml;stung sind angesagt. Fr&uuml;hkapitalistische Verh&auml;ltnisse drohen. <br \/>  Diese neoliberale Offensive muss gestoppt werden. Daf&uuml;r ist eine Auseinandersetzung in den Gewerkschaften f&uuml;r einen grundlegenden Kurswechsel n&ouml;tig. Daf&uuml;r braucht es aber auch eine eigenst&auml;ndige politische Kraft, die konsequent f&uuml;r die Interessen der arbeitenden und erwerbslosen Bev&ouml;lkerung k&auml;mpft &#x96; eine neue Arbeiterpartei. <\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">Zwei Initiativen: &#x84;Arbeit und soziale Gerechtigkeit&#x93; und Wahlpolitische Alternative 2006 <\/span><\/p>\n<p>  F&uuml;r den Ersten Bevollm&auml;chtigten der IG Metall in Schweinfurt, Klaus Ernst, hat sich die SPD mittlerweile &#x84;in eine Partei der sozialen K&auml;lte verwandelt.&#x93; Vor einem Jahr organisierte Ernst einen Streik von SKF, Kugelfischer und anderen Metallbetrieben gegen die Agenda 2010. Auf dem au&szlig;erordentlichen IGM-Gewerkschaftstag im letzten Sommer forderte er, den Schmusekurs der DGB-Spitze gegen&uuml;ber der SPD aufzugeben. Im M&auml;rz diesen Jahres geh&ouml;rte Klaus Ernst nun zu den Initiatoren eines Aufrufs &#x84;Arbeit und soziale Gerechtigkeit&#x93;. Darin hei&szlig;t es, dass die SPD &#x84;sich zur Hauptakteurin des Sozialabbaus und der Umverteilung von unten nach oben entwickelt&#x93; habe und zu einem &#x84;Kanzlerwahlverein&#x93; mutiert sei. Neben Klaus Ernst sind die Ersten Bevollm&auml;chtigten Peter Vetter (Kempten) und Thomas H&auml;ndel (F&uuml;rth), zwei IGM-Vorstandsmitglieder, Gerd Lobboda und G&uuml;nther Schachner, sowie Herbert Schui von der Hochschule f&uuml;r Wirtschaft und Politik an dieser Initiative beteiligt. Bis auf eine Ausnahme sollen alle Initiatoren SPD-Mitglieder sein und der Partei zwischen 30 und 43 Jahren angeh&ouml;ren. Nach eigenen Angaben treten sie f&uuml;r ein B&uuml;ndnis mit allen politischen Kr&auml;ften und Personen ein, die sich f&uuml;r die Erhaltung und den Ausbau des Sozialstaats und f&uuml;r ein sozial gerecht finanziertes Gemeinwesen stark machen. Im Aufruf hei&szlig;t es weiter: &#x84;Aus diesem B&uuml;ndnis k&ouml;nnte eine bei der n&auml;chsten Bundestagswahl w&auml;hlbare soziale Alternative entstehen. Diese m&ouml;gliche Entwicklung schlie&szlig;en wir ausdr&uuml;cklich ein.&#x93; Laut Klaus Ernst k&ouml;nnte das Projekt &#x84;durchaus in die Gr&uuml;ndung einer neuen politischen Partei m&uuml;nden.&#x93; Auf ihrer Pressekonferenz am 19. M&auml;rz wurde das allerdings relativiert. Zun&auml;chst wollen sie auf die SPD &#8222;Druck aus&uuml;ben, zuvorderst auf die SPD-Regierungspolitik&#8220;. &#8222;Wenn sich nichts &auml;ndern l&auml;sst&#8220;, so der F&uuml;rther IGM-Funktion&auml;r Thomas H&auml;ndel, &#8222;schlie&szlig;en wir die Option nicht aus, zu gegebener Zeit Partei zu werden.&#8220; <br \/>  Neben dem Aufruf &#x84;Arbeit und soziale Gerechtigkeit&#x93; peilt eine weitere Initiative ebenfalls eine &#x84;wahlpolitische Alternative&#x93;, ein m&ouml;gliches linkes Wahlb&uuml;ndnis f&uuml;r die Bundestagswahl 2006 an. Zu diesem Kreis geh&ouml;ren Mitglieder und Ex-Mitglieder von SPD, PDS und Gr&uuml;nen, sowie Linksintellektuelle und ver.di-Funktion&auml;re, namentlich ver.di-Sekret&auml;r Ralf Kr&auml;mer aus der wirtschaftspolitischen Abteilung von ver.di, J&ouml;rg Bischoff, Redakteur der Monatszeitschrift Sozialismus, und Frieder Otto Wolf, fr&uuml;herer Europaabgeordneter f&uuml;r die Gr&uuml;nen. Am 5. M&auml;rz kamen gut 30 Akteure zu einem Strategiegespr&auml;ch im Berliner DGB-Haus zusammen. Begr&uuml;ndet wird dieser Schritt auf der Website <a href=\"http:\/\/www.wahlalternative.de\/\">www.wahlalternative.de<\/a> folgenderma&szlig;en: &#x84;Wahlergebnisse und Mitgliederentwicklung der Sozialdemokratie zeigen, dass viele B&uuml;rgerInnen sich von der Politik der Agenda 2010 get&auml;uscht f&uuml;hlen. (&#8230;) Politische Resignation und Passivit&auml;t bringen uns dem unverzichtbaren Politikwechsel im Interesse der Mehrheit der Bev&ouml;lkerung nicht n&auml;her, sondern st&auml;rken nur diejenigen, die noch radikaler als Rot-Gr&uuml;n soziale Errungenschaften demontieren wollen.&#x93; In einer &#8222;Klarstellung zu Schill&#8220; vom 11. M&auml;rz hei&szlig;t es: &#8222;Wir wollen nicht S&uuml;ndenb&ouml;cke f&uuml;r soziale Probleme verantwortlich machen, sondern soziale Ungerechtigkeit bek&auml;mpfen.&#8220; Angek&uuml;ndigt wird ein bundesweites Netzwerk zur Diskussion einer Wahlalternative. <br \/>  In dem Positionspapier &#x84;F&uuml;r eine wahlpolitische Alternative 2006&#x93; ist die Rede davon, dass &#x84;den vielen Betroffenen des neoliberalen Umbaus (&#8230;) ebenso eine parlamentarisch-politische Repr&auml;sentanz&#x93; fehlt &#x84;wie der sich entwickelnden sozialen Bewegung und au&szlig;erparlamentarischen Opposition oder den Gewerkschaften.&#x93; Es wird eingesch&auml;tzt, dass das Potenzial f&uuml;r eine solche Kraft &#x84;deutlich &uuml;ber das bisherige links von SPD und Gr&uuml;nen hinausgeht und in erheblichen Teilen auch gar kein im Selbstverst&auml;ndnis linkes Potenzial ist.&#x93; &#x84;Die zentralen Attribute, die mit dem Projekt verbunden werden m&uuml;ssen, sind: sozial, Gerechtigkeit, Frieden, Arbeit, offener Bildungszugang, Alternative, aber auch Fortschritt und Zukunft f&uuml;r alle.&#x93; <\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">Ist eine Linkspartei n&ouml;tig? <\/span><br style=\"font-weight: bold;\"> <br \/>  In dem Positionspapier &#x84;F&uuml;r eine wahlpolitische Alternative 2006&#x93; wird richtigerweise festgestellt: &#x84;Dass es zu einer erneuten grundlegenden Umorientierung der SPD oder Gr&uuml;nen im Sinne einer sozial orientierten Politik gegen den Neoliberalismus kommen kann, ist unrealistisch.&#x93; Im Bezug auf die PDS hei&szlig;t es, sie habe sich &#x84;insbesondere durch ihre Regierungsbeteiligung in Berlin zus&auml;tzlich desavouiert&#x93; (blo&szlig;gestellt). &#x84;Sie erscheint sehr auf sich selbst und auf Mitregieren fixiert.&#x93; <br \/>  Wohl wahr. Um es auf den Punkt zu bringen: Die SPD hat vollst&auml;ndig die Seiten gewechselt. Die PDS ist kein Angebot f&uuml;r eine k&auml;mpferische, antikapitalistische geschweige denn sozialistische Politik. Die Unternehmer haben heute mehrere Parteien; ArbeiterInnen, Jugendliche und sozial Benachteiligte haben derzeit keine eigene politische Interessenvertretung. <br \/>  H&ouml;chste Zeit, eine neue politische Kraft f&uuml;r die arbeitende Bev&ouml;lkerung aufzubauen. Die Sozialistische Alternative tritt seit einigen Jahren f&uuml;r die Schaffung einer neuen Arbeiterpartei ein. Um diese Idee zu verbreiten und den Kampf gegen Arbeitsplatz- und Sozialabbau politisch weiter zu bringen, haben SAV-Mitglieder die Gr&uuml;ndung linker Wahlb&uuml;ndnisse auf lokaler Ebene unterst&uuml;tzt, selbst angesto&szlig;en oder eigenst&auml;ndig mit unserem Programm und der Forderung nach einem Aufbau einer neuen Arbeiterpartei kandidiert. Au&szlig;erdem haben wir in den Gewerkschaften und in Sozialb&uuml;ndnissen f&uuml;r Schritte in diese Richtung argumentiert. <br \/>  Eine neue politische Interessenvertretung f&uuml;r ArbeiterInnen und Jugendliche w&uuml;rde helfen, verschiedene K&auml;mpfe miteinander zu verbinden, Erfahrungen auszutauschen und den Widerstand gegen Sozialk&uuml;rzungen zu st&auml;rken. Das k&ouml;nnte dem Protest einen Ausdruck verschaffen, diesen auf die politische Ebene tragen und im Fall von Wahlerfolgen dazu beitragen, dass die Protestbewegung in den Parlamenten ein Sprachrohr bekommt. Eine solche politische Neuformation k&ouml;nnte auch ein bedeutendes Forum f&uuml;r politische Debatten zu Programm und Perspektiven bieten. Dar&uuml;ber w&auml;re es m&ouml;glich, Ideen f&uuml;r eine grundlegende Ver&auml;nderung von Wirtschaft und Gesellschaft in den Klassenk&auml;mpfen zu verankern. In den neunziger Jahren erschwerte die TINA-Propaganda Gegenwehr (&#x84;There Is No Alternative&#x93;, Maggie Thatcher). Die Entwicklung einer gesellschaftlichen Alternative w&uuml;rde dagegen heute K&auml;mpfe ermutigen. <\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">SPD &#x96; F&uuml;r ArbeiterInnen zur&uuml;ckzugewinnen? <\/span><\/p>\n<p>  Die Initiative &#8222;Arbeit und soziale Gerechtigkeit&#8220; erkl&auml;rte auf ihrer Pressekonferenz am 19. M&auml;rz, dass die SPD unter Schr&ouml;der sich zur &#8222;Hauptakteurin des Sozialabbaus und der Umverteilung von unten nach oben&#8220; entwickelt habe. Ein Schl&uuml;sselerlebnis sei f&uuml;r die langj&auml;hrigen Parteimitgliedern gewesen, wie mit den Regionalkonferenzen im vergangenen Jahr im &#8222;Top-Down-Stil&#8220; die Agenda 2010 &#8222;durchgestellt&#8220; worden sei. Dennoch eierten sie bei der Frage, ob ein klarer Bruch der Gewerkschaften mit der SPD und eine neue Parteigr&uuml;ndung n&ouml;tig ist, herum. Im Hinblick auf die drohenden Parteiausschl&uuml;sse erkl&auml;rte Thomas H&auml;ndel, Erster Bevollm&auml;chtigtet der IG Metall F&uuml;rth: &#8222;Wir wollen es wissen von der Partei, ob Sozialstaatler in ihr keinen Platz mehr haben.&#8220; <br \/>  Ihre Haltung erinnert an die britische Kampagne &#8222;Reclaim Labour&#8220; (gemeint ist damit, Labour f&uuml;r die ArbeiterInnen und f&uuml;r die Gewerkschaftsbewegung zur&uuml;ckzuerobern). Obwohl dort mehrere Gewerkschaftsf&uuml;hrer dahinter stehen, h&auml;lt Tony Blair am K&uuml;rzungsmassaker und an der Kriegspolitik fest beziehungsweise gelingt es nicht, Blair und Co zu st&uuml;rzen und einen grundlegenden Kurswechsel einzuleiten. Vor einem Monat wurde die Eisenbahngewerkschaft RMT aus New Labour ausgeschlossen, nachdem sie entschied, es regionalen Gliederungen frei zu stellen, die (in Gro&szlig;britannien traditionell &uuml;blichen) Beitragszahlungen seitens der Gewerkschaft an Labour weiterhin zu bezahlen. <br \/>  Eher wird wahrscheinlich ein Kamel durch ein Nadel&ouml;hr gehen, als dass New Labour oder Schr&ouml;ders SPD noch einmal f&uuml;r die arbeitende Bev&ouml;lkerung zur&uuml;ckzugewinnen sein werden. Diese Parteien haben sich in durch und durch kapitalistische Parteien umgewandelt. Die SPD verlor seit 1990 ein Drittel ihrer Mitglieder, unter Schr&ouml;der forcierte sich der Mitgliederschwund dramatisch: Seit dem Regierungsantrtt 1998 traten 125.000 aus, im Januar 2004 allein 12.000. Auf Wahlebene wenden sich ArbeiterInnen scharenweise von der SPD ab. In Umfragen d&uuml;mpelt die SPD bei unter 30 Prozent vor sich hin. Au&szlig;erdem haben sich die Kr&auml;fteverh&auml;ltnisse fundamental gewandelt: Die Jusos sind nur noch ein Karrieresprungbrett, die AfA nicht mehr als einflusslose Phrasendrescher in Sachen &#8222;sozialer Gerechtigkeit&#8220; und die Parlamentarische &#8222;Linke&#8220; v&ouml;llig auf Parteilinie. Auch Schr&ouml;ders R&uuml;cktritt vom Parteivorsitz wird keinen Wechsel einleiten. M&uuml;ntefering und Co stehen ebenfalls geschlossen hinter der Agenda 2010. Schr&ouml;der, M&uuml;ntefering und der neue Generalsekret&auml;r Benneter wurden in den letzten Wochen nicht m&uuml;de zu betonen, dass keine wirklichen Abstriche an der Agenda 2010 denkbar sind. <br \/>  <br style=\"font-weight: bold;\"> <span style=\"font-weight: bold;\">Rot-Gr&uuml;n &#8211; das kleinere &Uuml;bel? <\/span><\/p>\n<p>  Auf dem AfA-Kongress der SPD im M&auml;rz hielt der Delegierte Klaus Sch&uuml;ller aus Eisenach Franz M&uuml;ntefering vor: &#x84;Wir k&ouml;nnen nicht argumentieren: Ihr k&ouml;nnt die CDU nicht w&auml;hlen, die amputiert euch zwei Beine. W&auml;hlt die SPD, die amputiert euch nur eins.&#x93; <br \/>  CDU\/CSU und FDP kommt die Aufgabe zu, Rot-Gr&uuml;n im Interesse der Kapitalisten von rechts unter Druck zu setzen. So preschen sie mit der Forderung nach Kopfpauschale in der Gesundheitspolitik oder nach weiteren drastischen Spitzensteuersenkungen vor. Rogowski, Chef des Bundesverbands der Deutschen Industrie, und andere aus dem Unternehmerlager sprechen sich heute f&uuml;r die Fortsetzung der Schr&ouml;der-Regierung aus &#x96; solange, bis sie sich aus ihrer Sicht verbraucht hat. Vom Standpunkt der arbeitenden Menschen aus hilft es allerdings wenig, sich damit zu tr&ouml;sten, dass Ulla Schmidts Gesundheitspolitik nur ein Bein amputieren m&ouml;chte (abgesehen davon, dass ein gr&ouml;&szlig;erer Unterschied zu Union und FDP gar nicht mehr existiert). Sowohl was Umfang als auch was das Tempo des Sozialabbaus angeht, &uuml;bertreffen Schr&ouml;der und Co die Kohl-Regierung. Heute erleben wir, dass jede neue Regierung von etablierten Parteien nicht nur an der Vorg&auml;nger-Regierung ankn&uuml;pft, sondern noch was drauf setzt. <br \/>  Angeblich st&auml;rkt eine linke Kandidatur nur die Rechte? Darum argumentieren Teile des heutigen Gewerkschaftsapparates zum Beispiel daf&uuml;r, den Schr&ouml;ders und Fischers als &#x84;kleineres &Uuml;bel&#x93; z&auml;hneknirschend weiterhin die Stimme zu geben. Sollen wir f&uuml;r dumm verkauft werden? Eine Stimme f&uuml;r rechte Politik st&auml;rkt rechte Politik &#x96; nichts anderes ist eine Stimme f&uuml;r Schr&ouml;der oder Fischer. Eine Stimme f&uuml;r eine linke Alternative dagegen st&auml;rkt linke Politik. <br \/>  Die Erfolgsaussichten eines linken Wahlb&uuml;ndnisses sind davon abh&auml;ngig, in wie weit der Widerstand in den Betrieben und Stadtteilen gest&auml;rkt wird. Um wirkliche Ver&auml;nderungen zu erreichen, muss eine m&auml;chtige Protestbewegung von den Lohnabh&auml;ngigen und anderen vom Sozialkahlschlag Betroffenen aufgebaut werden. W&uuml;rde eine SPD-gef&uuml;hrte Regierung durch solch eine Bewegung gest&uuml;rzt, h&auml;tte es jede neue Regierung schwieriger, die Rotstiftpolitik fortzusetzen. <br \/>  <br style=\"font-weight: bold;\"> <span style=\"font-weight: bold;\">Welche Schritte sind jetzt n&ouml;tig? <\/span><\/p>\n<p>  F&uuml;r Sonntag, den 6. Juni plant die Wahlpolitische Alternative 2006 eine Konferenz. F&uuml;r sie sollte offensiv mobilisiert werden. K&auml;mpferische Vertrauensleute, VertreterInnen der Gewerkschaftslinken, AktivistInnen sozialer Bewegungen, GlobalisierungskritikerInnen und politisch organisierte Kr&auml;fte auf der Linken sollten angesprochen werden. Zentral w&auml;re es, eine Mobilisierungskampagne mit dem Ziel zu starten, auch ganz neue Schichten zu erreichen, die bislang nicht politisch aktiv waren. Zur Vorbereitung dieser Konferenz sollten bei einem offenen Treffen so schnell wie m&ouml;glich mehr Kr&auml;fte einbezogen werden. Die SAV will sich daran aktiv beteiligen und einbringen. <br \/>  Mit den Initiatoren des zweiten bekannten Aufrufs, &#x84;Arbeit und soziale Gerechtigkeit&#x93;, sollte ebenfalls eine gemeinsame Vorbereitung der Konferenz angestrebt werden. Im Vorfeld dieser bundesweiten Zusammenkunft sollten lokale und regionale Vorkonferenzen angeboten sowie &ouml;rtliche Strukturen gebildet werden. Dar&uuml;ber hinaus w&auml;re es wichtig, Diskussionen zu einer linken Wahlalternative oder einer neuen Arbeiterpartei, Diskussionen zu Charakter und Programmatik, in gewerkschaftlichen Strukturen und Sozialb&uuml;ndnissen anzusto&szlig;en. Auch auf der f&uuml;r Mai angesetzten Perspektivkonferenz von Attac und ver.di sollte die Frage einer neuen Partei aufgeworfen werden. <br \/>  Die Debatten &uuml;ber Kandidaturen und Parteistrukturen sollten nicht losgel&ouml;st von der Protestbewegung gegen die Agenda 2010 und den betrieblichen und lokalen Auseinandersetzungen gef&uuml;hrt werden. Es gibt die Chance, zehntausende von ArbeiterInnen und Jugendlichen anzuziehen &#x96; aber nur dann, wenn die Verbindung zu den akuten Problemen und aktuellen Konflikten gezogen wird. <\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">Warum sind SPD, PDS und Gr&uuml;ne gescheitert? <\/span><\/p>\n<p>  Wir leben in einer Klassengesellschaft. Auf der einen Seite stehen diejenigen, denen das gro&szlig;e Geld, das Kapital, die Banken und die Fabriken geh&ouml;ren. Auf der anderen Seite stehen diejenigen, die nichts weiter besitzen als ihre Ware Arbeitskraft, die sie auf dem Markt verkaufen m&uuml;ssen. Auch wenn die Zahl der IndustriearbeiterInnen in den vergangenen Jahrzehnten zur&uuml;ckgegangen ist, nahm die Arbeiterklasse zahlenm&auml;&szlig;ig stark zu. Immer mehr Reichtum konzentriert sich in immer weniger H&auml;nden. Die &#8222;Mittelklasse&#8220;, die Klasse der kleinen Selbstst&auml;ndigen, Handwerker und Bauern, ist enorm geschrumpft. <br \/>  Jede Partei muss sich entscheiden, auf welcher Seite sie steht. SPD, PDS und Gr&uuml;ne haben sich entschieden. Sie sind nicht bereit, sich mit einem Deutsche-Bank-Chef Ackermann anzulegen, der letztes Jahr elf Millionen Euro kassiert hat. SPD, PDS und Gr&uuml;ne haben den Frieden mit diesem System gemacht. Sie stellen Privateigentum, Konkurrenz und Profitstreben nicht in Frage. Solange die Gesellschaft jedoch in Klassen gespalten ist, solange die Kapitaleigner ihren Profit &uuml;ber die Aneignung des von der Arbeiterklasse geschaffenen Reichtums erzielen, solange werden Lohnabh&auml;ngige ausgebeutet. In Zeiten kapitalistischer Krise versch&auml;rft sich diese Ausbeutung. <br \/>  Die SPD hat sich seit Mitte der neunziger Jahre in eine durch und durch b&uuml;rgerliche Partei umgewandelt. Als Arbeiterpartei gegr&uuml;ndet, &auml;nderte sie sp&auml;testens zum Zeitpunkt der Unterst&uuml;tzung des imperialistischen Kriegs 1914 entscheidend den Charakter: von einer Arbeiterpartei in eine Partei, in der die Basis und Anh&auml;ngerschaft proletarisch blieb, an deren Spitze sich aber eine b&uuml;rgerliche F&uuml;hrung durchsetzte. Auf Grund dieses Doppelcharakters konnte die Partei jahrzehntelang von ArbeiterInnen, Angestellten und Beamten zumindest noch unter Druck gesetzt werden. Da diese traditionelle Basis der SPD heute weggebrochen ist, konnten Schr&ouml;der, M&uuml;ntefering und Co ihre arbeiterfeindliche Politik ohne gr&ouml;&szlig;eren Widerstand in den eigenen Reihen forcieren. Die PDS ist eine (fast ausschlie&szlig;lich ostdeutsche) reformistische Partei, die kaum in den Betrieben verankert ist. Wegen der Schw&auml;che der Parteilinken konnte die Parteispitze um Lothar Bisky schnell in die Fu&szlig;stapfen rechtssozialdemokratischer (Regierungs-)Politik treten. F&uuml;r die Gr&uuml;nen war die Arbeiterbewegung von Anfang an ein Buch mit sieben Siegeln. <br \/>  In der Erkl&auml;rung der Wahlalternative wird die Notwendigkeit betont, &#8222;ein breites Spektrum der Bev&ouml;lkerung&#8220; anzusprechen, im Kern &#x84;die Arbeitnehmermilieus, die auch die Hauptbasis f&uuml;r Rot-Gr&uuml;n sind beziehungsweise waren.&#8220; Diese Herangehensweise ist begr&uuml;&szlig;enswert. Allerdings wird sie am Schluss wieder ein St&uuml;ck weit relativiert: &#x84;Es bedarf eines neuen Anlaufs der politischen Artikulation und Formierung eines alternativen gesellschaftlichen Blocks von Arbeit und Wissenschaft, Bewegungen und Kultur gegen den herrschenden Block des Kapitals und des Neoliberalismus.&#x93; Das klingt danach, dass diejenigen, die von der K&uuml;rzungsorgie direkt betroffen sind, Fokus aber nicht Hauptakteure eines neuen B&uuml;ndnisses sein sollen. <br \/>  Als die SPD vor hundert Jahren immer mehr Parlamentsposten erobern konnte, geriet die Partei immer mehr unter Druck durch b&uuml;rgerliche Kr&auml;fte und war ideologisch dem Einfluss der herrschenden Klasse ausgesetzt. Mangels Di&auml;ten bekamen damals diejenigen erheblich mehr Gewicht, die auf Grund h&ouml;herer Einkommen die Parlamentsarbeit finanzieren konnten. Damit einhergehend bekamen die hauptamtlichen Funktion&auml;re der Partei das Vierfache eines durchschnittlichen Arbeiterlohns. Die wachsenden Privilegien der Parteispitze f&uuml;hrten dazu, dass diese sich erst materiell, dann politisch immer mehr von denen entfernte, die sie eigentlich zu vertreten hatten. Damit eine neue Arbeiterpartei nicht den Weg einer zweiten SPD einschl&auml;gt, gilt es in Theorie und Praxis konsequent &#8222;Partei&#8220; f&uuml;r die arbeitende Bev&ouml;lkerung zu ergreifen. Au&szlig;erdem muss neben anderen Ma&szlig;nahmen auch &uuml;ber eine Begrenzung der Einkommen auf ein durchschnittliches Arbeitnehmergehalt von vornherein sichergestellt werden, dass Parteifunktion&auml;re nicht abheben k&ouml;nnen. <\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">F&uuml;r eine k&auml;mpferische Politik <\/span><\/p>\n<p>  Bei der Hamburger B&uuml;rgerschaftswahl im Februar kam das linke Wahlb&uuml;ndnis Regenbogen nur auf entt&auml;uschende 1,1 Prozent. Das ist nicht auf einen angeblichen Rechtsruck zur&uuml;ckzuf&uuml;hren. Im Gegenteil. Bei der gleichzeitig durchgef&uuml;hrten Volksabstimmung &uuml;ber den Verkauf der Krankenh&auml;user votierten von den 800.000 Beteiligten 76 Prozent gegen Privatisierung. Das Regenbogen-Ergebnis zeigt blo&szlig;, dass eine linke Kandidatur nicht per se Zuspruch findet. Leider hat Regenbogen mehrheitlich einen linksintellektuellen Szene-Wahlkampf gef&uuml;hrt. Regenbogen war in den meisten Stadtteilen nicht pr&auml;sent. Vor allem wurde Regenbogen nicht als Kampfangebot gesehen. Die gro&szlig;e Mehrheit von ArbeiterInnen, Jugendlichen und sozial Benachteiligten ist heute bei einer neuen Formation sehr skeptisch. Zu oft wurden sie verraten und verkauft. Warum soll ein neues B&uuml;ndnis oder gar eine neue Partei anders sein? <br \/>  Vertrauen muss erarbeitet, &uuml;ber gemeinsame K&auml;mpfe erworben werden. Jede linke Kandidatur sollte Besch&auml;ftigte, denen die Entlassung droht, oder ErzieherInnen und Eltern, die von der Schlie&szlig;ung einer Kita betroffen sind, ansprechen, ein Kampfprogramm entwickeln und Gegenwehr organisieren. Wie m&uuml;sste sich eine neue politische Interessenvertretung von den existierenden Parteien konkret unterscheiden? Nehmen wir zum Beispiel die drohende Schlie&szlig;ung des Bombardier-Werkes in Halle-Ammendorf: Am Anfang sollte Unterst&uuml;tzungs- und &Ouml;ffentlichkeitsarbeit f&uuml;r die 800 von Entlassung bedrohten KollegInnen stehen. Mit regelm&auml;&szlig;igen Besuchen vor Arbeitsbeginn, mit Infost&auml;nden in der Umgebung und mit Unterschriftensammlungen und Plakatieraktionen f&uuml;r den Erhalt k&ouml;nnte begonnen werden. Eine reale Hilfe w&auml;re die Gr&uuml;ndung eines Solidarit&auml;tskomitees. Mit Besch&auml;ftigten, Vertrauensleuten und IG Metall-AktivistInnen sollte dann wirksamer Widerstand gegen die Schlie&szlig;ung diskutiert werden. Antr&auml;ge und Zusammenarbeit mit anderen k&auml;mpferischen Vertrauensleuten und Gewerkschaftsmitgliedern innerhalb der IG Metall w&uuml;rden dann anstehen. Im Fall eines Streikes oder einer Betriebsbesetzung m&uuml;ssten Streikposten und Unterst&uuml;tzungsaktionen wie Geldsammlungen f&uuml;r die Streikenden mit organisiert werden. Kontakt und Austausch mit den anderen 34 Bombardier-Werken in Europa, allen voran mit den ebenfalls von Schlie&szlig;ung bedrohten sechs Betrieben, w&auml;ren n&ouml;tig. Rundreisen, &ouml;ffentliche Veranstaltungen, eine koordinierte Streikbewegung, m&ouml;glicherweise verbunden mit einer zentralen Gro&szlig;demonstration w&auml;ren Kampfma&szlig;nahmen, die vorgeschlagen und mit organisiert werden m&uuml;ssten. Aufgabe einer neuen politischen Interessenvertretung w&auml;re es nat&uuml;rlich auch, gemeinsam mit den Besch&auml;ftigten Alternativen zur Stilllegung zu entwickeln. Da Bombardier zur Schienenfahrzeugindustrie geh&ouml;rt, w&uuml;rde es in diesem Fall um ein Programm zum Ausbau des Bahnverkehrs gehen. Hier w&uuml;rden sich Fragen von Umwelt- und Energiepolitik stellen, von der Umstellung der Autoproduktion auf G&uuml;ter des Nah- und Fernverkehrs, von Weiterbildung und Ersatzarbeitsspl&auml;tzen, von Arbeitszeitverk&uuml;rzung bei vollem Lohn- und Personalausgleich sowie von R&uuml;ckverstaatlichung der Bahnindustrie in &ouml;ffentliches Eigentum bei demokratischer Kontrolle und Verwaltung. Eine linke Kandidatur oder Partei w&auml;re gefordert, dazu Positionen zu entwickeln und diese gemeinsam mit den MetallerInnen und allen von der Unternehmerwillk&uuml;r Betroffenen zu diskutieren. Eine solche Herangehensweise w&auml;re meilenweit entfernt von der Politik durch SPD, Gr&uuml;ne und PDS. Ausgehend von solchen Anstrengungen sollten dann am Besten im Kampf aktive KollegInnen bei den n&auml;chsten Wahlen als KandidatInnen vorgeschlagen und aufgestellt werden. <br \/>  &Ouml;rtliche oder je nach St&auml;rke auch &uuml;berregionale Kampagnen sind nicht nur n&ouml;tig, um Anerkennung und Verankerung zu erreichen. Solche K&auml;mpfe und Kampagnen sind vor allem notwendig, weil sie den einzigen Weg darstellen, was zu bewegen und zu ver&auml;ndern. Das einzige, was Arbeitspl&auml;tze rettet, ist und bleibt schlie&szlig;lich der Kampf um den Erhalt der Arbeitspl&auml;tze. <br \/>  In dieser Gesellschaft bestimmt die Wirtschaft die Politik, nicht umgekehrt. In den Parlamenten wird nur dann etwas geschehen, wenn vorher &uuml;ber den Kampf in den Betrieben oder in den Stadtteilen das Kr&auml;fteverh&auml;ltnis zu Gunsten der arbeitenden Bev&ouml;lkerung verschoben wurde. Linke Abgeordnete werden das Parlament in erster Linie als Plattform nutzen k&ouml;nnen, wo sie die Anliegen von ArbeiterInnen oder Erwerbslosen zu Wort kommen lassen. <br \/>  In der Erkl&auml;rung der Wahlalternative werden die au&szlig;erparlamentarischen Bewegungen korrekt als &#8222;prim&auml;re Bedeutung f&uuml;r fortschrittliche politische Ver&auml;nderung&#8220; eingestuft. Allerdings fehlt im Papier eine Strategie f&uuml;r Arbeitsk&auml;mpfe, Streiks und Massenstreiks. Gleichzeitig wird herausgestellt, dass die Anspr&uuml;che der au&szlig;erparlamentarischen Bewegungen &#8222;in staatliches Handeln umgesetzt werden k&ouml;nnen&#8220;. Das macht hellh&ouml;rig. <br \/>  Es stellt sich die Frage, ob die VerfasserInnen die M&ouml;glichkeiten der Parlamente im b&uuml;rgerlichen Wirtschafts- und Gesellschaftssystem &uuml;bersch&auml;tzen. Die eigentliche Macht ist jedenfalls in den Chefetagen der Banken, Konzerne und Versicherungen konzentriert. Dort werden die wesentlichen Entscheidungen getroffen. Die Unternehmer sind au&szlig;erdem in der Lage, &uuml;ber ihre &ouml;konomische Macht auch politische Macht auszu&uuml;ben, und dank ihrer Finanzmittel auf die parlamentarische Ebene massiv einzuwirken. Es wird von den Autoren der &#8222;Wahlpolitischen Alternative 2006&#8220; zudem vers&auml;umt, auf die Instrumente der Herrschenden zu verweisen, mit denen dieser Staat in ihrem Interesse genutzt wird: Ob Drohung von Investitionsboykott oder Betriebsverlagerung, ob die Unterdr&uuml;ckungsfunktion von Armee, Polizei und Justiz durch die Kapitalistenklasse oder &uuml;ber Bestechung und Korruption. <br \/>  Die Entwicklung der Gr&uuml;nen kann als Warnung dienen. Bei ihrem &#8222;Gang durch die Institutionen&#8220; nabelten sie sich von ihrer au&szlig;erparlamentarischen Basis ab (die Basis bestand &uuml;berwiegend im Kleinb&uuml;rgertum, also unter StudentInnen, AkademikerInnen, Selbstst&auml;ndigen, nicht in der Arbeiterklasse). Jedenfalls gingen die Gr&uuml;nen urspr&uuml;nglich aus der Friedens- und Anti-AKW-Bewegung hervor. Nachdem sie 1978 in Hamburg und Niedersachsen in Landtagswahlen weniger als vier Prozent erhielten, bei der Bundestagswahl 1980 auf 1,5 Prozent kamen, konnten sie bereits 1983 mit 5,6 Prozent in den Bundestag einziehen. Heute werden unter einem gr&uuml;nen Au&szlig;enminister von deutschem Boden aus Kriege gef&uuml;hrt (1999 Balkan, 2001 Afghanistan). Unter einem gr&uuml;nen Umweltminister wird die Atompolitik fortgesetzt. W&auml;hrend die au&szlig;erparlamentarischen Proteste gegen die Atomlobby immerhin erreichten, dass von den einst achtzig geplanten Atommeilern mehr als die H&auml;lfte nicht gebaut wurden, koppelten sich die parlamentarischen VertreterInnen von der Bewegung schnell ab. Vor zwei Jahren wurde die damalige Gr&uuml;nen-Vorsitzende Claudia Roth ausgepfiffen und vom Traktor runter geholt, als sie im Wendland an den Anti-Castor-Aktionen teilnehmen wollte. <br \/>  <br style=\"font-weight: bold;\"> <span style=\"font-weight: bold;\">F&uuml;r ein anti-kapitalistisches und pro-sozialistisches Programm <\/span><\/p>\n<p>  Heute gibt es zwar eine Reihe verschiedener Parteien und Regierungskonstellationen, aber nur eine Politik: Privatisierungen, Stellenstreichungen, Lohnklau, Unternehmergeschenke&#8230; Eine neue Partei, die f&uuml;r die arbeitende Bev&ouml;lkerung eine grundlegende Alternative bieten soll, muss damit brechen. Ausgangspunkt f&uuml;r eine neue politische Interessenvertretung sollte die Ablehnung unternehmerfreundlicher Politik sein. Au&szlig;erdem sollte diese Partei den Kampf gegen Sozialraub mit dem Kampf gegen Rassismus und Sexismus verbinden und damit der Spaltung der arbeitenden Menschen entgegenwirken. Ein Programm, das sich konsequent auf die Seite der Lohnabh&auml;ngigen stellt, m&uuml;sste auch gegen Kriege, Abbau demokratischer Rechte und Umweltzerst&ouml;rung vorgehen, da diese Entwicklungen die Folge des Profitstrebens der Banken und Konzerne sind. <br \/>  Der neoliberale Einheitsbrei verweist auf die leeren Kassen. Aber wer hat sie in welchem Interesse gepl&uuml;ndert? Die Gro&szlig;unternehmen und Finanzh&auml;user, die Reichen und Superreichen genie&szlig;en heute Steuerprivilegien, Subventionen und Verg&uuml;nstigungen, w&auml;hrend bei den Besch&auml;ftigten, Erwerbslosen und Sozialhilfeempf&auml;ngerInnen die Daumenschrauben angesetzt werden. In Berlin muss jeder Vierte mit maximal 600 Euro &uuml;ber die Runden kommen, gleichzeitig sind Konzerne wie DaimlerChrysler oder Siemens in der Bundeshauptstadt genauso wie in anderen St&auml;dten der Republik von Steuerzahlungen weitgehend freigestellt. Die neue Steuerreform sp&uuml;lt den Einkommensmillion&auml;ren in diesem Jahr monatlich weit mehr als 5.000 Euro zus&auml;tzlich in die Kassen. <br \/>  In dem Positionspapier der Wahlalternative wird die &#8222;Schw&auml;che der Binnennachfrage als Hauptproblem der wirtschaftlichen Entwicklung&#8220; gegei&szlig;elt. Damit orientiert es sich an klassischen keynesianistischen Ideen. Der b&uuml;rgerliche &Ouml;konom Keynes, der in der ersten H&auml;lfte des 20. Jahrhunderts wirkte, stellte den Kapitalismus nicht grundlegend in Frage. Er forderte lediglich, die Nachfrage in Krisenzeiten (unter anderem &uuml;ber eine h&ouml;here Kreditaufnahme des Staates) anzukurbeln, um im n&auml;chsten Aufschwung antizyklisch die Staatsverschuldung wieder herunterzufahren und die Angebotspolitik zu st&auml;rken. Die heutigen Keynesianer setzen verst&auml;rkt auf staatliche Interventionen gegen die anarchischen Kr&auml;fte des Marktes. Als SozialistInnen k&auml;mpfen wir nat&uuml;rlich daf&uuml;r, die Massenkaufkraft zu unterst&uuml;tzen und dem Profitstreben entgegen zu wirken. Wir geben uns aber weder der Illusion hin, dass damit strukturelle Krisen des Kapitalismus &uuml;berwunden werden k&ouml;nnten noch, dass die privaten Unternehmer Einschr&auml;nkungen durch den Staat widerstandslos hinnehmen w&uuml;rden. <br \/>  Das kapitalistische System ist voller Widerspr&uuml;che: Auf der einen Seite gro&szlig;e gesellschaftliche Bed&uuml;rfnisse, auf der anderen Seite Betriebsschlie&szlig;ungen und Massenentlassungen. Auf der einen Seite 1,9 Milliarden &Uuml;berstunden in der BRD im Jahr, auf der anderen Seite offiziell 4,5 Millionen Arbeitslose. Auf der einen Seite wurde das j&auml;hrliche Bruttosozialprodukt seit 1960 verdoppelt, auf der anderen Seite wird Altersarmut wieder ein Massenph&auml;nomen. F&uuml;r die Autoren der Wahlalternative soll sich die Diskussion &#8222;nicht um &#x91;Reform oder Revolution&#x91;, sondern um sozialen Reformismus oder weiteren Vormarsch der neoliberalen Reaktion&#8220; drehen. &#8222;Es geht nicht um eine neue explizit linkssozialistische Partei.&#8220; Es wird unumstritten sein, dass eine neue &#8222;Linkspartei&#8220; in jedem Fall den Kampf f&uuml;r Reformen aufnehmen soll. Aber was tun, wenn Sozialreformen in Zeiten struktureller statt konjunktureller Krisen, in Zeit von Massenarmut, Arbeitslosigkeit und kapitalistischem Niedergang begrenzt beziehungsweise vor&uuml;bergehend sind? Die Frage stellt sich dann, ob man sich der Logik der Marktwirtschaft beugt, oder den Kampf gegen Konterreformen mit dem Kampf f&uuml;r eine grundlegend andere, sozialistische Gesellschaft verbindet? Daf&uuml;r tritt die SAV ein. Unserer Meinung nach sollte eine neue Parteigr&uuml;ndung diese Frage nicht von vornherein ausklammern, sondern ergebnisoffen diskutieren. <br \/>  In der DDR gab es keinen Tag Sozialismus. Dort waren die Produktionsmitel zwar in Gemeineigentum &uuml;berf&uuml;hrt und die Murkswirtschaft durch eine Planwirtschaft ersetzt, doch wurde nicht unter Beteiligung der Arbeiterklasse auf allen Ebenen demokratisch geplant. Stattdessen existierte eine abgehobene privilegierte B&uuml;rokratie an der Spitze des Staates, die daf&uuml;r sorgte, dass eine Karikatur auf die sozialistische Gesellschaft entstand. <br \/>  Manche auf der Linken m&ouml;gen denken: Nat&uuml;rlich sind sozialistische Ideen politisch richtig, kosten aber Stimmen und schrecken potenzielle MitstreiterInnen ab. Die SAV teilt diese Ansicht nicht. In Irland konnte die SAV-Schwesterpartei Socialist Party mehrere Stadtratssitze und einen Parlamentsposten erobern. Ausschlaggebend war die Verhinderung von Wassergeb&uuml;hren in Dublin durch eine Massenkampagne, die von Mitgliedern der Socialist Party angef&uuml;hrt wurde. Auf dieser Basis war die sozialistische Ausrichtung kein Hindernis. Viele ArbeiterInnen verstanden, dass das Programm und die Kampfvorschl&auml;ge der SozialistInnen den Positionen aller anderen politischen Gruppen und Organisationen &uuml;berlegen waren. Nicht wenige beteiligten sich auch aktiv am Wahlkampf. Generell stellten unsere irischen GenossInnen eine gro&szlig;e Offenheit gegen&uuml;ber sozialistischen Ideen fest. Gleiches gilt f&uuml;r England, wo die dortige Socialist Party in Coventry und London-Lewisham f&uuml;nf Stadtratspositionen gewann. <br \/>  In &Ouml;sterreich konnte die dortige Kommunistische Partei, die KP&Ouml;, vor einigen Jahren in Graz ein im bundesweiten Vergleich herausragendes Wahlergebnis erzielen. Das gelang ihnen auf Grundlage einer Kampagne f&uuml;r die Rechte von MieterInnen. In diesem Fall war der Parteiname auch kein Hindernis, in neue Schichten vorzusto&szlig;en. <br \/>  <br style=\"font-weight: bold;\"> <span style=\"font-weight: bold;\">F&uuml;r demokratische Strukturen <\/span><\/p>\n<p>  Die Initiative f&uuml;r eine Linkspartei oder ein linkes Wahlb&uuml;ndnis sollte von Anfang an so angelegt sein, dass sich AktivistInnen und Interessierte angesprochen und einbezogen f&uuml;hlen. Soll ein solcher Vorsto&szlig; abheben, ben&ouml;tigt es die aktive Beteiligung von k&auml;mpferischen Vertrauensleuten, Gewerkschaftslinken, VertreterInnen aus der sozialen Bewegung, der Antikriegsbewegung, UmweltschutzaktivistInnen, SozialistInnen, vor allem aber auch KollegInnen und Arbeiterjugendlichen, die gerade beginnen sich politisch oder gewerkschaftlich zu engagieren. <br \/>  Die SPD und die stalinistischen Organisationen waren v&ouml;llig undemokratisch aufgebaut. Gerade auf Basis dieser Erfahrungen besteht eine besondere Sensibilit&auml;t bez&uuml;glich Demokratie, Transparenz und Offenheit. In Britannien isolierte sich Arthur Scargill mit seiner Mitte der neunziger Jahre gegr&uuml;ndeten Socialist Labour Party genau aus diesem Grund. Trotz seines Ansehens als Vorsitzender der britischen Bergarbeitergewerkschaft NUM im Streik 1984\/85 stie&szlig; er die meisten potenziellen Unterst&uuml;tzerInnen einer solchen Partei vor den Kopf, da Scargills Parteikonzept undemokratisch und sektiererisch war, in dem kein wirklicher Austausch politischer Differenzen zugelassen wurde. <br \/>  Um so besorgter machen uns die &Uuml;berlegungen in dem ersten ausf&uuml;hrlichen 14-seitigen Entwurf der Wahlalternative vom 5. Februar. Dort hei&szlig;t es: &#8222;Der Ansatz (&#8230;) ist in der ersten Etappe ein Top-Down-Projekt.&#8220; Die Ausf&uuml;hrungen in dem Papier erwecken den Eindruck, dass zuerst ein ausgew&auml;hlter Kreis zusammenkommen und das Projekt gestalten sowie politisch ausrichten soll. Erst wenn die Weichen gestellt sind, soll das Ganze dann f&uuml;r andere ge&ouml;ffnet werden. Ohne die unmittelbare &Ouml;ffnung f&uuml;r alle diejenigen, die mit einer solchen Wahlalternative erreicht und repr&auml;sentiert werden sollen, l&auml;uft man jedoch Gefahr, das Potenzial der betrieblichen und gewerkschaftlichen AktivistInnen oder der Akteure aus den sozialen Bewegungen nicht zu nutzen. Mehr noch, damit provoziert man Misstrauen und Ablehnung gegen&uuml;ber dem Projekt. <br \/>  Die SAV tritt daf&uuml;r ein, dass eine neue Partei ein Sammelbecken ist f&uuml;r GewerkschafterInnen, GlobalisierungskritikerInnen, SozialistInnen, AntifaschistInnen, Umweltsch&uuml;tzerInnen, Frauenrechtlerinnen und andere. Bestehenden Organisationen sollte es m&ouml;glich sein, ihre Identit&auml;t und Struktur aufrechtzuerhalten. Es sollte allen Gruppen und Organisationen freigestellt sein, eine Plattform zu bilden und f&uuml;r die eigenen &Uuml;berzeugungen offen aufzutreten. <br \/>  Damit eine solche Partei nicht b&uuml;rokratisch degeneriert, gilt es unserer Meinung nach, bestimmte Grundprinzipien zu beherzigen; Grundprinzipien, wie sie beim Aufbau der Arbeiterbewegung entwickelt wurden. Dazu geh&ouml;rt die jederzeitige W&auml;hl- und Abw&auml;hlbarkeit von Funktion&auml;rInnen, eine allgemeine Rechenschaftspflicht von Funktion&auml;ren und Leitungsgremien gegen&uuml;ber der Mitgliedschaft und regelm&auml;&szlig;ige Konferenzen auf allen Ebenen. Entscheidungen sollten nach einem intensiven Diskussionsprozess mit einfacher Mehrheit gef&auml;llt werden. Um ein Abheben von Funktion&auml;ren im Keim zu ersticken, sollten alle in verantwortlichen Positionen nicht mehr als einen durchschnittlichen Facharbeiterlohn erhalten. Diese Ideen gehen auf die Pariser Kommune 1871 zur&uuml;ck, wurden von SozialistInnen wie Luxemburg, Liebknecht, Lenin oder Trotzki aufgegriffen und in den revolution&auml;ren Bewegungen am Ende des Ersten Weltkriegs ebenfalls angewendet. <br \/>  Beim Aufbau einer neuen politischen Formation wird heute auch das Recht auf Autonomie lokaler Gruppen wichtig sein. Auf Grund des Zusammenkommens verschiedener Kr&auml;fte mit verschiedenen Erfahrungen und Traditionen in den Protestbewegungen und auf der Linken sollten lokale Gruppen Spielraum f&uuml;r eigene Schwerpunktsetzungen bekommen. Voraussetzung daf&uuml;r w&auml;re, dass sie auf Grundlage einer gemeinsamen Plattform agieren w&uuml;rden. Darunter w&auml;re mindestens die Ablehnung aller Lohn-, Sozial- und Bildungsk&uuml;rzungen, die Ablehnung von Kriegspolitik und Umweltzerst&ouml;rung, sowie Opposition gegen&uuml;ber jeglicher Diskriminierung (ob gegen Frauen, ImmigrantInnen oder gegen Schwule, Lesben und Bisexuelle) zu verstehen. <br \/>  <br style=\"font-weight: bold;\"> <span style=\"font-weight: bold;\">F&uuml;r einen Kurswechsel der Gewerkschaften <\/span><\/p>\n<p>  Der DGB-Vorsitzende Michael Sommer h&auml;lt die Erw&auml;gungen einer Parteigr&uuml;ndung &#8222;f&uuml;r einen Fehler, f&uuml;r eine Torheit&#8220; (FAZ vom 15. M&auml;rz 2004). &#8222;Sektierertum hat noch nie zum Erfolg gef&uuml;hrt.&#8220; Die Gewerkschaftsf&uuml;hrung versucht nach wie vor, die Bande zwischen SPD und Gewerkschaften aufrechtzuerhalten. Bei der Bundestagswahl 2002 lie&szlig; sie sich das noch zwei Millionen Euro Wahlkampfhilfe kosten. Da Gewerkschaftsmitglieder das R&uuml;ckgrat einer neuen Arbeiterpartei darstellen sollten, muss der Kampf um einen Bruch der Gewerkschaften mit der SPD verst&auml;rkt werden. In gewerkschaftlichen Gliederungen sollten Antr&auml;ge eingebracht werden, in denen diese Forderung mit der Diskussion &uuml;ber die beiden Initiativen von IG Metall- beziehungsweise ver.di-Mitgliedern verbunden wird. In den Bezirken sollten Debatten mit den ErstunterzeichnerInnen dieser Initiativen eingefordert werden. <br \/>  Ein Bruch der Gewerkschaften mit der Sozialdemokratie reicht aber nicht. Die Gewerkschaften selber m&uuml;ssen grundlegend ver&auml;ndert werden. Zu Recht sagen sich immer mehr KollegInnen: Verzichten kann ich auch allein, daf&uuml;r brauche ich keine Gewerkschaft. Die Kampfkraft der immerhin noch 7,4 Millionen DGB-Mitglieder wird nicht entschlossen genutzt. Bei Hartz sa&szlig;en VertreterInnen der DGB-Spitze mit am Tisch. W&auml;hrend die IG Metall-F&uuml;hrung in der j&uuml;ngsten Tarifrunde betriebliche Vereinbarungen f&uuml;r Arbeitzeitverl&auml;ngerungen erleichterte, l&auml;sst sich die ver.di-Spitze in Sachen &#8222;Neugestaltung des Tarifrechts im &Ouml;ffentlichen Dienst&#8220; hinter den Kulissen auf Verhandlungen &uuml;ber die Streichung von Sonderzahlungen oder die F&ouml;rderung von Flexibilisierung ein. N&ouml;tig ist eine programmatische und personelle Alternative in den Gewerkschaften. Diese Organisationen der Lohnabh&auml;ngigen m&uuml;ssen endlich zu echten Kampforganisationen werden. Statt Co-Management ist die Mobilisierung der Besch&auml;ftigten branchen&uuml;bergreifend bis hin zu Streiks, Vollstreiks und einem eint&auml;gigen Generalstreik das Gebot der Stunde. Deutliche Lohnerh&ouml;hungen, Arbeitszeitverk&uuml;rzungen bei vollem Lohn- und Personalausgleich, Ausbildung und &Uuml;bernahme f&uuml;r alle Jugendlichen, R&uuml;ckverstaatlichungen privatisierter Betriebe, Enteignung von Betrieben, die Firmenschlie&szlig;ungen oder Entlassungen planen, unter demokratischer Kontrolle und Verwaltung der Besch&auml;ftigten &#x96; das sind Forderungen, die sich die Gewerkschaften wieder auf die Fahnen schreiben sollten. Au&szlig;erdem ist eine Demokratisierung der Gewerkschaften erforderlich. Hier sind die gleichen Anspr&uuml;che wie im Bezug auf eine neue Partei zu stellen. <\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">Welche Chancen hat eine Linkspartei? <\/span><\/p>\n<p>  Die Aussichten f&uuml;r die Initiative &#8222;Arbeit und soziale Gerechtigkeit&#8220; und f&uuml;r die Wahlalternative sind v&ouml;llig offen. Viel wird davon abh&auml;ngen, ob sie den Diskussionsprozess &ouml;ffnen und AktivistInnen und neue Schichten aus den Betrieben, Gewerkschaften und sozialen Bewegungen ansprechen. Sollte im Sommer tats&auml;chlich der Grundstein f&uuml;r ein neues linkes Wahlb&uuml;ndnis gelegt werden, ist auch damit noch kein Erfolg garantiert. An dem Vorsto&szlig; aus Bayern sind zwei IG-Metall-Vorstandsmitglieder beteiligt, an der Wahlalternative mehrere mittlere ver.di-Funktion&auml;re. Entscheidend wird sein, ob sie bereit sind die Auseinandersetzung auch innerhalb der Gewerkschaften f&uuml;r eine klassenk&auml;mpferische Politik und eine innergewerkschaftliche Demokratisierung einzugehen &#x96; oder ob andere, die in diese Richtung gehen wollen, sich in dem Projekt durchsetzen k&ouml;nnen. Ohne die Einbeziehung einer gr&ouml;&szlig;eren Zahl von aktiven Kr&auml;ften oder die Verbindung zu realen K&auml;mpfen und Protesten k&ouml;nnte ein solches Projekt auch im Sande verlaufen. <br \/>  Ganz gleich, ob die beiden Initiativen abheben oder nicht, best&auml;tigen sie eindeutig die fundamental ver&auml;nderte Lage in der Bundesrepublik. Mit dem Klassenkampf von oben, mit der Verb&uuml;rgerlichung der Sozialdemokratie und mit der enormen Wut und Kampfbereitschaft unter ArbeiterInnen und Jugendlichen nehmen die Debatten innerhalb der Gewerkschaften im Hinblick auf einen Bruch mit der SPD und die Bildung einer neuen Arbeiterpartei zu. Auch f&uuml;r AktivistInnen von sozialen Bewegungen stellt sich zugespitzt die Frage nach einer politischen Alternative zum b&uuml;rgerlichen Establishment. <br \/>  Internationale Erfahrungen zeigen, dass es beim Prozess der Herausbildung einer neuen Partei f&uuml;r die arbeitende Bev&ouml;lkerung auch R&uuml;ckschl&auml;ge, Fehlstarts und Verz&ouml;gerungen geben kann. In Deutschland ist in den kommenden Monaten und Jahren eine dramatische Zunahme von Arbeitsk&auml;mpfen, Streiks bis hin zu Massenstreiks zu erwarten. Die politische Weiterentwicklung und die Erfahrung von AktivistInnen in diesen Klassenk&auml;mpfen wird entscheidend f&uuml;r das Entstehen und den substanziellen Aufbau einer neuen Partei sein. <br \/>  In K&ouml;ln, Aachen und anderen St&auml;dten von Nordrhein-Westfalen gibt es Bestrebungen, f&uuml;r die anstehenden Kommunalwahlen linke Wahlb&uuml;ndnisse zu gr&uuml;nden. &Auml;hnliche Versuche gibt es in anderen Bundesl&auml;ndern. Schon vor den beiden Initiativen aus IG Metall und ver.di entz&uuml;ndeten sich in den Gewerkschaften Auseinandersetzungen zum Verh&auml;ltnis mit der SPD, zum Beispiel beim letzten Gewerkschaftstag der IG Metall und der IGM-Bundesjugendkonferenz 2003. Die von ver.di und Attac vorbereitete Perspektivkonferenz im Mai wird eine Gelegenheit f&uuml;r weitergehende Debatten auf der Linken und in der Arbeiterbewegung &uuml;ber gesellschaftliche Alternativen bieten. Solche &ouml;rtlichen linken Wahlb&uuml;ndnisse, Arbeiterkandidaturen und Diskussionsforen in den Gewerkschaften und in den sozialen Bewegungen k&ouml;nnen Schritte in Richtung einer neuen politischen Interessenvertretung f&uuml;r ArbeitnehmerInnen, Jugendliche und sozial Benachteiligte darstellen. Sollten sich die Initiativen &#8222;Arbeit und soziale Gerechtigkeit&#8220; und die Wahlpolitische Alternative f&uuml;r andere AktivistInnen &ouml;ffnen, neue Schichten ansprechen, demokratisch vorgehen und bereit sein, sich mit dem Kapital anzulegen, k&ouml;nnten daraus wichtige Kristallisationspunkte f&uuml;r eine neue Partei entstehen. Internationale Fortschritte k&ouml;nnten ebenfalls positive Impulse geben. Die SAV wird an diesen K&auml;mpfen und Debatten aktiv und solidarisch teilnehmen, einen Beitrag leisten, um diese Prozesse zu f&ouml;rdern und f&uuml;r antikapitalistische und sozialistische Ideen eintreten.<br \/>  <br style=\"font-style: italic;\"> <span style=\"font-style: italic;\">Berlin, den 23. M&auml;rz 2004<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F&uuml;r eine neue Partei im Interesse von ArbeitnehmerInnen, Jugendlichen und sozial Benachteiligten<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[28],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10825"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10825"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10825\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10825"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10825"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10825"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}