{"id":10817,"date":"2004-03-17T12:50:32","date_gmt":"2004-03-17T11:50:32","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=10817"},"modified":"2012-06-24T15:24:28","modified_gmt":"2012-06-24T13:24:28","slug":"10817","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2004\/03\/10817\/","title":{"rendered":"Debatte um neue Linkspartei"},"content":{"rendered":"<p>Offener Brief an &#8222;www.wahlalternative.de? und die Initiative Arbeit und soziale Gerechtigkeit<!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\nLiebe KollegInnen, liebe GenossInnen,<\/p>\n<p> mit gro&szlig;em Interesse verfolgen wir die Berichterstattung &uuml;ber Eure Diskussionen hinsichtlich der Bildung einer Wahlalternative zu den Bundestagswahlen 2006. Ebenso interessiert haben wir sowohl den 14-seitigen Diskussionsentwurf und den jetzt ver&ouml;ffentlichten Diskussionsbeitrag, der aus dem Kreis der KollegInnen geschrieben wurde, die die Website www.wahlalternative.de. eingerichtet haben als auch Erkl&auml;rung der Initiative Arbeit und soziale Gerechtigkeit gelesen. <\/p>\n<p> Wir stimmen mit Euch in der Frage &uuml;berein, dass bei den Bundestagswahlen 2006 (und nicht nur da) eine neue linke Wahlalternative n&ouml;tig ist. Wir wollen Euch mit diesem Brief vorschlagen zu dieser Frage eine breite und &ouml;ffentliche Diskussion zu f&uuml;hren und den Diskussionsprozess mit uns und anderen Gruppen und Einzelpersonen aufzunehmen. <\/p>\n<p> Die SAV tritt seit geraumer Zeit f&uuml;r den Aufbau einer neuen politischen Interessenvertretung f&uuml;r ArbeitnehmerInnen, Erwerbslose, Jugendliche und RentnerInnen ein. Dies haben wir in der Formel ?f&uuml;r eine neue Arbeiterpartei? zusammen gefasst. Auch wir sind der Meinung, dass die Sozialdemokratie in keinster Art und Weise mehr als eine politische Vertretung der Arbeiterklasse insgesamt betrachtet werden kann. Die SPD ist von einer Arbeiterpartei mit b&uuml;rgerlicher F&uuml;hrung zu einer durch und durch b&uuml;rgerlich-kapitalistischen Partei geworden. Die Massenaustrittswelle und Wahlniederlagen sind Ausdruck dieser fortgeschrittenen Losl&ouml;sung der traditionellen Arbeiterbasis von der SPD. Wir sind auch der Ansicht, dass die PDS sich nicht zu einer solchen Interessenvertretung auf Bundesebene wird entwickeln k&ouml;nnen, im Gegenteil hat sie sich mit ihrer Beteiligung an arbeitnehmerfeindlicher Regierungspolitik zum Erf&uuml;llungsgehilfen des Kapitals gemacht. <br \/> Gemeinsame Basis f&uuml;r die Entwicklung von SPD und PDS ist die Akzeptanz der Logik der kapitalistischen Wirtschaftsweise. <\/p>\n<p> Auch wir sehen in der wachsenden sozialen Protestbewegung und den gewerkschaftlichen K&auml;mpfen das steigende Potenzial f&uuml;r eine neue politische Formation, die diesen K&auml;mpfen und Protesten einen Ausdruck verleihen k&ouml;nnte. Gerade die Demonstration vom 1. November spielt hier eine wichtige Rolle, denn sie wurde gegen die Passivit&auml;t und den teilweisen Widerstand der Gewerkschaftsspitzen durchgesetzt. In diesem Zusammenhang wollen wir betonen, dass die Frage einer politischen Neuformation nicht vom weiteren Aufbau des Widerstandes gegen Sozialkahlschlag und Lohnraub zu trennen ist. Den Widerstand weiter aufbauen hei&szlig;t auch f&uuml;r einen Kurswechsel der Gewerkschaften eintreten, die bisher nicht bereit sind einen konsequenten Widerstand gegen die Politik der Schr&ouml;derregierung zu organisieren. <br \/> Eine politische Formation w&uuml;rde auch das Forum bieten, in dem eine Diskussion &uuml;ber die politischen Alternativen und positiven Zielsetzungen der Bewegungen und K&auml;mpfe gef&uuml;hrt werden k&ouml;nnte. In diesem Sinne dr&auml;ngt die Zeit und das nicht nur wegen den nahenden Bundestagswahlen. Eine neue politische Interessenvertretung, die inhaltliche Alternativen zu der herrschenden neoliberalen Einheitspolitik der etablierten Parteien formulieren w&uuml;rde, w&auml;re eine enorme St&auml;rkung f&uuml;r die Bewegung und f&uuml;r gewerkschaftliche K&auml;mpfe, denn sie w&uuml;rde die Herrschenden auf der parlamentarischen Ebene herausfordern, sie h&auml;tte die M&ouml;glichkeit die Zusammenh&auml;nge verschiedener Einzelk&auml;mpfe aufzuzeigen und sie w&uuml;rde die M&ouml;glichkeit bieten neue Perspektiven f&uuml;r eine grundlegende Ver&auml;nderung der Gesellschaft in diesen K&auml;mpfen zu verankern. <\/p>\n<p> Die SAV hat durch verschiedene Aktivit&auml;ten versucht, den Diskussionsprozess zur Bildung einer neuen politischen Partei zu f&ouml;rdern bzw. Kr&auml;fte zusammen zu bringen, die dabei eine Rolle spielen k&ouml;nnen. Dazu geh&ouml;ren unter anderem die Beteiligung an kommunalen Wahlb&uuml;ndnissen wie in Hamburg, K&ouml;ln und Aachen oder die Mitarbeit bei den ?FreundInnen der Europ&auml;ischen Antikapitalistischen Linken (EAL)?. Auch in die Gewerkschaften haben wir diese Frage hineingetragen, zum Beispiel &uuml;ber das Engagement unserer Mitglieder beim Netzwerk f&uuml;r eine k&auml;mpferische und demokratische verdi und in der Initiative zur Vernetzung der gewerkschaftlichen Linken. <\/p>\n<p> Sp&auml;testens durch die nun begonnene &ouml;ffentliche Debatte &uuml;ber Eure Initiativen halten wir es f&uuml;r dringend geboten einen offenen, breiten und alle potenziellen Unterst&uuml;tzerInnen einbeziehenden Diskussionsprozess in Gang zu setzen. Gerade nach den negativen Erfahrungen mit b&uuml;rokratisierten Staaten, die sich sozialistisch nannten, und mit b&uuml;rokratisierten Parteien, die sich sozialistisch oder sozialdemokratisch nennen, kommt der Demokratie als konstituierendem Bestandteil einer neuen politischen Formation eine besondere Bedeutung zu. Nicht transparente oder undemokratische Strukturen werden ein Hindernis dabei sein, das Potenzial f&uuml;r eine neue Wahlalternative\/Partei auszusch&ouml;pfen bzw. werden zu einem Scheiten eines neuen Projektes f&uuml;hren k&ouml;nnen. Entwicklungen in anderen europ&auml;ischen L&auml;ndern der letzten Jahre haben dies leider gezeigt (zum Beispiel der gescheiterte Versuch von Arthur Scargill in Gro&szlig;britannien eine Sozialistische Labour Partei aufzubauen). Dies bez&uuml;glich halten wir die Position, die in dem 14-seitigen Entwurf f&uuml;r ein Diskussionspapier formuliert wurde, f&uuml;r kritikw&uuml;rdig. Dort wird von einer ?Top-Down-Herangehensweise? gesprochen und es wird der Eindruck erweckt, dass ein ausgew&auml;hlter Kreis das Projekt gestalten soll und dieses dann den zuk&uuml;nftigen MitstreiterInnen &#8211; ohne deren vorherige Einbeziehung ? pr&auml;sentiert werden soll. Wenn aber das Potenzial der sozialen Bewegungen und der gewerkschaftlichen AktivistInnen genutzt werden soll, so braucht es von Beginn eines solchen Formierungsprozess transparente, offene und demokratische Diskussions- und Entscheidungsstrukturen. Ohne die direkte Beteiligung und Einflussnahme der Menschen, die man erreichen, begeistern und mobilisieren will, wird der Erfolg eines solchen Projektes von Beginn an gef&auml;hrdet. <\/p>\n<p> Deshalb schlagen wir vor, dass all die Kr&auml;fte, die die Bildung einer Wahlalternative 2006 potenziell unterst&uuml;tzen, m&ouml;glichst schnell zu einem bundesweiten Treffen zusammen kommen. Gleichzeitig sollte die Bildung von offenen lokalen Initiativen in Angriff genommen werden. Der von www.wahlalternative.de genannte Termin vom 6. Juni k&ouml;nnte dann f&uuml;r einen offenen bundesweiten Kongress zu dieser Frage genutzt werden. Im Vorfeld eines solchen Kongresses m&uuml;sste die Frage offensiv in den Gewerkschaften und sozialen Bewegungen aufgeworfen werden. Dazu bietet sich unter anderem der f&uuml;r Mai geplante Kongress von verdi und Attac an, auf dem zum Beispiel eine Randveranstaltung zu der Frage einer Wahlalternative angeboten werden k&ouml;nnte. <\/p>\n<p> In dem Diskussionspapier wird die Gr&uuml;ndung einer ?explizit linkssozialistischen Partei? ausgeschlossen. Wir schlagen einen offenen Diskussionsprozess &uuml;ber Charakter und Programmatik der Partei vor. Entschieden werden sollte in einem demokratischen Prozess von den Kr&auml;ften, die an den Aufbau einer neuen politischen Kraft gehen wollen. Voraussetzung, um an einem solchen Prozess teilzunehmen sollte unserer Ansicht nach die Grundhaltung sein, f&uuml;r eine Politik im Interesse von abh&auml;ngig Besch&auml;ftigten, Erwerbslosen und Jugendlichen einzutreten und jeglichen Sozialabbau, Lohnk&uuml;rzungen, Arbeitszeitverl&auml;ngerung, Privatisierung, Stellenabbau sowie Rassismus, Sexismus und Krieg abzulehnen. Auf Basis dieser gemeinsamen Grundhaltung sollte eine Debatte &uuml;ber positive Ziele, Forderungen und Vorstellungen einer gesellschaftlichen Alternative stattfinden. <\/p>\n<p> Trotzdem wollen wir die Gelegenheit nutzen, einige unserer Ideen hinsichtlich einer neuen Partei zur Diskussion zu stellen. Wir treten f&uuml;r eine Partei ein, die k&auml;mpferisch, offen, demokratisch und sozialistisch ist. <\/p>\n<p> K&auml;mpferisch bedeutet, dass sich eine neue Partei vor allem und in erster Linie als Teil der gewerkschaftlichen und sozialen K&auml;mpfe verstehen sollte und in diesen ihren Aktivit&auml;tsschwerpunkt sehen sollte. Parlamentarische Arbeit sollte als Erg&auml;nzung zur au&szlig;erparlamentarischen verstanden werden, mit dem Ziel parlamentarisches Sprachrohr der au&szlig;erparlamentarischen K&auml;mpfe zu sein und das Parlament als Trib&uuml;ne f&uuml;r die Propagierung der eigenen Politik zu nutzen. Nur wenn sich eine neue politische Kraft in den Betrieben und Nachbarschaften durch gro&szlig;en Einsatz in den Auseinandersetzungen verankern kann, wird sie auch das vorhandene Potenzial mobilisieren k&ouml;nnen. <\/p>\n<p> Offen bedeutet, dass die Partei alle Kr&auml;fte, die sich den oben skizzierten Grunds&auml;tzen verpflichten, einbezieht. Sie muss als Sammelbecken f&uuml;r GewerkschafterInnen, GlobalisierungskritikerInnen, SozialistInnen, Umweltsch&uuml;tzrInnen, AntifaschistInnen, FrauenrechtlerInnen etc. fungieren. Sie muss auch offen sein f&uuml;r schon bestehende Organisationen der Linken, die ihre eigene Identit&auml;t, Struktur und Propaganda nicht aufgeben brauchen. Sie braucht das Recht organisierte Plattformen zu bilden und muss eine Struktur haben, in der nicht eine Gruppe\/Str&ouml;mung eine Dominanz aus&uuml;ben kann. <\/p>\n<p> Demokratisch bedeutet, dass die Partei transparente und demokratische Strukturen haben sollte. Dazu geh&ouml;ren f&uuml;r uns Grunds&auml;tze, wie die jederzeitige W&auml;hl- und Abw&auml;hlbarkeit von Funktion&auml;rInnen, die Rechenschaftspflicht leitender Gremien gegen&uuml;ber der Mitgliedschaft, regelm&auml;&szlig;ige Kongresse auf allen Ebenen und die Autonomie lokaler Gruppen, solange diese sich auf Basis der gemeinsamen Minimalgrunds&auml;tze bewegen. Entscheidungen sollten mit einfachen Mehrheiten gef&auml;llt werden, allerdings nach ausf&uuml;hrlichen, die Mitgliedschaft einbeziehenden Diskussionen. Gerade in einer Zeit, in der die Masse der Bev&ouml;lkerung &#8222;die Politik&#8220; als einen Selbstbedienungsladen f&uuml;r korrupte Parteibonzen sehen, muss sich eine neue Kraft deutlich davon unterscheiden und unter Beweis stellen, dass ihre PolitikerInnen nicht zur Wahl antreten, um sich zu bereichern. Eine Begrenzung der Geh&auml;lter und Di&auml;ten von hauptamtlichen Funktion&auml;rInnen und Abgeordneten auf einen durchschnittlichen Facharbeiterlohn halten wir f&uuml;r sinnvoll und n&ouml;tig, um ein deutliches Signal auszusenden und um ein soziales &#8222;Abheben&#8220; einer zuk&uuml;nftigen Parteif&uuml;hrung zu verhindern. Erfahrungen verschiedener Schwesterorganisationen der SAV in anderen L&auml;ndern unterstreichen die Bedeutung dieser Frage. <\/p>\n<p> Sozialistisch bedeutet, dass eine neue Partei sich als klare Interessenvertretung der abh&auml;ngig Besch&auml;ftigten und Erwerbslosen sieht und von einem Interessengegesatz zwischen Kapitalbesitzern und Lohnabh&auml;ngigen ausgeht. Kampf zur Durchsetzung der Interessen statt Klassenkompromiss sollte ein Grundsatz einer neuen Partei sein. Sozialistisch bedeutet auch, dass eine neue Partei eine Perspektive zur &Uuml;berwindung der kapitalistischen, auf Ausbeutung und Profitmaximierung basierenden, Gesellschaftsordnung entwickelt. <\/p>\n<p> &Uuml;ber diese Fragen wollen wir mit Euch und allen anderen Kr&auml;ften, die die Zeit gekommen sehen, eine neue politische Alternative aufzubauen in Diskussion treten und eine praktische Kooperation beginnen. <\/p>\n<p> Mit solidarischen Gr&uuml;&szlig;en <\/p>\n<p> Sascha Stanicic f&uuml;r die SAV-Bundesleitung<br \/> Berlin, den 17.M&auml;rz 2004<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Offener Brief an &#8222;www.wahlalternative.de? und die Initiative Arbeit und soziale Gerechtigkeit<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[28],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10817"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10817"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10817\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10817"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10817"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10817"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}