{"id":10767,"date":"2004-02-05T16:54:45","date_gmt":"2004-02-05T15:54:45","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=10767"},"modified":"2012-06-24T14:34:12","modified_gmt":"2012-06-24T12:34:12","slug":"10767","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2004\/02\/10767\/","title":{"rendered":"Irak &#x96; die Besatzer und der Widerstand"},"content":{"rendered":"<p>Der US-amerikanische Imperialismus sinkt tiefer im Sumpf der Besatzung<!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\nT&auml;glich werden Anschl&auml;ge auf Einrichtungen und Soldaten der Besatzungstruppen und ihre irakischen Gehilfen ver&uuml;bt. Und t&auml;glich gibt es Demonstrationen und Proteste gegen die die das Land auspl&uuml;ndern. Der Irak droht in B&uuml;rgerkrieg und ethnische Teilung zu versinken. Doch Bush, Blair &amp; Co haben keine L&ouml;sung.<br \/>  Bush hoffte, mit der inszenierten Gefangennahme Saddam Husseins den Widerstand im Irak zu brechen. Diese Rechnung ist nicht aufgegangen. Im Gegenteil in den letzten Wochen hat&nbsp; nicht nur die Anzahl der Angriffe auf Einrichtungen der Besatzer und ihrer Marionetten zugenommen, sondern auch der Massenprotest.<br \/>  Die soziale Sitution treibt die Massen auf die Stra&szlig;e. Verschiedenen Sch&auml;tzungen zufolge liegt die Arbeitslosigkeit heute bei 50 bis 70 Prozent &#x96; und die Statthalter-Regierung unter Paul Bremer hat keinerlei Programm, um diesem Problem abzuhelfen.<\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\"> Das Recht der Eroberer<\/span><\/p>\n<p>  Demonstrationen um Arbeit und demokratische Wahlen werden immer wieder mit Kolbenschl&auml;gen, Sch&uuml;ssen und mit in Stellung gebrachten Panzern bedroht. T&auml;glich treten britische oder US-Soldaten irgendwo T&uuml;ren ein, durchsuchen Wohnungen und nehmen Leute fest. Offiziellen US-Angaben zufolge, befinden sich zur Zeit 16.000 IrakerInnen in Haft, ohne dass ihnen je eine Anklage oder ein Anwalt oder &auml;hnliches zur Verf&uuml;gung gestellt wurde.<\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\"> Pl&uuml;nderung des Landes<\/span><\/p>\n<p>  Gleich nach dem US-Sieg erhielten US-Firmen Auftr&auml;ge im Wert von acht Milliarden Dollar. Im irakischen &Ouml;l will sich nun der US-Konzern Halliburton baden. Unmittelbar nach dem Ende der gr&ouml;&szlig;eren Kampfhandlungen fasste dieser Konzern Auftr&auml;ge in H&ouml;he von 78 Millionen Dollar ab. Und Anfang Januar 2004 kam nochmal ein Gro&szlig;auftrag von der &#x84;irakischen &Uuml;bergangsregierung&#x93;. F&uuml;r 1,2 Milliarden Dollar soll Halliburton und seine Tochterfirmen die &Ouml;lfelder und -pipelines im S&uuml;den des Irak instandsetzen.<br \/>  Nummer Zwei der Kriegsgewinner ist der US-Bau-Konzern Bechtel Corp. Dieser Konzern bekam von der US-Regierung Auftr&auml;ge f&uuml;r 36,6 Millionen US-Dollar und das Versprechen weitere Auftr&auml;ge im zerst&ouml;rten Irak zu erhalten.<br \/>  Am 19. September erlie&szlig; der US-Statthalter Paul Bremer die &#x84;Order 39&#x93;, mit der die Privatisierung von 200 irakischen Staatsunternehmen verk&uuml;ndet wurde. Und mit dieser &#x84;Order 39&#x93; d&uuml;rfen nun ausl&auml;ndische Firmen bis zu 100 Prozent an irakischen Banken, Minen und Fabriken halten und ebenso ist diesen Firmen nun erlaubt, 100 Prozent der Gewinne au&szlig;er Landes zu schaffen. Der &#x84;Economist&#x93; bejubelte diese neuen Regeln auch gleich als &#x84;kapitalistischen Traum&#x94;.<br \/>  Allerdings gilt dieser &#x84;kapitalistische Traum&#x93; nur f&uuml;r die der Sieger &#x96; nicht aber f&uuml;r die deutschen, franz&ouml;sischen oder russischen Konzerne. Als der Genosse der deutschen Bosse, Gerhard Schr&ouml;der, in Washington unter Berufung auf &#x84;internationales Recht&#x93; auch Auftr&auml;ge f&uuml;r die deutsche Industrie einforderte, erwiderte Bush nur: &#x84;Internationales Recht? Da rufe ich wohl besser meinen Anwalt an. Darauf hat er mich nicht hingewiesen&#x93; (FAZ, 12. Dezember 03).<br \/>  W&auml;hrend die Industriellen um jeden Auftrag feilschen &#x96; erlebt das irakische Volk das Ganze als kapitalistischen Albtraum.<\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\"> Die Frage der Wahlen<\/span><\/p>\n<p>  Nach dem dem Sieg der imperialistischen Truppen, hatte Bush verk&uuml;ndet, dass sp&auml;testens im Sommer 2004 ein irakisches Parlament und eine irakische Regierung gew&auml;hlt werden sollten. Doch mehr und mehr wurde deutlich, dass die Eroberer bei der Pl&uuml;nderung des Landes keine irakische Regierung gebrauchen k&ouml;nnen. <br \/>  Denn eines ist klar: Bei halbwegs demokratischen Wahlen wird es keine US-freundliche Regierung geben. Immer mehr redeten sie davon, weiterhin den derzeitigen ernannten Regierungsrat unter F&uuml;hreng Bremers im Amt zu lassen. Lediglich ein paar &#x96; vom Regierungsrat &#x96; ausgew&auml;hlte Lokalgr&ouml;&szlig;en sollten die Regierung &#x84;beraten&#x93;.<br \/>  Diese Pl&auml;ne brachten nun die schiitischen Massen auf die Stra&szlig;e. Sie bef&uuml;rchten, nun schon wieder die Betrogenen zu sein. Mit 60 Prozent der irakischen Bev&ouml;lkerung stellen sie die Mehrheit im Lande &#x96; aber unter Husseins Dikatur waren sie die Unterdr&uuml;ckten. Am 19. Januar demonstrierten 100.000 Schiiten in Bagdad f&uuml;r baldige Wahlen. Der religi&ouml;se F&uuml;hrer der Schiiten, Ayatolla Ali al-Sistani, galt bislang eher als gem&auml;&szlig;igt. Unter dem Druck der Massen &#x96; und vor allem dem Druck des wachsenden radikaleren Fl&uuml;gels innerhalb der Schiiten ist al-Sistani gezwungen, sch&auml;rfer aufzutreten. <\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\"> Die Kurden-Frage <\/span><\/p>\n<p>  Das Anwachsen der schiitischen Massenbewegung und gar eine schiitische Regierung mit einer st&auml;rkeren Ausrichtung des Landes in Richtung relig&ouml;sen Fundamentalismus ist auch f&uuml;r die kurdischen Unterst&uuml;tzer der Besatzer ein Problem. Die Kurdenf&uuml;hrer Talabani und Barzani haben f&uuml;r diesen Fall schon angek&uuml;ndigt, ein unabh&auml;ngiges Irakisch-Kurdistan auszurufen.<br \/>  Die Folge w&auml;ren f&uuml;r die ganze Region explosiv. Ein unabh&auml;ngiges Kurdistan im Norden des ehemaligen Iraks w&uuml;rde die Nachbarstaaten, Iran, Syrien, T&uuml;rkei, Aserbaidschan, in denen ebenfalls eine kurdische Minderheit lebt, um die kurdische Frage in kriegerische Auseinandersetzungen ziehen.<\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\"> Welcher Ausweg?<\/span><br  style=\"font-weight: bold;\"> <br \/>  In letzter Zeit h&auml;ufen sich die Berichte, &uuml;ber Gr&uuml;ndungen und Wachstum von unabh&auml;ngigen Zusammenschl&uuml;ssen der ArbeiterInnen, Angestellten und Arbeitslosen &#x96; &uuml;ber alle konfessionellen und ethnischen Grenzen hinweg. Gewerkschaften entstehen. Und auch die Massenproteste der Arbeitslosen zeigen, dass es in der irakischen Gesellschaft eine Kraft gibt, die trotz religi&ouml;ser oder ethnischer Unterschiede gemeinsame Interessen hat: die Arbeiterklasse.<br \/>  Eine Massenbewegung, der ArbeiterInnen, der Armen, der unterdr&uuml;ckten religi&ouml;sen, kulturellen und ethnischen Gruppen im Irak zusammen mit einer Bewegung gegen die Besatzung in den imperialistischen L&auml;ndern, allen voran den USA selbst, k&ouml;nnen Bush, Bremer, Blair &amp; Co mit ihren Rezepten f&uuml;r Brudermord, B&uuml;rgerkrieg und Zerfall aus dem Irak verjagen.<\/p>\n<p>  <span style=\"font-style: italic;\"> von Ren&eacute; Henze, Rostock<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der US-amerikanische Imperialismus sinkt tiefer im Sumpf der Besatzung<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[63],"tags":[157],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10767"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10767"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10767\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10767"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10767"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10767"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}