{"id":10758,"date":"2004-02-02T10:26:46","date_gmt":"2004-02-02T09:26:46","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=10758"},"modified":"2012-06-24T14:32:37","modified_gmt":"2012-06-24T12:32:37","slug":"10758","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2004\/02\/10758\/","title":{"rendered":"Zur Generalstreikdebatte"},"content":{"rendered":"<p>Stellungnahme der SAV vom 31. Januar 2004<!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\nDie Sozialistische Alternative (SAV) tritt seit der Verk&uuml;ndung der Agenda 2010 durch Kanzler Schr&ouml;der f&uuml;r einen eint&auml;gigen Generalstreik ein und richtet diese Forderung an die F&uuml;hrungen der Gewerkschaften, denn nur die Gewerkschaften haben die M&ouml;glichkeit einen solchen Generalstreik durchzuf&uuml;hren. <\/p>\n<p>   <span style=\"font-weight: bold;\">Warum Generalstreik? <\/span><\/p>\n<p>   Ein eint&auml;giger Generalstreik dr&uuml;ckt den mindesten Kampfschritt aus, der n&ouml;tig w&auml;re, um die Agenda 2010 und das Sozialkahlschlagsprogramm von Regierung und Kapital zur&uuml;ck zu schlagen. Ein solcher Generalstreik beinhaltet zwei notwendige Elemente f&uuml;r einen erfolgreichen Widerstand: <\/p>\n<p>   <span style=\"font-style: italic;\">Demonstrationen allein reichen nicht, weil sie den Kapitalisten nicht weh tun und weil sie aufgrund des Fehlens einer starken politischen Alternative zur neoliberalen Einheitspartei (von CSU bis zur PDS in Berlin) nicht zu einer unmittelbaren politischen Bedrohung werden. Streiks sind n&ouml;tig, weil sie die Profite treffen und das politische Bewusstsein der abh&auml;ngig Besch&auml;ftigten sprunghaft entwickeln k&ouml;nnen.<\/span><\/p>\n<p>   <span style=\"font-style: italic;\">Alle sind vom Sozial- und Bildungsraub betroffen, also sollten sich auch alle gemeinsam zur Wehr setzen. Nur wenn sich die betroffenen ArbeitnehmerInnen, Erwerbslosen und Jugendlichen nicht gegeneinander ausspielen lassen, kann Widerstand erfolgreich sein.<\/span><br style=\"font-style: italic;\"> <br \/>   Die Frage des eint&auml;gigen Generalstreiks erw&auml;chst also nicht aus einer Revolutionsromantik oder einem hang dazu &#x84;immer&#x93; einen Generalstreik zu ersehnen, sondern aus den konkreten Bedingungen, die sich hier und heute stellen. <\/p>\n<p>   <span style=\"font-weight: bold;\">&Uuml;ber den Umgang mit Losungen <\/span><\/p>\n<p>   Die oben beschriebenen objektiven Gr&uuml;nde f&uuml;r einen Generalstreik sind eine notwendige, aber noch nicht eine hinreichende Voraussetzung daf&uuml;r die Losung nach einem solchen auch in der Arbeiterbewegung aufzustellen. Die Losung muss mit dem Bewusstsein, und in diesem Fall mit der Entwicklungsrichtung des Klassenkampfes, korrespondieren. <br \/>   Die Entwicklungsrichtung des Klassenkampfes in der Bundesrepublik ist im letzten Jahr eine aufsteigende, wenn auch nicht geradlienige Kurve. Dies gilt vor allem f&uuml;r den Ostmetallerstreik, der nicht an den streikenden KollegInnen gescheitert ist, sondern an der Sabotage der IG Metall-F&uuml;hrung, und f&uuml;r die soziale Protestbewegung von November und Dezember. Jetzt steht mit der Metalltarifrunde m&ouml;glicherweise eine n&auml;chste gro&szlig;e Auseinandersetzung an. <br \/>   Dies findet statt vor dem Hintergrund des Aufschwungs von Klassenk&auml;mpfen in ganz Europa: Generalstreiks und  Massenstreiks in Italien, Griechenland, Spanien, Frankreich, Portugal, &Ouml;sterreich und anderen L&auml;ndern. Deutschland ist keine Insel des sozialen Friedens. Hier versuchen die Gewerkschaftsspitzen der rot-gr&uuml;nen Bundesregierung noch den R&uuml;cken frei zu halten. Das gelingt ihnen aber immer weniger und die Stimmung f&uuml;r Protest und die Bereitschaft an Mobilisierungen teilzunehmen steigt. <br \/>   Europaweit hat die Arbeiterklasse ein Comeback gefeiert, befinden wir uns in einer Phase von Streiks und Massenstreiks. Auch die Bundesrepublik befindet sich am Beginn einer solchen Phase. <\/p>\n<p>   <span style=\"font-weight: bold;\">Keine Stimmung in der Arbeiterklasse f&uuml;r Generalstreik? <\/span><\/p>\n<p>   In der neuen sozialen Protestbewegung gegen den Sozialkahlschlag, die aufs Engste mit der Gro&szlig;demonstration vom 1. November 2003 verbunden ist, und unter Gewerkschaftsaktiven st&ouml;&szlig;t diese Losung auf ein geteiltes Echo. Dies zeigte sich zuletzt auf der Aktionskonferenz &#x84;Alle gemeinsam gegen Sozialkahlschlag&#x93; vom 17. und 18. Januar 2004 in Frankfurt\/Main. Hier wurde die Streikfrage hei&szlig; debattiert. W&auml;hrend sich eine &uuml;berw&auml;ltigende Mehrheit der Konferenz grunds&auml;tzlich f&uuml;r die Notwendigkeit (politischer) Streiks aussprach, gab es viel Skepsis gegen&uuml;ber der Losung eines eint&auml;gigen Generalstreiks. Die einen halten einen solchen grunds&auml;tzlich f&uuml;r illusorisch, andere fragen &#x84;warum nur einen Tag?&#x93;, wieder andere betonen die schwierige Rechtslage hinsichtlich politischer Streiks in der Bundesrepublik und mancher betont ganz allgemein &#x84;dass das alles ja nicht so einfach ist und die KollegInnen in den Betrieben nicht so leicht zu mobilisieren sind.&#x93; <br \/>   Spricht man mit diesen KollegInnen und fragt sie nach ihrer Meinung &uuml;ber einen Generalstreik, erh&auml;lt man meist positive Antworten. Jahrelang schon schauen viele neidisch nach Italien, Frankreich, Spanien (und mittlerweile sogar &Ouml;sterreich) und w&uuml;nschen sich, dass es auch in Deutschland mal zu solchen Formen des kollektiven Widerstands und Massenstreiks kommt. Dass sich alle gemeinsam wehren m&uuml;ssen, liegt f&uuml;r viele auf der Hand. Dementsprechend positiv war zum Beispiel die Resonanz auf die Unterschriftenaktion der SAV f&uuml;r einen eint&auml;gigen Generalstreik bei der Demonstration am 1. November 2003. Bei vielen Mobilisierungen, ob schon im Mai bei verdi-Demonstrationen in Berlin, in Stuttgart bei Mobilisierungen der Metaller oder in Mannheim bei Demonstrationen der Alstom-Besch&auml;ftigten, gab es Transparente und Sprechch&ouml;re, die einen Generalstreik forderten. <br \/>   Die Lage ist also paradox: w&auml;hrend viele gewerkschaftliche AktivistInnen und auch die Aktiven in den sozialen Bewegungen, von Zweifeln geplagt werden, scheint die Bereitschaft in der Masse der Besch&auml;ftigten zu einem Generalstreik ausgepr&auml;gter zu sein. Dieses Paradox ist zu erkl&auml;ren. Die Erfahrung von Gewerkschaftsaktiven in den Betrieben und Verwaltungen mit Schwierigkeiten ihre KollegInnen zu mobilisieren sind real und wurden &uuml;ber viele Jahre gemacht. Diese Erfahrungen mit der m&uuml;hsamen t&auml;glichen Kleinarbeit lasten schwer auf dem Bewusstsein vieler AktivistInnen und beeinflussen den Blick auf die Ereignisse und die Einsch&auml;tzung des Machbaren. Doch die Frage ist: was ist der Grund f&uuml;r diese Schwierigkeiten? Gibt es keine Kampfbereitschaft, gar ein mangelndes Problembewusstsein unter den KollegInnen (wie uns Gewerkschaftsf&uuml;hrung und Arbeitgeber ja immer weis machen wollen)? Tatsache ist, dass alle ernsthaften Angebote zu Kampfma&szlig;nahmen im letzten Jahr massenhaft angenommen wurden: der Ostmetallerstreik, der 1. November, die Arbeitsniederlegungen und Mobilisierungen gegen die Zerschlagung der Tarifautonomie. Oftmals beteiligten sich mehr KollegInnen an den Mobilisierungen, als von Seiten der Gewerkschaften geplant oder erwartet. Alleine verdi und IG Metall mobilisierten nach dem 1.11. 350.000 Mitglieder. Dazu kommen die 100.000 vom 1. November, die Zehntausenden, die schon vor dem 1.11. an Demonstrationen teilnahmen und die zehntausenden Studierenden &#x96;  wir haben in zwei, drei Monaten Massenmobilisierungen von &uuml;ber einer halben Million Menschen gesehen. Die Bereitschaft ist da, aber viele KollegInnen sind skeptisch, wenn es um kleine und verzettelte Mobilisierungen geht und haben das Vertrauen in die Gewerkschaftsf&uuml;hrungen verloren. Die Demobilisierung zu den &#x84;Schaufensterprotesten&#x93; (Zitat DGB-Vorsitzender Sommer) gegen die Agenda 2010 vom Mai 2003 und der Abbruch des Ostmetallerstreiks durch die IGM-F&uuml;hrung haben dieses Vertrauen weiter untergraben. Kein Kollege und keine Kollegin demonstriert oder streikt, weil es Spa&szlig; macht. Alle haben genug Probleme und Verpflichtungen und w&uuml;rden lieber das Leben genie&szlig;en. Sie sind deshalb nur zu mobilisieren, wenn sie den Eindruck haben, dass die Mobilisierungen ernst gemeint sind und dass ihre F&uuml;hrungen k&auml;mpfen und nicht den n&auml;chsten faulen Kompromiss vorbereiten oder wenn sie eine Chance sehen erfolgreich Druck auf ihre F&uuml;hrungen auszu&uuml;ben. Die Wut auf die herrschende Politik und die dreisten Angriffe der Arbeitgeber ist riesengro&szlig; und ist in Widerstand zu verwandeln. Ob dies geschieht und ob dies die Form eines Generalstreiks annehmen kann, h&auml;ngt vor allem von der Haltung der Gewerkschaftsf&uuml;hrung ab. <\/p>\n<p>   <span style=\"font-weight: bold;\">Doppelstrategie <\/span><\/p>\n<p>   Nun gibt es die Sommer-Bsirske-Peters-Gewerkschaftsf&uuml;hrung. Was bedeutet das? Auf bessere Zeiten warten? Nein, die Demonstration vom 1. November, aber auch der Streik von 7.000 Besch&auml;ftigten der Privatindustrie und des &ouml;ffentlichen Dienstes in Kassel am 9. Dezember 2003 haben gezeigt, dass energische Initiativen &#x84;von unten&#x93; (also von gewerkschaftlichen Gliederungen, sozialen Bewegungen etc.) erfolgreich sein k&ouml;nnen. <br \/>   Die SAV schl&auml;gt eine Doppelstrategie vor: den Druck auf die Gewerkschaftsf&uuml;hrungen verst&auml;rken und diese nicht aus der Verantwortung entlassen, gleichzeitig aber unabh&auml;ngige Initiativen f&uuml;r Proteste &#x84;von unten&#x93; ergreifen. Die Gewerkschaftsf&uuml;hrung darf nicht aus der Verantwortung entlassen werden, weil sie noch eine weitgehende Kontrolle &uuml;ber die Gewerkschaften hat. Diese sind die einzigen Organisationen, die das Potenzial zu Massenmobilisierungen haben. Forderungen an die Gewerkschaftsf&uuml;hrungen zu richten hilft den Mitgliedern diese F&uuml;hrungen an ihren Taten zu messen und sich von ihnen zu emanzipieren. Gleichzeitig zeigen alle Erfahrungen, dass auch rechte F&uuml;hrungen zu Kampfma&szlig;nahmen gezwungen werden k&ouml;nnen. Zu welchen Schritten die Gewerkschaftsf&uuml;hrungen bereit sein werden, h&auml;ngt alleine davon ab, wie gro&szlig; der Druck aus den Betrieben und gewerkschaftlichen Gliederungen wird. Dies war auch in der Vergangenheit immer so. Der letzte Generalstreik in Westdeutschland kam 1948 als Folge von einer Welle lokaler Streiks zustande. Die bundesweite Gro&szlig;demonstration von &uuml;ber 350.000 im Juni 1996 gegen die Kohlregierung wurde von einem B&uuml;ndnis von linken Gruppen und Studierenden angesto&szlig;en und die Gewerkschaftsf&uuml;hrung sah sich gezwungen, diese Initiative zu &uuml;bernehmen, als sie eine wachsende Resonanz in den Betrieben und an der Gewerkschaftsbasis bekam. Der Druck f&uuml;r weitergehende Kampfma&szlig;nahmen war damals so gro&szlig;, dass die Vorst&auml;nde der Einzelgewerkschaften diskutierten &#x84; ob es zu einer fl&auml;chendeckenden, betrieblichen und &ouml;ffentlich erkennbaren gemeinsamen Aktion der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer kommen kann.&#x93; <\/p>\n<p>   <span style=\"font-weight: bold;\">&#x84;Streiks macht man, die ruf man nicht aus&#x93; &#8211; ??? <\/span><\/p>\n<p>   In der Debatte, die zum Beispiel bei der Aktionskonferenz im Januar zum Thema Generalstreik gef&uuml;hrt wurde, werden von den KritikerInnen unserer Position die unterschiedlichsten Argumente ins Feld gef&uuml;hrt. Die Frage der Mobilisierbarkeit der Arbeiterklasse haben wir beantwortet. Ein anderes &#x84;Argument&#x93; ist: &#x84;eine Aktionskonferenz kann doch keinen Generalstreik ausrufen!&#x93; &#x96; Stimmt. Und wir haben das niemals behauptet oder gar vorgeschlagen. Es ist jedoch ein schwerer Fehler diese Tatsache zum Anlass zu nehmen, um die Frage des Generalstreiks gar nicht erst aufzuwerfen und in den Gewerkschaften keinen Kampf daf&uuml;r zu f&uuml;hren. Diese Haltung wird oft mit einem anderen Argument unterstrichen: &#x84;Streiks macht man, die ruft man nicht aus!&#x93; Gro&szlig;e Worte mit wenig Inhalt. Nicht alle Streiks sind gleich. Nat&uuml;rlich gab und gibt es Situationen, in denen Streiks direkt aus der spontanen Aktion von ArbeiterInnen erwachsen, eine Eigendynamik erlangen und passieren ohne dass jemand dazu formal aufgerufen h&auml;tte. Zwar gibt es auch in solchen F&auml;llen immer den subjektiven Faktor, also den oder die Menschen, der oder die ausspricht, dass man den Hammer fallen lassen und die Arbeit niederlegen soll, vor allem aber ist eine solche Entwicklungsvariante nicht zu verallgemeinern. Gerade bei den Massen- und Generalstreiks in Italien, Spanien, Griechenland, &Ouml;sterreich, Frankreich, Portugal und anderen L&auml;ndern in den letzten Monaten und Jahren, waren diese immer Folge von Aufrufen der Gewerkschaften. <br \/>   Die M&ouml;glichkeit von spontanen Streikbewegungen sollte linke GewerkschaftsaktivistInnen also nicht davon abhalten heute schon die Streikfrage in den Gewerkschaften aufzuwerfen, die Argumente gegen Streiks zu widerlegen, die KollegInnen zu &uuml;berzeugen, entsprechende Antr&auml;ge in gewerkschaftliche Gremien einzubringen und den Druck f&uuml;r Streiks und f&uuml;r einen eint&auml;gigen Generalstreik aufzubauen. Das w&uuml;rde auch die Entwicklung spontaner Streiks in Zukunft erleichtern. <br \/>   Eine politische Debatte und ein politischer Kampf innerhalb der Gewerkschaften f&uuml;r die Durchsetzung von Streiks ist in Deutschland umso wichtiger, weil die Tradition politischer Streiks begrenzt ist und Bosse, Medien und Gewerkschaftsf&uuml;hrer immer wieder die &#x84;Illegalit&auml;t&#x93; derselben anf&uuml;hren. <br \/>   Die Begrifflichkeit &#x84;politischer Streik&#x93; ist, nebenbei bemerkt, angebracht, um einen Streik zu analysieren, hilft aber nicht bei der Mobilisierung und bei der Durchsetzung von Streiks, denn sie schafft eine unn&ouml;tige Barriere. Deshalb sollte bei der Argumentation f&uuml;r Streiks darauf verzichtet werden. <\/p>\n<p>   <span style=\"font-weight: bold;\">Warum &#x84;nur&#x93; einen Tag? <\/span><\/p>\n<p>   Von vermeintlich linker Seite, wird unsere Losung f&uuml;r einen eint&auml;gigen Generalstreik wegen der &#x84;Begrenzung&#x93; auf einen Tag kritisiert. Die einen halten dies f&uuml;r eine Begrenzung der Kampfkraft und Dynamik der Arbeiterklasse, andere halten diese Zeitvorgabe f&uuml;r willk&uuml;rlich und unverst&auml;ndlich. <br \/>   Der Klassenkampf ist eine ernst Sache. Jede ergriffene Kampfma&szlig;nahme hat Folgen f&uuml;r den weiteren Verlauf  von Auseinandersetzungen. Deshalb muss mit Kampfvorschl&auml;gen verantwortlich umgegangen werden. Es ist nicht willk&uuml;rlich, einen eint&auml;gigen Generalstreik statt eines vierst&uuml;ndigen oder statt eines unbegrenzten vorzuschlagen. <br \/>   Ein ganzer Tag ist das Minimum, um alle Lohnabh&auml;ngigen an einem Streik zu beteiligen. Um eine wirkliche Einheit im Kampf herzustellen sind 24 Stunden das Mindeste. Gleichzeitig w&auml;re ein eint&auml;giger Generalstreik ein sehr gro&szlig;er Schritt f&uuml;r die deutsche Arbeiterbewegung. Er w&uuml;rde die gesellschaftliche Situation und das Kr&auml;fteverh&auml;ltnis ver&auml;ndern. Die Arbeiterklasse w&uuml;rde ihre Macht erkennen und demonstrieren. Ein solcher Streik w&auml;re in der gegenw&auml;rtigen Situation nicht das letzte Wort in der Auseinandersetzung gegen den Sozialkahlschlag, aber ein gro&szlig;es erstes Wort. <br \/>   Das Argument, dass eint&auml;gige Streiks in anderen L&auml;ndern zum &#x84;Dampf ablassen&#x93; von der Gewerkschaftsf&uuml;hrung missbraucht werden, gilt f&uuml;r Deutschland nicht. Denn hier w&auml;re ein eint&auml;giger Generalstreik ein gwaltiger Schritt nach vorne f&uuml;r die Arbeiterbewegung. <br \/>   Auf der anderen Seite w&uuml;rde ein unbegrenzter Generalstreik Fragen aufwerfen, die die Arbeiterklasse in ihrer jetzigen Verfassung nicht beantworten k&ouml;nnte. Ein unbegrenzter Generalstreik verlangt ein hohes Ma&szlig; der Selbstorganisation, um die Gesellschaft unter Kontrolle der Streikenden zu organisieren &#x96; Notdienste, Versorgung etc. Ein solcher Streik stellt unweigerlich die Frage, wer die Macht im Lande hat. Ist die Arbeiterklasse nicht darauf vorbereitet, diese Frage positiv zu beantworten, w&auml;re es abenteuerlich einen unbegrenzten Generalstreik auszurufen (abgesehen von Situationen in denen z.B. ein Milit&auml;rputsch abgewehrt werden muss) und w&uuml;rde eine Niederlage absehbar sein. <br \/>   Einem eint&auml;gigen Generalstreik k&ouml;nnen nat&uuml;rlich weitere Kampfma&szlig;nahmen &#x96; zwei- oder dreit&auml;gige Streiks oder Streiks bestimmter Branchen &#x96; folgen, um die Auseinandersetzung zu eskalieren. <\/p>\n<p>   <span style=\"font-weight: bold;\">Verpasste Chancen <\/span><\/p>\n<p>   Die Massendemonstration vom 1. November und die vielfachen Arbeitsniederlegungen und Demonstrationen gegen Sozialabbau und zur Verteidigung der Tarifautonomie h&auml;tten im November und Dezember eine gute Grundlage f&uuml;r eine Eskalation der K&auml;mpfe und f&uuml;r eine Kampagne f&uuml;r einen eint&auml;gigen Generalstreik geboten. Leider waren es nur die Kasseler Gewerkschaften, die am 9. Dezember einen branchen&uuml;bergreifenden stadtweiten Demonstrationsstreik ausgerufen haben, dem 7.000 KollegInnen aus der Privatindustrie und dem &ouml;ffentlichen Dienst gefolgt sind. H&auml;tte dies auch in anderen Industrieregionen stattgefunden, h&auml;tten die Gewerkschaftsspitzen zu weitergehenden Kampfma&szlig;nahmen gezwungen werden k&ouml;nnen. H&auml;tten die dominierenden Kr&auml;fte des B&uuml;ndnisses, das die Demonstration vom 1. November getragen hat (verschiedene gewerkschaftliche Gliederungen, Attac, Erwerbslosengruppen, Sozialforen, diverse linke Organisationen) schnell nach der Demonstration weitere Schritte von unten ergriffen und eine Kampagne innerhalb der Gewerkschaften gestartet, h&auml;tte die Dynamik der Protestbewegung fortgesetzt werden k&ouml;nnen. Stattdessen wurden Chancen vergeben. Es wurde keine wirklich aktionsorientierte, gemeinsame und zeitnahe Konferenz nach dem 1.11. organisiert, die weitere Schritte h&auml;tte beschlie&szlig;en k&ouml;nnen. So wurde zugelassen, dass die Gewerkschaftsf&uuml;hrungen mit den Aktionen zur Verteidigung der Tarifautonomie und der Festlegung der Aktionstage vom 2. und 3. April 2004 die Initiative wieder an sich rei&szlig;en konnten. Beides ist ein Erfolg der Bewegung. Es ist aber ein Fehler, sich darauf &#x84;auszuruhen&#x93;. Der Druck auf die Gewerkschaftsf&uuml;hrungen h&auml;tte organisiert verst&auml;rkt werden m&uuml;ssen. Wie w&auml;re das m&ouml;glich gewesen? Zum Beispiel dadurch, dass man einen Appell f&uuml;r einen eint&auml;gigen Generalstreik gegen die Agenda 2010 in den Gewerkschaften verbreitet h&auml;tte und auf allen Ebenen Antr&auml;ge daf&uuml;r eingebracht h&auml;tte. Des weiteren dadurch, dass zus&auml;tzlich zu den offiziellen Protesten Aktionen und Arbeitsniederlegungen vor Ort (wie in Kassel) organisiert worden w&auml;ren bei denen die Forderung nach Zusammenfassung der K&auml;mpfe aufgestellt worden w&auml;re. Eine zeitnahe Aktionskonferenz nach dem 1.11. h&auml;tte einen dezentralen Streik- und Protesttag ausrufen k&ouml;nnen, um &ouml;rtliche Aktionen zu b&uuml;ndeln. Auf dieser Basis h&auml;tte die Konferenz vom 17. und 18. Januar, an der ca. 500 Aktive teilgenommen haben zu einer viel gr&ouml;&szlig;eren Veranstaltung von 2.000 oder mehr werden k&ouml;nnen. Dann h&auml;tten qualitativ breitere Schichten zu einer solchen Konferenz mobilisiert werden k&ouml;nnen. <br \/>   Timing ist ein wichtiger Faktor im Klassenkampf und beim Aufbau von Bewegungen. Der schematische Gedanke &#x84;je mehr Vorlaufzeit man hat, desto erfolgreicher k&ouml;nnen Mobilisierungen sein&#x93; ist falsch. Bewegungen haben ihre eigenen Entwicklungsgesetze und Dynamiken. Die Dynamik vom November und Dezember wurde verloren &#x96;weil die Gewerkschaftsf&uuml;hrungen nur Dampf ablassen wollten und sich mit der vorl&auml;ufigen Entscheidung der Bundesregierung die Tarifautonomie nicht anzutasten zufrieden gegeben haben und weil die dominierenden Kr&auml;fte im B&uuml;ndnis f&uuml;r den 1. November keine entschlossenen Initiativen ergriffen haben. <\/p>\n<p>   <span style=\"font-weight: bold;\">Metalltarifrunde, 2. April und aktueller Umgang mit der Generalstreik-Losung <\/span><\/p>\n<p>   Die Situation hat sich im Vergleich zum November und Dezember ver&auml;ndert. Die Zahl der Mobilisierungen ist im Januar zur&uuml;ckgegangen und die Studierendenbewegung hat ihren Zenit &uuml;berschritten. Das bedeutet nicht, dass sich die Stimmung und die Kampfbereitschaft in der Arbeiterklasse ge&auml;ndert haben und ein baldiger Aufschwung von K&auml;mpfen nicht m&ouml;glich w&auml;re. Es bedeutet nur, dass die Wut und die Kampfbereitschaft zur Zeit einen weniger verallgemeinerten Ausdruck finden. Dies kann sich schnell ver&auml;ndern, abh&auml;ngig von Ereignissen und Angeboten zu Protesten (so haben z.B. 30.000 Besch&auml;ftigte und Sch&uuml;lerInnen von Privatschulen gegen K&uuml;rzungen demonstriert, viele tausend BKA-Besch&auml;ftigte gegen die Verlegung ihrer Zentrale und planen Gewerkschaften in NRW f&uuml;r den 31.1. eine landesweite Demonstration). Vor allem der Verlauf der Metalltarifrunde  kann eine gro&szlig;e Klassenauseinandersetzung einleiten. Eine solche h&auml;tte gewaltige Auswirkungen auf alle Gewerkschaften und auf die sozialen Protestbewegung insgesamt. Die Frage von Solidarit&auml;tsaktionen und -streiks w&uuml;rde aufkommen. Aber erst einmal hat die Dynamik der Bewegung vor&uuml;bergehend nachgelassen. Dies ist in erster Linie die Verantwortung der Gewerkschaftsspitzen, aber auch der linken GewerkschafterInnen, der Attac-F&uuml;hrung und anderer ProtagonistInnen der sozialen Bewegungen, die aufgrund ihrer Skepsis gegen&uuml;ber der Arbeiterklasse eine zu vorsichtige Strategie eingeschlagen haben. Das &auml;ndert jedoch nichts daran, dass eine aufsteigende Kurve von Klassenk&auml;mpfen gibt und die Perspektive auf weitere Streiks und Massenmobilisierungen besteht. <br \/>   Das macht die Losung f&uuml;r einen eint&auml;gigen Generalstreik in der jetzigen Situation nicht falsch, aber sie ist oftmals schwieriger zu vermitteln. Wenn die Gewerkschaftsf&uuml;hrungen wollten, k&ouml;nnten sie einen solchen innerhalb weniger Wochen organisieren. Der Druck von unten ist aber im Moment &#x96; nicht zuletzt aufgrund der falschen Einstellung vieler linker AktivistInnen, die notwendige MultiplikatorInnen einer solchen Kampfforderung in der Arbeiterklasse und den Gewerkschaften w&auml;ren &#x96; nicht in erster Linie f&uuml;r einen eint&auml;gigen Generalstreik aufzubauen. Deshalb wird die SAV in den n&auml;chsten Wochen nicht die Losung nach einem eint&auml;gigen Generalstreik in den Vordergrund stellen, sondern unter dem Motto &#x84;2. April: gemeinsam streiken! 3. April: gemeinsam demonstrieren&#x93; agieren. Denn die unmittelbaren Aufgaben sind: <\/p>\n<p>   <span style=\"font-style: italic;\">Eine k&auml;mpferische Tarifrunde  in der Metallindustrie zu erreichen und einen faulen Kompromiss bzw.  ein Einknicken der IG Metall-F&uuml;hrung zu verhindern.  <\/span><br  style=\"font-style: italic;\"> <br style=\"font-style: italic;\"> <span style=\"font-style: italic;\">Den von der Aktionskonferenz  ausgerufenen betrieblichen Aktionstag am 2. April in m&ouml;glichst  vielen Betrieben und St&auml;dten zu einem Streiktag zu machen.  <\/span><br  style=\"font-style: italic;\"> <br style=\"font-style: italic;\"> <span style=\"font-style: italic;\">Die Demonstrationen am 3. April zu  wirklichen Massendemonstrationen zu machen, deren Beteiligung den 1.  November 2003 deutlich &uuml;bersteigt und nicht zuzulassen, dass  die Gewerkschaftsf&uuml;hrungen daraus unpolitische Volksfeste  machen, sondern sie politisieren und auf ihnen die Losung f&uuml;r  einen eint&auml;gigen Generalstreik als n&auml;chsten Schritt  aufzuwerfen. <\/span><\/p>\n<p>   Auf diese Aufgaben m&uuml;ssen die Kr&auml;fte der kritischen und k&auml;mpferischen Kr&auml;fte in den Gewerkschaften und die sozialen Bewegungen konzentriert werden. Dazu m&uuml;ssen unabh&auml;ngige Initiativen von unten ergriffen werden. Also: <\/p>\n<p>   <span style=\"font-style: italic;\">Mobilisierungen von unten in den   Metallbetrieben. &Uuml;berall Informationsveranstaltungen und   Betriebsversammlungen dazu durchf&uuml;hren. Die geplanten   Warnstreiks zu Vollmobilisierungen der Belegschaften  nutzen. Eine   Urabstimmung f&uuml;r einen Vollstreik zur Durchsetzung der vier   Prozent Lohnerh&ouml;hung und zur Abwehr jeglicher   Arbeitszeitverl&auml;ngerung einfordern und erk&auml;mpfen.<\/span><br  style=\"font-style: italic;\"> <br style=\"font-style: italic;\"> <span style=\"font-style: italic;\">In allen St&auml;dten   branchen&uuml;bergreifende Vertrauensleutekonferenzen einfordern   und durchf&uuml;hren, die f&uuml;r den 2. April   Arbeitsniederlegungen und Demonstrationen w&auml;hrend der   Arbeitszeit beschlie&szlig;en.   <\/span><br  style=\"font-style: italic;\"> <br style=\"font-style: italic;\"> <span style=\"font-style: italic;\">Eine unabh&auml;ngige   Mobilisierung des B&uuml;ndnisses vom 1. November und der   Gewerkschaftslinken f&uuml;r die Demonstrationen am 3. April &#x96;   unter eigenen Losungen und mit Kritik an der Politik der   Gewerkschaftsspitzen verbunden. Gewerkschaftslinke m&uuml;ssen auf   allen Ebenen in den Gewerkschaften f&uuml;r k&auml;mpferische   Aufrufe zu der Demonstration eintreten und wirkliche   Mobilisierungskampagnen durchsetzen. Bei den Demonstrationen die   Bildung von k&auml;mpferischen Bl&ouml;cken unter der Parole:   &#x84;Agenda 2010 und allen Sozialkahlschlag stoppen! Ran an die   Profite der Banken und Konzerne! N&auml;chster Schritt: eint&auml;giger   Generalstreik!&#x93;<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stellungnahme der SAV vom 31. 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