{"id":10748,"date":"2004-01-25T14:48:07","date_gmt":"2004-01-25T14:48:07","guid":{"rendered":".\/?p=10748"},"modified":"2004-01-25T14:48:07","modified_gmt":"2004-01-25T14:48:07","slug":"10748","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2004\/01\/10748\/","title":{"rendered":"&#8222;Bis hin zu Streiks&#8220; &#8211; hin zu Streiks!"},"content":{"rendered":"<p>Durch einen Aufschrei der Aktionskonferenz wurde festgehalten: Widerstand &#8222;bis hin zu Streiks&#8220; ist n&ouml;tig, um den Sozialabbau zu stoppen. <\/p>\n<p> Stellungnahme der SAV zur &#8222;Streik-Frage&#8220; der Aktionskonferenz am 17. und 18. Januar<!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\nAm Ende gab es noch einen Eklat bei der Aktionskonferenz &#8222;Alle gemeinsam gegen Sozialkahlschlag&#8220; am 17. und 18. Januar in Frankfurt am Main. Ein &#8222;Veto&#8220; &#8211; aus R&uuml;cksichtnahme auf m&ouml;gliche B&uuml;ndnispartner in den Gewerkschaftsspitzen &#8211; wollten Werner R&auml;tz und Peter Wahl als Vertreter des Attac-KoKreises, dem bundesweiten Leitungsgremium von Attac, einlegen. Dabei ging es um die Formulierung: &#8222;Wir wollen die R&uuml;cknahme der Agenda 2010, den Sozial-, Bildungs- und Lohnabbau stoppen und ihn nicht sozialvertr&auml;glich mitgestalten, sondern leisten Widerstand. F&uuml;r diese Ziele k&auml;mpfen wir auch bei den Europ&auml;ischen Aktionstagen am 2. und 3. April 2004. Diese m&uuml;ssen durch vielf&auml;ltige regionale und betriebliche Aktionen bis hin zu Streiks vorbereitet werden.&#8220; Genauer gesagt ging es um den Teil der Formulierung &#8222;bis hin zu Streiks&#8220;, der Wahl und R&auml;tz zu weit ging.<\/p>\n<p> Wahl sprach sp&auml;ter von einer &#8222;Popelsformulierung&#8220; (jW, 20. Januar 04), doch f&uuml;r die Konferenz war dieses Thema nicht popelig: Es ging in den zwei Tagen darum, wie der Widerstand so gesteigert werden kann, dass er Banken, Konzerne und ihre Vertreter in den Regierungen und Parlamenten trifft und eine andere Politik erk&auml;mpft werden kann. Die SAV setzte sich dabei auf der Konferenz f&uuml;r Streiks und die Forderung nach einem eint&auml;gigen Generalstreik ein. Die Attac-F&uuml;hrung, die auch schon bei der Vorbereitung des 1. November aus Angst vor einer &#8222;zu kleinen&#8220; Demo gebremst hatte, als SAV-VertreterInnen f&uuml;r eine bundesweite Gro&szlig;demonstration eintraten, gab darauf keine Antwort.<\/p>\n<p> Die auf der Konferenz erk&auml;mpfte Formulierung muss nun in die Praxis umgesetzt werden. Der 2. April muss zu einem Streiktag gemacht werden. So kann auch der 3. April am besten vorbereitet werden. F&uuml;r AktivistInnen und Vertrauensleute ist es h&auml;ufig schwierig, sich gegen das Stillhalten und die Politik des Co-Managements der Gewerkschaftsf&uuml;hrung in ihrem Betrieb bei den KollegInnen Geh&ouml;r zu verschaffen und Widerstand zu organisieren. Frustration, Vereinzelung, Passivit&auml;t auf Grund der Halbherzigkeit &#8222;der&#8220; Gewerkschaften &#8211; all das muss durchbrochen werden. So kommt es, dass AktivistInnen oft skeptischer sind gegen&uuml;ber Forderungen nach einem Generalstreik als breitere Kreise der KollegInnen. Gleichzeitig besteht aber &#8211; aktuell zum Beispiel aufgrund der Gesundheitsreform &#8211; sp&uuml;rbar Wut und Zorn.&nbsp;<\/p>\n<p> N&ouml;tig sind Initiativen von Vertrauensleuten, Betriebs- und Personalr&auml;tInnen sowie Delegierten auf allen Ebenen der Gewerkschaften, um gemeinsame Aktionen anzusto&szlig;en. Diese Aktionen m&uuml;ssen aber auch kraftvoll sein, um f&uuml;r alle KollegInnen deutlich zu machen, dass es sich lohnt daran teilzunehmen. Dazu reicht es nicht, immer wieder kleinere Aktionen, auch kleinere Streiks zu machen; damit verbunden m&uuml;ssen auch die Gewerkschaftsspitzen herausgefordert werden, Streiks im gro&szlig;en Stil zu organisieren. Nur so wird f&uuml;r die KollegInnen deutlich, dass es AktivistInnen ernst ist mit dem Widerstand und sie um eine Perspektive k&auml;mpfen, den Sozialraub zu stoppen. Die Aufforderung an die Gewerkschaftsspitzen, endlich den Kampf ernsthaft aufzunehmen, ist wichtig. Gewicht bekommt sie, indem von unten damit weitergemacht wird.<\/p>\n<p> Schon am 29. April 2003 gab es in Schweinfurt einen Streik gegen Schr&ouml;ders Pl&auml;ne: &#8222;Angef&uuml;hrt von dem Transparent: ,Hartz, R&uuml;rup &#8211; was noch? Widerstand gegen Sozialraub&#8216; und vielen Fahnen der IG Metall. Vorbei an der Kugellagerfabrik SKF, wo sich noch einige Hundert Blaum&auml;nner einreihen. Ein imposanter Zug bewegt sich zum Kundgebungsplatz. Dort sind inzwischen dreitausend Kolleginnen und Kollegen von ZF Sachs, SKF, Bosch Star Rexrot, FAG Kugelfischer u.a. aus dem Schweinfurter Norden eingetroffen. Insgesamt stehen viertausend Metallarbeiter gegen die Pl&auml;ne Schr&ouml;ders vor der Rednerb&uuml;hne. Ihre Haltung haben sie unmi&szlig;verst&auml;ndlich mit Pinsel und Farbe auf den Stoff gemalt: ,Sozialabbau ist Krampf. Ihr fordert uns zum Kampf&#8216;, ,Jugend k&auml;mpft mit&#8216; und ,Gegenwehr. Schr&ouml;der, wir kuschen nicht. Generalstreik&#8216;.&#8220; (Labournet, http:\/\/www.labournet.de\/diskussion\/arbeit\/berichte\/schweinfurt.html)<\/p>\n<p> Ein Beispiel setzten auch die Kassler KollegInnen am 9. Dezember: 7.000 Besch&auml;ftigte und Studiernde demonstrierten unter dem Motto &#8222;Stoppt die soziale Demontage, f&uuml;r den Erhalt der Tarifautonomie&#8220;. &#8222;Darunter waren die Belegschaften aller gro&szlig;en Metallbetriebe Kassels und einiger aus dem Umland. Die Arbeiter von VW, DaimlerChrysler, Bombardier, Krauss-Maffei-Wegmann, Alstom, Bode und vieler kleiner und mittelst&auml;ndischer Betriebe hatten die Arbeit unterbrochen, um zusammen mit ihren Kollegen aus dem Regierungspr&auml;sidium, dem Klinikum, der Stadtreinigung, der Verkehrsbetriebe und den Hochschulbesch&auml;ftigten auf die Stra&szlig;e zu gehen. Mit Stra&szlig;enbahnen und Bussen hatten die Fahrer der Kasseler Verkehrsbetriebe (KVB) zuvor ihre Kollegen von VW Baunatal und DaimlerChrysler im Industriegebiet der Kasseler Nordstadt abgeholt und zur Demonstration gebracht. [&#8230;] Sein Ende fand der f&uuml;r Kasseler Verh&auml;ltnisse au&szlig;erordentlich gro&szlig;e Demonstrationszug beim Arbeitgeberverband. ,Hier sitzen die Auftraggeber der Politiker&#8216;, stellte Ullrich Messmer, 1. Bevollm&auml;chtigter der Kasseler IG Metall, fest. Er warnte Unternehmer und Regierung vor einer gesetzlichen Einschr&auml;nkung der Tarifautonomie und des Fl&auml;chentarifs. ,Wer diese sozialen Errungenschaften angreift, riskiert eine Welle von Protesten&#8216;, drohte der Gewerkschaftsfunktion&auml;r. [&#8230;] Noch radikaler traten die Vertreter der Sch&uuml;ler und Studierenden auf. Seit dem 1. November seien ,&uuml;ber 350.000 Menschen auf die Stra&szlig;e gegangen&#8216;, rechnete Nico Weinmann vom B&uuml;ndins ,Jugend gegen Sozialkahlschlag&#8216; vor. Diese Kampfkraft m&uuml;sse nun &raquo;in einem eint&auml;gigen Generalstreik zusammengef&uuml;hrt werden&laquo;, sagte er unter dem Applaus der Demonstranten. Und die Vertreterin der Studierenden, Miriam Fischer, erkl&auml;rte: ,Wenn man sich &uuml;berlegt, wie viele Subventionen die Konzerne heutzutage einstreichen, kann man sagen, da&szlig; es im Grunde volkseigene Betriebe sind&#8216;. Auch in anderen Teilnehmern kam angesichts des Mobilisierungserfolgs revolution&auml;re Stimmung auf. Seewald zitierte einen &auml;lteren Kollegen mit den Worten: ,Es weht ein Hauch Paris &#8217;68 durch Nordhessens Gassen&#8216;.&#8220; (junge Welt, 10. Dezember 03, http:\/\/www.jungewelt.de\/2003\/12-10\/001.php)<br \/> &nbsp;<br \/> Derartige Aktionen sind auch in anderen St&auml;dten m&ouml;glich! Sie k&ouml;nnen den Ansto&szlig; zu landes- und bundesweiten Streiks geben. Sie m&uuml;ssen bekannt gemacht und f&uuml;r sie muss in Betrieben und Gewerkschaften geworben werden. Antr&auml;ge, Beschl&uuml;sse von Vertrauensleuten, Versammlungen auf allen Ebenen k&ouml;nnen sowohl die eigenen Handlungsm&ouml;glichkeiten zu &ouml;rtlichen Streiks, als auch den Aufruf an die eigene Gewerkschaftsf&uuml;hrung zu bundesweiten Aufrufen, Beschl&uuml;ssen und Streiks beinhalten. Wie viel leichter w&auml;re es, die eigenen KollegInnen zu &uuml;berzeugen, dass sich Wiederstand lohnt, wenn endlich auf bundesweiter Ebene von den Gewerkschaften ernst gemacht werden w&uuml;rde und eine Perspektive entstehen w&uuml;rde, Schr&ouml;der, Stoiber und Co Einhalt zu gebieten!<\/p>\n<p> Die derzeitigen Angriffe auf alle sozialen Errungenschaften, auf gewerkschaftliche und betriebsr&auml;tliche Rechte, auf Arbeitszeit und -bedingungen &#8211; sie alle finden vor dem Hintergrund der kapitalistischen Krise statt. Schr&ouml;ders Agenda 2010, die er mithilfe einer gro&szlig;en Koalition verwirklicht, vollzieht, was die Unternehmer brauchen: Die Sanierung ihrer Profite auf Kosten des Lebensstandards, der Gesundheit und der demokratischen Rechte der Masse der Bev&ouml;lkerung.&nbsp;<\/p>\n<p> Diese Pl&auml;ne sind nicht einfach &#8222;weg zu demonstrieren&#8220;. Entscheidend war am 1. November, dass ein Anfang gemacht wurde und Hunderttausend die Blockade der Gewerkschaftsspitzen durchbrachen, jeden Widerstand zur&uuml;ck zu halten. Aber demonstrieren allein ist nicht genug. N&ouml;tig sind Streiks und Massenstreiks. Ein eint&auml;giger Generalstreik w&auml;re dabei ein Schritt, Streiks zusammenzufassen, KollegInnen zu ermutigen und deutlich zu machen, welche Kraft die Arbeiterklasse in dieser Gesellschaft hat. Er w&uuml;rde die Ausgangslage aller folgenden K&auml;mpfe grundlegend ver&auml;ndern. Damit w&auml;re nicht alles gewonnen, aber ein f&uuml;r den jetzigen Stand der Bewegung in Deutschland enorm wichtiger Schritt vollzogen, den Widerstand zu entwickeln, der die Konzerne und ihre Regierungen stoppt.<\/p>\n<p> Auch Streiks l&ouml;sen nicht alle Probleme. Politische Antworten auf den Einheitsbrei von Kahlschlag und K&uuml;rzungen sind notwendig. Aber mit Streiks werden auch diese Fragen auf einer zugespitzten Ebene aufgeworfen.<\/p>\n<p> &nbsp;Ein Generalstreik kann in der augenblicklichen Situation nicht von einer Aktionskonferenz ausgerufen werden. Die Gewerkschaftsf&uuml;hrung sitzt dazu zu fest im Sattel. Aber wir k&ouml;nnen daf&uuml;r sorgen, dass sie dort auf hei&szlig;en Kohlen sitzen: Wenn die Breite der gewerkschaftlichen Mobilisierung zum 1. November genutzt wird, um innerhalb der Gewerkschaften um eine Steigerung der Proteste zu k&auml;mpfen mit einer Vorstellung, wie dies aussehen kann; wenn das verbunden wird, mit lokalen und landesweiten Streiks; wenn damit der Druck weiter gesteigert wird: dann wird auch die Geschwindigkeit hin zu Massenstreiks in Deutschland &ouml;sterreichische oder franz&ouml;sische Verh&auml;ltnisse erreichen und &uuml;bertreffen.<\/p>\n<p> Sozialistische Alternative, SAV, 23. Januar 04<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Durch einen Aufschrei der Aktionskonferenz wurde festgehalten:<br \/>\nWiderstand &#8222;bis hin zu Streiks&#8220; ist n&ouml;tig, um den Sozialabbau zu<br \/>\nstoppen. <\/p>\n<p>Stellungnahme der SAV zur &#8222;Streik-Frage&#8220; der Aktionskonferenz am 17.<br \/>\nund 18. 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