{"id":10736,"date":"2003-12-17T15:19:10","date_gmt":"2003-12-17T15:19:10","guid":{"rendered":".\/?p=10736"},"modified":"2003-12-17T15:19:10","modified_gmt":"2003-12-17T15:19:10","slug":"10736","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2003\/12\/10736\/","title":{"rendered":"Nein zur Verl&auml;ngerung der Arbeitszeit"},"content":{"rendered":"<p>Warum Wochen- und Lebensarbeitszeitverk&uuml;rzungen n&ouml;tig und m&ouml;glich sind<!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\nEin Teil der Umverteilungsoffensive der Unternehmer und der Schr&ouml;der-Regierung ist die Arbeitszeit. In F&auml;llen, in denen die Unternehmer in den letzten Jahren den Ausschluss von betriebsbedingten K&uuml;ndigungen als Gegenleistung f&uuml;r Lohnopfer der Belegschaften vertraglich zugesichert haben &#x96; beziehungsweise bef&uuml;rchten, dass Massenentlassungen Streiks provozieren &#x96; setzen sie erst mal auf den Weg von Arbeitszeitverk&uuml;rzung mit Lohnverlust. <br \/>  So geschehen bei den Besch&auml;ftigten des &ouml;ffentlichen Dienstes in Berlin. So geschehen bei Opel R&uuml;sselsheim. Nachdem bei der Telekom der Abbau von 50.000 Stellen &uuml;ber die eigens daf&uuml;r geschaffene Personalserviceagentur nicht funktioniert, sollen Personalkosten durch die Einf&uuml;hrung der 34-Stunden-Woche und zehn Prozent Gehaltsk&uuml;rzung erfolgen. Aus Unternehmersicht gibt es bei diesen Arbeitszeitverk&uuml;rzungsmodellen den positiven Nebeneffekt, dass Lohnniveau nach unten zu dr&uuml;cken und Druck aufzubauen f&uuml;r eine sp&auml;tere Arbeitszeitverl&auml;ngerung. So geschehen bei der Post. Hier wurden im Jahr 2001 die Tarife f&uuml;r die Neueingestellten um 30 Prozent abgesenkt. Weil von einem solchen Hungerlohn niemand leben kann, wurde jetzt die durchschnittliche Wochenarbeitszeit &#x84;auf freiwilliger Basis&#x93; auf 48 Stunden erh&ouml;ht. Von Freiwilligkeit kann aber keine Rede mehr sein, wenn die Alternative zum &Uuml;berleben ein oder zwei weitere zus&auml;tzliche Nebenjobs w&auml;ren.<\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\"> L&auml;nger arbeiten f&uuml;r das gleiche Geld?<\/span><\/p>\n<p>  Ziel von Unternehmern und den etablierten Parteien ist die Verl&auml;ngerung der Arbeitszeit. Seit Monaten wird die Propaganda gefahren, dass die Deutschen zu wenig in der Woche arbeiten, zu viel Feiertage und zuviel Urlaub h&auml;tten. Angela Merkel fordert, die Wochenarbeitszeit im Westen an die des Ostens anzugleichen. Wirtschaftsminister Clement will Feiertage abschaffen. Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall fordert in der laufenden Tarifrunde f&uuml;r die Metallbetriebe &Ouml;ffnungsklauseln, um die Arbeitszeit zu erh&ouml;hen und weiter zu flexibilisieren. BDI-Chef Rogowski erkl&auml;rte gegen&uuml;ber dem Handelsblatt: &#x84;Ich pl&auml;diere daf&uuml;r die Wochenarbeitszeit pauschal auf 38 bis 40 Stunden anzuheben&#x93;. Die R&uuml;rup-Kommission will das Renteneintrittsalter auf 67 Jahre erh&ouml;hen. Die Bundesl&auml;nder haben den Beamten die Wochen- beziehungsweise Lebensarbeitszeit bereits erh&ouml;ht oder sind dabei sie auf bis zu 42 Wochenstunden zu erh&ouml;hen. Der Kommunale Arbeitgeberverband droht damit, die Tarifvertr&auml;ge &uuml;ber Arbeitszeit zu k&uuml;ndigen. L&auml;nger arbeiten f&uuml;r das gleiche Geld lautet die Devise. Aktuell umgesetzt bei der MOHN Media in G&uuml;tersloh sieht das so aus: Die 1.700 Besch&auml;ftigten arbeiten 39 Stunden die Woche. 4 mal 1.700 Wochenstunden werden nicht bezahlt. Die Gesch&auml;ftsleitung gibt an, dass sie dadurch gegen&uuml;ber der Konkurrenz einen Lohnkostenvorteil von zehn Millionen Euro im Jahr hat.<\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\"> Massenarbeitslosigkeit<\/span><\/p>\n<p>  Die Forderung nach Erh&ouml;hung der Arbeitszeit kommt in einer Zeit, in der bestehende Kapazit&auml;ten nicht ausgelastet sind, bereits f&uuml;nf Millionen Menschen arbeitslos sind und jeden Tag Firmen die Vernichtung von weiteren Arbeitspl&auml;tzen ank&uuml;ndigen. Eine Arbeitszeitverl&auml;ngerung f&uuml;hrt dabei nur zu weiterer Arbeitsplatzvernichtung und zu einem weiteren Anstieg der Massenarbeitslosigkeit. Die IGM sch&auml;tzt, dass die Wiedereinf&uuml;hrung der 40-Stunden-Woche in der Metallindustrie 435.000 Arbeitspl&auml;tze vernichten w&uuml;rde.<\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\"> Arbeitszeitverl&auml;ngerung macht kaputt<\/span><\/p>\n<p>  Unternehmer und Regierung behaupten, die kurzen Arbeitszeiten w&uuml;rden unsere Wirtschaft kaputt machen. Aber es ist die kapitalistische Wirtschaft, die uns kaputtmacht. Arbeiten bis zum Umfallen bei immer weniger Lohn und immer weniger sozialer Absicherung &#x96; das d&uuml;rfen wir nicht zulassen. Im internationalen Konkurrenzkampf um M&auml;rkte und beim Dumping um L&ouml;hne und Arbeitszeiten ist die Arbeiterklasse der Verlierer. Die Offensive von Seiten der Unternehmer in Sachen Arbeitszeit muss mit einer Gegenoffensive der Gewerkschaften beantwortet werden. Kernforderungen einer solchen Offensive m&uuml;ssen sein:<br \/>  &#8211; 30-Stunden-Woche bei vollem Lohn- und Personalausgleich beziehungsweise einem Mindestlohn von 2.000 Euro brutto f&uuml;r alle. Weg mit Arbeitszeitkonten und Flexibilisierung. Nein zu &Ouml;ffnungsklauseln. &nbsp;<br \/>  &#8211; Renteneintrittsalter runter auf 55 Jahre. F&uuml;r eine gesetzliche Rente von mindestens 75 Prozent des letzten Nettolohns beziehungsweise mindestens 750 Euro plus Warmmiete.<br \/>  Leider ist die Gewerkschaftsf&uuml;hrung auch in der Frage der Arbeitszeit zu weiteren Zugest&auml;ndnissen bereit. Bereits in den Tarifabschl&uuml;ssen der Vergangenheit wurde durch Flexibilisierung und die 18er Regelung in der Metallindustrie (nach der 18 Prozent der Betriebe von der Arbeitszeit abweichen d&uuml;rfen) der Kampf f&uuml;r weitere Wochenarbeitszeitverk&uuml;rzung aufgegeben. Ver.di hat in der Tarifrunde 2002 den letzten Arbeitszeitverk&uuml;rzungstag kampflos preisgegeben. Bei der Post hat ver.di den arbeitsfreien 24. und 31.12. aufgegeben. Und was noch schlimmer ist einer Ausdehnung der Wochenarbeitszeit auf 48 Stunden und damit einem Arbeitsplatzvernichtungsprogramm zugestimmt. Unternehmer und Regierung wurden durch diese Politik der Gewerkschaftsf&uuml;hrung geradezu ermutigt immer l&auml;ngere Arbeitszeiten zu fordern. Um den Widerstand der Besch&auml;ftigten gegen eine generelle Verl&auml;ngerung der Arbeitszeit zu brechen, soll offensichtlich die &#x84;demographische Arbeitszeit&#x93; oder Hartz 4 der Wegbereiter sein. VW-Personalchef und Schr&ouml;der-Berater Hartz will dass j&uuml;ngere Arbeitnehmer 40 Stunden in der Woche arbeiten und nur 35 bezahlt bekommen. Von 45 bis 55 soll die Wochenarbeitszeit dann bei 35 Stunden liegen und danach bis 67 bei 30 Stunden. Die Unternehmer w&uuml;rden dadurch ne-benbei 25 Jahre lang einen zinslosenlosen Kredit als Zeitguthaben bekommen. Wenn ein Betrieb pleite geht oder wenn ein Arbeiter fr&uuml;her stirbt, hat der Arbeiter v&ouml;llig umsonst l&auml;nger gearbeitet. Kaum hatte Hartz sein Arbeitszeitmodell verk&uuml;ndet, bekam er bereits Lob von der stellvertretenden DGB-Vorsitzenden Engelen-Kefer. Und einige Wochen nach dem ver.di-Kongress verk&uuml;ndete ver.di-Vorsitzender Frank Bsirske in &#x84;Die Welt&#x93; ohne irgendwelche Legitimation durch einen entsprechenden Kongressbeschluss, dass ver.di bereit sei bei j&uuml;ngeren Arbeitnehmern eine Arbeitszeit von deutlich mehr als 35 Stunden zu akzeptieren und Zeitguthaben f&uuml;r das Alter anzusparen. Anstatt f&uuml;r die Herabsetzung des Renteneintrittsalters zu k&auml;mpfen, argumentieren die Gewerkschaftsf&uuml;hrer daf&uuml;r, dass die abh&auml;ngig Besch&auml;ftigten bis 65 arbeiten und nicht mehr fr&uuml;her in Rente gehen sollen. Die Zeitguthaben aus der Arbeitszeitverl&auml;ngerung sollen daf&uuml;r herhalten, dass wir bis 65 durchhalten. Aber wer bei heutigen Arbeitsbedingungen in jungen Jahren f&uuml;nf Stunden mehr in der Woche arbeitet, der ist nicht sp&auml;ter, sondern fr&uuml;her verschlissen. Gegen diese Politik der Gewerkschaftsf&uuml;hrung muss Widerstand von unten organisiert werden. Beim ver.di-Kongress in diesem Jahr gab es 18 Antr&auml;ge, die eine Arbeitszeitverk&uuml;rzung mit Lohnausgleich forderten, davon sechs die 35 Stunden- und f&uuml;nf die 30-Stunden-Woche. Das zeigt, dass die aktive Basis in die richtige Richtung geht. Sie muss alles tun, um sich gegen die Politik der eigenen F&uuml;hrung durchzusetzen.<\/p>\n<p>  <span style=\"font-style: italic;\"> von Ursel Beck, Stuttgart<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Warum Wochen- und Lebensarbeitszeitverk&uuml;rzungen n&ouml;tig und m&ouml;glich sind<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[11],"tags":[156],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10736"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10736"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10736\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10736"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10736"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10736"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}