{"id":10717,"date":"2003-12-10T12:21:45","date_gmt":"2003-12-10T12:21:45","guid":{"rendered":".\/?p=10717"},"modified":"2003-12-10T12:21:45","modified_gmt":"2003-12-10T12:21:45","slug":"10717","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2003\/12\/10717\/","title":{"rendered":"Demo &#x96; Streik &#x96; Generalstreik!"},"content":{"rendered":"<p>Am 9. Dezember fand in Kassel die erste branchen&uuml;bergreifende Arbeitsniederlegung gegen Sozialabbau und f&uuml;r Tarifautonomie statt.<!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\nDamit fand die Protestwelle gegen den sozialen Kahlschlag und f&uuml;r den Erhalt der Tarifautonomie, die seit der bundesweiten Gro&szlig;demonstration mit 100 000 Teilnehmern am 1.November in Berlin nicht mehr abrei&szlig;t, einen neuen H&ouml;hepunkt in Kassel. Unter dem Motto <span  style=\"font-style: italic;\">&#x84;Stoppt die soziale Demontage, f&uuml;r den Erhalt der Tarifautonomie&#x93;<\/span> hatte der DGB die Besch&auml;ftigten verschiedener Branchen und Betriebe der Stadt zu einer gemeinsamen Demonstration w&auml;hrend der Arbeitszeit aufgerufen. <\/p>\n<p>   <span style=\"font-weight: bold;\">Tausende legen Kassel lahm! <\/span><\/p>\n<p>   7000 versammelten sich daraufhin um &#x84;f&uuml;nf vor zw&ouml;lf&#x93; in der Kasseler Innenstadt zur gr&ouml;&szlig;ten Demonstration in Kassel gegen Sozialabbau seit mehr als 15 Jahren. Darunter waren die Belegschaften aller gro&szlig;en Metallbetriebe Kassels und einiger aus dem Umland. Die Arbeiter von VW, DaimlerChrysler, Bombardier, Krauss-Maffei-Wegmann, Alstom, Bode und vieler kleiner und mittelst&auml;ndischer Betriebe hatten die Arbeit unterbrochen, um zusammen mit ihren Kollegen aus dem Regierungspr&auml;sidium, dem Klinikum, der Stadtreinigung, der Verkehrsbetriebe und den Hochschulbesch&auml;ftigten auf die Stra&szlig;e zu gehen. <br \/>   Mit Stra&szlig;enbahnen und Bussen hatten die Fahrer der Kasseler Verkehrsbetriebe (KVB) zuvor ihre Kollegen von VW Baunatal und Daimler Chrysler im Industriegebiet der Kasseler Nordstadt abgeholt und zur Demonstration gebracht. Die Besch&auml;ftigten der Metallbranche im nahe gelegenen Eschwege <span style=\"font-style: italic;\">&#x84;informierten sich w&auml;hrend ihrer gesamten Arbeitszeit &uuml;ber Sozialabbau und Tarifautonomie&#x93;<\/span>, wie es die nordhessische DGB-Vorsitzende Katharina Seewald ausdr&uuml;ckte. (JW 10.12.03) Diverse Belegschaften der Region schickten Delegationen zur Kasseler Demonstration. An dieser nahmen auch streikende Studierende teil, die nach einer eigenen Auftaktdemonstration zum gemeinsamen Treffpunkt kamen. Auch Sch&uuml;ler, Erwerbslose und soziale Initiativen hatten zum Protest aufgerufen. <\/p>\n<p>   <span style=\"font-weight: bold;\">Wer heute noch SPD, CDU und Kapital vertraut&#8230; <\/span><\/p>\n<p>   Gemeinsam zogen die Demonstranten zur SPD-Bezirkszentrale. Dort &uuml;bergaben sie Unterschriften mit der Forderung, die Tarifautonomie im Vermittlungsausschu&szlig; nicht zur Disposition zu stellen. In einem Schreiben des SPD Bezirks Hessen-Nord an den DGB hatte dieser zuvor versucht, sich den Gewerkschaften anzubiedern. Sozialdemokraten und Gewerkschafter st&uuml;nden beim <span style=\"font-style: italic;\">&#x84;Eintreten f&uuml;r Arbeitnehmerrechte und soziale Gerechtigkeit auf der selben Seite&#x93;<\/span>. Desweiteren enth&auml;lt der Brief die Aufforderung an die Gewerkschaften, die angeblichen Gemeinsamkeiten &#x84;in den &ouml;ffentlichen Debatten deutlicher zum Ausdruck&#x93; zu bringen. Auf sonderlich viel Gegenliebe traf das Werben der hessischen Sozialdemokraten bei den Demonstranten indes nicht. Man werde die SPD <span style=\"font-style: italic;\">&#x84;an ihren Taten messen&#x93;<\/span>, stellte Seewald bei ihrer Rede klar. <br \/>   Heftige Kritik mu&szlig;te naturgem&auml;&szlig; auch die hessische CDU einstecken, die sich unter Ministerpr&auml;sident Roland Koch f&uuml;r das bundesweit radikalste K&uuml;rzungsprogramm verantwortlich zeichnet. 12.000 Menschen werden laut Gerhard Hof, Personalratsvorsitzender im Regierungspr&auml;sidium, durch die Ma&szlig;nahmen der Landesregierung <span style=\"font-style: italic;\">&#x84;in die Arbeitslosigkeit geschickt&#x93;<\/span>. Ullrich Messmer, 1.Bevollm&auml;chtigter der Kasseler IG Metall nannte es eine <span style=\"font-style: italic;\">&#x84;Unversch&auml;mtheit, da&szlig; die Arbeitgeber uns predigen, wir sollten schneller lernen und h&auml;rter arbeiten, obwohl sie selbst nie f&uuml;r Bildung bezahlt und nie wirklich gearbeitet haben&#x93;<\/span>. <br \/>   Sein Ende fand der f&uuml;r Kasseler Verh&auml;ltnisse au&szlig;erordentlich gro&szlig;e Demonstrationszug beim Arbeitgeberverband. <span  style=\"font-style: italic;\">&#x84;Hier sitzen die Auftraggeber der Politiker&#x93;<\/span>, stellte Messmer fest. Er warnte Unternehmer und Regierung vor einer gesetzlichen Einschr&auml;nkung der Tarifautonomie und des Fl&auml;chentarifs. <span style=\"font-style: italic;\">&#x84;Es war ein harter Weg der Kolleginnen und Kollegen, die vor uns Errungenschaften wie Tarifvertr&auml;ge erk&auml;mpft haben. Wer das angreift riskiert eine Welle von Protesten.&#x93;<\/span>, drohte der Gewerkschaftsfunktion&auml;r. <\/p>\n<p>   <span style=\"font-weight: bold;\">Ein Hauch von Paris &acute;68 <\/span><\/p>\n<p>   Noch radikaler traten die Vertreter der Sch&uuml;ler und Studierenden auf. So sagte Nico Weinmann vom B&uuml;ndnis &#x84;Jugend gegen Sozialkahlschlag&#x93; und Mitglied der SAV in seiner Rede unter dem Applaus der Demonstranten: <span  style=\"font-style: italic;\">&#x84;Bundesweit waren in den vergangenen Wochen 350.000 Menschen in verschiedenen St&auml;dten gegen die K&uuml;rzungsma&szlig;nahmen auf Bundes- und L&auml;nderebene auf der Stra&szlig;e. Das zeigt wieviel Potential f&uuml;r Widerstand gegen den Kahlschlag auf allen Ebenen steckt. Die Zeit ist reif, weitere Kampfma&szlig;nahmen bis hin zu einem 24 st&uuml;ndigen Generalstreik als Mittel zu ergreifen.&#x93;<\/span> Und die Vertreterin der Studierenden, Miriam Fischer, erkl&auml;rte:<span  style=\"font-style: italic;\"> &#x84;Wenn man sich &uuml;berlegt, wieviele Subventionen die Konzerne heutzutage einstreichen, kann man sagen, da&szlig; es im Grunde volkseigene Betriebe sind&#x93;<\/span>. Angesichts des Mobilisierungserfolgs kam unter den Demonstranten sogar revolution&auml;re Stimmung auf. So zitierte Katharina Seewald einen &auml;lteren Kollegen mit den Worten: <span style=\"font-style: italic;\">&#x84;Es weht ein Hauch Paris &#x91;68 durch Nordhessens Gassen&#x93;. <\/span> <br style=\"font-style: italic;\"> <br \/>   <span style=\"font-weight: bold;\">Kein Kaviar f&uuml;r Koch und Schr&ouml;der! <\/span><\/p>\n<p>   Mitglieder der SAV aus Kassel, Aachen, Berlin und der Schwesterpartei der SAV in &Ouml;sterreich, der Sozialistischen LinksPartei &#x96; SLP, verteilten auf der Demo etwa 1.500 Sonderbl&auml;tter der &#x84;Solidarit&auml;t &#x96; Sozialistische Zeitung&#x93; und sammelten rund 300,- Euro an Spenden. Das zeigt, welche gro&szlig;e Unterst&uuml;tzung die Forderungen der SAV fanden. Denn gemeinsame Streikaktionen wie in Kassel sind ohne Zweifel ein guter Anfang, doch m&uuml;ssen weitere Schritte folgen. Deshalb schl&auml;gt die SAV einen hessenweiten Generalstreik gegen Koch und Schr&ouml;der am 17. Dezember, dem Tag der letzten Lesung der hessenweiten K&uuml;rzungen im Landtag, vor. So ein Streik w&uuml;rde bundesweit ein enormes Zeichen setzen und Mut f&uuml;r einen bundesweiten, eint&auml;gigen Generalstreik machen. Dass das Potential daf&uuml;r da ist, zeigen die 350.000, die nach dem 1. November bundesweit auf der Stra&szlig;e waren und teilweise sogar ihre Arbeit niederlegten. So schrieben wir in unserem Sonderblatt der Soldarit&auml;t &#x96; Sozialistische Zeitung: <span style=\"font-style: italic;\">&#x84;Wenn einen Tag lang kein Flie&szlig;band, keine Stra&szlig;enbahn und keine M&uuml;lltonne mehr anger&uuml;hrt wird, dann sp&uuml;ren nicht nur wir, wer diese Gesellschaft eigentlich zum Laufen bringt. Auch die Regierenden und Bosse w&uuml;rden von ihrem hohen Ross geholt werden. Weil auch Koch und Konsorten an so einem Tag keinen Kaviar kredenzt bekommen!&#x93;<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 9. 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