{"id":10704,"date":"2003-12-04T08:46:47","date_gmt":"2003-12-04T08:46:47","guid":{"rendered":".\/?p=10704"},"modified":"2003-12-04T08:46:47","modified_gmt":"2003-12-04T08:46:47","slug":"10704","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2003\/12\/10704\/","title":{"rendered":"&#8222;Wann tun wir endlich was gegen diese Schweinerei?&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>H&ouml;hepunkt der wilden Streiks vor 30 Jahren: Aufgrund des rechten Kurses der Gewerkschaftsf&uuml;hrungen gingen die KollegInnen dazu &uuml;ber, auch ohne Billigung der Gewerkschaftsspitze zu k&auml;mpfen<!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\nB&uuml;rgerliche Politiker und Journalisten aber auch GewerkschafterInnen reden nach dem Desaster des Ostmetallerstreiks davon, dass in Deutschland jetzt nachgeholt wird, was in den USA bereits Anfang der 80er Jahre mit der Zerschlagung der Fluglotsengewerkschaft PATCO beziehungsweise in Britannien mit dem Sieg Thatchers &uuml;ber die britische Bergarbeitergewerkschaft Mitte der 80er eingeleitet wurde: eine kampflose Niederlage nach der anderen. Doch die Parallelen bestehen eher mit dem Wechsel von den 60er zu den 70er Jahren. Damals hatte die Poltitik der Gewerkschaftsf&uuml;hrung dazu gef&uuml;hrt, dass die Basis ohne Billigung der Gewerkschaftsf&uuml;hrung dazu &uuml;berging, mit wilden Streiks ihre Interessen zu verteidigen. Dadurch wurde eine Periode gro&szlig;er betrieblicher und gewerkschaftlicher K&auml;mpfe eingeleitet, die die Gewerkschaften revolutionierte. <br \/> Die 60er Jahre waren gekennzeichnet von starkem Wirtschaftswachstum, das sich haupts&auml;chlich in den Kassen der Unternehmer bemerkbar machte. Den ersten Knacks bekam der Nachkriegsaufschwung mit der ersten Rezession 1966 \/ 67. Die Propaganda vom krisenlosen Kapitalismus und der Beseitigung der Massenarbeitslosigkeit verlor an Glaubw&uuml;rdigkeit. Es kam zu einem enormen Autorit&auml;tsverfall von Staat und Parteien, vor allem der regierenden CDU. <br \/> In der Folge davon st&uuml;rzte im November 1966 die CDU-Regierung unter Erhard. Es kam zur Bildung einer Regierung der Gro&szlig;en Koalition von CSU\/CDU und SPD. Zwei Spitzenfunktion&auml;re der Gewerkschaften avancierten zu Bundesministern. <br \/> Bis Mitte der 50er Jahre war die Linke in den Gewerkschaften noch sehr stark. Zwei Jahre nach der derzeit vielzitierten Niederlage eines IG-Metall-Streiks in Bayern 1954 waren es vor allem Betriebsr&auml;tInnen und Vertrauensleute, die von der 1956 verbotenen Kommunistischen Partei (KPD) geschult waren, die im 16 Wochen langen Streik f&uuml;r 100 Prozent Lohnfortzahlung mehrere Versuche des IG-Metall-Vorstands den Streik abzubrechen, verhinderten und so den Erfolg des Streiks sicherten. <br \/> Nachkriegsaufschwung und Kalter Krieg bildeten die Grundlage daf&uuml;r, dass rechte SPD-Funktion&auml;re die Linken aus KPD und SPD weitgehend isolieren konnten und die Kontrolle &uuml;ber die Gewerkschaften und Betriebsr&auml;te gewannen. <br \/> Die Folge davon waren Entpolitisierung der Gewerkschaften, Co-Management auf allen Ebenen, &auml;u&szlig;erst moderate Tarifabschl&uuml;sse, Tatenlosigkeit gegen&uuml;ber die k&ouml;rperlich immer h&auml;rter werdenden Bedingungen an den Flie&szlig;b&auml;ndern, v&ouml;llige Abgehobenheit gegen&uuml;ber den Sorgen und N&ouml;ten der einfachen Mitglieder. <br \/> Die Gewerkschaften waren von der Gegenmacht zum Ordnungsfaktor geworden. <br \/> Schlie&szlig;lich wurde die offene Zusammenarbeit mit dem Klassengegner 1967 in der &#x92;Konzertierten Aktion&#x91; institutionalisiert. Die Gewerkschaftsf&uuml;hrer lie&szlig;en sich auf Lohnleitlinien ein, die Reallohnverluste f&uuml;r die Besch&auml;ftigten bedeuteten. Dieser Kontrollverlust der Basis &uuml;ber ihre Gewerkschaften hatte eine enorme Entfremdung gegen&uuml;ber der Gewerkschaftsspitze zur Folge. <br \/> Obwohl die Besch&auml;ftigung in den 50er und 60er Jahren explodierte, gab es Ende der 60er Jahr nur 1,5 Millionen mehr Gewerkschaftsmitglieder als 1951. Der Organisationsgrad war von 39 Prozent im Jahr 1951 auf 29 Prozent im Jahr 1968 gesunken. Teils traten Mitglieder frustriert aus, Neueingestellte traten weniger in die Gewerkschaft ein. <\/p>\n<p> <span style=\"font-weight: bold;\">Septemberstreiks 1969<\/span><\/p>\n<p> Die massenhafte Unzufriedenheit mit der Politik der Gewerkschaftsf&uuml;hrung und vor allem mit der Politik des Lohnverzichts entlud sich pl&ouml;tzlich im September 1969. Anlass waren Lohn- und Gehaltsdifferenzen in zwei Dortmunder Stahlwerken, die fusionierten. Um eine sofortige Erh&ouml;hung der L&ouml;hne durchzusetzen, legten die Arbeiter der Hoesch-AG-H&uuml;ttenwerke in Dortmund am 2. September die Arbeit nieder. Sie erhielten sofort 30 Pfennig mehr in der Stunde und beendeten ihren Streik einen Tag sp&auml;ter.<br \/> Der Funke sprang jedoch auf andere Betriebe und Branchen &uuml;ber. Innerhalb von 18 Tagen legten 140.000 Besch&auml;ftigte aus 69 Betrieben die Arbeit nieder. <br \/> Die Septemberstreiks waren eine ernste Warnung an die Gewerkschaftsf&uuml;hrung. Sie schufen ein ungeheueres Selbstbewusstsein an der Gewerkschaftsbasis, das in die Gewerkschaften hineinwirkte und die Gewerkschaftspitzen enorm unter Druck setzte. <br \/> Unter diesem Druck waren sie gezwungen mit Tarifabschl&uuml;ssen von zehn bis zw&ouml;lf Prozent die Lohnleitlinien zu durchbrechen. Aber wie immer, kommt mit dem Essen der Appetit. Die Kampfbereitschaft und das neu erwachte Selbstbewusstsein der Lohnabh&auml;ngigen geriet alsbald in noch heftigere Kollission mit der Gewerkschaftsspitze. <\/p>\n<p> <span style=\"font-weight: bold;\">Streikwelle ohne Gewerkschaftsf&uuml;hrung<\/span><\/p>\n<p> Der Tarifabschluss 1973 von 8,5 Prozent f&uuml;r die Stahlindustrie provozierte den Unmut der StahlarbeiterInnen. Sie wollten mehr. Deshalb kam es &#x96; Friedenspflicht her oder hin &#x96; bereits kurz nach dem Tarifabschluss zu den ersten Streiks. <br \/> Den Anfang machten hundert Besch&auml;ftigte der Schlossfabrik H&uuml;lsbeck &#038; F&uuml;rst in Velbert. Sie traten in einen zweiw&ouml;chigen Streik. Wenige Tage sp&auml;ter folgten ihnen rund 15.000 Hoesch-ArbeiterInnen der drei Dortmunder Stahlwerke, die bereits an den Septemberstreiks beteiligt waren. Weiter ging es in anderen Stahlbetrieben des Ruhrgebiets. Bei Mannesmann ind Duisburg-Huickingen kam es sogar zu einer einw&ouml;chigen Betriebsbesetzung. Im April schmissen 10.000 Besch&auml;ftigte des VW-Konzerns die Brocken hin. <br \/> Im August 1973 erreichten die wilden Streiks ihren H&ouml;hepunkt. In 100 Betrieben legten etwa 80.000 Besch&auml;ftigte die Arbeit nieder. <br \/> Die Welle wilder Streiks zog sich von Februar bis Ende Oktober hin. Insgesamt beteiligten sich 275.000 Besch&auml;ftigte in 335 Betrieben. Kennzeichnend f&uuml;r die gesamte Streikbewegung war, dass auch viele kleinere und mittlere Betriebe einbezogen waren und dass vor allem die am schlecht bezahltesten Schichten &#x96; ausl&auml;ndische ArbeiterInnen und Frauen &#x96; eine aktive Rolle in diesen K&auml;mpfen spielten. <br \/> Und selbst im &ouml;ffentlichen Dienst wurde wild gestreikt. Im Anschluss an die Tagesschau gab es 1973 eine t&auml;gliche Streikkarte. Welch ein Kontrast zu den t&auml;glichen B&ouml;rsenberichten 2003. <\/p>\n<p> <span style=\"font-weight: bold;\">Ford-Streik<\/span><\/p>\n<p> Der bekannteste Streik in dieser Zeit war der Streik bei Ford K&ouml;ln. Hier legten 17.000 Besch&auml;ftigte vom 24. bis 30. August die Arbeit nieder. <br \/> Ford nutzte die Absatzkrise um 500 t&uuml;rkische KollegInnen, die aufgrund von zu kurzem Urlaub nicht rechtzeitig nach den Werksferien zur&uuml;ckgekommen waren, kurzer-hand zu entlassen. Unbezahlter Urlaub wurde verweigert. Anderen KollegInnen wurde die Mehrarbeit, die durch die Entlassungen entstand, aufgedr&uuml;ckt. <br \/> Ein Kollege emp&ouml;rte sich &uuml;ber den zunehmenden Arbeitsdruck. Schlie&szlig;lich h&ouml;rte er ganz auf zu arbeiten und schrie: &#x92;Kollegen, wie lange sollen wir uns das noch gefallen lassen? Wann tun wir endlich was gegen die Schweinerei?&#x91; Und innerhalb von Minuten unternahm die ganze Y-Halle (Endmontage) was gegen die Schweinerei und legte die Arbeit nieder. <br \/> Sie formierten einen Demonstrationszug und zogen durch das ganze Werk. Ein deutscher Kollege nahm ein St&uuml;ck Pappe und schrieb darauf &#x92;60 Pfennig mehr&#x91;. <br \/> Vor allem t&uuml;rkische KollegInnen protestieren: &#x92;60 Pfennig zu wenig &#x96; muss 1 Mark&#x91;. <br \/> So entstand die zentrale Forderung des Fordstreiks von einer Mark mehr f&uuml;r jeden pro Stunde. <br \/> Es wurde v&ouml;llig unabh&auml;ngig von den gewerkschaftlichen Strukturen ein Streikkomitee gebildet. Es erschienen regelm&auml;&szlig;ig Flugbl&auml;tter der &#x92;K&ouml;lner Fordarbeiter&#x91;. Die Forderungen wurden erweitert: 6 Wochen bezahlten Urlaub, weg mit den 500 Entlassungen, Senkung der &uuml;berh&ouml;hten Arbeitsnormen, mehr ArbeiterInnen an Maschinen und B&auml;ndern, Bezahlung der Streikstunden, keine Disziplinierungsma&szlig;nahmen gegen die Streikenden. <br \/> Die Werksleitung reagierte mit Spaltung der Belegschaft und ungeheuerer H&auml;rte gegen die Streikenden. <br \/> Rassistische Spaltung<br \/> Bereits vor dem Streik war den 800 FacharbeiterInnen &#x96; meist deutschen KollegInnen &#x96; &#x92;freiwillig&#x91; einen Teuerungszuschlag von 15 Pfennig pro Stunde gew&auml;hrt worden. w&auml;hrend die schlechter bezahlten &#x96; meist ausl&auml;ndischen KollegInnen &#x96; leer ausgehen sollten. <br \/> Diese rassistische Spaltung wurde w&auml;hrend des ganzen Streiks betrieben, die gesamte b&uuml;rgerliche Presse hetzte &uuml;ber den &#x92;T&uuml;rken-Terror&#x91; bei Ford. Und sie wurde unterst&uuml;tzt von den IG-Metall-Betriebsr&auml;ten. Sie nutzten den Streik um mit der Gesch&auml;ftsleitung Zugest&auml;ndnisse auszuhandeln, die vor allem die Situation der deutschen KollegInnen verbesserte und die besonderen Forderungen der t&uuml;rkischen KollegInnen nicht ber&uuml;cksichtigte. <br \/> So wurde die Spaltung in der Belegschaft weiter vertieft. Schlie&szlig;lich kam es zu einer von der Gesch&auml;ftsleitung organisierten Schl&auml;gerei mit Streikbrechern und massivem Polizeieinsatz. Die Streikf&uuml;hrer wurden entlassen. <\/p>\n<p> <span style=\"font-weight: bold;\">Streikerfolge<\/span><\/p>\n<p> Die wilden Streiks 1973 brachten den Streikenden au&szlig;erhalb der Tarifrunden Zugest&auml;ndnisse: Teuerungszulagen von 20 bis 30 Mark im Monat oder Erh&ouml;hung der Stundenl&ouml;hne um bis zu einer Mark oder um einige Prozentpunkte. In einigen Betrieben wurden bessere Eingruppierungen erreicht, 100 Prozent Weihnachtsgeld durchgesetzt, h&ouml;here Zuschl&auml;ge f&uuml;r Samstags- und Schichtarbeit erk&auml;mpft oder bessere Arbeitsbedingungen erreicht. Aber vor allem wurden ganz neue Schichten von Besch&auml;ftigten aktiviert und politisiert. <br \/> Reaktion der Gewerkschaftsf&uuml;hrung<br \/> Die Streiks waren eine schallende Ohrfeige f&uuml;r die Tarifpolitik der Gewerkschaftsf&uuml;hrung, zumal sie unmittelbar nach Abschluss oder kurz vor einer Tarifrunde stattfanden. <br \/> In der Stahlindustrie nahm die IG-Metall-F&uuml;hrung weiteren inoffiziellen Streiks den Wind aus den Segeln, indem sie im Mai 1973 kurz nach dem Tarifabschluss erneut mit den Arbeitgebern verhandelte und eine sogenannte &#x92;stahltypische Zulage&#x91;, als einmalige Sonderzahlung von 280 Mark vereinbarte. <br \/> Ansonsten lie&szlig;en die Gewerkschaftsfunktion&auml;re es nicht wie 1969 mit der Verweigerung jeglicher Unterst&uuml;tzung bewenden, sondern kritisierten die Streiks offen als gewerkschaftssch&auml;digend. Ihre Haltung unterschied sich durch nichts von den Unternehmern und der b&uuml;rgerlichen Presse. Sie forderten die Mitglieder zur Wiederaufnahme der Arbeit auf und versuchten &uuml;ber Vorstandsmitglieder, Arbeitsdirektoren und Betriebsr&auml;te, die auf ihrer Linie lagen einen Abbruch der Streiks herbeizuf&uuml;hren. <br \/> Der Versuch die Autorit&auml;t der Gewerkschaftsf&uuml;hrung gegen&uuml;ber den Mitgliedern auf diese Weise wieder herzustellen schlug jedoch fehl. In vielen Betrieben spielten Betriebsr&auml;te und Vertrauensleute eine aktive Rolle im Streik. In Betrieben, in denen die betrieblichen Funktion&auml;re gegen die Streiks arbeiteten, bildeten sich Streikkomitees, die v&ouml;llig unabh&auml;ngig von den gewerkschaftlichen und Betriebsratsstrukturen arbeiteten. <br \/> Als die Streikwelle sich immer mehr intensivierte, sah sich die Gewerkschaftsf&uuml;hrung der Gefahr ausgesetzt, v&ouml;llig die Kontrolle &uuml;ber die Mitgliedschaft zu verlieren und &auml;nderte ihre Politik. <br \/> Die &ouml;tv-Spitze (die Spitze der Vorg&auml;nger-Gewerkschaft der heutigen ver.di im &ouml;ffentlichen Dienst) reagierte auf die um sich greifende Forderung nach Teuerungszulagen. Trotz Friedenspflicht und ohne K&uuml;ndigung des Tarifvertrags verlangte sie unter Streikandrohung ein volles 13. Monatsgehalt, setzte dies durch und verk&uuml;ndete diesen Erfolg triumphierend in Schnellbriefen an alle Mitglieder. <br \/> Trotzdem konnte sie wilde Streiks im &ouml;ffentlichen Dienst nicht ganz verhindern. In Hannover zum Beispiel erk&auml;mpften sich die Besch&auml;ftigten der Stadtverwaltung zus&auml;tzlich durch spontane Arbeitsniederlegungen eine einmalige gestaffelte Zulage. <\/p>\n<p> <span style=\"font-weight: bold;\">Gewerkschaftliches Selbst- und Kampfbewusstsein<\/span><\/p>\n<p> Die Streikwelle f&uuml;hrte innerhalb der Arbeiterklasse zu einem enormen Selbstbewusstsein und zu einem Gef&uuml;hl von St&auml;rke. SozialistInnen, die in den 50er und 60er Jahren isoliert waren, wurden wieder ermutigt, in die Offensive zu gehen und spielten eine f&uuml;hrende Rolle in der Streikbewegung. <br \/> Diese Ermutigung begann bereits durch die Studentenbewegung und durch internationale Ereignisse, wie die Revolution im Mai 68 in Frankreich, und die vorrevolution&auml;re Entwicklung des hei&szlig;en Herbst in Italien 1969. <br \/> In der IG Metall kam es bereits 1971 auf dem Wiesbadener Gewerkschaftstag zu einer offenen Konfrontation zwischen einem harten oppositionellen Kern und dem Vorstand. Auch bei den Vorstandswahlen forderte die Opposition den Vorstand heraus und stellte vier Gegenkandidaten auf. <br \/> Walter Malzkorn, noch heute aktiv in der Gewerkschaftlinken in K&ouml;ln, erhielt rund ein Viertel der Stimmen. <br \/> Insgesamt kamen die Gewerkschaftsspitzen durch die aktive Basis immer mehr unter Druck und mussten darauf reagieren, um nicht v&ouml;llig die Kontrolle zu verlieren. So musste der damalige &ouml;tv-Vorsitzende Kluncker 1974 im &ouml;ffentlichen Dienst einen Streik f&uuml;r 15 Prozent Lohnerh&ouml;hung f&uuml;hren, der zum Sturz von SPD-Kanzler Willy Brandt f&uuml;hrte. <br \/> Rechte Betriebsr&auml;te bekamen Konkurrenz von linken oppositionellen Listen. Vertrauensleute wurden in den 70er Jahren zur aktiven und politischen Basis der Gewerkschaften. <br \/> Die Antwort auf die Rezession 1974 \/ 75 waren tarifpolitische Abwehrk&auml;mpfe und die Forderung nach 35-Stunden-Woche bei vollem Lohn- und Personalausgleich. Wie breit die Radikalisierung ging, zeigte sich daran, dass zum Beispiel 1975 im l&auml;ndlichen westf&auml;lischen Erwitte 150 Besch&auml;ftigte eines Zementwerkes im Kampf gegen die Schlie&szlig;ung das Werk ein Jahr lang besetzten. <br \/> Diese Radikalisierung und Aktivierung vieler Belegschaften f&uuml;hrte nicht zuletzt dazu, dass die Mitgliedszahlen der DGB-Gewerkschaften von 1969 bis 1979 um mehr als 1,3 Millionen auf 7,8 Millionen anstieg und ein Organisationsgrad von 34 Prozent allein bei den DGB-Gewerkschaften erreicht wurde. Zum Vergleich: in den 90er Jahren lag das Arbeitskampfvolumen um 77 Prozent unter dem der 70er Jahre. Der DGB verlor in den 90er Jahren fast vier Millionen Mitglieder.<\/p>\n<p> von Ursel Beck, Stuttgart<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>H&ouml;hepunkt der wilden Streiks vor 30 Jahren: Aufgrund des rechten Kurses der Gewerkschaftsf&uuml;hrungen gingen die KollegInnen dazu &uuml;ber, auch ohne Billigung der Gewerkschaftsspitze zu k&auml;mpfen<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[11],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10704"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10704"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10704\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10704"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10704"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10704"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}