{"id":10653,"date":"2003-11-04T12:12:45","date_gmt":"2003-11-04T12:12:45","guid":{"rendered":".\/?p=10653"},"modified":"2003-11-04T12:12:45","modified_gmt":"2003-11-04T12:12:45","slug":"10653","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2003\/11\/10653\/","title":{"rendered":"Die Herrschenden globalisieren den Kahlschlag &#x85;"},"content":{"rendered":"<p>&#x85;   globalisieren wir den Widerstand!<\/p>\n<p>  von Wolfram Klein, Stuttgart<!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\nVom 12. bis 15. November findet das zweite Europ&auml;ische Sozialforum (ESF) in Paris statt. Das ESF ist entstanden als regionales Treffen zu den Weltsozialforen, die die letzten drei Jahre in Porto Allegre (Brasilien) durchgef&uuml;hrt wurden; das n&auml;chste wird in Indien 2004&nbsp; sein.<br \/>  Die Sozialforen sind Teil der Bewegung gegen kapitalistische Globalisierung. Sie entstanden aus der Notwendigkeit, neben &ouml;rtlichen Protesten und Gegenaktionen bei den internationalen Treffen der Herrschenden auch Veranstaltungen zu haben, auf denen die Bewegung &uuml;ber Ziele und Methoden diskutieren kann.<br \/>  Die Globalisierung des Kapitalismus begann mit der Weltwirtschaftskrise Mitte der 70er Jahre und beschleunigte sich seit dem Zusammenbruch des Stalinismus 1989 bis 91. Sie war kein Naturprozess, sondern beruhte auf bewussten politischen Entscheidungen (Deregulierung von Finanzm&auml;rkten und so weiter). Trotzdem war sie nicht willk&uuml;rlich, sondern die Antwort der Herrschenden auf die Krise, die Depressions- und Stagnationsperiode, in der sich der Kapitalismus seit Mitte der 70er Jahre befindet. <br \/>  Die auff&auml;lligste Entwicklung war die Globalisierung der Finanzm&auml;rkte, riesige Betr&auml;ge an Kapital (Aktien, Devisen, Staatsanleihen und so weiter) wurden international gehandelt, v&ouml;llig losgel&ouml;st vom Handel mit Waren und Dienstleistungen. Auch die Produktion internationalisierte sich, Konzerne versuchten, &#x84;global player&#x93; zu werden und kauften Firmen in anderen L&auml;ndern, auf anderen Kontinenten auf. <br \/>  Im Bereich der Produktion gibt es allerdings eher eine Blockbildung (Europa, Amerika, Ostasien) als eine wirkliche Internationalisierung. Gro&szlig;e Gebiete der Welt rutschen ganz aus der Weltwirtschaft heraus.<br \/>  Zweck der Globalisierung f&uuml;r die Herrschenden war und ist die Wiederherstellung der durch die Krise gesunkenen Profitraten durch versch&auml;rfte Ausbeutung: Privatisierung, Steuererh&ouml;hung f&uuml;r die Masse und Steuergeschenke und Subventionen f&uuml;r die Reichen, Lohnsenkung, Steigerung der Arbeitshetze, Zerschlagung des Sozialstaats und so weiter. <br \/>  Mit der Drohung, die Produktion (oder die Steuerzahlung) ins Ausland zu verlagern, erpressen Konzerne Zugest&auml;ndnisse &#x96; global: in Schweden wird mit der Abwanderung nach Deutschland gedroht, in Portugal mit der nach Polen, in Mittelamerika mit der nach China.<br \/>  In den letzten zwei Jahren gab es eine Zunahme von Protesten gegen Sozialkahlschlag. Selbst in der Schweiz demonstrierten im September Zehntausende gegen Rentenk&uuml;rzungen, in &Ouml;sterreich gab es April bis Juni politische Massenstreiks, &auml;hnlich in Frankreich. In Italien, Griechenland und Spanien gab es in den letzten Jahren Generalstreiks, wie auch au&szlig;erhalb Europas in Indien (Mai), Nigeria (Juni) und Chile (August). <br \/>  In einzelnen L&auml;ndern nahmen Protesten, sogar einen aufstandsartigen Charakter an: zum Beispiel vor zwei Jahren in Argentinien oder in den letzten Wochen in Bolivien.<br \/>  Trotzdem haben die Proteste in Europa besonders viel gemeinsam. Europa ist durch den Euro (der zum Beispiel einheitliche Zinsen erzwingt, ohne R&uuml;cksicht auf die Wirtschaftslage des jeweiligen Landes) wirtschaftlich aneinander gekettet. <br \/>  Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten sind in Europa besonders gro&szlig; &#x96; was die Regierungen auf die Masse der Bev&ouml;lkerung abzuw&auml;lzen versuchen. Nach dem 2. Weltkrieg wurden &auml;hnliche soziale Errungenschaften (Renten, Arbeitslosenunterst&uuml;tzung, Gesundheitsversorgung, Bildungswesen &#8230;) erk&auml;mpft, die jetzt quer durch Europa auf der Abschussliste der Herrschenden stehen. <br \/>  Wenn wir lesen, wogegen die Menschen in Italien oder &Ouml;sterreich auf die Stra&szlig;e gehen, kommt uns das sehr vertraut vor. Aber obwohl quer durch Europa und oft zeitgleich Proteste gegen &auml;hnliche Angriffe stattfinden, sind sie nicht miteinander koordiniert, obwohl das ihre Wirkung noch mehr erh&ouml;hen w&uuml;rde.<br \/>  Letztes Jahr beschloss das erste ESF in Florenz, am 15. Februar 2003 einen internationalen Aktionstag gegen Krieg durchzuf&uuml;hren. Das wurde die gr&ouml;&szlig;te weltweite Demonstration der Geschichte. <br \/>  Die objektive Lage schreit jetzt geradezu danach, dass dieses ESF einen internationalen Aktionstag gegen Sozialkahlschlag beschlie&szlig;t. Diskutiert wird im Vorfeld des ESF &uuml;ber den 20. M&auml;rz, dem Jahrestag des Beginns des Irak-Kriegs, als Aktionstag gegen Krieg und Sozialkahlschlag. <br \/>  Die Form der Proteste in den einzelnen L&auml;ndern m&uuml;sste vom jeweiligen Kr&auml;fteverh&auml;ltnis abh&auml;ngen (vor allem vom Kr&auml;fteverh&auml;ltnis zwischen Linken und Rechten in den Gewerkschaften), aber die Krise des Kapitalismus ist ebenso real wie die Entschlossenheit der Herrschenden, sie auf uns abzuw&auml;lzen. Dagegen helfen keine symbolischen oder Dampfablassaktionen. Dagegen helfen nur Proteste, die ihnen wehtun, vor allem Streiks, am besten Generalstreiks in m&ouml;glichst vielen L&auml;ndern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#x85;   globalisieren wir den Widerstand!<\/p>\n<p> von Wolfram Klein, Stuttgart<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[134],"tags":[155],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10653"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10653"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10653\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10653"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10653"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10653"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}