{"id":10649,"date":"2003-10-31T14:06:56","date_gmt":"2003-10-31T14:06:56","guid":{"rendered":".\/?p=10649"},"modified":"2003-10-31T14:06:56","modified_gmt":"2003-10-31T14:06:56","slug":"10649","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2003\/10\/10649\/","title":{"rendered":"Lohnraub nur mit Tarif?"},"content":{"rendered":"<p>Berlin: Betriebsr&auml;te betonen Flexibilit&auml;t der Tarifvertr&auml;ge und sind gegen Gesetzes&auml;nderung<\/p>\n<p>  von Daniel Behruzi, Berlin<!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\n&#x84;Es l&auml;uft nur mit Tarifvertrag&#x93;. Unter diesem Motto trafen sich am Donnerstag mehr als 300 Betriebs- und Personalr&auml;te aus der gesamten Bundesrepublik in Berlin. Ins Berliner Congress Zentrum eingeladen hatte die k&uuml;rzlich ins Leben gerufene &#x84;Initiative der Betriebs- und Personalr&auml;te f&uuml;r Tarifautonomie&#x93;. Die versammelten Belegschaftsvertreter wandten sich gegen eine von CDU, FDP und Unternehmerverb&auml;nden geforderte &Auml;nderungen im Betriebsverfassungs- und Tarifvertragsgesetz. Der Versuch, die Betriebsr&auml;te gegen die Gewerkschaften auszuspielen werde scheitern, sagte Viktor Kalla, Betriebsratsvorsitzender der Frankfurter Rundschau. <\/p>\n<p>  Vehement widersprachen die versammelten Funktion&auml;re gegen den von Politikern, Medien und Unternehmern unisono ge&auml;u&szlig;erten Vorwurf mangelnder Flexibilit&auml;t in den bestehenden tarifvertraglichen Regelungen. &#x84;Wir haben eine gigantische Flexibilit&auml;t in den Betrieben entwickelt&#x93;, erkl&auml;rte Stefan Schwaab, Konzernbetriebsrat bei DaimlerChrysler. Etwa 35 Prozent der 70 000 geltenden Tarifvertr&auml;ge beinhalten &Ouml;ffnungsklauseln, durch die in der Fl&auml;che geltende Regelungen unterlaufen werden k&ouml;nnen. Beispiele f&uuml;r solcherart &#x84;Flexibilit&auml;t&#x93; lieferten die anwesenden Betriebsr&auml;te zuhauf. So k&ouml;nnen die Chemiekonzerne, &#x84;wenn es ihnen wirtschaftlich schlecht geht&#x93;, die Entgelte um bis zu zehn Prozent absenken. Mit einem Arbeitszeitkorridor kann die im Tarifvertrag festgeschriebene 37,5-Stunden-Woche, je nach betriebswirtschaftlichem Bedarf, auf 40 Wochenstunden verl&auml;ngert oder ohne Lohnausgleich um zweieinhalb Stunden abgesenkt werden. Auch im &ouml;ffentlichen Dienst existieren derartige Regelungen. So erm&ouml;glicht ein Erg&auml;nzungstarifvertrag in den neuen L&auml;ndern die Verk&uuml;rzung der Arbeitszeit um 25 Prozent &#x96; bei entsprechender Lohnk&uuml;rzung. &#x84;F&uuml;r die Gewerkschaften ist es nicht leicht, solche Regelungen abzuschlie&szlig;en und vor den Kollegen zu verteidigen&#x93;, gab Eva Gerth von der GEW zu. Dennoch d&uuml;rfe man nicht untersch&auml;tzen, was die Gewerkschaften aus der Situation in Ostdeutschland lernen k&ouml;nnten, sagte sie. <\/p>\n<p>  Geradezu euphorisch zeigt sich die Gesamtbetriebsratsvorsitzende der Post AG, Margit Wendt, &uuml;ber die im Konzern erreichten Ver&auml;nderungen. So habe man es &#x84;geschafft&#x93;, die Belegschaft von 350 000 auf 220 000 und die Zahl der Betriebe von 350 auf 116 zu reduzieren. &#x84;All das war nur auf Grundlage von Tarifvertr&auml;gen m&ouml;glich&#x93;, schw&auml;rmte sie. Die Post sei das beste Beispiel daf&uuml;r, &#x84;dass wir Tarifautonomie und Fl&auml;chentarife, wie sie heute bestehen, brauchen&#x93;. Auch der am Mittwoch geschlossene Tarifvertrag im Bauhauptgewerbe, der betriebliche Abweichungen vom 13. Monatseinkommen ohne Zustimmung der Tarifparteien zul&auml;sst, wurde in den h&ouml;chsten T&ouml;nen gelobt. Dadurch k&ouml;nnten die Unternehmen mehr als 50 Stundenl&ouml;hne pro Besch&auml;ftigten einsparen, rechnete Egon Fortnagel von der Baugewerkschaft vor. <\/p>\n<p>  Den Chef des Unternehmerverbands Gesamtmetall, Martin Kannegie&szlig;er, konnten diese Beispiele dennoch nicht davon &uuml;berzeugen, eine Gesetzes&auml;nderung abzulehnen. Im Gegenteil: Die vielen Sondervereinbarungen seien doch &#x84;geradezu der lebendige Beweis&#x93; daf&uuml;r, dass der Fl&auml;chentarif vielen Betrieben nicht gerecht werde. Er freute sich &uuml;ber die dargestellte &#x84;Flexibilit&auml;t&#x93; der Gewerkschafter und sagte: &#x84;La&szlig;t uns auf diesem Weg weitergehen und die Tarifvertr&auml;ge modernisieren&#x93;. <\/p>\n<p>  G&uuml;nter Triebe vom Berliner Aufzugbauer Otis stellte daraufhin fest, nun solle wohl nicht mehr punktuell, sondern systematisch vom Fl&auml;chentarif abgewichen werden. Er kritisierte die gewerkschaftliche Argumentation als &#x84;zu defensiv&#x93; und erkl&auml;rte, in seiner Firma habe man den Besch&auml;ftigten das Weihnachtsgeld trotz extrem hoher Umsatzrenditen gek&uuml;rzt. &#x84;Die Unternehmer k&ouml;nnen den Hals nicht voll kriegen, das ist das Problem&#x93;, rief er unter dem Beifall seiner Gewerkschaftskollegen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Berlin: Betriebsr&auml;te betonen Flexibilit&auml;t der Tarifvertr&auml;ge und sind gegen Gesetzes&auml;nderung<\/p>\n<p> von Daniel Behruzi, Berlin<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[11],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10649"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10649"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10649\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10649"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10649"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10649"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}