{"id":10641,"date":"2003-10-29T10:19:12","date_gmt":"2003-10-29T10:19:12","guid":{"rendered":".\/?p=10641"},"modified":"2003-10-29T10:19:12","modified_gmt":"2003-10-29T10:19:12","slug":"10641","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2003\/10\/10641\/","title":{"rendered":"Weniger Rente"},"content":{"rendered":"<p>  Sind die Deutschen zu alt f&#252;r ein stabiles Rentensystem?<\/p>\n<p>von   S&#246;nke Jan Schr&#246;der, Kassel<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Am Sonntag, den 19. Oktober, trafen sich Regierung und f&#252;hrende   Politiker der Koalitionsparteien im Kanzleramt, um neue Angriffspl&#65533;ne   auf unser Sozialwesen auszuhecken. Diesmal trifft es die RentnerInnen.<br \/>Im   n&#228;chsten Jahr werden die Renten eingefroren und der Anstieg der   Lebenshaltungskosten schl&#228;gt voll als Rentenk&#252;rzung durch. Zus&#65533;tzlich zu   dieser Nullrunde sollen die RentnerInnen den Beitrag zur   Pflegeversicherung, der bisher zur H&#65533;lfte von den Rentenkassen   &#252;bernommen wurde, selbst bezahlen; das sind im Durchschnitt monatlich   zehn Euro Mehrbelastung pro Person.<br \/>Hinzu kommt, dass   Ausbildungszeiten in Zukunft nicht mehr in die Rente mit einflie&#65533;en   sollen.<br \/>Bundeskanzler Schr&#65533;der sprach noch davon, die Rente w&#65533;rde ja   nicht gek&#65533;rzt, um dann seine L&#65533;ge selbst zu kassieren: Ja, es liefe aber   wohl auf das Gleiche hinaus wie bei einer K&#65533;rzung.<br \/>Netto   weniger bei steigenden Lebenshaltungskosten &#65533; f&#65533;r viele RentnerInnen,   die jetzt schon nicht gerade &#65533;ppig ausgestattet waren, ist das ein   Schlag ins Gesicht. Und auch 2005 soll die &#65533;Rentenanpassung&#65533; sehr   sp&#65533;rlich ausfallen.<br \/>Die Bundeszusch&#65533;sse f&#65533;r die Renten werden   sinken: n&#65533;chstes Jahr um eine Milliarde Euro. Eine weitere Milliarde   steht 2006 an.<br \/>Gleichzeitig wird die Diskussion &#65533;ber eine Erh&#65533;hung   des Renteneintrittsalters von 65 auf 67 gef&#65533;hrt. Konkret sollen jetzt   M&#65533;glichkeiten gestrichen werden, vor 65 in Rente zu gehen.<br \/>Dabei   weigern sich die Unternehmer, &#65533;ltere ArbeitnehmerInnen zu besch&#65533;ftigen:   Laut Michael Sommer besch&#65533;ftigen 60 Prozent der Betriebe niemanden, der   &#65533;lter als 50 ist. Eine Heraufsetzung des Renteneintrittsalters w&#65533;rde   daran zwar nichts &#65533;ndern, w&#65533;re aber dann die Grundlage f&#65533;r weitere   Abschl&#65533;ge und niedrigere Renten.<\/p>\n<p>Deutschland zu alt?<\/p>\n<p>F&#65533;r   Angriffe auf das Rentensystem bringen die Herrschenden gerne das   Argument, die Deutschen w&#65533;rden immer &#65533;lter. Das stimmt. Und es w&#65533;re ein   Problem, wenn Erwerbst&#65533;tige nicht in der Lage w&#65533;ren, diesen &#65533;Massen&#65533; an   RentnerInnen ihren Lebensunterhalt zu erwirtschaften.<br \/>Doch wir leben   nicht mehr in der Steinzeit. Der technische Fortschritt hat uns so weit   gebracht, dass eine erwerbst&#65533;tige Person die Werte schaffen kann, die   zur Versorgung von f&#65533;nf Menschen n&#65533;tig sind.<br \/>Wir sind   an einem Punkt angelangt, an dem zwei ArbeitnehmerInnen eineN RentnerIn   versorgen m&#65533;ssen. Im Jahr 2030 wird es eineN RentnerIn pro   ArbeitnehmerIn geben &#65533; doch bis dahin wird die Produktivit&#65533;t weiter   gestiegen sein. Und dieser Trend geht weiter, denn die Produktivit&#65533;t   steigt st&#65533;rker, als die Deutschen altern. Das Argument der   &#65533;demographischen Krise&#65533; ist nichts weiter als Ablenkung.<br \/>Die   Krise der Sozialsysteme entsteht durch immer neue Geschenke an die   Konzerne und Superreichen einerseits, die die &#65533;ffentlichen Kassen   leeren. Andererseits sinken die Einnahmen der Sozialversicherungen durch   Massenarbeitslosigkeit und sinkende Reall&#65533;hne. Die Reichen werden immer   reicher, die Sozialsysteme bluten aus.<br \/>Ganz entgegen dem Gerede, alle   m&#65533;ssten die G&#65533;rtel enger schnallen, sprudeln die Geh&#65533;lter in den   Chefetagen der Konzerne. Im Jahr 2002 erhielt Herbert Hainer,   Adidas-Salomon, 2,2 Millionen Euro; Ulrich Hartmann, E.ON: 3,5 Millionen   Euro; Kai-Uwe Ricke, Deutsche Telekom: 4,1 Millionen Euro; Bernd   Pischetsrieder, Volkswagen: 5,5 Millionen Euro; Josef Ackermann,   Deutsche Bank: 10,4 Millionen Euro.<br \/>Und das sind nur die   Managergeh&#65533;lter. Dahinter stehen dann noch die Aktion&#65533;re und   Kapitalbesitzer. Ihre Profitinteressen stehen der Finanzierung von   Rente, Gesundheitssystem und sozialer Sicherheit entgegen.<br \/>Die   Ausrichtung der Wirtschaft auf den Profit sorgt unter anderem f&#65533;r   Arbeitslosigkeit und damit f&#65533;r Armut und leere Sozialkassen. Nicht der   gesellschaftliche Bedarf entscheidet &#65533;ber Investitionen und   Einstellungen, sondern einzig und allein die Frage, ob dabei f&#65533;r die   Reichen noch ausreichend Profite zu sichern sind. In der jetzigen   Wirtschaftskrise ist genau das nicht mehr gew&#65533;hrleistet. Unmengen von   Kapital werden um den Globus herum verspekuliert, w&#65533;hrend Millionen   arbeitslos sind, statt Werte und Wohlstand f&#65533;r die Gesellschaft und zum   Beispiel zur Finanzierung eines menschenw&#65533;rdigen Lebens im Alter   produzieren zu d&#65533;rfen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Sind die Deutschen zu alt f&#252;r ein stabiles Rentensystem?<\/p>\n<p>von<br \/>\n      S&#246;nke Jan Schr&#246;der, Kassel\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[112],"tags":[155],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10641"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10641"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10641\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10641"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10641"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10641"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}