{"id":10639,"date":"2003-10-27T15:43:58","date_gmt":"2003-10-27T14:43:58","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=10639"},"modified":"2012-06-15T19:53:12","modified_gmt":"2012-06-15T17:53:12","slug":"10639","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2003\/10\/10639\/","title":{"rendered":"Tarifvertr&auml;ge verteidigen &#x96; &Ouml;ffnungsklauseln verhindern"},"content":{"rendered":"<p>Der Kampf um die Tarifautonomie muss verbunden werden mit dem Widerstand gegen Agenda 2010 und Co<\/p>\n<p>  von Tinette Schnatterer, Stuttgart<!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\nDie Oppositionsparteien CDU\/CSU und FDP haben Gesetzentw&uuml;rfe gegen die Tarifautonomie in den Bundestag eingebracht, die jetzt im Herbst verhandelt werden. Bisher gilt, dass Gewerkschaften und Arbeitgeber Tarifvertr&auml;ge aushandeln, die dann f&uuml;r beide Seiten verbindlich sind, beziehungsweise durch das sogenannte G&uuml;nstigkeitsprinzip nachtr&auml;glich keine Vereinbarungen getroffen werden k&ouml;nnen, die die ArbeitnehmerInnen schlechter stellen. Es sei denn es wurden bereits f&uuml;r bestimmte Bereiche &Ouml;ffnungsklauseln vereinbart.<br \/>  Die Opposition will, dass in Zukunft Betriebsr&auml;te Haustarifvertr&auml;ge unter dem Fl&auml;chentarifvertrag abschlie&szlig;en k&ouml;nnen, wenn zwei Drittel der Belegschaft dem zustimmen und dadurch Arbeitspl&auml;tze geschaffen oder erhalten werden k&ouml;nnen. Das w&uuml;rde bedeuten, dass den Drohungen von Arbeitgebern mit Entlassungen &#x96; wenn diese oder jene Forderung von ihm nicht erf&uuml;llt werde &#x96; T&uuml;r und Tor ge&ouml;ffnet werden. <br \/>  Dazu kommt, dass Betriebsr&auml;te &#x96; mit ihnen w&uuml;rden die Arbeitgeber im Betrieb vornehmlich verhandeln &#x96; nicht das Recht haben, zu Streiks oder Arbeitskampfma&szlig;nahmen aufzurufen. Damit w&uuml;rde den Besch&auml;ftigten in diesen &#x84;Verhandlungen&#x93; ihr wichtigstes Kampfmittel fehlen.<br \/>  Auch Schr&ouml;der hat im M&auml;rz im Rahmen der Verk&uuml;ndung der Agenda 2010 bereits &Ouml;ffnungsklauseln bei den Tarifvertr&auml;gen gefordert und ansonsten mit einer gesetzlichen Regelung gedroht. Er nutzt die Diskussion um die Tarifautonomie auch, um weitere Zugest&auml;ndnisse der Gewerkschaftsspitzen daf&uuml;r zu erhalten, dass er sich nicht an Angriffen auf die Tarifautonomie beteiligt. <br \/>  Regierung und Opposition unterscheiden sich nicht im Ziel sondern nur im Weg. W&auml;hrend die einen die Gewerkschaften entmachten m&ouml;chten, wollen die anderen weiter machen, was bisher bereits gut funktioniert hat: Die Aush&ouml;hlung der Tarifvertr&auml;ge und Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen mit Zustimmung der Gewerkschaftsf&uuml;hrungen.<br \/>  F&uuml;r die Gewerkschaften geht es bei der Tarifautonomie aber ans Eingemachte: Wird sie ausgehebelt, dann verlieren sie enorm an Einfluss. Die &Uuml;berwindung der Konkurrenz der ArbeiterInnen untereinander &#x96; auch betriebs&uuml;bergreifend &#x96; war das Ziel der Gewerkschaften seit ihrer Gr&uuml;ndung. Wird die Wirksamkeit der Tarifvertr&auml;ge ausgeh&ouml;hlt, dann geht damit auch ein wesentlicher Einfluss der Gewerkschaften verloren. <br \/>  Und mit ihm auch ein gro&szlig;es St&uuml;ck der Macht und des Einflusses der Gewerkschaftsspitzen &#x96; das ist der Hintergrund daf&uuml;r, dass hier besonderes Augenmerk darauf gelegt wird.<\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\"> Gewerkschaftskampagne<\/span><\/p>\n<p>  Anfang Oktober rief die IG Metall KollegInnen in einer ganzen Reihe von Gro&szlig;betrieben zu Warnstreikaktionen heraus: am 7. Oktober streikten 1.200 bei Porsche, am 8. Oktober 1.500 bei Bosch, 1.800 bei DaimlerChrysler Untert&uuml;rkheim, und am 14. Oktober 11.000 bei Daimler Sindelfingen.<br \/>  Jetzt wo es direkt um die Rolle der Gewerkschaftsfunktion&auml;re geht war interessanterweise auch von ihnen nichts mehr von mangelnder Mobilisierungsf&auml;higkeit zu h&ouml;ren. Im Gegenteil wird hier versucht, dieses Thema in den Vordergrund zu stellen, auch um Rot-Gr&uuml;n bei anderen Themen den R&uuml;cken frei zu halten.<br \/>  Die Gewerkschaftsf&uuml;hrung stellt sich in dieser Kampagne nicht konsequent gegen den Abbau erk&auml;mpfter Leistungen und Lohndr&uuml;ckerei. Im Gegenteil versucht sie herauszustellen, dass daf&uuml;r keine Entmachtung der Gewerkschaften n&ouml;tig sei und sie auch bisher schon die n&ouml;tige &#x84;Flexibilit&auml;t&#x93; bewiesen haben. <br \/>  So schreibt ver.di in einem Extrablatt im September: &#x84;Dabei sind wir bereits seit vielen Jahren bereit, zur Sicherung von Arbeitspl&auml;tzen und Vermeidung von Betriebsschlie&szlig;ungen, Abweichungen vom Tarifvertrag nach unten zuzulassen und dies auch vertraglich zu vereinbaren. 35 Prozent der Betriebe und 22 Prozent der Dienststellen in Deutschland haben von derartigen Regelungen bereits Gebrauch gemacht&#x93;.<br \/>  Das ist ein Armutszeugnis und eine Ermutigung der Arbeitgeber, hier immer weiter zu machen. <br \/>  Jetzt ist es notwendig, die Angriffe auf den Fl&auml;chentarifvertrag zu verhindern und gleichzeitig daf&uuml;r zu sorgen, dass die Fl&auml;chentarifvertr&auml;ge nicht wie in der Vergangenheit durch &Ouml;ffnungsklauseln und so weiter ausgeh&ouml;hlt werden. Gegen den Willen der Gewerkschaftsspitzen wird sich in diesen Protesten auch der Unmut &uuml;ber die ganzen anderen Angriffe Bahn brechen. Die Aufrufe zu Protesten und Arbeitsniederlegungen sollten von AktivistInnen mit aller Macht unterst&uuml;tzt und aufgegriffen werden, auch um sie mit den ganzen anderen Angriffen der Agenda 2010, auf Rente und Gesundheit, zu verbinden. Dann kann der Kampf auch gegen den Willen der Gewerkschaftsspitzen aufgenommen und ausgedehnt werden. <br \/>  Wir brauchen starke und k&auml;mpferische Gewerkschaften, aber nicht, um st&auml;ndig schlechtere Arbeitsbedingungen zu akzeptieren, sondern um der Offensive von Arbeitgebern und ihren Parteien etwas entgegenzusetzen. Eine organisierte Opposition in den Gewerkschaften ist n&ouml;tig, um eine inhaltliche und personelle Alternative zu den heutigen Spitzen(gehalts)funktion&auml;ren aufzubauen.  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Kampf um die Tarifautonomie muss verbunden werden mit dem Widerstand gegen Agenda 2010 und Co<\/p>\n<p> von Tinette Schnatterer, Stuttgart<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[9],"tags":[155],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10639"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10639"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10639\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10639"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10639"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10639"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}