{"id":10636,"date":"2003-10-24T09:49:52","date_gmt":"2003-10-24T09:49:52","guid":{"rendered":".\/?p=10636"},"modified":"2003-10-24T09:49:52","modified_gmt":"2003-10-24T09:49:52","slug":"10636","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2003\/10\/10636\/","title":{"rendered":"Zeit f&uuml;r eine Strategie der Gegenwehr"},"content":{"rendered":"<p>Mit politischen Streiks die Interessen der Mitglieder verteidigen<br \/>  von Ursel Beck, Stuttgart<!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\nDie Gewerkschaftstage von IG Metall und ver.di zeigten, dass die Vorst&auml;nde der beiden gr&ouml;&szlig;ten Einzelgewerkschaften der Welt nicht bereit sind, die gewerkschaftliche Kampfkraft einzusetzen, um die Angriffe von Seiten der Unternehmer und ihrer Parteien zur&uuml;ckzuschlagen. <br \/>  Sie sind auch nicht bereit den Bruch mit der SPD zu vollziehen, obwohl die SPD l&auml;ngst zur Unternehmerpartei geworden ist. Ganz anders sehen das eine Reihe Delegierter und gewerkschaftlicher Gliederungen, die in verschiedenen Antr&auml;gen und Redebeitr&auml;gen bei den Kongressen Gegenwehr &#x96; auch gegen die Schr&ouml;der-Regierung &#x96; einforderten. <br \/>  Die Blockade der Gewerkschaftsf&uuml;hrungen erlaubte der Schr&ouml;der-Regierung, ihre Ma&szlig;nahmen bisher durchzusetzen. Daraus entwickelte sich eine Diskussion &uuml;ber die Konsequenzen. Die Debatten auf den Kongressen m&uuml;ssen weitergef&uuml;hrt werden, um die bisherigen kampflosen Niederlagen wett zu machen. Das gilt f&uuml;r das Verh&auml;ltnis zur SPD genauso wie f&uuml;r politische Streiks, f&uuml;r Tarifpolitik, Gesundheitspolitik und alle anderen Bereiche.<\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\"> Unmut bricht sich Bahn<\/span><\/p>\n<p>  Eine Vielzahl kritischer RednerInnen kam zu Wort, die auf sehr viel Zustimmung stie&szlig;en. Auf dem ver.di-Gewerkschaftstag wurde in vier Antr&auml;gen die Unterst&uuml;tzung der Demonstration am 1. November gefordert. Das Netzwerk f&uuml;r eine k&auml;mpferische und demokratische ver.di, ein bundesweiter Zusammenschluss kritischer GewerkschafterInnen, brachte dar&uuml;berhinaus einen Initiativantrag zu einem bundesweiten Generalstreik ein (zu Redaktionsschluss wurde &uuml;ber die Antr&auml;ge noch nicht beraten).<br \/>  Obwohl bei beiden Gewerkschaftstagen (IG Metall und ver.di) eine klare Stimmung f&uuml;r einen Aufruf zur Demo am 1. November vorhanden war, lehnen die Bundesvorst&auml;nde das ab. <br \/>  Ein Antrag der Bezirkskonferenz Nordhessen fordert <span  style=\"font-style: italic;\">&#x84;demokratische Planung und Investitionslenkung, &Uuml;berf&uuml;hrung von markt- und wirtschaftsbeherrschenden Unternehmen in Gemeineigentum&#x93;<\/span>. Die Bezirkskonferenz M&auml;rkischer Kreis fordert gleichlautendes.<br \/>  Auf Treffen von linken Delegierten des ver.di-Kongresses nahmen bis zu 60 Leute aus verschiedenen Regionen, vor allem aus Nordrhein-Westfalen teil. <br \/>  Eine wichtige Diskussion dort war eine Initiative f&uuml;r ein bundesweites Treffen der Linken in ver.di im Fr&uuml;hjahr 2004. Dies stellt einen gro&szlig;en Fortschritt dar.<br \/>  Aufgabe von Linken in ver.di ist es, eine Strategie f&uuml;r den Widerstand vorzuschlagen. Dazu geh&ouml;ren politische Streiks gegen Sozialkahlschlag. Demonstrieren allein reicht nicht, nur mit Streiks wird die Regierung in die Knie zu zwingen sein. Um diese durchzusetzen, ist ein Kampf in den Gewerkschaften f&uuml;r das Mittel des politischen Streiks n&ouml;tig.<br \/>  Die ver.di-Linke muss sich aber auch das Ziel setzen, eine inhaltliche und personelle Alternative zur heutigen ver.di-Spitze aufzubauen und auch bei Wahlen &#x96; sp&auml;testens beim n&auml;chsten Gewerkschaftstag &#x96; mit Gegenkandidaturen f&uuml;r eine Alternative einzustehen.<\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\"> Betriebliche K&auml;mpfe<\/span><\/p>\n<p>  Die Entwicklung in den n&auml;chsten Wochen und Monaten wird die Auseinandersetzung verst&auml;rkt in die Betriebe tragen. Nicht nur im &ouml;ffentlichen Dienst greifen die Arbeitgeber die Besch&auml;ftigten an.<br \/>  Diese betrieblichen Auseinandersetzungen m&uuml;ssen mit dem Kampf gegen Sozialabbau insbesondere gegen die anstehenden Angriffe auf die Renten und die Tarifautonomie verbunden werden. <br \/>  Die Streiks in den Metallbetrieben im Mittleren Neckarraum haben das Argument der Gewerkschaftsf&uuml;hrung bereits widerlegt, dass wir nach dem Streikabbruch in Ostdeutschland nicht mehr streikf&auml;hig w&auml;ren. Die n&auml;chsten Treffen der Initiative zur Vernetzung der Gewerkschaftslinken m&uuml;ssen genutzt werden, um zu diskutieren, welchen Beitrag die Linken in den Gewerkschaften leisten k&ouml;nnen, um eine gro&szlig;e Streikbewegung aufzubauen.<\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">Delegiertenstimmen vom ver.di-Kongress<\/span><br \/>  Die b&uuml;rgerlichen Medien verbreiteten die Reden von Bsirske. Solidarit&auml;t verbreitet einige Stimmen von Delegierten, die vor Redaktionsschluss protokolliert waren. <\/p>\n<p>  <span style=\"font-style: italic;\">&#x84;Die Rede von Joschka Fischer gestern habe ich als eine Unversch&auml;mtheit und als Aggressivit&auml;t empfunden, die teilweise unbeschreiblich war. (Lebhafte Zustimmung). Man f&uuml;hlt sich k&ouml;rperlich schlecht, sich so etwas anh&ouml;ren zu m&uuml;ssen. Aber er hatte Gr&uuml;nde daf&uuml;r und wusste, warum er hier so auftreten musste: um uns m&ouml;glichst klein zu halten und unsere Opposition und unseren Widerstand nicht zur Geltung kommen zu lassen. [&#8230;] Der Ministerpr&auml;sident von Italien hat Ende September verk&uuml;ndet: Wir wollen, dass die Menschen f&uuml;nf Jahre l&auml;nger arbeiten, bevor sie in Rente gehen k&ouml;nnen. Zehn Tage sp&auml;ter haben die italienischen Gewerkschaften f&uuml;r den 24. Oktober zum Generalstreik aufgerufen. Ich sage: Die Regierung Berlusconi wird zur&uuml;ckweichen. Dazu sollten wir auch kommen.&#x93; (lebhafter Beifall)<\/span><br  style=\"font-style: italic;\"> Helmut Born, Mitglied im Landesbezirksvorstand in Nordrhein-Westfalen<\/p>\n<p>  <span style=\"font-style: italic;\">&#x84;Wir m&uuml;ssen wahrscheinlich Hungerm&auml;rsche machen. Wir m&uuml;ssen wieder &uuml;berlegen, wie wir &uuml;berleben k&ouml;nnen. Das ist keine kleine Arbeit. Wir brauchen oft einen ganzen Tag, wenn wir kein Geld f&uuml;r Fahrkarten haben, um unsere Lebensmittel zusammenzuholen. Das wird auch eine Aufgabe von uns sein, um die Menschen wieder zusammen zu bringen und Stadtteilarbeit zu machen. (Beifall)&#x93;<\/span><br style=\"font-style: italic;\"> Anne Eberle, einzige Delegierte der ver.di-Erwerbslosenkonferenz <\/p>\n<p>  <span style=\"font-style: italic;\">&#x84;Verk&uuml;rzt gesagt: Kolleginnen und Kollegen, wer in unserem Staat die Verm&ouml;genssteuer tabuisiert und gleichzeitig die Sozialhilfe k&uuml;rzt, also mehrere Millionen Menschen sehenden Auges in Armut st&uuml;rzt, der macht doch klar, f&uuml;r welche Politik er steht. (Beifall).<\/span><br style=\"font-style: italic;\"> <span style=\"font-style: italic;\">Aus meiner Sicht sind wir, die Gewerkschaften [&#8230;] derzeit die einzige relativ starke gesellschaftliche Kraft, die m&ouml;glicherweise diesen Kurs bremsen, vielleicht auch wenden kann. Dazu m&uuml;ssen wir allerdings k&auml;mpfen und m&uuml;ssen bei unseren offiziellen Ank&uuml;ndigungen immer darauf achten, dass wir nicht wie ein Tiger starten und dann schlussendlich als Bettvorleger landen. (Beifall) [&#8230;] Wenn die Sozialdemokratie inzwischen soweit in der Realit&auml;t angekommen ist, dass sie Begriffe wie soziale Gerechtigkeit und demokratischer Sozialismus als Vision aus ihrem Gedankengut streichen will, dann m&uuml;ssen wir uns &uuml;berlegen, ob das f&uuml;r uns ein nat&uuml;rlicher B&uuml;ndnispartner ist. (Beifall)&#x93;<\/span><br  style=\"font-style: italic;\"> Bernd Schumann<\/p>\n<p>  <span style=\"font-style: italic;\">&#x84;Es wird oft gesagt, wir w&uuml;rden die K&ouml;pfe nicht erreichen. Ich frage mich wirklich, ob das stimmt. Ich war in den letzten zwei, drei Monaten auf einer ganzen Reihe von Betriebs-, Personal- und Mitarbeiterversammlungen. Immer ging es um die Themen Agenda, Sozialabbau, Gesundheitsreform. Ich habe festgestellt, dass ich in den meisten Versammlungen nicht mit Redebeitr&auml;gen oder Fragen, die etwa im Sinne der Arbeitgeber oder der Politik gewesen w&auml;ren, konfrontiert wurde. Im Gegenteil. Aber das, was ich h&auml;ufiger gefragt worden bin, war: Was tut eigentlich ver.di dazu?&#x93;<\/span><br  style=\"font-style: italic;\"> Wolfgang Zimmermann aus Nordrhein-Westfalen <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit politischen Streiks die Interessen der Mitglieder verteidigen<br \/>\n von Ursel Beck, Stuttgart<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[11],"tags":[155],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10636"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10636"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10636\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10636"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10636"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10636"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}