{"id":10633,"date":"2003-10-18T10:47:08","date_gmt":"2003-10-18T10:47:08","guid":{"rendered":".\/?p=10633"},"modified":"2003-10-18T10:47:08","modified_gmt":"2003-10-18T10:47:08","slug":"10633","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2003\/10\/10633\/","title":{"rendered":"Metaller pfeifen Schr&ouml;der aus"},"content":{"rendered":"<p>Bericht vom IG Metall Gewerkschaftstag<\/p>\n<p>  von Daniel Behruzi, Hannover<!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\nNach Beilegung der Personalquerelen in der IG-Metall-Spitze stand beim zweiten Teil des Gewerkschaftstags der weltweit gr&ouml;&szlig;ten Industriegewerkschaft die inhaltliche Auseinandersetzung im Vordergrund. Bundeskanzler Gerhard Schr&ouml;der wurde von den etwa 600 Delegierten mit Pfiffen empfangen. Der l&auml;ngst &uuml;berf&auml;llige Bruch der Metallgewerkschaft mit der Sozialdemokratie deutet sich an. <\/p>\n<p>  Unbeeindruckt vom lautstarken Protest der anwesenden MetallerInnen verteidigte Schr&ouml;der die von seiner Regierung betriebenen Sozialk&uuml;rzungen. Seine &#x84;Argumente&#x93; ersch&ouml;pften sich allerdings weitgehend in Formulierungen wie <span style=\"font-style: italic;\">&#x84;es ist notwendig, also wird es gemacht werden, weil wir es tun m&uuml;ssen und weil wir es tun werden&#x93;<\/span>. Er machte den Gewerkschaftern mehr als deutlich, dass er auf deren Meinung zu seiner Politik nicht viel gibt. Der im August neu gew&auml;hlte IG-Metall-Vorsitzende J&uuml;rgen Peters reagierte darauf mit den Worten: &#x84;Wenn die Sozialdemokratie diesen Weg weiter geht, dann wird sie uns auf absehbare Zeit als politischer B&uuml;ndnispartner nicht mehr zur Verf&uuml;gung stehen&#x93;. Auf der folgenden Pressekonferenz relativierte er, er glaube immer noch daran, <span  style=\"font-style: italic;\">&#x84;dass die Kr&auml;fte innerhalb der SPD, die sich f&uuml;r soziale Gerechtigkeit und Arbeitspl&auml;tze einsetzen, wieder die Oberhand gewinnen werden&#x93;<\/span>. Woher er diesen Optimismus, wenige Tage nach dem Einknicken der &#x84;Linken&#x93; in der SPD-Fraktion bei den Hartz-Gesetzen, nimmt, erl&auml;uterte der Gewerkschaftsf&uuml;hrer jedoch nicht. Viele Delegierte machten dagegen in Redebeitr&auml;gen und Randgespr&auml;chen klar, dass sie Peters Hoffnung nicht teilen. Sie halten den Aufbau einer politischen Alternative zu allen etablierten Parteien f&uuml;r notwendig. Ein Delegierter betonte die Rolle, die die Gewerkschaften in diesem Prozess spielen m&uuml;ssten. <\/p>\n<p>  Linke Delegierte mussten sich in einer Reihe von Punkten gegen programmatische Verw&auml;sserung und Rechtsverschiebung zur Wehr setzen, die in den Leitantr&auml;gen des Vorstands zum Ausdruck kamen.  In einem dieser Antr&auml;ge fand sich beispielsweise die Aussage, die Globalisierung der &Ouml;konomie habe <span style=\"font-style: italic;\">&#x84;in vielen Regionen der Welt den Wohlstand vergr&ouml;&szlig;ert, die Lebensbedingungen verbessert und Arbeitspl&auml;tze gesichert&#x93;<\/span>. F&uuml;r welche &#x84;Regionen&#x93; au&szlig;er vielleicht Monaco, die Cayman-Inseln und andere Spekulationsoasen das gelten soll, bleibt das Geheimnis des Vorstands. Das Gegenteil sei der Fall, erkl&auml;rte ein Delegierter aus Hanau. Der Wohlstand habe sich f&uuml;r die Bev&ouml;lkerungsmehrheit durch die Globalisierung sowohl in den industrialisierten als auch in den wirtschaftlich unterentwickelten L&auml;ndern verschlechtert. Die Formulierung wurde dennoch beschlossen. <\/p>\n<p>  Einen herben R&uuml;ckschlag erhielt auch die Friedenspolitik in der IG Metall. Trotz vehementer Kritik vieler Delegierter verabschiedete der Gewerkschaftstag eine Entschlie&szlig;ung, die Bundeswehreins&auml;tze unter UNO-Mandat grunds&auml;tzlich gut hei&szlig;t. <\/p>\n<p>  Die Auseinandersetzung um die von den angeblichen &#x84;Modernisierern&#x93; um Vize Berthold Huber propagierte &#x84;Differenzierung&#x93; der Tarifvertr&auml;ge wurde auf diesem Gewerkschaftstag nicht endg&uuml;ltig entschieden. Bei dem Konzept geht es darum, die Entwicklung der L&ouml;hne von der wirtschaftlichen Lage des jeweiligen Unternehmens abh&auml;ngig zu machen. Folge w&auml;re die Entsolidarisierung der Besch&auml;ftigten, die Abkopplung der schlechter gewerkschaftlich organisierten Belegschaften und der Zulieferbetriebe. Die verabschiedete Entschlie&szlig;ung bezeichnet <span  style=\"font-style: italic;\">&#x84;die tarifliche Verankerung erfolgsabh&auml;ngiger Entgelte f&uuml;r gesonderte (Jahres)zahlungen&#x93; <\/span>dennoch als <span style=\"font-style: italic;\">&#x84;denkbar&#x93;<\/span>. <\/p>\n<p>  Obwohl viele Delegierte die zentrale Rolle der kollektiven Arbeitszeitverk&uuml;rzung im Kampf gegen die Massenarbeitslosigkeit herausstrichen, forderte die verabschiedete Resolution lediglich die Durchsetzung der 35-Stunden-Woche in allen Bereichen Ost- und Westdeutschlands. Die noch beim letzten Gewerkschaftstag geforderte 30-Stunden-Woche findet sich in den jetzigen Beschl&uuml;ssen nicht mehr. <\/p>\n<p>  Der gr&ouml;&szlig;te Erfolg f&uuml;r die Linke war die Aufforderung des Gewerkschaftstags, es sollten sich m&ouml;glichst viele MetallerInnen an der bundesweiten Demonstration gegen Sozialabbau am 1.November in Berlin beteiligen. Die Aktionen der letzten Wochen &#x96; in diversen s&uuml;dwestdeutschen Betrieben kam es zu Arbeitsniederlegungen &#x96; sollen in den n&auml;chsten Wochen verst&auml;rkt werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bericht vom IG Metall Gewerkschaftstag<\/p>\n<p> von Daniel Behruzi, Hannover<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[11],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10633"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10633"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10633\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10633"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10633"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10633"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}