{"id":10600,"date":"2003-09-18T17:54:40","date_gmt":"2003-09-18T17:54:40","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=10600"},"modified":"2012-06-15T19:34:52","modified_gmt":"2012-06-15T17:34:52","slug":"10600","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2003\/09\/10600\/","title":{"rendered":"Personalmassaker bei Berliner Verkehrsgesellschaft"},"content":{"rendered":"<p>Die BVG in Berlin, zust\u00e4ndig f\u00fcr das U-Bahn- und Strassenbahnnetz sowie die Buslinien, plant einen massiven Arbeitsplatzabbau bis 2005.<\/p>\n<p>von Christian Reichow, Berlin<!--more--><br \/> \u00a0<br \/> Um dies den Mitarbeitern der BVG mitzuteilen gab es am 17.September eine Betriebsversammlung im ICC. Die Stimmung unter den Besch\u00e4ftigten ist mit der Bezeichnung \u201cexplosiv\u201d ziemlich genau getroffen. Nachdem seit 1991 \u00fcber 9.000 Stellen abgebaut wurden, wird jetzt \u00fcber neue M\u00f6glichkeiten f\u00fcr \u201cSparma\u00dfnahmen\u201d nachgedacht. So sagte BVG-Chef Graf von Arnim in einem Zeitungsinterview zum Thema betriebsbedingte K\u00fcndigungen: <span style=\"font-style: italic;\">&#8222;So wie es aussieht, lassen geltende Tarifvertr\u00e4ge dies nicht zu. Bei k\u00fcnftigen Tarifverhandlungen muss mal dar\u00fcber gesprochen werden&#8220;<\/span>. Der Grund, der von der Unternehmensspitze f\u00fcr die K\u00fcrzungen vorgebracht wird, ist, dass die BVG sonst Schulden in H\u00f6he von einer Milliarde Euro haben wird. <br \/> Bereits in den letzten Jahren wurden die Fahrpreise massiv erh\u00f6ht, mittlerweile sind es die zweith\u00f6chsten in Europa. Unter den Besch\u00e4ftigten der BVG selbst ist die Wut \u00fcber solche Vorhaben enorm zu sp\u00fcren, die Bereitschaft zum Streik ist stark angewachsen. Der Personalrat der Berliner Stadtreinigung (BSR) sicherte den BVGlern ihre Unterst\u00fctzung zu, so hei\u00dft es in einem Solidarit\u00e4tsscheiben zum Beispiel: <span style=\"font-style: italic;\">\u201dVielleicht ist es an der Zeit, wieder einmal gemeinsam die \u00c4rmel hochzukrempeln, und den Arbeitgebern Grenzen zusetzen.\u201d <\/span> <br \/> Dieses Solidarit\u00e4tsschreiben wurde alsgleich von der Berliner Boulevardzeitung BZ aufgegriffen. Dort wird ein Szenario an die Wand gemalt, in dem vom totalen Ausfall des Verkehrs, \u00fcberquellenden M\u00fclltonnen und verdreckten Strassen die Rede ist. Viele BVGler und auch BSRler sind mittlerweile auf dem Standpunkt, dass wenn es zu Stellenabbau kommen sollte, auch der Schritt zum Streik getan werden muss. <br \/> Ver.di hatte bisher Verhandlungen \u00fcber einen Spartentarifvertrag zugestimmt, unter der Bedingung, dass die L\u00f6hne der Besch\u00e4ftigten nicht abgesenkt werden und K\u00fcrzungen nur f\u00fcr Neueingestellte gelten. Die BVG-Chefs haben dies als Ermutigung zur Offensive verstanden. <br \/> Das die BVG rote Zahlen schreibt ist kein Geheimnis, aber auch die Gr\u00fcnde sind schnell erkennbar: Das Land Berlin hat die Zusch\u00fcsse massiv gesenkt, gleichzeitig wurden die Bez\u00fcge der Manager gewaltig erh\u00f6ht, w\u00e4hrend man sich bei den letzten Tarifverhandlungen um jeden Cent stritt. <br \/> Zwei Wochen vor der Betriebsversammlung wurde eine Arbeitstagung von Vorstand, Direktoren und Abteilungsleitern abgehalten, dabei wurden in einem Nobelhotel die Pl\u00e4ne zur \u201cSanierung\u201d der BVG ausgekocht. Gekostet hat das F\u00fchrungskr\u00e4ftetreffen, inklusive \u00dcbernachtung, B\u00fcffet und \u00e4hnlichem 20.000 Euro. Bei den Besch\u00e4ftigten ist dieses Treffen, vor dem Hintergrund der angek\u00fcndigten Einschnitte, auf wenig Verst\u00e4ndnis gestossen.<\/p>\n<p><strong>Der Abbau konkret<\/strong><\/p>\n<p>Die Pl\u00e4ne von Graf von Arnim beinhalten neben dem Abbau von 5.000 Arbeitspl\u00e4tzen bis 2005, allein in der Verwaltung sollen von 1.300 Stellen 681 Stellen vernichtet werden, auch die Stillegung von unrentablen Bus- und Strassenbahnlinien, beziehungsweise eine erhebliche Taktverl\u00e4ngerung. Eine halbe Stunde Wartezeit sei zumutbar, meint jedenfalls von Arnim. Momentan gibt es auf den Buslinien alle 500 Meter eine Haltestelle, diese sollen den Pl\u00e4nen nach auf eine Haltestelle alle 1.000Meter ausged\u00fcnnt werden. Dies bedeutet l\u00e4ngere Wartezeiten und l\u00e4ngere Wege f\u00fcr die Fahrg\u00e4ste. Vor allem Alte und Kranke werden es in Zukunft schwerer haben, den Bus zu benutzen. <span style=\"font-style: italic;\">&#8222;Wir k\u00f6nnen es uns nicht mehr leisten, warme Luft durch die Gegend zu fahren&#8220;<\/span> so BVG-Chef von Arnim. <br \/> In den letzten Jahren wurden 9.000 Stellen abgebaut. Daf\u00fcr wurden Pausen gek\u00fcrzt und der Stress erh\u00f6ht. Dies geht bereits zu Lasten der Sicherheit. Immer wieder gibt es Unf\u00e4lle durch \u00dcberm\u00fcdung, die U-Bahn in Berlin brannte bereits mehrmals in den letzten Jahren. <br \/> Was die Besch\u00e4ftigten, neben den Pl\u00e4nen zum Personalabbau, besonders hart trifft, ist die Ank\u00fcndigung, die L\u00f6hne um 30 Prozentz zu senken, der Vorstand nennt das den<span style=\"font-style: italic;\"> &#8222;letzten Rettungsversuch&#8220;<\/span>. Auch vom Senat kann man nichts Gutes erwarten, so sagte Wirtschaftssenator Harald Wolf, PDS: <span style=\"font-style: italic;\">&#8222;Wenn es zu Lohnsenkungen kommt, m\u00fcssen die Einbu\u00dfen gestaffelt werden.&#8220;<\/span> H\u00e4rter gibt sich Klaus-Peter von L\u00fcdeke, FDP: <span style=\"font-style: italic;\">&#8222;Er (von Arnim) muss die Macht der Personalr\u00e4te brechen.&#8220;<\/span> <br \/> Was die Besch\u00e4ftigten von diesen Ideen ihres Chefs halten, wurde nach der Betriebsversammlung klar zu h\u00f6ren. <span style=\"font-style: italic;\">&#8222;30 Prozent weniger Lohn? Die Miete wird auch nicht weniger, Lebenshaltungskosten und Steuern steigen, wie sollen wir das alles bezahlen?&#8220;<\/span> fragt Busfahrer Norbert Storch: <span style=\"font-style: italic;\">&#8222;Ich sehe nicht ein, warum wir den G\u00fcrtel enger schnallen sollen, aber die Chefs nicht.&#8220;<\/span> Ein anderer Kollege forderte von Arnim auf: <span style=\"font-style: italic;\">&#8222;Er solle mal drei Monate lang Busfahren oder Z\u00fcge saubermachen &#8211; und mit dem Lohn eine Familie ern\u00e4hren. Dann sehen wir weiter.&#8220;<\/span> <br \/> Um zu zeigen, wie BVG-Chef von Arnim zu seinen Forderungen steht, gingen er und der \u00fcbrige Vorstand nach der Betriebsversammlung mal kurz in den Nobel-Italiener \u201cPiccolo Mondo\u201d, das Restaurant ist nicht gerade f\u00fcr seine arbeitnehmerfreundliche Preise ber\u00fchmt. <br \/> Auch auf die Frage, ob er auch auf 30 Prozent seines Lohns verzichten w\u00fcrde, verstummte von Arnim w\u00e4hrend der Versammlung. Frank B\u00e4sler, ver.di-Sekret\u00e4r brachte es auf den Punkt:<span style=\"font-style: italic;\"> &#8222;Wasser predigen und Wein trinken.&#8220;<\/span> Es ist klar ersichtlich auf wessen Schultern die Misswirtschaft der letzten Jahre abgeladen werden soll. Wie \u00fcblich wollen die Kapitalisten, in diesem Fall Graf von Arnim und der Rest der BVG-Chefbande, das Geld, das sie in ihre Taschen stecken von den Besch\u00e4ftigten zur\u00fcckholen.<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: bold;\">Streik vorbereiten<\/span><\/p>\n<p>Um zu verhindern, dass bei der BVG Tausende Besch\u00e4ftigte rausgeflakt werden und sich der Service im \u00f6ffentlichen Nahverkehr weiter verschlechtert m\u00fcssen die Kollegen der BVG in ihrem Kampf gegen die Kahlschlagspl\u00e4ne unterst\u00fctzt werden. Nicht nur die BVGler sind von K\u00fcrzungen betroffen: Agenda 2010, Erh\u00f6hung der Kita-Geb\u00fchren und Lohnk\u00fcrzungen von acht bis zw\u00f6lf Prozent f\u00fcr die Besch\u00e4ftigten des \u00f6ffentlichen Dienstes stehen an. <br \/> Arnim und Co werden an ihren \u201cSanierungspl\u00e4nen\u201d festhalten, daher ist ein Streik unumg\u00e4nglich.Ver.di sollte einen Streik vorbereiten und andere Bereiche des \u00f6ffentlichen Dienst einbeziehen. <br \/> Wenn Bahn und Bus stillstehen und die BSR, wie angek\u00fcndigt, sich mit den BVGlern solidarisiert, sp\u00e4testens dann wird der BVG-Vorstand einsehen, das nicht sie, sondern die Besch\u00e4ftigten die Macht in den H\u00e4nden halten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die BVG in Berlin, zust&auml;ndig f&uuml;r das U-Bahn- und Strassenbahnnetz sowie die Buslinien, plant einen massiven Arbeitsplatzabbau bis 2005<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[122,75,20],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10600"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10600"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10600\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10600"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10600"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10600"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}