{"id":10598,"date":"2003-09-17T13:55:20","date_gmt":"2003-09-17T13:55:20","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=10598"},"modified":"2012-06-15T19:36:15","modified_gmt":"2012-06-15T17:36:15","slug":"10598","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2003\/09\/10598\/","title":{"rendered":"&#8222;Wir sind wirklich die letzte Branche, darunter gibt es nichts mehr&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Private Wachschutzfirmen tauchen immer \u00f6fter und an immer neuen Orten auf. Sie sind Teil der verst\u00e4rkten \u00dcberwachung der \u00d6ffentlichkeit und sollen Sicherheit vort\u00e4uschen.<\/p>\n<p>von Ronald Luther <br \/> \u00a0<br \/> Jede\/r kann ein Wachschutzunternehmen gr\u00fcnden. So meinte Konrad Freiberg, der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei: &#8222;Da kraucht alles m\u00f6gliche rum, es ist schlicht unseri\u00f6s.&#8220; Die Branche boomt, denn zu \u00fcberbewachen gibt es viel. Seien es Einkaufszentren, Waffendepots der Bundeswehr, Museen oder Baustellen. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) \u00fcbergaben sogar die Fahrscheinkontrolle an private Wachschutzunternehmen, damit diese vermeintliche und wirkliche \u201eSchwarzfahrer\u201c erwischen sollten. Wer nicht gen\u00fcgend \u201eeinfangen\u201c konnte, war schnell seinen Job wieder los. Entsprechend aggressiv gingen die Kontrolleure vor. <br \/> Aber nicht nur die Angst vor Arbeitslosigkeit l\u00e4sst die Aggressivit\u00e4t der Wachschutzleute steigen, sondern auch die miserable Bezahlung in der Branche. So gibt es allein in Berlin 400 Wachschutzunternehmen mit rund 10 000 Besch\u00e4ftigten, die in einem harten Preiskampf um die Auftr\u00e4ge konkurrieren, worunter auch die Geh\u00e4lter f\u00fcr die Besch\u00e4ftigten leiden. Gerade mal 27 Sicherheitsfirmen sind im Bundesverband Deutscher Wach- und Sicherheitsunternehmen (BDSW) organisiert und somit am mit der Gewerkschaft ver.di ausgehandelten Tarifvertrag gebunden. Dieser sieht Einstiegsl\u00f6hne von gerade mal 5,25 Euro brutto die Stunde und eine maximale Monatsarbeitszeit von 245 Stunden vor, was bereits miserable Arbeitsbedingungen sind. Aber es gibt noch Ausnahmen: So erlaubt der Tarifvertrag die Unterschreitung des Einstiegslohns, wenn der Auftraggeber nicht bereit ist, mehr an die Sicherheitsfirma zu zahlen! Und genau das ist gang und gebe.<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: bold;\">\u00d6ffentliche Arbeitgeber betreiben Lohndumping<\/span><\/p>\n<p>So wurde k\u00fcrzlich bekannt, dass der Reichstag von einem Unternehmen bewacht wird, das seinen Leuten nur 4,60 Euro die Stunde bezahlt. Die Bundesversicherungsanstalt f\u00fcr Angestellte (BfA) wiederum zahlt so wenig, dass f\u00fcr die Bewacher laut Insidern gerade mal 3,86 Euro rausspringen. Dazu sagt die Pressesprecherin der BfA nur: &#8222;Wir m\u00fcssen uns f\u00fcr den kosteng\u00fcnstigsten Anbieter entscheiden. Die Entscheidung, ob er zu dem Preis arbeitet oder nicht, obliegt jedem Mitarbeiter.&#8220; Als ob es angesichts der hohen Arbeitslosigkeit eine gro\u00dfe Entscheidungfreiheit gibt. Diese Geh\u00e4lter sind in der Sicherheitsbranche \u201enormal\u201c. So sind L\u00f6hne unter 5 Euro brutto keine Seltenheit. Um von dem Geld leben zu k\u00f6nnen arbeiten Sicherheitsleute 200 bis 300 Stunden im Monat und kommen trotzdem nur auf 1000 bis 1500 Euro im Monat. <br \/> Joachim Gutsche, Betriebsratsmitglied bei der Sicherheitsfirma Securitas meint dazu: &#8222;Wir sind wirklich die letzte Branche, darunter gibt es nichts mehr&#8220; und nennt seine Branche ein &#8222;Auffangbecken f\u00fcr Unqualifizierte&#8220;. Denn die Wachschutzbranche ist f\u00fcr viele schlecht ausgebildete Leute die einzige Alternative zur Arbeitslosigkeit. Hinzu kommen die, die am liebsten Polizist geworden w\u00e4ren, dazu aber eventuell zu klein oder zu unsportlich, zu alt, zu ungebildet oder zu vorbestraft waren. Und diese nutzen gerne ihre Macht aus und verpr\u00fcgeln auch gerne mal \u201eunbotm\u00e4\u00dfige\u201c Obdachlose, die einen warmen Platz im U-Bahnschacht der winterlichen K\u00e4lte im Freien vorzogen. <br \/> <span style=\"font-weight: bold;\"><br \/> Mindestlohn<\/span><\/p>\n<p>Es ist notwendig, dass die Gewerkschaft ver.di f\u00fcr einen Tarifvertrag k\u00e4mpft, der den Besch\u00e4ftigten eine 30-Woche und einen Mindestlohn von 2000,- Euro oder 12 Euro pro Stunde sichert. Private Wachschutzunternehmen stellen eine Gefahr f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit dar, da sie ohne jegliche Kontrolle agieren, und geh\u00f6ren daher abgeschafft. Viele Jobs, die heute Wachschutzunternehmen erledigen, waren einst Arbeitspl\u00e4tze im \u00d6ffentlichen Dienst (wie z. B. Die Museenaufsicht). Diese Arbeitspl\u00e4tze m\u00fcssen wieder in den \u00d6ffentlichen Dienst \u00fcberf\u00fchrt werden. Wer f\u00fcr seine Aufgaben nicht qualifiziert genug ist, muss eine qualifizierte Ausbildung oder einen Ersatzarbeitsplatz zugesichert bekommen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Private Wachschutzfirmen tauchen immer &ouml;fter und an immer neuen Orten auf.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[11],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10598"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10598"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10598\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10598"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10598"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10598"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}