{"id":10597,"date":"2003-09-16T09:39:20","date_gmt":"2003-09-16T09:39:20","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=10597"},"modified":"2012-06-15T19:51:42","modified_gmt":"2012-06-15T17:51:42","slug":"10597","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2003\/09\/10597\/","title":{"rendered":"Ver.di vor dem ersten ordentlichen Bundeskongress"},"content":{"rendered":"<p>Gegen das Co-Management der ver.di-F\u00fchrung w\u00e4chst die innergewerkschaftliche Opposition<\/p>\n<p>von Ursel Beck, Stuttgart<\/p>\n<p>Mitte August bricht ein Brieftr\u00e4ger nach achteinhalb Stunden Briefzustellung bei Gluthitze zusammen und stirbt. Er geh\u00f6rte zu einer Pilotgruppe in Mannheim, mit der der effizientere Einsatz von Briefzustellern geprobt werden sollte. Das Pilotprojekt musste zumindest in Mannheim gestoppt werden. Doch der ver.di-Landesfachbereichsleiter Baden-W\u00fcrttemberg diktiert den Journalisten, dass das Pilotprojekt sinnvoll sei, die Belastung der Zusteller nicht zu gro\u00df werde und au\u00dferdem Arbeitswissenschaftler und Arbeitsmediziner einbezogen seien.<\/p>\n<p>Das Beispiel ist typisch daf\u00fcr, wie immer mehr Gewerkschaftsfunktion\u00e4re die Profitinteressen der Arbeitgeber anstatt die Interessen der abh\u00e4ngig Besch\u00e4ftigten vertreten.<\/p>\n<h4>Fusion<\/h4>\n<p>Nach der Fusion der f\u00fcnf Gr\u00fcndungsgewerkschaften \u00f6tv, HBV, DAG, Postgewerkschaft und IG Medien vor zwei Jahren hat sich schnell best\u00e4tigt, dass Gr\u00f6\u00dfe allein nichts bedeutet. Die Fusion f\u00fchrte zu noch undurchschaubareren Strukturen.<\/p>\n<p>Die bereits vorherrschende angepasste Politik wurde nicht aufgegeben, sondern verst\u00e4rkt. Und in Zeiten kapitalistischer Krise bedeutet die Verteidigung des Kapitalismus noch gr\u00f6\u00dferen Ausverkauf an Mitgliederinteressen bis hin zur Selbstzerst\u00f6rung der Gewerkschaften.<\/p>\n<p>Das zeigen die Niedrigabschl\u00fcsse in den Tarifrunden. Das zeigt die aktive Beteiligung der Gewerkschaftsspitze an der Umsetzung der Riester- und Hartz-Pl\u00e4ne.<\/p>\n<p>Die ver.di-F\u00fchrung organisiert sogar aktiv die Zerst\u00f6rung des Fl\u00e4chentarifvertrages mit. Das gilt gerade auch f\u00fcr den bedeutendsten in der BRD existierenden Tarifvertrag, den des \u00f6ffentlichen Dienstes. Trotz enormer Kampfkraft und hohem Organisationsgrad wurden im \u00f6ffentlichen Nahverkehr massive Tarifabsenkungen per Spartentarifvertrag mitbetrieben. Viele Bereiche wurden bereits aus dem BAT\/BMT-G herausgel\u00f6st. Auf Tarifflucht wurde nicht mit Kampfma\u00dfnahmen geantwortet, sondern mit der Unterschrift unter schlechtere separate Tarifvertr\u00e4ge.<\/p>\n<p>Die Schr\u00f6der-Regierung holt zum sozialen Kahlschlag aus. Aber die ver.di- und die gesamte DGB-F\u00fchrung h\u00e4lt still.<\/p>\n<h4>Mitgliederverluste und Finanzkrise<\/h4>\n<p>Ende 2002 hatte ver.di noch 2,7 Millionen Mitglieder. Das bedeutet einen Mitgliederverlust von fast 150.000 seit der ver.di-Gr\u00fcndung vor zwei Jahren. Die Mitgliederverluste haben starke Einnahmeausf\u00e4lle zur Folge. Und in der typischen Managermanier reagiert die ver.di-F\u00fchrung darauf. Nachdem die Vorst\u00e4nde sich Ende 2001 bis zu 70 Prozent Gehaltssteigerung genehmigt haben und Bsirske damit rund 13.500 Euro j\u00e4hrlich plus volles 13. Monatgehalt kassiert, soll jetzt bei den Sekret\u00e4rInnen und Besch\u00e4ftigten der unteren Ebenen Arbeitszeit und Lohn um zehn Prozent gek\u00fcrzt werden.<\/p>\n<h4>Lautere Basisproteste<\/h4>\n<p>Der Protest und die Unzufriedenheit an der Basis wird gr\u00f6\u00dfer. Mit der Begr\u00fcndung, dass sich der ver.di-Vorstand mit seiner \u201eMitarbeit in der Hartz-Kommission v\u00f6llig inakzeptabel verhalten und unserer Organisation sehr geschadet\u201c hat, stellte die Landesbezirksjugendkonferenz Bayern bei der Bundesjugendkonferenz im April 2003 sogar den Antrag, \u201edem Bundesvorstand der ver.di, den R\u00fccktritt nahe zu legen\u201c.<\/p>\n<p>Lautstark kritisierten GewerkschaftsaktivistInnen im \u00f6ffentlichen Dienst Bundesvorstand, Verhandlungsf\u00fchrer und Bundestarifkommission wegen des letzten Tarifabschlusses.<\/p>\n<p>Am 8. Juli blockierten 800 Besch\u00e4ftigte des \u00f6ffentlichen Dienstes die Duisburger Innenstadt und forderten den Stop der Prozessvereinbarung (Vereinbarung \u00fcber die weitere Abkopplung von Spartentarifvertr\u00e4gen), an der die ver.di-F\u00fchrung trotz K\u00fcndigung der Tarifvertr\u00e4ge beim Weihnachts- und Urlaubsgeld durch Bund und L\u00e4nder festh\u00e4lt und verhandelt.<\/p>\n<h4>Netzwerk<\/h4>\n<p>Bereits seit 1996 gibt es das Netzwerk f\u00fcr eine k\u00e4mpferische \u00f6tv\/ver.di. Das Netzwerk hat die Fusion abgelehnt. Seine Kritik hat sich vollauf best\u00e4tigt. Seit der Gr\u00fcndung von ver.di hat das Netzwerk nicht nachgelassen innerhalb von ver.di eine Opposition aufzubauen. Der erste ordentliche ver.di-Bundeskongress soll ebenfalls genutzt werden, um einen politischen Kurswechsel und innergewerkschaftliche Demokratie einzufordern. Unter anderem hat das ver.di-Netzwerk die Initiative ergriffen am Tag vor Kongressbeginn eine Veranstaltung zu organisieren (siehe nebenstehenden Artikel).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gegen das Co-Management der ver.di-F?hrung w?chst die innergewerkschaftliche Opposition<\/p>\n<p>von Ursel Beck, Stuttgart<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[11],"tags":[153],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10597"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10597"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10597\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10597"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10597"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10597"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}