{"id":10585,"date":"2003-08-30T17:11:10","date_gmt":"2003-08-30T17:11:10","guid":{"rendered":".\/?p=10585"},"modified":"2003-08-30T17:11:10","modified_gmt":"2003-08-30T17:11:10","slug":"10585","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2003\/08\/10585\/","title":{"rendered":"Kriegsl&uuml;gen, Klassenk&auml;mpfe und die Gewerkschaftslinke in Britannien"},"content":{"rendered":"<p>Interview mit Hannah Sell, Mitglied der Socialist Party, der Schwesterpartei der SAV in England und Wales<!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\n<span style=\"font-weight: bold;\">Obwohl es auch in Gro&szlig;britannien eine gro&szlig;e Antikriegsbewegung gab, hat die Regierung die Beteiligung am Irakkrieg durchgezogen. Richtet sich die Stimmung jetzt grundlegend gegen Blair? <\/span><br \/>  Durch den kurzen Krieg sieht es so aus, als ob die Regierung mit ihrer Kriegsbeteiligung durchgekommen w&auml;re. Aber angesichts der Massendemonstrationen sah Blair sich gezwungen, zu L&uuml;gen zu greifen. <br \/>  Ein Journalist der BBC erhob den Vorwurf der Kriegsl&uuml;gen und gab den Waffenexperten Kelly als Informationsquelle an. Kurz danach beging dieser Selbstmord. <br \/>  New Labours K&uuml;rzungspolitik und die Kontroverse um Massenvernichtungswaffen sorgen zusammen mit dem Selbstmord Kellys f&uuml;r die tiefste Krise seit Blairs Amtsantritt 1997. <\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">Wie wahrscheinlich ist ein Sturz Blairs? <\/span><br \/>  Blair stand kurz vor dem Sturz, aber anscheinend hat er noch einmal Gl&uuml;ck gehabt. Es ist immer noch m&ouml;glich, dass Blair gehen muss. Aber auch, wenn es nicht so weit kommt, ist er durch die Vorf&auml;lle geschw&auml;cht und unbeliebt. <\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">Wie ist die Stimmung in der Bev&ouml;lkerung gegen&uuml;ber dem Sozialabbau und den Privatisierungen von New Labour? <\/span><br style=\"font-weight: bold;\"> Die Mehrheit der Arbeiterklasse f&uuml;hlt sich betrogen und hat einen Hass auf New Labour. Zum Beispiel l&auml;uft die Privatisierung des staatlichen Gesundheitswesens NHS weiter. Wegen der akuten Probleme wurde etwas mehr Geld hinein gesteckt, aber die Situation ist wie immer. Das hei&szlig;t lange Schlangen in den Krankenh&auml;usern, sogar bei der Notaufnahme. Dort ist vor Kurzem ein alter Mann gestorben, weil er 72 Stunden warten musste! <\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">Wie sieht Widerstand dagegen aus?<\/span><br  style=\"font-weight: bold;\"> Auf lokaler Ebene gibt es Streiks gegen Fragen, die mit den K&uuml;rzungen in Zusammenhang stehen. Es ist aber noch keine verallgemeinerte Kampagne. <br \/>  Die Gewerkschaften bewegen sich von New Labour weg. Eine Reihe linker GewerkschafterInnen wurde in den Vorstand oder als Vorsitzende gew&auml;hlt. Einige von ihnen starteten die Kampagne &#x84;Erobert Labour zur&uuml;ck&#x93; und treten daf&uuml;r ein, New Labour mehr Geld zukommen zu lassen. [In England und Wales unterst&uuml;tzen Gewerkschaften finanziell die Labourpartei.] <br \/>  Es gibt auch erste Schritte in die entgegengesetzte Richtung. Zum Beispiel tritt Bob Crow, Generalsekret&auml;r der Transportgewerkschaft RMT daf&uuml;r ein, Geld an die Scottish Socialist Party zu zahlen. <br \/>  Solange es nicht zu Streiks kommt, ist die Frage der Finanzierung f&uuml;r viele ArbeiterInnen zweitrangig. Aber das &auml;ndert sich schnell, wie der Streik der Feuerwehrleute zeigt. 80 Prozent haben aufgeh&ouml;rt, in den &#x82;Politischen Fond&#x92; der Gewerkschaft einzuzahlen, der an New Labour geht. <\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">In Gro&szlig;britannien haben Ende 2002 die Feuerwehrleute gestreikt. Welche Bedeutung hatte dieser Streik?<\/span><br  style=\"font-weight: bold;\"> Zur gleichen Zeit wurde auch in mehreren Bereichen des &ouml;ffentlichen Diensts gestreikt. Es waren die wichtigsten Streiks der letzten 15 Jahre. Das Land war geteilt in die Arbeiterklasse, die den Streik unterst&uuml;tzte und die Kapitalistenklasse, die einen schonungslosen Krieg dagegen f&uuml;hrte. <br \/>  Die Feuerwehrleute haben nicht den Sieg errungen, der m&ouml;glich war. Die Gewerkschaftsspitze hat gemerkt, dass sie sich auf eine gro&szlig;e Konfrontation mit der Regierung einlassen und traten den R&uuml;ckzug an. Durch den Streik der Feuerwehrleute wussten auch junge Sch&uuml;lerInnen, was ein Streik ist. W&auml;re die Idee durch diesen Kampf nicht so bekannt gewesen, h&auml;tten weniger Sch&uuml;lerInnen gegen den Irakkrieg gestreikt. <\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">Welche Auswirkungen wird die Wahl linker GewerkschafterInnen haben? <\/span><br \/>  Die Wahl linker GewerkschafterInnen zeigt die Wut der Basis auf die Bosse. Die Stimmung bei den Mitgliedern ist im Moment noch so, dass die F&uuml;hrung f&uuml;r sie k&auml;mpfen soll. Aber durch K&auml;mpfe verstehen sie, das die Gewerkschaften durch aktive Mitglieder stark sind. Die AktivistInnen werden erfahrener und werden den Verrat der Gewerkschaftsspitze nicht mehr akzeptieren. <\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">Wie organisiert ist die Gewerkschaftsopposition? Gibt es B&uuml;ndnisse gegen die Rechten? <\/span><br \/>  Die neuen linken Gewerkschaftsf&uuml;hrer gr&uuml;ndeten den &#x84;Schnauze voll vom verlieren&#x93;-Club und halten Treffen ab. An der Basis glauben noch viele, das ein Wechsel an der Spitze ausreicht. Wir denken, dass sich auch die AktivistInnen vernetzen m&uuml;ssen. Jetzt geht es darum, Gewerkschaftsopposition von unten auszubauen.<\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">Welche Rolle spielt die Socialist Party in den Gewerkschaften?<\/span><br \/>  Die Socialist Party spielt eine wichtige Rolle. Auf nationaler Ebene sind zw&ouml;lf GenossInnen im Vorstand, Janice Godrich sogar zur Vorsitzenden der Beamtengewerkschaft PCS gew&auml;hlt worden. In gewisser Weise spielen wir auf lokaler Ebene eine noch gr&ouml;&szlig;ere Rolle. Dort bauen wir die Gewerkschaften unter neuen Schichten von ArbeiterInnen auf. Wo wir in K&auml;mpfen Siege erringen, ermutigen wir auch andere, in Betrieben aktiv zu werden, wo keine GenossInnen arbeiten.<\/p>\n<p>  <span style=\"font-style: italic;\">Das Interview f&uuml;hrte Linda Sch&uuml;tz, Rostock<\/span><br style=\"font-style: italic;\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Interview mit Hannah Sell, Mitglied der Socialist Party, der Schwesterpartei der SAV in England und Wales<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[46],"tags":[153],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10585"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10585"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10585\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10585"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10585"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10585"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}