{"id":10546,"date":"2003-07-02T13:54:28","date_gmt":"2003-07-02T13:54:28","guid":{"rendered":".\/?p=10546"},"modified":"2003-07-02T13:54:28","modified_gmt":"2003-07-02T13:54:28","slug":"10546","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2003\/07\/10546\/","title":{"rendered":"Kolonialkriege im Kongo"},"content":{"rendered":"<p>Franz&ouml;sische und deutsche Truppen sollen f&uuml;r mehr Stabilit&auml;t im Kongo sorgen &#x96; denn die Pl&uuml;nderung des Landes soll weitergehen<!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\nDer Chor aller, die jetzt die Stimme f&uuml;r einen Milit&auml;reinsatz im Kongo erheben, ist gro&szlig;. Ebenso gro&szlig; ist die Emp&ouml;rung &uuml;ber die &#x84;menschliche Katastrophe&#x93; in diesem Land im Zentrum Afrikas. Dass Konzerne wie Bayer schon die eine oder andere Milliarde mit dem Krieg verdient haben, wird bei der Berichterstattung der b&uuml;rgerlichen Medien aber verschwiegen.<br \/>    Mindestens 50.000 Tote hat der Konflikt zwischen Hema und Lendu in den letzten Wochen gefordert. Doch das ist nur ein Teil der grausamen Realit&auml;t Kongos, des fr&uuml;heren Zaire: Innerhalb des Landes mit seinen 35 Millionen EinwohnerInnen befinden sich etwa zwei Millionen Menschen auf der Flucht, seit 1998 sind &uuml;ber drei Millionen Menschen im Krieg um Einfluss und Profite im Kongo gestorben. Ein Drittel der Menschen leiden laut Weltern&auml;hrungsprogramm an Hunger. Die Wirtschaft liegt am Boden, die Infrastruktur ist zerst&ouml;rt. Von einst 157.000 Stra&szlig;enkilometern sind nur noch etwa 15.000 befahrbar.<br \/>    Die Demokratische Republik Kongo ist faktisch dreigeteilt: die Regierung unter Pr&auml;sident Kabila kontrolliert mit Hilfe von Simbabwe und Angola den S&uuml;den und den Westen. Ruanda unterst&uuml;tzt die RCD (Kongolesische Sammlungsbewegung f&uuml;r Demokratie), die den Osten des Landes kontrolliert. <br \/>    Uganda steht hinter der MLC (Kongolesischen Befreiungsbewegung), die im Norden das Sagen hat. Alle Kriegsparteien haben das Ziel, ihren Anteil am wahrscheinlich rohstoffreichsten Land Afrikas zu sichern oder auszubauen. Mit ihren Einnahmen aus der Pl&uuml;nderung der Bodensch&auml;tzen finanzieren sie auch ihre Kriege. <br \/>   Sch&auml;tzungen zufolge erzielte zum Beispiel Ruanda 1999 und 2000 jeweils rund 164 Millionen US-Dollar Gewinne aus den Gesch&auml;ften im Kongo. <\/p>\n<p>    Kampf um Rohstoffe<\/p>\n<p>    Die Profitaussichten mit Diamanten, Gold, Kupfer, Kobalt und vor allem Coltan lassen bei denen, die in Europa und den USA damit Milliardenums&auml;tze machen, die Herzen h&ouml;her und bei denen, die unter unmenschlichsten Umst&auml;nden in den Minen schuften m&uuml;ssen, oft nicht weiter schlagen.<br \/>    Coltan wird f&uuml;r medizinisches Ger&auml;t, Computer und Waffen aber vor allem f&uuml;r Mobiltelefonkondensatoren benutzt. Nach dem Boom der Handys auf dem Weltmarkt ist der Preis pro Tonne in die H&ouml;he geschnellt und hat sich innerhalb von wenigen Monaten verf&uuml;nffacht. Daran verdiente in aller erster Linie die Bayer Tochter H.C. Starck aus Goslar, die mit einem Umsatz von 665 Millionen Euro im Jahr 2000 mehr als die H&auml;lfte des wertvollen Coltan verkaufte.<br \/>Das Geld, das westliche Konzerne den kriegsf&uuml;hrenden Parteien f&uuml;r die Rohstoffe und die unbeschreibliche Ausbeutung der MinenarbeiterInnen bezahlen, wird dazu benutzt, um die Kriege am Laufen zu halten und um daf&uuml;r &#x96; wiederum auch im Westen &#x96; Waffen zu kaufen.<br \/>    &#x84;Ein am 16. April [2001] ver&ouml;ffentlichter Bericht einer UN-Expertengruppe wirft erstmals f&uuml;hrenden Politikern aus Uganda, Ruanda und Burundi vor, sich am Krieg in der DR Kongo zu bereichern. Kupfer, Diamanten, Gold, Kobalt und Edelh&ouml;lzer w&uuml;rden in den von Truppen der genannten Staaten besetzten Gebieten systematisch gepl&uuml;ndert. [&#8230;] Namentlich erw&auml;hnt und beschuldigt  wurden die belgische Fluggesellschaft Sabena und andere europ&auml;ische Unternehmen, u.a. die britischen Unternehmen Afrimex und Vento Star, an dem lukrativen Gesch&auml;ft im Kongo beteiligt zu sein&#x93;, so der Fischer Weltalmanach 2002.<br \/>    Auch hinter der jetzigen Eskalation der Gewalt zwischen Hama und Lendu stehen die konkurrierenden Interessen von Uganda und Ruanda um die Bodensch&auml;tze ihres Nachbarlandes. Dies hat besondere Aktualit&auml;t bekommen, nachdem die kanadische &#x84;Heritage Oil Corp.&#x93; mit der Suche nach &Ouml;lvorkommen in diesem Gebiet begonnen hat. Auf ugandischer Seite wurden bereits gro&szlig;e Vorkommen entdeckt.<br \/>    Nach dem Ende des Irak-Krieges ist es f&uuml;r die europ&auml;ischen Imperialisten von besonderer Bedeutung sich andere &Ouml;lvorkommen zu sichern. Au&szlig;er Nigeria ist kein afrikanisches Land in der OPEC, so dass das &Ouml;l billiger zu bekommen ist.<\/p>\n<p>    Bundeswehreinsatz<\/p>\n<p>    Der Bundeswehreinsatz (350 Soldaten) wird die Intervention der rund 1.200 franz&ouml;sischen Soldaten absichern, deren Einsatz in langer kolonialer Tradition steht. Die angegebenen Gr&uuml;nde &#x96; humanit&auml;re Situation, Elend der Zivilbev&ouml;lkerung und so weiter &#x96; spielt dabei nur insofern eine Rolle, als das Chaos und die Zerst&ouml;rung mittlerweile solche Ausma&szlig;e angenommen hat, dass die Profitproduktion insgesamt zu stark beeintr&auml;chtigt wird. Die westlichen Konzerne haben mit das gr&ouml;&szlig;te Interesse an stabileren Verh&auml;ltnissen.<br \/>    Wobei die Interessen traditionell Frankreichs und jetzt der EU und die der USA durchaus ebenfalls in Konkurrenz zueinander stehen und es kein Zufall ist, dass dieser &#x84;Friedenseinsatz&#x93; der UNO allein von EU-Truppen bestritten wird. Im Kongo drohen damit weitere Stellvertreterkriege.<\/p>\n<p>    von Eckhard Geitz, Kassel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Franz&ouml;sische und deutsche Truppen sollen f&uuml;r mehr Stabilit&auml;t im Kongo sorgen &#x96; denn die Pl&uuml;nderung des Landes soll weitergehen<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[36],"tags":[151],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10546"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10546"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10546\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10546"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10546"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10546"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}