{"id":10543,"date":"2003-06-30T11:28:20","date_gmt":"2003-06-30T11:28:20","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=10543"},"modified":"2012-06-15T19:26:58","modified_gmt":"2012-06-15T17:26:58","slug":"10543","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2003\/06\/10543\/","title":{"rendered":"Nein zur Gesundheitsreform"},"content":{"rendered":"<p>In einer Gro\u00dfen Koalition soll nach der Sommerpause die Abschaffung der parit\u00e4tischen Finanzierung des Gesundheitswesens beschlossen werden<\/p>\n<p><em>von Holger Dr\u00f6ge, Berlin<\/em><br \/> \u00a0<br \/> Die Besch\u00e4ftigten des Gesundheitswesen bringen mit enormen pers\u00f6nlichen Einsatz immer wieder H\u00f6chstleistungen. \u00dcberstunden, Arbeitshetze, unsichere Jobs und schlechte Bezahlung sind die Regel. Doch die Gesundheitsversorgung ist nicht optimal \u2013 warum?<br \/> Das deutsche Gesundheitswesen ist in den letzten Jahrzehnten zugrundegerichtet worden. Korruption, B\u00fcrokratie und Milliardengewinne f\u00fcr die Pharmaindustrie sind an der Tagesordnung, w\u00e4hrend f\u00fcr das notwendige Personal kein Geld da ist.<br \/> Es stimmt, dass die Ausgaben in den vergangenen Jahren gestiegen sind \u2013 auf inzwischen 142 Milliarden Euro. Doch gemessen am Anteil an Sozialprodukt blieben sie relativ stabil.<br \/> Dabei wurde massiv Personal abgebaut und Leistungen gestrichen. Die Einnahmen der gesetzlichen Krankenkassen sind jedoch aufgrund von Massenarbeitslosigkeit und Reallohnverlusten gesunken. Die K\u00fcrzungen bei Arbeitslosenhilfeempf\u00e4ngerInnen werden weitere Einnahmeverluste von 900 Millionen Euro bedeuten. Anstatt dieses Problem zu l\u00f6sen, sollen massiv Ausgaben auf ArbeitnehmerInnen abgew\u00e4lzt werden, w\u00e4hrend Unternehmen weiter entlastet werden.<br \/> Auf 389 Seiten legte die Regierung ihre Vorschl\u00e4ge vor. Doch wann immer es um m\u00f6gliche Verbesserungen geht, bleibt das Papier unverst\u00e4ndlich und nebul\u00f6s. So hei\u00dft es zum Beispiel einfach nur: \u201eAuf allen Ebenen der gesetzlichen Krankenversicherung wird es mehr Transparenz und Information geben.&#8220; oder \u201ePatienten werden von Betroffenen zu Beteiligten.\u201c<br \/> Daf\u00fcr sind die K\u00fcrzungspl\u00e4ne umso konkreter:<\/p>\n<ul>\n<li>Die Zuzahlung f\u00fcr Arznei- und Verbandmittel wird erh\u00f6ht. K\u00fcnftig betr\u00e4gt sie je nach Packungsgr\u00f6\u00dfe vier, sechs oder acht Euro. H\u00e4rtefalle zahlen k\u00fcnftig ebenfalls. Gleichzeitig sahnt die Pharmaindustrie weiter ab.<\/li>\n<li>K\u00fcnftig haben Versicherte, die ohne \u00dcberweisung ihres Hausarztes einen Facharzt aufsuchen, f\u00fcr jeden ersten Besuch eine Geb\u00fchr von 15 Euro zu entrichten. Einige wenige Ausnahmen soll es noch geben.<\/li>\n<li>Die Zuzahlung im Krankenhaus wird von 9 auf 12 Euro je Krankenhaustag angehoben.<\/li>\n<li>Das Sterbegeld wird gestrichen.<\/li>\n<li>Sogenannte versicherungsfremde Leistungen werden k\u00fcnftig aus Steuermitteln mitfinanziert. Hierzu z\u00e4hlen das Mutterschaftsgeld, Entbindungsgeld und sonstige Leistungen bei Schwangerschaft und Mutterschaft, Empf\u00e4ngnisverh\u00fctung, Schwangerschaftsabbruch, Haushaltshilfe sowie Krankengeld bei Erkrankung eines Kindes.<\/li>\n<li>Das hei\u00dft aber nichts anderes, als dass die ArbeitnehmerInnen allein daf\u00fcr aufkommen m\u00fcssen, denn ein Unternehmen wie DaimlerChrysler zahlt, trotz Milliardengewinnen, keine Steuern.<\/li>\n<li>Das Krankengeld wird k\u00fcnftig allein durch die Versicherten finanziert. Die Arbeitgeber werden also entlastet. F\u00fcr ArbeitnehmerInnen werden Mehrkosten in H\u00f6he von rund 16 Euro pro Monat erwartet.<\/li>\n<li>Nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel werden aus der Leistungspflicht der Krankenkassen herausgenommen.<\/li>\n<li>K\u00fcnftig werden alle Versorgungsbez\u00fcge und Alterseinkommen aus selbst\u00e4ndiger T\u00e4tigkeit von in der gesetzlichen Krankenversicherung versicherten RentnerInnen mit dem vollen Beitragssatz belegt.<\/li>\n<\/ul>\n<h4>Gro\u00dfe Koalition<\/h4>\n<p>Schr\u00f6der und Merkel haben jetzt vereinbart, die Gesundheits-\u201eReform\u201c in einer Gro\u00dfen Koalition nach der Sommerpause auf den Weg zu bringen. Das wird an der Sch\u00e4rfe der Angriffe nichts \u00e4ndern. Der Ausstieg aus der parit\u00e4tischen Finanzierung wird weiter vorangetrieben, darin sind sich die Parteien einig. Umstritten ist nur, wo daf\u00fcr am besten anzusetzen w\u00e4re. Dies wird aber massive Auswirkungen auf die PatientInnen und Besch\u00e4ftigten im Gesundheitswesen haben.<br \/> Doch die ver.di-Spitze um Bsirske und Co teilt die Einsch\u00e4tzung der Bundesregierung, dass mehr Markt im Gesundheitswesen n\u00f6tig ist (siehe dazu: gegen Marktwirtschaft im Gesundheitswesen, Solidarit\u00e4t Nr. 15, www.archiv.sozialismus.info) und weigern sich konkrete Abwehrma\u00dfnahmen zu organisieren. Kapitalistischer Wettbewerb und Steuerung \u00fcber finanzielle Mechanismen gehen aber immer zu Lasten der Besch\u00e4ftigten, der PatientInnen und der Versicherten. Bsirske und Co wollen diesem Verbrechen eine sch\u00f6nere H\u00fclle verleihen.<br \/> Von daher ist es n\u00f6tig, dass sich AktivistInnen zusammenschlie\u00dfen, um Proteste zu organisieren. SAV-Mitglieder setzen sich f\u00fcr eine bundesweite Konferenz von AktivistInnen und Vertrauensleuten ein, auf der die Widerstandsma\u00dfnahmen gegen den Kahlschlag im Gesundheitswesen als Teil der allgemeinen Gegenwehr gegen die Offensive der Unternehmer und ihrer Vertreter in der Regierung diskutiert werden k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In einer Gro\u00dfen Koalition soll nach der Sommerpause die Abschaffung der parit\u00e4tischen Finanzierung des Gesundheitswesens beschlossen werden<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[111],"tags":[151],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10543"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10543"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10543\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10543"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10543"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10543"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}