{"id":10541,"date":"2003-06-30T11:13:30","date_gmt":"2003-06-30T11:13:30","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=10541"},"modified":"2012-06-15T19:22:21","modified_gmt":"2012-06-15T17:22:21","slug":"10541","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2003\/06\/10541\/","title":{"rendered":"Gegenwehr ist m&ouml;glich, k&auml;mpferische Gewerkschaften sind n&ouml;tig"},"content":{"rendered":"<p>Zw\u00f6lf Jahre nach der Wiedervereinigung bleiben die MetallerInnen im Osten Besch\u00e4ftigte zweiter Klasse.<\/p>\n<p>von Aron Amm<br \/> \u00a0<br \/> Der eigenm\u00e4chtige Abbruch des Streiks durch den IG-Metall-Vorsitzenden Klaus Zwickel kommt einer kampflosen Kapitulation gleich. Mit diesem Sabotageakt fiel die Gewerkschaftsspitze der eigenen streikenden Basis in den R\u00fccken. Diese Niederlage ermutigt die Unternehmer zu noch dreisteren Angriffen \u2013 in Ost und West. Eine radikale Kurswende in den Gewerkschaften ist n\u00f6tig.<br \/> Statt eines Vollstreiks im Osten und Solidarit\u00e4tsstreiks im Westen zu organisieren, bauten Zwickel und Co auf einen Verhandlungskompromiss. Angesichts der Krise ihres Systems sind die Unternehmer jedoch zu keinerlei Zugest\u00e4ndnissen mehr bereit, im Gegenteil.<br \/> Statt einer Arbeitszeitangleichung auf 35 Wochenstunden erdreistete sich das Kapital, einen Arbeitszeitkorridor zwischen 35 und 40 Stunden vorzuschlagen. Das h\u00e4tte sogar auf eine Arbeitszeitverl\u00e4ngerung hinauslaufen k\u00f6nnen!<br \/> Die Bonzen und Bosse sind in Fahrt \u2013 ermutigt durch die Gewerkschaftsf\u00fchrung \u2013 auf dem Weg ins 19. Jahrhundert. Sie haben Blut geleckt. Mit dem Einknicken des IG-Metall-Vorstandes mitten im Arbeitskampf konnten sie den Fl\u00e4chentarifvertrag in der Metallindustrie Ost beerdigen.<br \/> Aber nicht nur die Ost-Besch\u00e4ftigten werden die Unternehmeroffensive zu sp\u00fcren bekommen. \u201eNachdem der Fl\u00e4chentarifvertrag bei uns ausgehebelt ist, werden die Begehrlichkeiten des Kapitals diesbez\u00fcglich auch im Westen wachsen\u201c, so Werner Kempter, Mitglied der IG-Metall-Tarifkommission, vor der Sitzung am 29. Juni.<br \/> Die Pleite der IG-Metall-F\u00fchrung wird Schr\u00f6der und seine Konzernfreunde ermutigen, die Agenda 2010 durchzupeitschen \u2013 wenn nicht die Konsequenzen aus dem Streikbetrug gezogen werden und in den Gewerkschaften das Ruder herumgerissen wird.<\/p>\n<p>Kampf statt Co-Management<\/p>\n<p>\u201eSo aggressiv, wie einige Unternehmer mit ihren Belegschaften umgegangen sind, das habe ich noch nicht erlebt\u201c, meinte ebenfalls Kempter.<br \/> W\u00e4hrend die Kapitalisten ihre Profitkrise auf die arbeitende Bev\u00f6lkerung abw\u00e4lzen wollen und auf allen Ebenen zur Generaloffensive blasen, will die Gewerkschaftsspitze weiterhin den Klassenkampf von oben mit einem Schmusekurs ihrerseits beantworten \u2013 das ist ein Kapitulationskurs.<br \/> Auch wenn das Kapital die Gewerkschaftsspitze l\u00e4ngst vom Runden Tisch weggekickt hat, kommen diese immer wieder untert\u00e4nigst angekrabbelt und versucht sich aufs Neue an den Rockzipfeln der Arbeitgeber festzuklammern. Ein Klaus Franz, Gesamtbetriebsratsvorsitzender bei Opel, schlug sich, w\u00e4hrend der Metallerstreik in vollem Gang war, \u00f6ffentlich auf die andere Seite: \u201eIch bin daf\u00fcr, dass alle Streiks ab sofort beendet werden\u201c, polterte Franz in der Welt. Zwickel machte ein Angebot zum Ausverkauf des Streiks nach dem anderen, bis er den Streik selbst f\u00fcr beendet erkl\u00e4rte. Und das, obwohl \u201edie Kampfbereitschaft doch da war\u201c, so Detlev Nagel, Mitglied der IG-Metall-Tarifkommission.<br \/> Die Rechte der Streikenden und gew\u00e4hlter GewerkschaftsvertreterInnen werden mit F\u00fc\u00dfen getreten. Noch bevor die Tarifkommission tagte, erteilte Zwickel einer Fortsetzung des Metaller-Streiks eine Abfuhr. In einem sogar f\u00fcr die Gewerkschaftsb\u00fcrokratie wohl einmaligen Vorgang wird auch noch die regul\u00e4re Urabstimmung nach dem Streikabbruch abgesagt. H\u00f6chste Zeit, innerhalb der Gewerkschaften gegen die undemokratischen Machenschaften vorzugehen.<br \/> Die Gewerkschaften m\u00fcssen endlich zu Kampforganisationen der arbeitenden Menschen werden, die sich konsequent und kompromisslos auf die Seite von ArbeiterInnen und Arbeitslosen schlagen. Gewerkschaftslinke Zu programmatischen geh\u00f6ren auch personelle Alternativen. K\u00e4mpferische Vertrauensleute und Betriebsr\u00e4te m\u00fcssen die Gewerkschaftsf\u00fchrung herausfordern. Alle AktivistInnen auf betrieblicher Ebene, alle Vertreter oppositioneller Strukturen innerhalb der Gewerkschaften m\u00fcssen gegen die Angriffe der Unternehmerbande und f\u00fcr Ver\u00e4nderungen in den Gewerkschaften selber aktiv werden.<br \/> Das Einstellen der Proteste gegen die Agenda 2010 hat die Unternehmer erst ermutigt, so offensiv gegen die streikenden MetallerInnen vorzugehen.<br \/> Das Einstellen der Streiks wiederum wird mit Sicherheit als weitere Einladung verstanden, die K\u00fcrzungspolitik weiter zu beschleunigen. Darum muss die Wut der MetallerInnen gegen Zwickel und Co in konkrete Oppositionsarbeit innerhalb der IG Metall und in den anderen DGB-Gewerkschaften umgewandelt werden.<br \/> Darum muss \u2013 anders als im Metallerstreik \u2013 die ganze Kampfkraft genutzt werden, um wirksamen Widerstand gegen die Agenda 2010 und gegen alle weiteren geplanten Sozialk\u00fcrzungen organisiert werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zw&ouml;lf Jahre nach der Wiedervereinigung bleiben die MetallerInnen im Osten Besch&auml;ftigte zweiter Klasse.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[17],"tags":[151],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10541"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10541"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10541\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10541"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10541"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10541"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}