{"id":10535,"date":"2003-06-29T15:27:46","date_gmt":"2003-06-29T15:27:46","guid":{"rendered":".\/?p=10535"},"modified":"2003-06-29T15:27:46","modified_gmt":"2003-06-29T15:27:46","slug":"10535","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2003\/06\/10535\/","title":{"rendered":"Streik ausweiten statt klein beigeben"},"content":{"rendered":"<p>Flugblatt der SAV zum Metallstreik in Ostdeutschland vom 25. Juni 2003<!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Die Berliner BZ hetzte: <i>&#x84;Metaller au&szlig;er Rand und Band.&#x93;<\/i> Arbeitgeber-Vertreter Kannegie&szlig;er t&ouml;nte, dass der Streik <i>&#x84;absurd&#x93;<\/i> sei. Beim Dresdener Autozulieferer Federal Mogul lie&szlig;en die Unternehmer Streikbrecher per Hubschrauber einfliegen. Gleichzeitig ergriffen die Gerichte Partei gegen die Gewerkschaften, in dem sie dem IG Metall-Vorsitzenden Zwickel drei Monate Haft androhten.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Das Arbeitgeberlager will ein Exempel statuieren. Es geht nicht mehr nur um die Einf&uuml;hrung der 35-Stunden-Woche, es geht auch um die Verteidigung des Streikrechts, um das Prinzip gleicher Lohn f&uuml;r gleiche Arbeit und es geht darum, die Unternehmeroffensive und den Sozialkahlschlag von Schr&ouml;der und der ganzen Politikerbande zu stoppen.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\"><b>Keine faulen Kompromisse<\/b><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Der Streik steht auf der Kippe. Um eine Niederlage abzuwenden, m&uuml;ssen sofort ein paar Schippen draufgelegt werden. N&ouml;tig ist eine Ausdehnung des Streiks, um den Druck auf die Unternehmer zu erh&ouml;hen. Die Politik von Klaus Zwickel und der IG Metall-F&uuml;hrung geht leider in die v&ouml;llig falsche Richtung. Wenn wir den Herren in den Chefetagen den kleinen Finger geben, dann nehmen sie die ganze Hand. Darum ist es ein Fehler, dass Zwickel einen Betrieb wie ZF Brandenburg gerade dann aus dem Streik rausnimmt, wenn die Arbeitsniederlegung einen Konzern wie BMW &ouml;konomisch trifft. Es ist auch ein Fehler, dass die IGM-Spitze &uuml;ber den Abschluss von Haustarifvertr&auml;gen die Streikfront br&ouml;ckeln l&auml;sst. Und es ist daneben, dass Zwickel mitten im Arbeitskampf das Streikziel in Frage stellt, wenn er vorschl&auml;gt, die drei Stunden auch f&uuml;r Qualifizierungsma&szlig;nahmen zu verwenden.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\"><b>Ein Erfolg im Metaller-Streik w&auml;re ein Erfolg f&uuml;r alle KollegInnen in Ost und West<\/b><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Mit der Angleichung der Ost-Arbeitszeit an das Westniveau sehen die Unternehmer, ihre Politiker und die Medien den Untergang des Abendlandes kommen. Diese Hetzkampagne richtet sich nicht nur gegen die streikenden Metaller im Osten. Die Herren in den Chefetagen haben Blut geleckt. Sie glauben, das Rad der Geschichte zur&uuml;ckdrehen zu k&ouml;nnen. Alle Errungeschaften der Arbeiterbewegung stehen auf dem Spiel.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Gemeinsam mit der rot-gr&uuml;nen Bundesregierung (und den Unions-Politikern) wird zu einer Generaloffensive gegen Arbeitnehmerrechte geblasen: Schaffung eines Niedriglohnsektors, Ausbau der Zwei-Klassen-Medizin, Aufweichung des K&uuml;ndigungsschutzes, F&ouml;rderung von Altersarmut&#8230;<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">CDU-Chefin Merkel und SPD-Wirtschaftsminister Clement haben mitten im Arbeitskampf l&auml;ngere Arbeitszeiten im Westen gefordert. Darum geht der Streik der Ost-Metaller alle Kolleginnen und Kollegen in Ost und West an. Wenn der Streik verloren geht, dann werden die Kannegie&szlig;ers, Merkels und Clements ihre Rotstiftpolitik auch im Westen noch brutaler fortsetzen.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\"><b>Kampfkraft voll nutzen<\/b><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Medienhetze, Politikerschelte und Gerichtsbeschl&uuml;sse gegen Streikende &#x96; das stellt eine Kampfansage an alle KollegInnen in Ost und West dar. Statt fauler Kompromisse muss der Streik ausgedehnt werden. Die Westmetaller m&uuml;ssen einbezogen werden, um Solidarit&auml;t zu leisten &#x96; aber vor allem, um das Streikrecht und die Arbeitnehmerinteressen in Ost und West mit zu verteidigen.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Entscheidend ist, dass Streiks im Westen &uuml;ber Betriebsversammlungen und die Bildung von Streikkomitees gut vorbereitet werden. Ein erster Schritt k&ouml;nnten mehrst&uuml;ndige Versammlungen der Belegschaften wie in Salzgitter sein.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\"><b>Mehr &Ouml;ffentlichkeitsarbeit n&ouml;tig<\/b><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Streikma&szlig;nahmen im Westen sollten einhergehen mit Veranstaltungen, auf die Ost-KollegInnen eingeladen werden. Au&szlig;erdem sollte die IG Metall nicht nur vereinzelt, sondern in allen St&auml;dten regelm&auml;&szlig;ig Busfahrten zur Unterst&uuml;tzung der Streikenden im Osten organisieren. Dar&uuml;ber hinaus sollten die Gewerkschaften bundesweit fl&auml;chendeckend Flugblattverteilungen, Informationsst&auml;nde und Veranstaltungen durchf&uuml;hren.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\"><b>F&uuml;r einen Vollstreik in der ostdeutschen Metallindustrie<\/b><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Die ganze Kampfkraft muss in die Waagschale geworfen werden. Dass inzwischen gro&szlig;e Westbetriebe von BMW und VW die Produktion drosseln, zeigt: Ohne die Besch&auml;ftigten l&auml;uft nichts. Nach wie vor gilt: Alle R&auml;der stehen still, wenn der starke Arm es will. Die Gewerkschaften sind noch immer die potenziell st&auml;rkste Kraft in der Gesellschaft. Aber IG Metall-F&uuml;hrung nutzt diese Kraft bislang nicht.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Streiks im Westen und ein Vollstreik aller ostdeutschen KollegInnen sind die besten Waffen, die Unternehmer in die Knie zu zwingen. Darum sollten auch in den &uuml;brigen Ost-Bundesl&auml;ndern Streik-Urabstimmungen durchgef&uuml;hrt werden. Wenn zum Beispiel ein Betrieb wie Opel Eisenach am Streik beteiligt w&uuml;rde, dann lie&szlig;e sich der &ouml;konomische Druck enorm erh&ouml;hen.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\"><b>F&uuml;r einen eint&auml;gigen Generalstreik gegen Sozialkahlschlag<\/b><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Die Gewerkschaften haben die Macht, zu demonstrieren, dass der gesamte gesellschaftliche Reichtum auf der Arbeit der lohnabh&auml;ngig Besch&auml;ftigten beruht. Bei den bisherigen vereinzelten Protesten gegen Unternehmerwillk&uuml;r und gegen die Regierungspl&auml;ne wurde diese Kraft nicht gezeigt. Um Schr&ouml;der und seine Unternehmerfreunde zu stoppen, helfen verzettelte Aktionen nicht weiter. Ein eint&auml;giger Generalstreik gegen den Generalangriff auf die arbeitende Bev&ouml;lkerung dagegen w&auml;re die beste Kampfma&szlig;nahme, um die Gewerkschaften aus der Defensive f&uuml;hren. Auf dieser Basis k&ouml;nnten auch Lohnerh&ouml;hungen und ein &ouml;ffentliches Investitionsprogramm in Bereichen wie Gesundheit, Bildung, Soziales und Umwelt erk&auml;mpft werden. Zur Beseitigung der Massenarbeitslosigkeit w&auml;ren auch weitere Arbeitszeitverk&uuml;rzungen n&ouml;tig &#x96; bei vollem Lohn- und Personalausgleich. Das lie&szlig;e sich auch finanzieren &#x96; durch eine Umverteilungspolitik von oben nach unten. Wenn die Kapitalisten jammern, dass sie sich das nicht leisten k&ouml;nnen, m&uuml;ssen wir ihnen antworten: Wir k&ouml;nnen uns kein Wirtschaftssystem mehr leisten, in dem die Besch&auml;ftigten an Arbeitshetze kaputtgehen, w&auml;hrend Millionen keine Hoffnung auf einen Arbeitsplatz haben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Flugblatt der SAV zum Metallstreik in Ostdeutschland vom 25. 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