{"id":10506,"date":"2003-05-27T00:00:00","date_gmt":"2003-05-27T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=10506"},"modified":"2003-05-27T00:00:00","modified_gmt":"2003-05-27T00:00:00","slug":"10506","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2003\/05\/10506\/","title":{"rendered":"Posse um Pr&auml;sidentschaftswahl in Argentinien"},"content":{"rendered":"<p>Wirtschaftskrise und soziale Proteste schlagen sich nur zum Teil in den Wahlen nieder, die neoliberalen Kr&auml;fte wurden geschw&auml;cht<\/p>\n<p>  von Pablo Alderete<!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\nAls &#x84;Wahl ohne Glauben und Vertrauen&#x93; bezeichnete Clarin online (20. April 03) den ersten Wahlgang zu den Pr&auml;sidentschaftswahlen in Argentinien. Das Ergebnis schickte zwei Peronistische Kandidaten in die Stichwahl, den Ex-Pr&auml;sidenten Carlos Menem und Nestor Kirchner. Beides pro-kapitalistische Politiker. Menem verzichtete auf die sichere Niederlage &#x96; Kirchner wird als neuer Pr&auml;sident die Regierung bilden.<br \/>  Die Peronistische Partei (PJ) war unf&auml;hig sich im Vorfeld auf einen Kandidaten zu einigen, die UCR (Union Civica Radical), bisher die zweite traditionelle b&uuml;rgerliche Partei, verschwand in der Bedeutungslosigkeit. Obwohl der Erfolg der Arbeiterpartei (PT) im nahen Brasilien f&uuml;r Gespr&auml;chsstoff sorgt, ist noch keine Alternative in Sicht.<br \/>  Menem ist der Inbegriff des korrupten Politikers. Nach Jahren der sozialen Not und des wirtschaftlichen Chaos warb er mit den &#x84;guten&#x93; Zeiten vor der Abwertung des Pesos. Er k&uuml;ndigte an, die &#x84;Stra&szlig;en mit Milit&auml;rpolizei zu &uuml;berschwemmen&#x93;, um die sozialen Proteste zu stoppen und engere Verbindungen zur Bush-Regierung aufzunehmen. Mit ihm w&auml;ren die USA in einer besseren Position bei den Verhandlungen zu einer gesamtamerikanischen Freihandelszone gewesen (ALCA \/ FTAA). Menem gewann zwar den ersten Wahlgang, rief aber auch am meisten Abneigung hervor. Viele ArbeiterInnen und Jugendliche h&auml;tten seinen Wahlsieg als R&uuml;ckfall in dunkelste Zeiten und als Bedrohung empfunden, deshalb zu einer taktischen Stimme f&uuml;r Kirchner tendiert und die Stichwahl zu einer Abstimmung &uuml;ber das neoliberale Wirtschaftsmodell gemacht. Diese offene Ablehnung wollten sich Menem &#038; Co ersparen.<br \/>  36 Stunden lie&szlig; er die &Ouml;ffentlichkeit zappeln, um dann unter Beschimpfungen und zweideutigen Bemerkungen seinen R&uuml;cktritt zu erkl&auml;ren. Machtanspruch und Arroganz zeigten sich hier ungeschminkt. Sein Verhalten ist auch ein deutliches Zeichen daf&uuml;r, das die herrschenden Eliten in Zukunft auch bereit sind, ohne die Maske der b&uuml;rgerlichen Demokratie zu herrschen.<\/p>\n<p>  Populismus und st&auml;rkere Rolle des Staates?<\/p>\n<p>  Kirchner ist einer der vielen, die die Sparpakete zu Lasten der Arbeiterschaft mittrugen, jetzt aber dem Stimmungsumschwung in Lateinamerika nachgeben &#x96; dem schlechten Image von ausl&auml;ndischen Konzernen, Finanzkapital, neoliberalem Wirtschaftsmodell und Privatisierungen. <br \/>  Kirchner umgibt sich mit der &#x84;fortschrittlichen&#x93; Ausstrahlung der Arbeiterpartei in Brasilien (Lula unterst&uuml;tzt ihn &ouml;ffentlich) und &auml;u&szlig;erte sich beeindruckt von der Sozialpolitik der Regierung Allendes im Chile der 70er Jahre. <br \/>  Populististische Regierungen wie Peron in Argentinien oder C&aacute;rdenas in Mexiko (enteignete 1938 eine US-Erd&ouml;lfirma) f&uuml;hrten in der Vergangenheit auch konkrete Schl&auml;ge gegen die Interessen der besitzenden Klasse durch. Kirchner spielt lediglich mit diesen Ideen, seine sozialen Bindungen zu den &#x84;popul&auml;ren&#x93; Volksschichten sind ungleich schw&auml;cher.<\/p>\n<p>  Politische Vertretung aufbauen<\/p>\n<p>  ArbeiterInnen und Jugendliche haben von Kirchner nichts zu erwarten. Leider war das Wahlergebnis unbefriedigend. Die drei Peronisten kamen zusammen auf 60 Prozent, die &#x84;trotzkistische&#x93; Linke konnte keine sp&uuml;rbaren Zuw&auml;chse verzeichnen, die MST in der Izquierda Unida erhielt 1,7 Prozent (337.000 Stimmen), die PO (Partido Obrero) 0,7 Prozent (143.000 Stimmen). Und auch der Wahlboykott reduzierte sich von 41 Prozent (2001) auf ein Minimum von  2,5 Prozent. <br \/>  Eine gr&ouml;&szlig;ere sozialistische Arbeiterpartei h&auml;tte den Wahlkampf nicht den kapitalistischen Politikern &uuml;berlassen, sondern die Arbeitsk&auml;mpfe (Fluglinie LAPA, R&auml;umung der besetzten Textilfabrik Brukman, Keramikfabrik Zanon) und die Armut (57 Prozent leben unterhalb der Armutsgrenze) aufgegriffen, um eine sozialistische Alternative zur kapitalistischen Krise aufzuzeigen. Der popul&auml;re Parlamentsabgeordnete Luis Zamora (fr&uuml;her bei der &#x84;trotzkistischen&#x93; MAS, heute antikapitalistisch) verzichtete auf eine Kandidatur und damit auf die M&ouml;glichkeit einen Gegenpol zu stellen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wirtschaftskrise und soziale Proteste schlagen sich nur zum Teil in den Wahlen nieder, die neoliberalen Kr&auml;fte wurden geschw&auml;cht<\/p>\n<p> von Pablo Alderete<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[41],"tags":[150],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10506"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10506"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10506\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10506"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10506"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10506"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}