{"id":10499,"date":"2003-05-22T15:43:33","date_gmt":"2003-05-22T15:43:33","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=10499"},"modified":"2012-06-08T12:48:51","modified_gmt":"2012-06-08T10:48:51","slug":"10499","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2003\/05\/10499\/","title":{"rendered":"Kampf im Osten um die 35-Stunden-Woche"},"content":{"rendered":"<p><strong>Seit dem 5. Mai gibt es Warnstreiks in der ostdeutschen Metall- und Stahlindustrie<\/p>\n<p> von Torsten Sting, Rostock<\/strong><\/p>\n<p>Allen Unkenrufen zum Trotz haben sich die MetallerInnen als mobilisierungsf\u00e4hig erwiesen. Nachdem sich in der ersten Woche noch 13.500 KollegInnen an den Warnstreiks beteiligten, waren es in der zweiten Woche bereits etwa 20.000. Vor dem Hintergrund, dass der Wirtschaftszweig 300.000 Besch\u00e4ftigte umfasst und die IG-Metall-F\u00fchrung wieder die Nadelstichtaktik anwendet, kann dies als Erfolg gewertet werden.<br \/> Schwerpunkt der Warnstreiks war Sachsen mit den hochmodernen Automobilfabriken von Opel und VW samt Zulieferindustrie. In diesen Betrieben ist die Gewerkschaft gut organisiert, aufgrund der wirtschaftlichen Verflechtungen kann hier der gr\u00f6\u00dfte Druck auf die Arbeitgeber entfaltet werden. Die Kampfbereitschaft ist vorhanden und daf\u00fcr gibt es gleich mehre Gr\u00fcnde.<\/p>\n<p>Zum einen will ein Gro\u00dfteil der KollegInnen sich das holen, was im Westen l\u00e4ngst selbstverst\u00e4ndlich ist. Gerade bei den Gro\u00dfbetrieben, die produktiver sind als die Stammwerke in Wolfsburg oder R\u00fcsselsheim, ist die Geduld am Ende.<\/p>\n<p>Hinzu kommt, dass sich bei diesem Anlass der ganze Frust der 90er Jahre mit all den Niederlagen ein wenig Bahn bricht. Nicht zu untersch\u00e4tzen ist auch die Wut auf Schr\u00f6ders Agenda 2010 und all den Sozialabbau \u2013 der gerade den Osten treffen wird.<\/p>\n<p>Doch die Fronten sind hart: Arbeitszeitverk\u00fcrzung passt den Unternehmern und der Schr\u00f6der-Regierung gerade \u00fcberhaupt nicht in den Kram. Der Kampf der MetallerInnen in Ostdeutschland ist ihrem neoliberalen Credo genau entgegengesetzt. Angesichts von Rezession und versch\u00e4rfter internationaler Konkurrenz sind sie zu einem h\u00e4rteren Kurs gezwungen und bereit.<\/p>\n<h4>Strategie<\/h4>\n<p>Ein erfolgreicher Kampf der ostdeutschen MetallerInnen w\u00e4re in vielfacher Hinsicht von gro\u00dfer Bedeutung. Es w\u00e4re ein wichtiger D\u00e4mpfer f\u00fcr Schr\u00f6der und seine Unternehmerfreunde. Er w\u00e4re ein wichtiger Ansto\u00df f\u00fcr die Arbeiterbewegung, wieder aus der Defensive zu kommen. Er w\u00fcrde die Debatte zur Arbeitszeitverk\u00fcrzung wieder neu beleben. Zudem w\u00fcrde er das ramponierte Selbstbewusstsein der ostdeutschen ArbeiterInnen erh\u00f6hen und mehr Leute ermutigen f\u00fcr ihre Rechte zu k\u00e4mpfen. Um dies zu erreichen ist aber eine andere Strategie n\u00f6tig als jene der IG-Metall-F\u00fchrung. Diese untergr\u00e4bt den Kampf dadurch, dass sie bereits im Vorfeld einen \u201ePlan der drei Geschwindigkeiten\u201c vorschl\u00e4gt. Abh\u00e4ngig von der wirtschaftlichen Situation der Betriebe soll die Arbeitszeitverk\u00fcrzung umgesetzt werden. Durch diese Spaltung der Belegschaften und die \u00fcbliche Verzettelung der Streiks werden die KollegInnen demobilisiert und die Niederlage vorbereitet.<\/p>\n<p>Stattdessen w\u00e4re eine offensive Kampagne n\u00f6tig mit schnellstm\u00f6glicher Urabstimmung und Vollstreik. N\u00f6tig w\u00e4ren zudem Solidarit\u00e4tsstreiks der KollegInnen im Westen, um so den Druck noch zu verst\u00e4rken. Weil von der Gewerkschaftsb\u00fcrokratie kein freiwilliges Umdenken zu erwarten ist, muss der Druck von unten kommen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit dem 5. 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