{"id":10438,"date":"2003-03-31T00:00:00","date_gmt":"2003-03-31T00:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=10438"},"modified":"2012-08-21T13:36:01","modified_gmt":"2012-08-21T11:36:01","slug":"10438","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2003\/03\/10438\/","title":{"rendered":"\u201eWenn der Krieg losgeht h&auml;lt unsere Welt an\u201c"},"content":{"rendered":"<p>In Italien herrscht Aufruhr gegen den Krieg und gegen Berlusconi<\/p>\n<p>von Conny Dahmen, Aachen<br \/> \u00a0<br \/> Millionen von Besch\u00e4ftigten, StudentInnen und Sch\u00fclerInnen beteiligten sich in Italien an insgesamt 85 verschiedene Gro\u00dfdemonstrationen und zahlreichen kleineren Aktionen am Tag X \u2013 wie eine Fernsehsprecherin sagte: \u201eKeine Stadt, kein Dorf, keine Schule ohne Demonstration.\u201c<br \/> In Mailand nahmen 150.000 an der gr\u00f6\u00dften Demonstration teil, in den zehn wichtigsten St\u00e4dten kamen \u00fcber eine halbe Million Menschen zusammen. Viele gingen direkt nach dem ersten Bombenangriff auf die Stra\u00dfe, in Florenz beispielsweise hatten schon um vier Uhr morgens 200 StudentInnen vor der amerikanischen Botschaft demonstriert, auch in Rom, Venedig und anderen St\u00e4dten sammelten sich tausende Jugendliche fr\u00fchmor-gens vor den amerikanischen und britischen Konsulaten. Demonstrationen, Blockaden, Streiks Der zweist\u00fcndige Generalstreik, der von den drei gr\u00f6\u00dften Gewerkschaften UIL, CISL und CGIL schon einige Tage zuvor angek\u00fcndigt worden war, wurde massenhaft befolgt. Zwischen 15 und 17 Uhr standen in den meisten Betrieben alle R\u00e4der still. <br \/> Viele Streiks dauerten jedoch bis zu vier Stunden, vor allem im Norden legten viele ArbeiterInnen spontan die Arbeit nieder. In Turin zum Beispiel f\u00fchrten die Besch\u00e4ftigten von FIAT, die schon seit Monaten hart gegen Betriebschlie\u00dfungen und um ihre Arbeitspl\u00e4tze k\u00e4mpfen, schon morgens einen zweist\u00fcndigen Streik durch, an dem sich s\u00e4mtliche Metall- und Chemiebetriebe der Stadt beteiligten. In Neapel organisierten die FIAT-ArbeiterInnen und andere Besch\u00e4ftigte spontane Versammlungen gegen den Krieg und blockierten den Verkehr vor den Fabriktoren. Viele dieser Proteste bekamen schnell Unterst\u00fctzung durch die Studentendemonstrationen, die schon fr\u00fch die wichtigsten Pl\u00e4tze der St\u00e4dte eingenommen hatten.<br \/> Alle \u00f6ffentlichen Verkehrsmittel wurden erstmal lahmgelegt, die BahnarbeiterInnen hielten f\u00fcr eine Viertelstunde die Z\u00fcge an, in den Bahnh\u00f6fen der gro\u00dfen St\u00e4dte besetzten Anti-Kriegs-AktivistInnen die Gleise. Im wichtigsten Flughafen Roms wurde gestreikt, in den H\u00e4fen wurde die Abfahrt der Schiffe f\u00fcr zwei Stunden verz\u00f6gert. Der gr\u00f6\u00dfte Mittelmeerhafen in Genua und der in Savona waren f\u00fcr 24 Stunden dicht.<\/p>\n<p>Druck von unten<\/p>\n<p>Schon \u00fcber die ganzen letzten Wochen hatten die italienischen ArbeiterInnen und Jugendlichen mit beeindruckenden Streiks und Blockaden gegen den Krieg europaweit Zeichen gesetzt. Besonders nach der Massendemonstration mit \u00fcber drei Millionen TeilnehmerInnen in Rom am 15. Februar waren die Gewerkschaftsf\u00fchrungen massiv unter Druck der Basis gekommen, Streikaktionen gegen den Krieg zu organisieren. Im Zuge des f\u00fcnfzehnmin\u00fctigen Generalstreiks am 14. M\u00e4rz hatten besonders die AktivistInnen der Basisgewerkschaften Cobas und RDB und der Metallarbeitergewerkschaft FIOM Druck f\u00fcr europaweite Aktionen am Tag nach den ersten Bombardements gemacht.<\/p>\n<p>Widerstand gegen Waffentransporte<\/p>\n<p>W\u00e4hrend 70 Prozent der ItalienerInnen gegen den Krieg sind, auch wenn er mit UN-Mandat gef\u00fchrt worden w\u00e4re, steht die Berlusconi-Regierung auf Seiten Bushs und hat ihm logistische Unterst\u00fctzung f\u00fcr den Krieg zugesichert. Die Eisenbahngewerkschaften, die schon vorher f\u00fcr h\u00f6here L\u00f6hne und gegen Stellenabbau gek\u00e4mpft hatten, forderten dagegen, dass weder italienisches Personal noch sonstige Ressourcen f\u00fcr Waffentransporte genutzt werden d\u00fcrfen, \u201edie f\u00fcr Zerst\u00f6rung und Tod verwendet werden\u201c. Mit ihrer Hilfe war im Februar einer der gr\u00f6\u00dften R\u00fcstungstransporte durch Blockaden gestoppt worden, die Disobbedienti (Ungehorsamen, bekannt als ehemalige Tutti Bianci) und andere Gruppen konnten immer wieder die \u201eZ\u00fcge des Todes\u201c aufhalten. Auch die HafenarbeiterInnen hatten schon mehrmals gegen den Transport von US- R\u00fcstungsg\u00fctern per Schiff zum Golf protestiert. Die CGIL stellte klar: \u201eKeinE ArbeiterIn wird Waffen auf Schiffe verladen.\u201c<\/p>\n<p>Schluss mit dem Krieg, weg mit Berlusconi!<\/p>\n<p>Mit vielen Sch\u00fcler- und Studentenstreiks und Besetzungen standen die Jugendlichen an vorderster Front. Aber durch die Teilnahme der italienischen Arbeiterbewegung, die seit den letzten Wahlen in st\u00e4ndigem Kampf mit der Regierung steht, hat der Widerstand gegen den Krieg im Irak sehr viel mehr Kraft bekommen. Der Sekret\u00e4r der CGIL, Guglielmo Epifani, k\u00fcndigte Mobilisierungen der ArbeiterInnen f\u00fcr die ganze Dauer des Krieges an; zum Beispiel werden am 24. M\u00e4rz die Schulen bestreikt, die Basisgewerkschaften organisieren einen achtst\u00fcndigen Streik f\u00fcr den 2. April. Aber diese Bewegung richtet sich nicht nur gegen Bushs Angriff auf den Irak, sondern auch gegen Berlusconis Angriffe auf die italienischen Massen. Bereits am 21. Februar verband ein von der CGIL ausgerufener vierst\u00fcndiger Generalstreik in der Industrie und den kleinen Werkst\u00e4tten die Forderungen gegen den US-Angriff auf den Irak mit sozialen und \u00f6konomischen Forderungen der italienischen Arbeiterklasse.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Italien herrscht Aufruhr gegen den Krieg und gegen Berlusconi<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[61,63],"tags":[148],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10438"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10438"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10438\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10438"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10438"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10438"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}