{"id":10419,"date":"2003-03-22T14:37:07","date_gmt":"2003-03-22T13:37:07","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=10419"},"modified":"2012-06-05T15:45:47","modified_gmt":"2012-06-05T13:45:47","slug":"10419","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2003\/03\/10419\/","title":{"rendered":"Sch&uuml;lerInnenstreik in Rostock"},"content":{"rendered":"<p>Christine Lehnert, Rostock<!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\n&#8222;Gr&ouml;&szlig;te Demonstration seit der Wende&#8220; so titulierte die Rostocker Lokalzeitung ihren Bericht &uuml;ber den Sch&uuml;lerInnenstreik gegen den Krieg am Tag X. Es war ohne Zweifel die gr&ouml;&szlig;te Jugendstreikaktion gegen Krieg, die es jemals in Rostock gab. Und es war einfach eine super geile Sache!<br \/>  Viele AktivistInnen trafen sich schon in den fr&uuml;hen Morgenstunden und zogen eine halbe Stunde vor Schulbeginn vor die Schulen, um dort Transpis aufzuh&auml;ngen und allen eintreffenden Sch&uuml;lerInnen mitzuteilen, dass der Krieg begonnen hat. Es gab in den verschiedenen Stadtteilen Demoz&uuml;ge, die zu anderen Schulen gingen, um auch dort die Sch&uuml;lerInnen zum Streik abzuholen. Die Sch&uuml;ler waren scheinbar &uuml;berall und die Polizei &uuml;berfordert.<br \/>  An vielen Schulen waren LehrerInnen und DirektorInnen dem Streik sehr aufgeschlossen gegen&uuml;ber und gaben gr&uuml;nes Licht. In eine Klasse kam die Lehrerin rein und meinte &#8222;Weshalb seit ihr immer noch hier? Es ist Streik!&#8220; Die meisten Jugendlichen in Rostock brauchten aber diese Aufforderung nicht. Auch von Schulen, wo die Schulleitungen Strafen angek&uuml;ndigt hatten, streikten die Leute mit. An einer Schule mussten die jungen Sch&uuml;lerinnen aus dem Fenster klettern, um teilnehmen zu k&ouml;nnen und die Schulleitung rief die Polizei als die AktivistInnen von JgK eintrafen. Das hat uns aber nicht hindern k&ouml;nnen, die T&uuml;ren aufzurei&szlig;en und die Schulen zu &#8222;st&uuml;rmen&#8220;, mit den Megas ordentlich Krach zu machen und so die Leute rauszuholen. Auch Azubis nahmen teil, denen Lohnverlust angedroht wurde. Eine junge Frau meinte dazu nur: &#8222;Das ist mir egal. Ich muss heute hier sein.&#8220;<br \/>  Schon eine Stunde vor Beginn der Demo sammelten sich die Leute und es wurde eng auf dem Kundgebungsplatz. In den Massen heizte ein SAV-Mitglied den Leuten schon mal ein und veranstaltete so eine Kundgebung in der Kundgebung. Am anderen Ende des Platzes h&ouml;rten wir nur den Jubel und dies war ein kleiner Vorgeschmack auf das, was kam. Auf unserem Lautiwagen starteten wir gegen 10.30 Uhr die Musik und die Augen richteten sich auf uns. Wir sprachen die ersten S&auml;tze gegen den Krieg und nach jedem gab es riesigen Beifall und Sprechch&ouml;re &#8222;Stoppt den Krieg&#8220;. Es waren 10 000 Sch&uuml;lerInnen von  mehr als 40 Schulen, die deutlich machten, dass der Streik am Tag X erst der Anfang ist. Leute aus dem Umland nahmen Wege von mehr als 1-2 Stunden auf sich, um zum Streik zu kommen und die Telekom-Azubis haben es geschafft, dass sie an diesem Tag freigestellt wurden. Unz&auml;hlige selbstgemalte Transpis zeigten die Kreativit&auml;t und das politische Verst&auml;ndnis der Sch&uuml;lerInnen. Bevor ein Redner von Jugend gegen Krieg auf den Zusammenhang zwischen Krieg und sozialer Frage eingehen konnte, riefen die Leute schon &#8222;mehr Arbeitspl&auml;tze statt Kriegseins&auml;tze&#8220; und brachten es damit auf den Punkt.<br \/>   Bei der Vorbereitung des Streiks war f&uuml;r uns klar, dass es auch ein Statement gegen Nazis und Rassismus geben muss. Bei Jugend gegen Krieg sind sich alle einig, dass der Kampf gegen den Krieg nur durch internationale Solidarit&auml;t und nicht nur Nationalismus gewonnen werden kann. Die Nazis versuchen aber, sich in die Antikriegsbewegung einzuschleichen und auch am Rande unserer Demo standen vereinzelte Faschos. Als drei von ihnen ein Transpi gegen den Krieg mit der Unterzeile &#8222;Nationaler Widerstand&#8220; ausrollten, waren es AktivistInnen von JgK mit anderen, die es ihnen wieder zusammenrollten&#8230;.<br \/>  Die Rede von einem JgK-Mitglied unter dem Motto &#8222;Nie wieder Faschismus &#8211; nie wieder Krieg&#8220; traf genau den Nerv der Leute und als wir dann Phillie MC h&ouml;rten und es klang &#8222;also ballt eure F&auml;uste, wenn ihr mit mir dagegen seit&#8220; &#8211; da sangen alle mit und es war ein Meer von erhobenen F&auml;usten zu sehen.<br \/>    Die Reden auf dem Lauti gegen den Krieg und die Hintergr&uuml;nde, &uuml;ber die Situation im Irak und auch gegen die Heuchelei von Rot\/Gr&uuml;n wurden &uuml;berwiegend von Leuten gehalten, die erst seit der Gr&uuml;ndung von JgK politisch aktiv sind. Sie standen vor 10 000 Leuten und machten derma&szlig;en Stimmung, dass niemand denken w&uuml;rde, dieselben Leute trauten sich vor einem Monat noch nicht einmal eine Rede vor 50 Leuten zu. Aber nicht nur wir selber sind an diesem Tag &uuml;ber uns hinaus gewachsen. Als wir an einer Skaterbahn vorbeikamen, riefen wir zu denen r&uuml;ber: &#8222;wenn ihr Skater seit, und wenn ihr richtige Skater seit &#8211; dann seit ihr Skater gegen den Krieg &#8211; also kommt r&uuml;ber&#8220;. Und es war einfach nur eine &#8222;G&auml;nsehaut-Situation&#8220;, als wir sahen, wie sie ihre Boards nahmen und sich uns anschlossen. Jugend gegen Krieg hat an diesem Tag die Stadt elektrisiert und f&uuml;r die Mitglieder der SAV, die diesen Streik und dessen Vorbereitung zu gro&szlig;en Teilen getragen haben, war es ein &uuml;berw&auml;ltigender Beweis der St&auml;rke unserer Kraft und der unserer Ideen.<br \/>    Als wir &uuml;ber den Lautsprecher die Zahlen von den Beteiligungen aus anderen Orten mitteilen konnten, war die Stimmung auf dem H&ouml;hepunkt. Leider ist uns danach die Anlage auf dem Lautiwagen ausgefallen &#8211; was allerdings nicht wirklich jemanden zu st&ouml;ren schien. Die Spr&uuml;che klappten auch so, kurze Reden gingen &uuml;bers Meagphon und wenn uns auf dem Lautiwagen die Stimmb&auml;nder versagten, dann war die Masse unerbittlich und forderte &#8222;Zugabe, Zugabe&#8220;. Bei der Abschlu&szlig;kungebung forderten Mitglieder von &#8222;widerstand intenational&#8220; alle auf, sich auch zu Problemen &uuml;ber den Krieg hinaus zu engagieren.  Eine Vertreterin der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft &uuml;berbrachte uns die Unterst&uuml;tzung des GEW-Kreisvorstandes in M\/V und JgK nutzte die B&uuml;hne, um sich bei der Deutschen Friedensgesellschaft-Vereinigte KriegsdienstgegenerInnen f&uuml;r die &Uuml;bernahme der Kosten des Lautiwagen zu bedanken. Der Redner der SAV wies auf die Zusammenh&auml;nge zwischen Kriegen und Kapitalismus hin und bekam kr&auml;ftigen Applaus. Der Tag hat allen nicht nur die eigene St&auml;rke deutlich gemacht, sondern sie auch inspiriert, sich Gedanken zu einer Welt ohne Kriege zu machen.<br \/>    Es war die genialste Sache, die ich je erlebt habe und ich bin sicher wie nie, dass unser Kampf siegreich sein wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Christine Lehnert, Rostock<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[61,63],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10419"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10419"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10419\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10419"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10419"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10419"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}