{"id":10366,"date":"2003-02-24T09:03:38","date_gmt":"2003-02-24T08:03:38","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=10366"},"modified":"2018-11-08T11:14:22","modified_gmt":"2018-11-08T10:14:22","slug":"10366","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2003\/02\/10366\/","title":{"rendered":"Der Kampf gegen Imperialismus &#038; Krieg &#8211; ein Interview mit Rosa Luxemburg"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2010\/01\/luxemburg.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-26395\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2010\/01\/luxemburg-122x173.jpg\" alt=\"Rosa Luxemburg\" width=\"122\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2010\/01\/luxemburg-122x173.jpg 122w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2010\/01\/luxemburg-245x347.jpg 245w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2010\/01\/luxemburg-600x847.jpg 600w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2010\/01\/luxemburg.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 122px) 100vw, 122px\" \/><\/a>Rosa Luxemburg k\u00e4mpfte zusammen mit SozialistInnen in aller Welt vor und w\u00e4hrend des ersten Weltkriegs gegen Aufr\u00fcstung, Militarismus und Krieg. Ihr war jedoch klar, dass Kapitalismus Krieg bedeutet und der Kampf um Frieden ein Kampf um Sozialismus bedeutet. Angesichts der heutigen Zuspitzung der imperialistischen Konflikte und der Zunahme von Aufr\u00fcstung und Kriegen lohnt die Auseinandersetzung mit Rosa Luxemburg und ihrem Kampf mehr denn je.<\/p>\n<p>Das \u201eInterview\u201c wurde von Wolfram Klein zusammengestellt<!--more--><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: bold;\">Rosa, was ist Dein Eindruck von den Anti-KriegsDemonstrationen der letzten Wochen?<br \/>\n<br style=\"font-weight: bold;\" \/><\/span>Die gro\u00dfe Masse der aufgekl\u00e4rten (\u2026) Arbeiterschaft ist aus tiefster Seele gegen die kapitalistische Weltpolitik mit all ihrer Verlogenheit und all ihrem Schmutz profitgieriger Interessen und gemeinen V\u00f6lkerraubs aufgebracht. Man kann auch gar nicht wirksamer gegen die drohende Kriegsgefahr und f\u00fcr die Erhaltung des Friedens arbeiten, als indem man der b\u00fcrgerlichen \u00d6ffentlichkeit und den Leuten der imperialistischen Abenteurerpolitik diese Stimmung der werkt\u00e4tigen Volksmassen vordemonstriert. (Gesammelte Werke \u2013 GW 3, S. 12)<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: bold;\">Aber ist das alles nicht nur kraftlose moralische Entr\u00fcstung?<\/span><\/p>\n<p>Die moralische Entr\u00fcstung der Massen ist zwar an sich keine Waffe gegen die verbrecherische Wirtschaft des Kapitalismus, sie ist aber (\u2026) ein wichtiges Symptom, dass die herrschende Gesellschaft mit den Rechtsempfindungen und den Interessen der Volksmassen in Widerspruch geraten ist. (\u2026) Nicht blo\u00df die organisierte Vorhut des Proletariats, sondern die breitesten Schichten des arbeitenden Volkes m\u00fcssen zu einem Proteststurm gegen den neuen Vorsto\u00df der kapitalistischen Weltpolitik aufgepeitscht werden. Das einzige wirksame Mittel, um die Verbrechen des Krieges (\u2026) zu bek\u00e4mpfen, ist die geistige Reife und der entschlossene Wille der Arbeiterklasse, einen durch ruchlose Kapitalsinteressen angezettelten (\u2026) Krieg in eine Rebellion der Ausgebeuteten und Beherrschten zur Verwirklichung des Weltfriedens und der sozialistischen V\u00f6lkerverbr\u00fcderung zu verwandeln (GW 3, S. 25)<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: bold;\">Aber was hat denn der Kampf gegen den Krieg mit dem Sozialismus zu tun?<\/span><\/p>\n<p>Die Friedensfreunde aus b\u00fcrgerlichen Kreisen glauben, dass sich Weltfrieden und Abr\u00fcstung im Rahmen der heutigen Gesellschaftsordnung verwirklichen lassen, wir aber, die wir auf dem Boden der materialistischen Geschichtsauffassung und des wissenschaftlichen Sozialismus stehen, sind der \u00dcberzeugung, dass der Militarismus erst mit dem kapitalistischen Klassenstaate zusammen aus der Welt geschafft werden kann. (GW 2, S. 492f.)<br \/>\nWenn Sie sich die Gesellschaft n\u00e4her betrachten, in der wir leben, so m\u00fcssen Sie sich selbst sagen, diese Gesellschaft beruht ja auf dem organisierten Mord, und es hei\u00dft, ihr die Lebensbasis entziehen, wenn man gegen den Mord die besten und edelsten Geister der Menschheit aufruft (\u2026). Was geschieht jahrein, jahraus auf dem Schlachtfeld der Arbeit (\u2026)?<br \/>\n(\u2026) Und eine Gesellschaftsordnung, die um wenige zu bereichern, Millionen ausbeutet, ins Joch der Arbeit spannt und Zehntausenden das Leben nimmt durch die r\u00fccksichtslose Profitjagd, eine solche Gesellschaftsordnung hat kein Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Ideale der Menschheitsverbr\u00fcderung (\u2026).<br \/>\nDieselbe Gesellschaftsordnung betreibt den systematischen V\u00f6lkermord als das vornehmste Mittel ihrer politischen Entwicklung, ihres politischen Lebens (\u2026). Kein Wunder, dass eine Gesellschaftsordnung, dass ein Staat, der diesen organisierten Mord, den Krieg, unaufh\u00f6rlich selbst heraufbeschw\u00f6rt und auf ihn nicht verzichten will, dass dieser diejenigen als Verbrecher stempelt, die das Ideal der N\u00e4chstenliebe, der menschlichen Gleichheit, der V\u00f6lkerverbr\u00fcderung in die K\u00f6pfe und Herzen der Volksmassen tragen. (GW 3, S. 415f.)<br \/>\nWir (\u2026) erlauben uns allerdings, der Meinung zu sein, dass es weder der Menschennatur noch dem Kulturfortschritt entspricht, dass die V\u00f6lker zueinander wie rei\u00dfende Bestien stehen und von Zeit zu Zeit ihre Konflikte auf dem Wege des blutigen Massenmordes l\u00f6sen. Wir sonderbaren Schw\u00e4rmer erlauben uns, der Meinung zu sein, dass es der menschlichen Natur und dem Kulturfortschritt (\u2026) viel eher entspricht, dass alle V\u00f6lker und Rassen der Erde mit br\u00fcderlich friedlicher Solidarit\u00e4t gemeinsam die menschliche Kultur vorw\u00e4rtstreiben. Aber freilich, wir (\u2026) wissen ganz gut, das hienieden auf der festen Erde, auf der wir stehen, ein solcher Zustand des ewigen Friedens (\u2026) nicht m\u00f6glich ist, bis der Kapitalismus mit Stumpf und Stil ausgerottet sein wird. Wir wissen sehr wohl, dass wir den ewigen Frieden, die internationale Solidarit\u00e4t erst dann zu Fleisch und Blut machen k\u00f6nnen, wenn es uns gelingen wird, auch die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen, das Privateigentum, den Kapitalismus abzuschaffen. (GW 3, S. 417f.)<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: bold;\">Aber Emp\u00f6rung ist kein Ersatz f\u00fcr Verst\u00e4ndnis der Hintergr\u00fcnde?<\/span><\/p>\n<p>Die moralische Emp\u00f6rung spielt in unserer Protestbewegung gegen die Weltpolitik freilich eine gro\u00dfe Rolle. Sie wird aber nur dann zum politischen Faktor, wenn sie mit dem Verst\u00e4ndnis der historischen Gesetze der Erscheinung verbunden ist, wenn sie sich nicht gegen \u00e4u\u00dfere Formen, sondern gegen das Wesen, nicht gegen die Folgen, sondern gegen die Wurzel richtet, mit einem Wort: wenn sie die revolution\u00e4re Emp\u00f6rung einer Masse ist, die gegen die kapitalistische Gesellschaftsordnung als solche Sturm l\u00e4uft. (GW 3, S. 30f.)<br \/>\n<br style=\"font-weight: bold;\" \/><span style=\"font-weight: bold;\">Was steckt hinter der imperialistischen Politik?<\/span><\/p>\n<p>Die \u00e4u\u00dferen typischen Erscheinungen der imperialistischen Periode: der Wettkampf der kapitalistischen Staaten um Kolonien und Interessensph\u00e4ren, um Anlagem\u00f6glichkeiten f\u00fcr das (\u2026) Kapital, das internationale Anleihesystem, Militarismus (\u2026), vorherrschende Rolle des Bankkapitals und der Kartellindustrie in der Weltpolitik, sind heute allgemein bekannt. (GW5, S. 431)<br \/>\nTats\u00e4chlich f\u00e4llt der Kapitalismus auf seiner heutigen Entwicklungsh\u00f6he in das Delirium des Monopols, das auch seine ersten Anf\u00e4nge bezeichnete, zur\u00fcck (\u2026) die \u00f6konomische und soziale Macht der neuen wirtschaftlichen Gebilde l\u00e4sst sich auf Schritt und Tritt f\u00fchlen. (GW 1\/1, S. 335f.)<br \/>\nWas haben die Kartelle und Monopole, oder, wie man sp\u00e4ter sagte, die Multinationalen Konzerne, mit der Au\u00dfenpolitik zu tun?<br \/>\nDie (\u2026) Steigerung der Profitrate erzielen die Kartelle (&#8230;) dadurch, dass sie die zusch\u00fcssigen Kapitalportionen, die sie f\u00fcr den inneren Bedarf nicht verwenden k\u00f6nnen, f\u00fcr das Ausland (&#8230;) produzieren lassen. Das Ergebnis ist die versch\u00e4rfte Konkurrenz im Auslande, die vergr\u00f6\u00dferte Anarchie auf dem Weltmarkt.<br \/>\n(\u2026) sie versch\u00e4rfen endlich den Widerspruch zwischen dem internationalen Charakter der kapitalistischen Weltwirtschaft und dem nationalen Charakter des kapitalistischen Staates, indem sie (\u2026) den Antagonismus (den Widerspruch) zwischen den einzelnen kapitalistischen Staaten aufs h\u00f6chste steigern. (GW 1\/1, S. 382)<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: bold;\">Welche Interessen haben die deutschen und anderen Konzerne an der Aufr\u00fcstung?<\/span><\/p>\n<p>F\u00fcr sie ist heute der Militarismus in dreifacher Beziehung unentbehrlich geworden: erstens als Kampfmittel f\u00fcr konkurrierende \u201enationale\u201c Interessen gegen andere nationale Gruppen; zweitens als wichtigste Anlageart ebenso f\u00fcr das finanzielle wie das industrielle Kapital und drittens als Werkzeug der Klassenherrschaft gegen\u00fcber dem arbeitenden Volke. (GW 1\/1, S. 397)<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: bold;\">So entsteht das, was manchmal milit\u00e4risch-industrieller Komplex genannt wird, die Verflechtung von Milit\u00e4r und R\u00fcstungsindustrie?<\/span><\/p>\n<p>F\u00fcr den Kapitalisten ist es nicht gleichg\u00fcltig, ob er eine bestimmte Nachfrage nach Erzeugnissen auf Seiten der zersplitterten Privatk\u00e4ufer oder auf Seiten des Staates findet. Die Nachfrage des Staates zeichnet sich durch eine Sicherheit, Massenhaftigkeit und g\u00fcnstige, meist monopolartige Gestaltung der Preise aus, die den Staat zum vorteilhaftesten Abnehmer und die Lieferungen f\u00fcr ihn zum gl\u00e4nzenden Gesch\u00e4ft f\u00fcr das Kapital machen.<br \/>\nWas aber besonders bei milit\u00e4rischen Lieferungen als h\u00f6chst wichtiger Vorteil zum Beispiel vor staatlichen Ausgaben f\u00fcr Kulturzwecke (Schulen, Wege etc.) hinzukommt, sind die unaufh\u00f6rlichen technischen Umw\u00e4lzungen und das unaufh\u00f6rliche Wachstum der Ausgaben, so dass der Militarismus eine unersch\u00f6pfliche ja immer ergiebige Quelle der kapitalistischen Gewinne darstellt und das Kapital zu einer sozialen Macht erhebt, wie sie dem Arbeiter zum Beispiel in den Kruppschen und Stummschen Unternehmungen entgegentritt. Der Militarismus, der f\u00fcr die Gesellschaft im ganzen eine \u00f6konomisch v\u00f6llig absurde Vergeudung ungeheurer Produktivkr\u00e4fte darstellt, der f\u00fcr die Arbeiterklasse eine Herabsetzung ihres wirtschaftlichen Lebensma\u00dfstabes (ihrer wirtschaftlichen Lebenshaltung) zum Zwecke ihrer sozialen Versklavung bedeutet, bildet f\u00fcr die Kapitalistenklasse \u00f6konomisch die gl\u00e4nzendste, unersetzlichste Anlageart wie gesellschaftlich und politisch die beste St\u00fctze ihrer Klassenherrschaft. (GW 1\/1 S. 452)<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: bold;\">Zur\u00fcck zum Irak-Konflikt: Bushs Politik wird von den Interessen amerikanischer \u00d6lkonzerne bestimmt. K\u00f6nnen wir darauf hoffen, dass andere Konzerninteressen in den USA oder Europa ihm Einhalt gebieten?<\/span><\/p>\n<p>Von dieser kapitalistischen Gesellschaft irgendwelche Friedenstendenzen erhoffen und im Ernst auf sie bauen w\u00e4re f\u00fcr das Proletariat (die Arbeiterklasse) die t\u00f6richteste Selbstt\u00e4uschung, der es anheimfallen k\u00f6nnte. (GW 3, S. 22f.) Nicht auf die Friedensliebe irgendeiner Kapitalistenclique, sondern lediglich auf den Widerstand der aufgekl\u00e4rten Volksmassen als Friedensfaktor geziemt es uns zu rechnen (\u2026). Das Spiel auf dem vulkanischen Boden der internationalen Gegens\u00e4tze ist selbst f\u00fcr gr\u00f6\u00dfere Geister als diese Kommis des Kapitalismus ein Spiel mit verbundenen Augen. (GW 3, S. 10)<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: bold;\">Du h\u00e4lst das also f\u00fcr ein Abenteuer\u2026<\/span><\/p>\n<p>\u2026 das wie alle weltpolitischen Vorst\u00f6\u00dfe leicht den eigenen Arrangeuren \u00fcber den Kopf wachsen und sich aus einem frivolen Spielen mit Z\u00fcndh\u00f6lzern zum Weltenbrand auswachsen kann. (GW 3, S.10)<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: bold;\">Denkst Du nicht auch, dass es Schr\u00f6der bei seiner Kritik an Bush um die Interessen der deutschen Konzerne geht?<\/span><\/p>\n<p>In der ganzen weiten Welt gibt es keinen Menschen, f\u00fcr den es ein Geheimnis w\u00e4re, dass den beiden \u201eStaatsm\u00e4nnern\u201c auch der beste Freund keine besonderen geistigen Zauberkr\u00e4fte nachr\u00fchmen k\u00f6nnte, ja, dass sie einfach armselige Hampelm\u00e4nner sind, deren pappene \u00c4rmchen und K\u00f6pfchen durch einen Bindfaden automatisch bewegt werden, dessen Enden hier wie dort die H\u00e4nde einiger gro\u00dfkapitalistischer Cliquen halten. Krieg oder Frieden, (\u2026) das sind Fragen, bei denen Leben oder Tod f\u00fcr Tausende, das Wohl und Wehe ganzer V\u00f6lker auf dem Spiele steht. Um diese Frage l\u00e4sst ein Dutzend raffgieriger Industrieritter seine politischen Kommis feilschen und erw\u00e4gen (\u2026) Es ist dies ein Bild von so emp\u00f6render Brutalit\u00e4t und plumper Niedertracht, dass es mit tiefem Grimm jeden erf\u00fcllen m\u00fcsste, der nicht an dem Schacher direkt interessiert ist. (GW 3, S. 22)<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: bold;\">Du bestreitest, dass eine deutsch-franz\u00f6sisch-russische Zusammenarbeit ein Beitrag f\u00fcr den Frieden ist?<\/span><\/p>\n<p>Mir scheint (\u2026) ebenso, dass alle \u201eAllianzen\u201c und \u201eEntenten\u201c der Milit\u00e4rstaaten selbst nur verdeckte Mittel der fortschreitenden Kriegsr\u00fcstungen und gegebenenfalls zur Verbreitung der Kriegsgefahr \u00fcber ihren unmittelbaren Bereich hinaus darstellen. Mir scheint deshalb, dass es viel weniger Aufgabe der Sozialisten sein kann, die Illusionen der b\u00fcrgerlichen Friedensapostel und ihre Hoffnungen auf Erhaltung des Friedens durch allerlei Kabinettsst\u00fccke der Staatsdiplomatie zu n\u00e4hren, als das l\u00e4cherliche und kl\u00e4gliche Possenspiel dieser Diplomatie in seiner Ohnmacht, Borniertheit und Verlogenheit auf Schritt und Tritt zu entlarven. (GW 2, S. 242)<br \/>\nEs ist eine alte Binsenweisheit, dass, wo zwei oder drei kapitalistische Staaten die K\u00f6pfe zusammenstecken, es sich immer um die Haut eines vierten kapitalistischen Staates handelt. Welche Naivit\u00e4t geh\u00f6rt dazu, von diesem B\u00fcndnis zu erwarten, es sollte eine Gew\u00e4hr sein f\u00fcr den Frieden. Es gibt ein internationales B\u00fcndnis, das sich als einzige Gew\u00e4hr f\u00fcr den Frieden herausgestellt hat. Das einzige B\u00fcndnis, auf das zu rechnen ist, ist das B\u00fcndnis aller revolution\u00e4ren Proletarier der Welt! (GW 3, S. 216)<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: bold;\">Eine St\u00e4rkung des V\u00f6lkerrechts oder der UNO ist auch keine L\u00f6sung? Zu Deiner Zeit gab es Schiedsvertr\u00e4ge, die \u2026<\/span><\/p>\n<p>\u2026 waren und sind Instrumente kapitalistischer Regierungen. Die F\u00e4lle, in denen sie sich bew\u00e4hrten, h\u00e4tten auch ohne sie nicht zum Kriege gef\u00fchrt; die Regelung, zu der sie verhalfen, war eine Angelegenheit der herrschenden Klassen. Und solange die imperialistischen Machthaber das Heft in den H\u00e4nden halten, kann es nicht anders sein.<br \/>\nDass wir solche Vertr\u00e4ge, wenn sie praktisch an uns herantreten, ablehnen m\u00fcssten, w\u00e4re eine t\u00f6richte Meinung. Aber nicht nur t\u00f6richt, sondern verh\u00e4ngnisvoll ist der Wahn, als seien sie Heilmittel f\u00fcr die internationalen Gebresten (Krankheiten), unter denen das Proletariat seufzt. Nicht nur t\u00f6richt, sondern verh\u00e4ngnisvoll ist es, den Kampf gegen den Krieg durch einen Kampf um Schiedsgerichte zu ersetzen oder dem Kampf um Schiedsgerichte im Kampf gegen den Krieg auch nur eine nennenswerte Rolle einzur\u00e4umen. (\u2026) Und der (\u2026) Friede kann nicht durch ein St\u00fcck Papier gesichert werden, und wenn es mit den sch\u00f6nsten V\u00f6lkerrechtss\u00e4tzen und Schiedsvertr\u00e4gen beschrieben w\u00e4re, nicht durch ein St\u00fcck Papier, das jeden Augenblick in Brand geschossen werden und in Rauch und Flammen aufgehen kann, wenn es einer imperialistischen R\u00e4uberbande gef\u00e4llt, noch durch den \u201aguten Willen\u2018 und die rechtliche \u201aMoral\u2018 kapitalistischer Diplomaten. (GW 4, S. 228)<br \/>\n<br style=\"font-weight: bold;\" \/><span style=\"font-weight: bold;\">Du h\u00e4lst auch nichts davon, Rumsfelds Begriff vom \u201ealten Europa\u201c positiv zu besetzen?<\/span><\/p>\n<p>Jedesmal, wo b\u00fcrgerliche Politiker die Idee des Europ\u00e4ertums, des Zusammenschlusses der europ\u00e4ischen Staaten auf das Schild erhoben, da war es mit einer offenen oder stillschweigenden Spitze gegen die \u201egelbe Gefahr\u201c, gegen den \u201eschwarzen Weltteil\u201c, gegen die \u201eminderwertigen Rassen\u201c, kurz, es war stets eine imperialistische Missgeburt. (\u2026) Und die Losung des europ\u00e4ischen Zusammenschlusses kann objektiv innerhalb der kapitalistischen Gesellschaft nur wirtschaftlich einen Zollkrieg mit Amerika und politisch einen kolonialpolitischen Rassenkampf bedeuten. (\u2026)<br \/>\nDie Idee der europ\u00e4ischen Kulturgemeinschaft ist der Gedankenwelt des klassenbewussten Proletariats v\u00f6llig fremd. Nicht die europ\u00e4ische Solidarit\u00e4t, sondern die internationale Solidarit\u00e4t, die s\u00e4mtliche Weltteile, Rassen und V\u00f6lker umfasst, ist der Grundpfeiler des Sozialismus im Marxschen Sinne. (GW 2, S. 502f.)<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: bold;\">Du betonst den Zusammenhang zwischen R\u00fcstung und Sozialabbau\u2026 <\/span><br style=\"font-weight: bold;\" \/><br \/>\nDie Finanzpolitik, (\u2026 und der) Stillstand der Sozialreform sind mit dem Militarismus (\u2026) und seiner ausw\u00e4rtigen Politik organisch verkn\u00fcpft. Jede k\u00fcnstliche Trennung dieser Gebiete kann nur ein l\u00fcckenhaftes, einseitiges Bild unsrer \u00f6ffentlichen Zust\u00e4nde geben. Vor allem sollen wir (\u2026) sozialistische Aufkl\u00e4rung verbreiten, dies l\u00e4sst sich aber nicht erreichen, wenn wir ausschlie\u00dflich die innenpoltischen Zust\u00e4nde Deutschlands in den Kreis unserer Kritik ziehen, wenn wir nicht die gro\u00dfen internationalen Zusammenh\u00e4nge, die fortschreitende Kapitalsherrschaft in allen Weltteilen, die augenf\u00e4llige Anarchie in allen Ecken und Enden (\u2026) schildern. (GW 3, S. 11)<br \/>\n<br style=\"font-weight: bold;\" \/><span style=\"font-weight: bold;\">1914 hast Du miterlebt, wie eine m\u00e4chtige Anti-Kriegs-Bewegung vor dem Krieg bei Kriegsbeginn wie ein Kartenhaus zusammenkrachte. Wenn wir einen Krieg nicht verhindern k\u00f6nnen, dann\u2026<\/span><\/p>\n<p>\u2026kann die Arbeiterschaft nur noch von sich selbst etwas erwarten, von der eigenen Massenaktion, vom kr\u00e4ftigen Protest, vom wiederholten Massenstreik, in denen sie ihre wahre Macht entfaltet. (\u2026) Sollten uns da welche Opfer schrecken, die aus Demonstrationen, aus politischen Massenstreiks erwachsen k\u00f6nnen?<br \/>\n(\u2026) Dann heraus zum Massenprotest, heraus zum Kampf um die eigene Befreiung (\u2026) mit Liebknechts Ruf auf den Lippen: Nieder mit dem Krieg! Nieder mit der Regierung! (GW 4, S. 225)<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: bold;\">Rosa, willst Du abschlie\u00dfend noch etwas sagen?<\/span><\/p>\n<p>Es wird behauptet, der gegenseitige Kampf liege in der menschlichen Natur. (\u2026) Wir sind anderer Meinung. Die V\u00f6lker sollen und k\u00f6nnen ohne Unterschied der Rasse und Farbe zusammen in Frieden leben. Nur dann kann man von Kultur reden, wenn Bande der Solidarit\u00e4t die V\u00f6lker umschlingen. Solange die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen nicht abgeschafft ist, ist diese Solidarit\u00e4t nicht m\u00f6glich. (GW 3, S. 62)<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: bold;\">Wir danken Dir f\u00fcr dieses Gespr\u00e4ch<\/span>.<br \/>\nDie Quellenangaben der Antworten Rosa Luxemburgs beziehen sich auf die Gesammelten Werke (GW)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rosa Luxemburg k\u00e4mpfte zusammen mit SozialistInnen in aller Welt gegen den imperialistischen Krieg.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":26395,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[64],"tags":[355,1469,270,147],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10366"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10366"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10366\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":37155,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10366\/revisions\/37155"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/26395"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10366"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10366"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10366"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}