{"id":10340,"date":"2003-02-10T12:28:40","date_gmt":"2003-02-10T12:28:40","guid":{"rendered":".\/?p=10340"},"modified":"2003-02-10T12:28:40","modified_gmt":"2003-02-10T12:28:40","slug":"10340","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2003\/02\/10340\/","title":{"rendered":"Israel: Scharon mit historisch niedriger Wahlbeteiligung wiedergew&#228;hlt"},"content":{"rendered":"<p>  Bei den Parlamentswahlen vom Montag (27. Januar) verdoppelte Scharons   Likud-Partei ihr Ergebnis auf 37 Sitze. Die Arbeitspartei (die die   traditionelle Partei der israelischen Kapitalisten ist) fiel auf den   tiefsten Stand jemals mit 19 Sitzen. Die Wahlbeteiligung betrug 68,5 %,   die niedrigste bei einer Knesset-Wahl in der israelischen Geschichte.<\/p>\n<p>Amnon   Cohen, Maavak Sozialisti, Israel<br \/>28. Januar 2003<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <font face=\"Arial, sans-serif\">Die Wahlen wurden vor dem Hintergrund   einer Krise in allen Aspekten der israelischen Gesellschaft abgehalten.   Die Wirtschaft ist in einer tiefen Rezession. Das Bruttoinlandsprodukt   pro Kopf ist um 6 Prozent gefallen. Mehrfache Versch&#228;rfung der   Berechtigungskriterien f&#252;r Arbeitslosenunterst&#252;tzung hat den Anstieg der   Arbeitslosigkeit nicht verhindert. Massenentlassungen haben sich nicht   nur auf die alten verarbeitenden Industrien, sondern auch auf den   High-Tech- und Bankensektor ausgewirkt.<\/font><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\">  <font face=\"Arial, sans-serif\">Scharons Politik der eisernen Faust, die   Pal&#228;stinenserInnen milit&#228;risch zu besiegen, hat pal&#228;stinensische St&#228;dte   verheert, aber nicht Selbstmordattentate beendet oder den einfachen   Israelis Sicherheit oder eine Hoffnung auf Frieden in der Zukunft   gebracht. Die Likud-Partei wird von Skandalen heimgesucht. Mafiafamilien   haben Likud-Gliederungen &#252;bernommen und ihre Vertreter auf der   Likud-Liste ins Parlament gebracht. Stimmenkauf bei den Vorwahlen   innerhalb des Likud war weitverbreitet und gegen Scharon und seine S&#246;hne   wird von der Polizei ermittelt, weil sie verd&#228;chtig sind, im   Zusammenhang mit einem Kredit eines s&#252;dafrikanischen Million&#228;rs   Bestechungsgelder genommen zu haben; au&#223;erdem soll sein Sohn einen Job   mit Spitzengehalt von einem Likud-Mann bekommen haben, der zum Million&#228;r   geworden ist.<\/font><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\">  <b><font face=\"Arial, sans-serif\">Wie hat Scharon gewonnen?<\/font><\/b><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\">  <font face=\"Arial, sans-serif\">Obwohl Scharon jedes Wahlversprochen   gebrochen hat und von Katastrophe und Korruption umgeben ist, ist er der   erste israelische Ministerpr&#228;sident in &#252;ber einem Jahrzehnt, der   wiedergew&#228;hlt wurde. Wie ist dies passiert?<\/font><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\">  <font face=\"Arial, sans-serif\">Erstens gab es keine glaubw&#252;rdige   Opposition. Die Arbeitspartei war Teil der vorigen Gro&#223;en Koalition und   hatte keine Alternative zu Scharons Milit&#228;r- und Wirtschaftspolitik   geboten. Der Versuch der Arbeitspartei, sich rund um ihren neuen und   relativ unbekannten Parteichef Mitzna neu zu erfinden, l&#246;schte ihre   Vergangenheit in den Augen der israelischen ArbeiterInnen nicht aus.<\/font><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\">  <font face=\"Arial, sans-serif\">Eine weitere Partei erlebte einen   Zusammenbruch ihrer Unterst&#252;tzung, die &quot;Tauben&quot;partei Meretz, die auf   sechs Sitze einbrach, da nach dem Platzen der Oslo-Vereinbarung ihr   Programm von Verhandlungen als gr&#228;sslich gescheitert angesehen wird.<\/font><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\">  <font face=\"Arial, sans-serif\">Zweitens sahen viele Israelis eine   Stimmabgabe f&#252;r Scharon als Protest gegen Selbstmordattentate und andere   Anschl&#228;ge. Likud bietet zwar keine Strategie der Hoffnung, verspricht   aber &quot;zur&#252;ckzuschlagen&quot;.<\/font><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\">  <font face=\"Arial, sans-serif\">Drittens zog Likud Vorteil daraus, dass   das Establishment als sein Gegner gesehen wird. Likud ist eine rechte   populistische Partei und wird zwar von ein paar einzelg&#228;ngerischen oder   offener kriminellen Kapitalisten unterst&#252;tzt, aber die   Kapitalistenklasse insgesamt f&#252;rchtet, dass die ultranationalistische   Politik des Likud die Region destabilisieren und ihre Profite bedrohen   wird. Sie ziehen die Arbeitspartei vor und zogen alle Register bei ihren   Versuch, die Unterst&#252;tzung f&#252;r den Likud zu untergraben. Die Titelseiten   der Zeitungen waren voll von Berichten &#252;ber Likuds Skandale und   durchgesickerte Polizeiuntersuchungen. Dies hatte eine gewisse Wirkung   in den Meinungsumfragen, die einmal Likud und Arbeitspartei fast Kopf an   Kopf sahen. Aber die traditionellen Likud-Unterst&#252;tzer, die   unterprivilegierteren und entfremdeteren Teile der Arbeiterklasse, sahen   dies als eine Hexenjagd des Establishments gegen &quot;ihre Partei&quot; und   stimmten bei den Wahlen f&#252;r Scharon.<\/font><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\">  <font face=\"Arial, sans-serif\">Es w&#228;re ein Fehler, den Anstieg der   Likud-Stimmen als breite Unterst&#252;tzung f&#252;r seine Politik zu sehen, seine   neoliberale Politik ist verhasst. Aber da er in dieser Hinsicht nicht   anders als irgend eine der Hauptparteien ist, war das kein Wahlthema. Es   gab einen ausgepr&#228;gten Mangel an Begeisterung f&#252;r die Parteien.   Wahlkampfautoaufkleber und -balkonposter waren selten, was f&#252;r Israel   un&#252;blich ist. Die herrschende Klasse sorgt sich sehr, dass der R&#252;ckgang   bei der Wahlbeteiligung die Legitimit&#228;t der kapitalistischen Demokratie   in den Augen der einfachen Israelis untergraben w&#252;rde. Der Chef des   Wahlkomitees ging sogar so weit, ein Bu&#223;geld f&#252;r Nichtw&#228;hler   vorzuschlagen.<\/font><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\">  <font face=\"Arial, sans-serif\"><b>Die Linke<\/b><\/font><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\">  <font face=\"Arial, sans-serif\">Die &quot;Ein-Volk&quot;-Partei von Histadruth-Chef   Amir Peretz wuchs auf vier Sitze an. Die Partei hat zwar seit ihrer Wahl   wenig gemacht, wurde aber von vielen ArbeiterInnen als eine Partei   gesehen, die wenigsten ihren N&#246;ten Ausdruck verleiht. Zwei neue   antikapitalistische Parteien bekamen keine Sitze (und ihre Stimmenzahlen   sind noch nicht verf&#252;gbar). Der Arbeitslosenaktivist Avi Ovadia schuf   eine von ihnen, Lahava. Die andere Partei Zaam (Wut), wurde von   &#246;rtlichen AktivistInnen in einer heruntergewirtschafteten Stadt im S&#252;den   des Landes gebildet. Diese Parteien zeigen, dass sogar inmitten von   Krieg und Terroranschl&#228;gen AktivistInnen nach einer politischen Stimme   suchen. Die kommunistisch gef&#252;hrte Hadasch-Liste stieg auch auf vier   Sitze.<\/font><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\">  <font face=\"Arial, sans-serif\"><b>Was nun?<\/b><\/font><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\">  <font face=\"Arial, sans-serif\">Scharons Sieg wird f&#252;r ihn eine   vergiftete Pille sein. Er hat keine Antwort auf irgend einen Aspekt der   Krise, die die israelische Gesellschaft heimsucht. Die erste Handlung   seiner Regierung wird die Notwendigkeit sein, die Ausgaben um weitere 8   Milliarden NIS zu k&#252;rzen, um das wachsende Haushaltsdefizit zu decken.   In seiner Siegesrede sagte Scharon, er hoffe, seine Regierung werde die   volle vierj&#228;hrige Amtszeit durchhalten. Aber dies scheint sehr   unwahrscheinlich. Er hat zu einer neuen Gro&#223;en Koalition aufgerufen.   W&#228;hrend dieser tiefen Krise an allen Fronten kann sich die   kapitalistische Demokratie nicht den Luxus einer Opposition leisten. Die   Erkl&#228;rungen der F&#252;hrer der Arbeitspartei, dass sie so einer Regierung   nicht beitreten w&#252;rden, machen ihre Bildung komplizierter. Egal ob gro&#223;e   Koalition oder nicht, Scharons Regierung wird durch Krieg, Krise und   wachsende Instabilit&#228;t gepr&#228;gt sein.<\/font><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\">  <font face=\"Arial, sans-serif\">W&#228;hrend dem Wahlkampf verteilten   Mitglieder von Maavak Sozialisti (CWI in Israel) Flugbl&#228;tter in   Jerusalem und Tel Aviv. Wir erkl&#228;rten, dass die Wahlen keine der   Probleme der israelischen Gesellschaft l&#246;sen w&#252;rden und forderten   ArbeiterInnen und junge Menschen auf, dass sie nach den Wahlen zur   Verteidigung ihrer Interessen k&#228;mpfen m&#252;ssten, egal welche Regierung   gebildet wird, und dass die Schaffung einer neuen Arbeiterpartei   notwendig ist, die sich allein f&#252;r ihre Interessen einsetzen und eine   sozialistische L&#246;sung der pal&#228;stinensischen Frage fordern w&#252;rde.<\/font><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\" align=\"right\">  <\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\">  <font face=\"Arial, sans-serif\">[Nach dem Endergebnis kam Likud &#8211; nach   dem Beitritt einer Partei russischer EinwanderInnen &#8211; auf 40 Sitze,   Hadasch und &quot;ein Volk&quot; auf je 3, die Arbeitspartei blieb bei 19 Sitzen   und Meretz bei 6 &#8211; der &#220;bersetzer]<\/font><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Bei den Parlamentswahlen vom Montag (27. 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