{"id":10316,"date":"2003-01-27T16:07:30","date_gmt":"2003-01-27T16:07:30","guid":{"rendered":".\/?p=10316"},"modified":"2003-01-27T16:07:30","modified_gmt":"2003-01-27T16:07:30","slug":"10316","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2003\/01\/10316\/","title":{"rendered":"Basisbewegung oder Regierungsberater?"},"content":{"rendered":"<p style=\"margin-bottom: 0cm; font-style: italic;\">Auf dem Attac-Ratschlag stimmt eine klare Mehrheit gegen die pro-marktwirtschaftlichen Positionen des DGB-VENRO-Papiers<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Auf dem Ratschlag des globalisierungskritischen Netzwerks Attac im Januar wurden Kampagnen gegen den Krieg und gegen das Dienstleistungsabkommen GATS beschlossen. Es wurde jedoch auch deutlich, dass dominierende Kr&auml;fte im bundesweitenn Koordinierungs-Kreis antikapitalistische Positionen unterbuttern wollen und Richtung rot-gr&uuml;n marschieren.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm; font-style: italic;\">von Claus Ludwig, K&ouml;ln<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Die Diskussionen und Beschl&uuml;sse zum Thema Krieg machen deutlich, dass sich bei Attac Einiges bewegt hat. W&auml;hrend des Afghanistan-Krieges meinten noch einige, man solle sich auf die origin&auml;ren Attac-Themen wie Finanzm&auml;rkte und Steuerpolitik beschr&auml;nken und sich aus der Organisierung von Antikriegs-Aktionen heraushalten.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Beim Januar-Ratschlag in G&ouml;ttingen wurden Aktionen gegen den Krieg geplant. Attac organisiert eine Tour mit SprecherInnen der US-, der britischen und der italienischen Kriegsgegner. Es wurde zu Blockaden vor Luftwaffenst&uuml;tzpunkten und zu den Aktionen gegen die NATO-Konferenz in M&uuml;nchen aufgerufen. Attac ist  keine Expertenorganisation mehr, die sich nur mit Teilaspekten der kapitalistischen Globalisierung besch&auml;ftigt, sondern ein wichtiger Bestandteil des Widerstandes gegen Krieg und Sozialabbau.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Im Vergleich zum letzten Ratschlag waren auch mehr junge Leute anwesend, die Stimmung war insgesamt weniger von frustrierten Ex-Gr&uuml;nen oder Sozialdemokraten wie beim Ratschlag 2002 gepr&auml;gt, mehr von einer neuen Generation von AktivistInnen.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Eine Schw&auml;che des Ratschlags war jedoch die relativ geringe Teilnehmerzahl. Nur 400 Leute waren in G&ouml;ttingen. Das h&auml;ngt gewiss nicht mit mangelndem Interesse zusammen, eher mit der kurzfristigen Ansetzung des Termins und des Verzichts auf eine Mobilisierung zu diesem immerhin wichtigsten Gremium von Attac.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Auch die Gefahren, die dem Netzwerk drohen, traten beim G&ouml;ttinger Ratschlag in scharfer Form zutage.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\"> <span style=\"font-weight: bold;\">Mehrheit gegen DGB-VENRO-Papier<\/span><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Im Dezember hatte der bundesweite Koordinierungs-Kreis (Ko-Kreis) eine gemeinsame Erkl&auml;rung mit dem DGB-Vorstand und VENRO, einem B&uuml;ndnis von Nicht-Regierungsorganisationen (NGO), unterzeichnet. Dies hatte bei vielen Attac-Mitgliedern Protest ausgel&ouml;st. Aus Hamburg, K&ouml;ln und Berlin gingen Antr&auml;ge ein, die Unterschrift zur&uuml;ckzuziehen beziehungsweise sich von der Erkl&auml;rung zu distanzieren.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Erstens hatte der Ko-Kreis das Papier ohne jede R&uuml;cksprache mit den Basisgruppen unterzeichnet, zweitens stellt es eine deutliche Abkehr vom Attac-Konsens dar. Die bisherige Grundlage der Arbeit war die ?Frankfurter Erkl&auml;rung? vom Ratschlag im Mai 2002. Dort wurde bewusst offen gehalten, ob die kapitalistischen Institutionen wie IWF oder WTO reformiert werden k&ouml;nnen oder abgeschafft werden m&uuml;ssen. Auch AntikapitalistInnen konnten sich in der ?Frankfurter Erkl&auml;rung? wiederfinden.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Im DGB-VENRO-Papier wird die Bundesregierung aufgefordert, ein ?gr&ouml;&szlig;eres Engagement? f&uuml;r eine ?gerechte Weltordnung mit demokratischem Anlitz? zu zeigen. WTO, GATS und die Marktwirtschaft werden akzeptiert sowie mit bescheidenen Reformforderungen versehen. So sollen nicht alle &ouml;ffentlichen Dienstleistungen zwangsl&auml;ufig privatisiert werden m&uuml;ssen, es soll Ausnahmen geben.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Mit keinem Wort wird erw&auml;hnt, dass es zentral ist, eine starke internationale Bewegung aufzubauen, um die neoliberale Globalisierung zu stoppen. Stattdessen wird an die Freunde des Sozialabbaus in der rot-gr&uuml;nen Regierung appelliert, die kapitalistische Globalisierung etwas abzumildern.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Die Mehrheit des Ko-Kreises reagierte auf die inhaltliche Kritik aus den Gruppen pikiert. Es war von ?Zwergenaufstand? die Rede. Bei einer Diskussion wurden die Argumente ausgetauscht. Auch hier reagierten einige Ko-Kreis-Mitglieder mit Drohungen ? ?wenn wir die Unterschrift zur&uuml;ckziehen m&uuml;ssen, ist das Projekt Attac tot? ? oder mit Unterstellungen: ?es geht den linken Kritikern doch nur um die Macht?.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Am Ende der Debatte stand eine Abstimmung, ob das DGB-VENRO-Papier inhaltlich unterst&uuml;tzt wird. Nur 25 Prozent stimmten f&uuml;r das Papier, 75 Prozent lehnten es ab.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Zu einem R&uuml;ckzug der Unterschrift kam es allerdings nicht. F&uuml;r diese Forderung stimmten auch circa 25 Prozent. W&auml;hrend viele die Kritik am Vorgehen des Ko-Kreises und den Inhalten des Papiers teilten, gab es gleichzeitig Bef&uuml;rchtungen, Attac w&uuml;rde sich beziehungsweise den Ko-Kreis durch den R&uuml;ckzug der Unterschrift unglaubw&uuml;rdig machen oder die Einheit von Attac w&auml;re gef&auml;hrdet.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Stattdessen wurde im Konsens bei nur wenigen Gegenstimmen eine erg&auml;nzende Erkl&auml;rung verabschiedet, in der eine Kritik am DGB-VENRO-Papier festgehalten ist und die zusammen mit diesem Papier verbreitet werden muss. In einer gesonderten Resolution wurde der Ko-Kreis f&uuml;r sein Vorgehen kritisiert. <\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm; font-weight: bold;\"> Wie geht es weiter?<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Dies war eine L&ouml;sung, mit der alle leben k&ouml;nnten, sollte man meinen. Doch der Umgang der Mehrheit des Ko-Kreises mit diesen Beschl&uuml;ssen l&auml;sst daran zweifeln, ob mit dem Ratschlag von G&ouml;ttingen die Konflikte tats&auml;chlich gel&ouml;st wurden. Die Tatsache, dass eine deutliche Mehrheit das DGB-VENRO-Papier inhaltlich ablehnt, wurde auf der Website und in der auf der Pressekonferenz vorgelegten Erkl&auml;rung nicht erw&auml;hnt. Stattdessen deutete der Ko-Kreis die Diskussion als ?Sieg? f&uuml;r sich um und betonte lediglich, dass die Unterschrift nicht zur&uuml;ckgezogen werden musste. Das deutet nicht darauf hin, dass in neben den gem&auml;&szlig;igt-b&uuml;rgerlichen Positionen, die vor allem von den NGO vertreten werden, auch antikapitalistische Ideen als Bestandteil von Attac dargestellt werden.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Der Ko-Kreis wird politisch von den VertreterInnen der NGOs und Kr&auml;ften der ?neuen Mitte? dominiert, die der Entwicklung von Attac hin  zu einer demokratischen Mitgliederorganisation ablehnend gegen&uuml;berstehen und das Netzwerk gerne als neues Kleid f&uuml;r ihre Expertent&auml;tigkeit in der Grauzone zwischen Widerstand und Beratungst&auml;tigkeit f&uuml;r Regierungen und Instutionen ansiedeln wollen.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Das Potential von Attac ist gro&szlig;. Doch das Verhalten der Ko-Kreis-Mehrheit und ihrer Unterst&uuml;tzerInnen ist eine Gefahr f&uuml;r Attac. Mit diesen Inhalten und den undemokratischen Methoden wird der Aufbau der Bewegung gegen die kapitalistische Globalisierung behindert.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">N&ouml;tig ist stattdessen  die Weiterentwicklung von Attac zu einem demokratischen Netzwerk, das auf aktiven Basismitgliedern aufbaut, die den Widerstand organisieren und K&auml;mpfe von unten initiieren. In vielen Kommunen stehen Privatisierungen oder Sozialk&uuml;rzungen an. Hier kann Attac eine Rolle spielen, den Widerstand gegen die neoliberale Globalisierung konkret vor Ort auszufechten.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">In den n&auml;chsten Wochen ist es entscheidend, dass Attac die Antikriegs-Bewegung nach vorne bringt, mithilft, Sch&uuml;ler- und Studierenden-Streiks ? und wo m&ouml;glich auch Streikaktionen von ArbeitnehmerInnen ? unterst&uuml;tzt sowie Protest- und Blockade-Aktionen gegen die Kriegsmaschinerie organisiert. Attac kann auch einen wichtigen inhaltlichen Beitrag zur Weiterentwicklung der Anti-Kriegs-Bewegung leisten, in dem die Zusammenh&auml;nge zwischen dem Krieg, der Globalisierung und dem sozialen Kahlschlag erkl&auml;rt werden.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\"><span style=\"font-weight: bold;\">Diskussionen zum DGB-VENRO-Papier und Berichte vom Ratschlag unter <\/span><font  color=\"#0000ff\" style=\"text-decoration: underline; font-weight: bold;\"><font  face=\"Times New Roman, serif\"><font size=\"3\"><span lang=\"de-DE\"><a  class=\"western\" href=\"http:\/\/www.attac-netzwerk.de\/\"><span  style=\"text-decoration: none;\"><font color=\"#000000\">www.attac-netzwerk.de<\/font><\/span><\/a><\/span><\/font><\/font><\/font><span  style=\"text-decoration: none;\"> <\/span> <\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm; font-style: italic;\">Claus Ludwig ist Mitglied im Koordinierungskreis von Attac K&ouml;ln<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p style=\"margin-bottom: 0cm; font-style: italic;\">Auf dem<br \/>\nAttac-Ratschlag stimmt eine klare Mehrheit gegen die<br \/>\npro-marktwirtschaftlichen Positionen des DGB-VENRO-Papiers<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Auf dem Ratschlag des<br \/>\nglobalisierungskritischen Netzwerks Attac im Januar wurden Kampagnen<br \/>\ngegen den Krieg und gegen das Dienstleistungsabkommen GATS beschlossen.<br \/>\nEs wurde jedoch auch deutlich, dass dominierende Kr&auml;fte im<br \/>\nbundesweitenn Koordinierungs-Kreis antikapitalistische Positionen<br \/>\nunterbuttern wollen und Richtung rot-gr&uuml;n marschieren.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm; font-style: italic;\">von Claus Ludwig,<br \/>\nK&ouml;ln<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[134],"tags":[146],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10316"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10316"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10316\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10316"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10316"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10316"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}