{"id":10315,"date":"2003-01-27T00:00:00","date_gmt":"2003-01-26T23:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=10315"},"modified":"2012-06-15T20:11:47","modified_gmt":"2012-06-15T18:11:47","slug":"10315","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2003\/01\/10315\/","title":{"rendered":"Genmanipulierter Profit"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-style: italic;\">Keiner wei\u00df, welche Gefahren die Gentechnik in der Landwirtschaft birgt \u2013 trotzdem werden Mutanten verbreitet <\/span><\/p>\n<p>Die Europ\u00e4ische Union trat vor kurzem mit der Forderung hervor, f\u00fcr solche Lebensmittel, die mit bis zu einem Prozent gentechnisch verunreinigt sind, die Kennzeichnungspflicht abzuschaffen. Der Ablehnung der \u00fcbergossen Mehrheit zum Trotz, ist die gentechnische Manipulation von Tieren und Pflanzen fast \u00fcberall auf der Welt g\u00e4ngige Praxis. W\u00e4hrend biotechnische Konzerne, Gro\u00dfagrarier und die Hersteller von Pflanzenschutzmitteln sich daran eine goldene Nase verdienen, bleibt f\u00fcr die Masse der VerbraucherInnen ein unkalkulierbares Risiko.<\/p>\n<p><span style=\"font-style: italic;\">von Marcus Hesse, Heinsberg <\/span><br \/> \u00a0<br \/> Die Anwendung der Gentechnologie in der Landwirtschaft ist sehr vielseitig: Sie reicht von der Manipulation an Pflanzen zur Ertragssteigerung und Haltbarkeitsverl\u00e4ngerung \u00fcber die Sch\u00e4dlingsbek\u00e4mpfung bis hin zur gentechnischen Manipulation an Nutztieren, damit diese leichter und schneller zu m\u00e4sten sind und mehr Fleisch hervorbringen.<\/p>\n<p>Besonders Pflanzenschutz-Unternehmen sind massiv in das neue Gesch\u00e4ft eingestiegen und fahren dabei ungeheure Profite ein.<\/p>\n<p>Hierzu geh\u00f6rt in Deutschland die Hoechst Schering Agrevo GmbH, Berlin. Das Gemeinschaftsunternehmen von Hoechst (Anteil von 60 Prozent) und Schering hat 1995 mit klassischen Mitteln gegen Unkr\u00e4uter, Pilze und Sch\u00e4dlinge 3,6 Milliarden DM umgesetzt.<\/p>\n<p>Zum Vergleich: Bayer kam in diesem Gesch\u00e4ft auf 3,3 Milliarden, die BASF auf 2,3 Milliarden DM. Doch nur die Agrevo kann f\u00fcr sich in Anspruch nehmen, entschlossen die Gentechnologie f\u00fcr den Pflanzenschutz zu nutzen. F\u00fcr das Jahr 2005 erwartet das Gemeinschaftsunternehmen von Hoechst und Schering f\u00fcr biotechnische Produkte (Saatgut und Pflanzenschutzmittel) ein Volumen von rund 4,5 Millarden Euro.<\/p>\n<p>Gentechnisch ver\u00e4nderte Pflanzen werden zu Versuchs- und zu kommerziellen Zwecken bereits seit Jahren frei gesetzt. Waren es 1986 nur f\u00fcnf Feldversuche, so wurden 1995 weltweit bereits 3.647 Freisetzungs-Genehmigungen erteilt.<\/p>\n<p>Monsantos genetisch maipuliert Sojabohne wird in den USA auf einer Fl\u00e4che von mehr als einer Million Morgen angebaut. Der Mais von Ciba-Geigy auf 470.000 Morgen und Monsantos &#8222;pestizidresistente&#8220; Bt-Baumwolle auf etwa 2 Millionen Morgen. Letztere Freisetzung erwies sich als einer der gr\u00f6\u00dften Flops: Diese Baumwolle fiel restlos einer Insektenplage zum Opfer.<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: bold;\">Schlecht f\u00fcr VerbraucherInnen, gut f\u00fcr den Profit <\/span><\/p>\n<p>Betrachtet man die mehr als zweifelhaften Ergebnisse des Einsatzes der Gentechnik in der Landwirtschaft und vergleicht diese mit den nach wie vor unabsch\u00e4tzbaren Gefahren f\u00fcr Natur und Verbraucher, so muss man zu dem Schluss kommen, dass nur die gro\u00dfen Saatgut- Hersteller und Pflanzenschutz-Unternehmen davon profitieren und die Bauern mehr und mehr in ihre Abh\u00e4ngigkeit geraten. (dies gilt insbesondere f\u00fcr die \u00e4rmeren L\u00e4nder).<\/p>\n<p>Wir VerbraucherInnen werden nicht nur einem immensen Risiko ausgesetzt, sondern auch ganz simpel betrogen: So werden \u2013\u201edank\u201c Gentechnologie \u2013 alte und minderwertige Landwirtschaftsprodukte rein \u00e4usserlich auf frisch getrimmt.<\/p>\n<p>Die Wut vieler B\u00e4uerInnen und VerbraucherInnen dar\u00fcber, schutzlos den Gefahren der Genmanipulation ausgesetzt zu sein, f\u00fchrte immer wieder zu energischen Protesten:<\/p>\n<p>So wurden beispielsweise \u2013 nach Angaben der FAZ &#8211; im Jahre 1996 allein in Deutschland 12 von 33 Freilandversuchen von Gentechnik-GegnerInnen zerst\u00f6rt. Im Zuge der antikapitalistischen Bewegung wurde der Widerstand gegen die Macht der Agrarkonzerne auf eine noch breitere Front verlagert und zunehmend internationalisiert.<\/p>\n<p>Der Widerstand des franz\u00f6sischen Bauern-Aktivisten Jos\u00e9 Bov\u00e9 , der mit radikalen Aktionen und einer \u00fcberzeugenden \u00d6ffentlichkeitsarbeit bekannt wurde, markiert dabei den bisherigen H\u00f6hepunkt. Bov\u00e9 gelang es, die \u00f6ffentliche Meinung massiv zu Ungunsten der Agrarkonzerne zu beeinflussen.<\/p>\n<p>Das \u00e4ndert allerdings nichts daran, dass der Einsatz von Genmanipulationen in der Landwirtschaft von den Konzernen knallhart fortgesetzt wird.<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: bold;\">F\u00fcr demokratische Kontrolle! <\/span><\/p>\n<p>Solange Konkurrenzkampf und Profit die Wirtschaft beherrschen, z\u00e4hlen die Bed\u00fcrfnisse der \u00fcbergro\u00dfen Mehrheit nur insoweit, wie man mit ihnen Profite machen kann. Solange uns die Besitzer von Banken und Gro\u00dfkonzernen ihre Interessen aufdiktieren k\u00f6nnen, werden neue Technologien und Verfahren ohne R\u00fccksicht auf die Gesundheit der VerbraucherInnen zur Profitsteigerung benutzt.<\/p>\n<p>Proteste von Umweltsch\u00fctzerInnen und anderen AktivistInnen wie Jos\u00e9 Bov\u00e9 sind gut und richtig. Die m\u00e4chtigen Agrarkonzerne k\u00f6nnen aber nur dann bezwungen werden, wenn der Kampf gegen sie mit dem Kampf gegen das ganze kapitalistische Profitsystem verbunden wird.<\/p>\n<p>Als SozialistInnen sind wir der Meinung, dass nur die Enteignung der Kapitalisten und die \u00dcberf\u00fchrung der gesamten Wirtschaft in Gemeineigentum, unter demokratischer Verwaltung der dort arbeitenden und der VerbraucherInnen selbst, eine \u00f6kologische, nachhaltige und vorausschauende Landwirtschaft gew\u00e4hrleisten kann, die sich am Wohl von Mensch und Natur orientiert und nicht am Profit weniger.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Keiner wei\u00df, welche Gefahren die Gentechnik in der Landwirtschaft birgt \u2013 trotzdem werden Mutanten verbreitet <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[116],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10315"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10315"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10315\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10315"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10315"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10315"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}