{"id":10274,"date":"2002-12-23T00:00:00","date_gmt":"2002-12-23T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=10274"},"modified":"2002-12-23T00:00:00","modified_gmt":"2002-12-23T00:00:00","slug":"10274","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2002\/12\/10274\/","title":{"rendered":"Miss World Wahl 2002 in Blut ertr&auml;nkt"},"content":{"rendered":"<p><i>Interview mit dem Generalsekret&auml;r der DSM (Democratic Socialist Movement) in Nigeria, Segun Sango<\/i><br \/>  Die DSM ist die nigerianische Schwesterpartei der SAV.<!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\n<i><b>Die Miss-World-Wahl hat vor kurzem zu blutigen religi&ouml;sen Unruhen im Norden Nigerias gef&uuml;hrt. Die Austragung der Wahlen ist nach London verlegt worden. Wie kam es dazu?<\/b><\/i><br \/>  Die Ausschreitungen sind durch einen Zeitungsartikel ausgel&ouml;st worden. In diesem wurde behauptet, der Prophet Mohammed h&auml;tte eine der Bewerberinnen geheiratet. Daraufhin ist das Redaktionsb&uuml;ro gest&uuml;rmt, Artikel verbrannt und das B&uuml;ro zerst&ouml;rt worden. Von den islamistischen Gruppen ist die Todesstrafe f&uuml;r diese Journalisten gefordert worden. Die Ausschreitungen begannen in der n&ouml;rdlichen Stadt Kaduna. Kirchen und Geb&auml;ude wurden verw&uuml;stet, Menschen wurden umgebracht. <br \/>  Dies ging von den islamistischen Gruppen aus, sp&auml;ter wurden auch Moscheen angez&uuml;ndet. Das Ganze zeigt die Tiefe der ethnischen und religi&ouml;sen Spannungen in Nigeria. Die Lage ist instabil und sehr gef&auml;hrlich. Die Situation kann jederzeit explodieren.  Dies hat sich seit der Einf&uuml;hrung der Sharia in zw&ouml;lf Staaten des Nordens noch verst&auml;rkt. Dies ist ein direkter Angriff gegen die Rechte von Frauen. Seit 2000 sind drei Frauen zu Tode gesteinigt worden. Momentan versuchen wir die Ermordung von Amina Lawal zu verhindern.<br \/>  Obwohl die westlichen Medien dieses Mal sehr stark berichtet haben, muss man sagen, dass solche Massaker fast schon zum Alltag in Nigeria geh&ouml;ren. Seit 1999 sind 10.000 Menschen umgebracht worden.<br \/>  Die Miss Wahl war eine gro&szlig;angelegte Kampagne, in der sowohl von der Regierung als auch von Privatkapital Millionen von Dollar investiert wurden. Neben Personen aus der F&uuml;hrungselite, war es die Frau des Pr&auml;sidenten selbst, Stella Obasanjo, die sich hinter dieses Projekt gestellt hat.<br \/>  Wir als Sozialisten haben von Anfang an gegen diese sexistische Wahl opponiert. Im Allgemeinen war die Stimmung aber vor allen Dingen im Norden dagegen und bei den Moslems im S&uuml;den. Im restlichen Teil des Landes ist die Wahl eher als etwas Positives gesehen worden, als etwas, das dem Land ein besseres Image gibt und Investitionen anlockt.<\/p>\n<p>  <i><b>Wieso hat sich die DSM dagegen gestellt?<\/b><\/i><br \/>  Solche Sch&ouml;nheitswettbewerbe sind andere Mittel um Frauenunterdr&uuml;ckung zu verst&auml;rken. Ihr Konzept von Sch&ouml;nheit sieht Frauen nicht als komplexe Pers&ouml;nlichkeiten, sondern in erster Linie als Sex-Objekte, die nur in Bezug auf m&auml;nnlichem Begehren existieren. Es gibt keinen Zweifel, dass sexuelle Gewalt in dem Ma&szlig;e zu nimmt, in dem dieses Frauenbild verbreitet wird. <br \/>  Die Organisatoren des Wettbewerbs wollten ihre Veranstaltung als modern und nicht sexistisch darstellen. Sie haben argumentiert, dass einige von den Teilnehmerinnen studieren oder seri&ouml;se Berufe aus&uuml;ben. Das mag sein, aber das ist nur ein Versuch, davon abzulenken, dass die Siegerin nur &uuml;ber ihr &Auml;u&szlig;eres definiert wird. Die Frage, die sich doch stellt ist, warum haben alle Bewerberinnen die gleiche Gr&ouml;&szlig;e, eine Kleidergr&ouml;&szlig;e von 34\/36 und gleichen sich, wie ein Ei dem anderen?<br \/>  Der Grund daf&uuml;r ist, dass diese Art Wettbewerb im direkten Zusammenhang steht mit dem Willen von multinationalen Konzernen ihre Produkte zu verkaufen und ihre Profite zu machen, in dem sie Frauen f&uuml;r Werbung missbrauchen. Ein gewisses Frauenbild wird verbreitet. Models werden d&uuml;nner, weil es einen Druck der Modeindustrie gibt, dass Frauen einem bestimmten Bild zu entsprechen haben. W&auml;hrend Frauen die Hauptleidtragenden von dieser Entwicklung sind, k&ouml;nnen die Multis und Show Promoter wie Silverbird und Ben Bruce Millionen von Dollar einstreichen und ein breites Grinsen aufsetzen.<br \/>  Die Millionen von Dollar, die hier verschwendet wurden, h&auml;tten an anderer Stelle weitaus besser investiert werden k&ouml;nnen: in Ausbildung, Gesundheit, Kinderbetreuung oder Arbeitspl&auml;tzen mit vern&uuml;nftigen L&ouml;hnen. Dies w&auml;re ein sinnvoller Beitrag gewesen um das Analphabetentum, Arbeitslosigkeit, Prostitution und Gewalt gegen Frauen einzuschr&auml;nken.<\/p>\n<p>  <i><b>Wie geht ihr selber mit der religi&ouml;sen Spaltung im Land und in der Bewegung  um? Gibt es einen Ausweg f&uuml;r Nigeria?<\/b><\/i><br \/>  In unserer Organisation sind Christen, Moslems und Nichtgl&auml;ubige. Die DSM unterst&uuml;tzt und verteidigt die Rechte von Gl&auml;ubigen, und die praktische Aus&uuml;bung des Glaubens. Wir k&auml;mpfen gegen jede religi&ouml;se Diskriminierung. In diesem Sinne respektieren wir auch das Tragen eines Kopftuches.<br \/>  Gleichzeitig fordern wir die Trennung von Staat und Religion. Religion sollte als pers&ouml;nliche Sache eines jeden einzelnen behandelt werden. Die Weigerung aller kapitalistischen Regierungen in den letzten Jahren, ob Zivil- oder Milit&auml;rregierung, dies umzusetzen, hat zu diesen wachsenden blutigen Spannungen innerhalb der Bev&ouml;lkerung gef&uuml;hrt. Die Regierenden auf allen Ebenen heizen diese Spannungen weiter an, um pers&ouml;nliche oder politische Vorteile aus dieser  Situation zu ziehen. <br \/>  Jedes Jahr werden Milliarden Naira daf&uuml;r ausgegeben. Im Norden werden militante islamistische Gruppen von den Herrschenden gef&ouml;rdert. Die Elite im S&uuml;den benutzt die christliche Religion und die Bibel f&uuml;r ihre Interessen. Dort werden mit &ouml;ffentlichen Geldern Kirchen gebaut und Pilgerfahrten nach Jerusalem organisiert. <br \/>  Die Sozialisten stellen sich gegen die Teilung der Arbeiterklasse entlang ethnischer und religi&ouml;ser Linien. Wir sehen, dass die Massen von ChristInnen und Moslems vor den selben Problemen stehen: Massenarbeitslosigkeit, Hungerl&ouml;hne und Massenarmut. Sie werden alle von der Regierung attackiert. Wir stehen f&uuml;r Einheit im Kampf f&uuml;r h&ouml;here L&ouml;hne, gegen Repression, freien Zugang zu Bildung und zur medizinischen Versorgung.<br \/>  Es gibt nicht nur ethnische und religi&ouml;se Konflikte in Nigeria. Es hat bedeutsame Arbeiterk&auml;mpfe in der Vergangenheit gegeben. Zwei Generalstreiks haben stattgefunden. Diese Streiks waren  massive Proteste der Arbeiterklasse in ganz Nigeria. An diesen Tagen war das Land vollkommen lahmgelegt. Ethnische und religi&ouml;se Konflikte waren vergessen. Die religi&ouml;sen Gruppen sind kein Teil dieser Bewegung. ChristInnen und Moslems nehmen als ArbeiterInnen am Arbeitskampf teil.<br \/>  Die Gewerkschafts- und Arbeiterbewegung muss f&uuml;r Besch&auml;ftigung und gegen Privatisierung k&auml;mpfen. Sie muss sich f&uuml;r eine sozialistische Umgestaltung stark machen. Dies ist die einzige M&ouml;glichkeit f&uuml;r Nigeria, die Probleme mitsamt ihrer kapitalistischen Wurzeln zu packen und zu l&ouml;sen.   <br \/>  <i>Das Interview f&uuml;hrte Kim Opgenoorth.<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><i>Interview mit dem Generalsekret&auml;r der DSM (Democratic Socialist Movement) in Nigeria, Segun Sango<\/i><br \/>\n Die DSM ist die nigerianische Schwesterpartei der SAV.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[32],"tags":[145],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10274"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10274"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10274\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10274"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10274"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10274"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}