{"id":10255,"date":"2002-12-16T10:52:52","date_gmt":"2002-12-16T10:52:52","guid":{"rendered":".\/?p=10255"},"modified":"2002-12-16T10:52:52","modified_gmt":"2002-12-16T10:52:52","slug":"10255","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2002\/12\/10255\/","title":{"rendered":"Deutschland in der Krise"},"content":{"rendered":"<p>Resolution der Bundesleitung der Sozialistischen Alternative (SAV), 13. Dezember 2002<!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\nEinleitung<\/p>\n<p>  Die Bundesrepublik steckt in der Krise. Wirtschaftlich, politisch, sozial &#8211; alle Teile der Gesellschaft sind von dieser Krise erfasst. Keine Regierung ist so schnell nach ihrer Wiederwahl in ein Desaster geraten wie die Schr&ouml;der-\/Fischer-Regierung nach dem 22. September. Umfragen zufolge liegt die SPD noch bei 28 Prozent. 40 Prozent der SPD-W&auml;hlerInnen haben ausgesagt, dass sie nicht mehr zur Wahl gehen w&uuml;rden. Die CDU liegt zwar bei 48 Prozent, dies dr&uuml;ckt aber keine Hinwendung zu den Konservativen aus. Die Stimmung in der Masse der Bev&ouml;lkerung wird aber dadurch ausgedr&uuml;ckt, dass eine Mehrheit nicht der Meinung ist, dass eine CDU\/CSU-gef&uuml;hrte Regierung die Probleme besser l&ouml;sen k&ouml;nne In der SPD geht es drunter und dr&uuml;ber: Schr&ouml;der gegen Gabriel in Sachen Verm&ouml;gensteuer, Stiegler gegen R&uuml;rup, Scholz gegen R&uuml;rup, Schr&ouml;der f&uuml;r R&uuml;rup, M&uuml;ntefering am Sonntag gegen M&uuml;ntefering am Montag. Die Parteirechte denkt offen &uuml;ber eine Gro&szlig;e Koalition nach und benennt auch schon mal Clement als Schr&ouml;ders potenziellen Nachfolger. Schr&ouml;der droht mehr oder weniger indirekt mit R&uuml;cktritt. W&auml;hrenddessen s&auml;gt die gr&uuml;ne Parteikonferenz mal eben ihre beiden Vorsitzenden ab. Keine 100 Tage nach der Wahl wird es immer fraglicher, ob diese Regierung bis ans Ende ihrer Legislaturperiode durchh&auml;lt. <\/p>\n<p>  Gleichzeitig betritt die Arbeiterklasse verst&auml;rkt die B&uuml;hne des Klassenkampfes. Schon im Verlauf des Jahres 2002 gab es eine bedeutende Zunahme von Warnstreiks und Streiks in verschiedenen Branchen. Dies war umso bedeutsamer, weil diese K&auml;mpfe in Zeiten der Wirtschaftskrise und vor einer Bundestagswahl stattfanden. Vor allem der Streik der Bauarbeiter, der mitten in einer Rezession in der Branche stattfand, markierte die ver&auml;nderte Lage in Deutschland. Auch die ersten Wochen der laufenden Tarifverhandlungen im &ouml;ffentlichen Dienst haben zu Demonstrationen und Warnstreiks gef&uuml;hrt. Es ist geh&ouml;rig Dampf im Kessel. Die Besch&auml;ftigten des &ouml;ffentlichen Dienstes demonstrieren eindrucksvoll ihre Kampfbereitschaft und ihre Wut und Unzufriedenheit. <\/p>\n<p>  Diese Ereignisse markieren eine bedeutende und qualitative Ver&auml;nderung der Situation auf verschiedenen Ebenen. Erstens der Ebene b&uuml;rgerlicher Politik, wo Regierung und Kapital nicht in der Lage sind eine einheitliche Politik zu formulieren. Zweitens auf der Ebene des Massenbewusstseins, das gepr&auml;gt ist vom Gef&uuml;hl betrogen worden zu sein, von Wut und Unzufriedenheit. Drittens auf der Ebene des Klassenkampfes, wo wir unter wichtigen Teilen der Arbeiterklasse eine deutliche Zunahme der Kampfbereitschaft erleben und ein Streik im &ouml;ffentlichen Dienst immer wahrscheinlicher wird.<\/p>\n<p>  Wirtschaftlicher Hintergrund<\/p>\n<p>  Die politische Krise ist direkte Folge der wirtschaftlichen Krise des kapitalistischen Systems. Die Wirtschaft in Deutschland und Europa stagniert. Ein zweites Eintauchen in die Rezession, der sogenannte Double-Dip, ist wahrscheinlich. Im Oktober hat es einen Einbruch der Industrieproduktion von minus 2,1 Prozent gegeben. F&uuml;r das Jahr 2002 wird mit einem schw&auml;chlichen Wachstum von 0,2 Prozent gerechnet. F&uuml;r 2003 sagen selbst viele b&uuml;rgerliche &Ouml;konomen keine Besserung voraus. Das Handelsblatt warnt: &#8222;Deutsche Industrie steht am Rand der Rezession&#8220; Gerade die hohe Exportabh&auml;ngigkeit der deutschen Wirtschaft, macht sie anf&auml;lliger f&uuml;r die weltweiten Krisentendenzen. Die Folgen sind Anstieg der Massenarbeitslosigkeit, ein drastischer Einbruch bei den Steuereinnahmen, sinkende Einnahmen der Sozialversicherungskassen, Pleitenrekord mit Massenentlassungen, die Maastricht-Kriterien f&uuml;r das Haushalts- und Staatsdefizit werden nicht eingehalten.<\/p>\n<p>  Regierung ger&auml;t in Panik<\/p>\n<p>  Mit dieser drastischen Verschlechterung der &ouml;konomischen Situation konfrontiert, ist die Bundesregierung in Panik geraten. Verzweifelt versucht sie Geld aus den unterschiedlichsten Quellen zu mobilisieren. Arbeitgeberverb&auml;nde und b&uuml;rgerliche Medien haben in den letzten Wochen versucht den Eindruck zu erwecken, die Regierung w&uuml;rde &#8211; unter dem Druck der Gewerkschaften &#8211; einseitig die Unternehmer zur Kasse bitten. In ihrer Verzweiflung hat die Regierung zaghafte Ma&szlig;nahmen diskutiert, um auch die Reichen etwas zahlen zu lassen. Dies ist vor allem Ausdruck der Tiefe der Krise und der Sorge vor der Kampfkraft der Arbeiterklasse. Doch auch diesmal, wie immer unter rot-gr&uuml;n, sind es ArbeitnehmerInnen und Erwerbslose, die die Hauptopfer des Krisenmanagements sind.<\/p>\n<p>  Zerschlagung der Sozialversicherungssysteme steht auf der Tagesordnung<\/p>\n<p>  Dabei gehen die geplanten Angriffe qualitativ weiter als jemals zuvor in der Geschichte der Bundesrepublik. Die Riester-Rente, sprich: der Einstieg in die Privatisierung der Altersvorsorge, war nur der Anfang. Mit den Vorschl&auml;gen der Hartz-Kommission und der Einsetzung der R&uuml;rup-Kommission ist der Ton gesetzt: alle Errungenschaften der Arbeiterbewegung werden in Frage gestellt, der Klassenkampf von oben nimmt versch&auml;rfte Formen an.<br \/>  Aus Sicht der Kapitalistenklasse ist die Zerschlagung der sozialen Sicherungssysteme eine notwendige Ma&szlig;nahme, um ihre Profitaussichten zu verbessern. Die Sozialversicherungen kranken nicht an einer angeblichen Kostenexplosion, sondern an der erodierenden Beitragsbasis. Massenarbeitslosigkeit und eine Ausdehnung von Teilzeit- und Billiglohnverh&auml;ltnissen sind die Ursache der sinkenden Einnahmen bei den Sozialversicherungen. Die Leistungen m&uuml;ssen also drastisch zusammengestrichen erden, wenn die Beitr&auml;ge &#8211; und damit die vielbeschworenen Lohnnebenkosten &#8211; nicht ansteigen sollen.<br \/>  Dementsprechend sind die Pl&auml;ne von rot-gr&uuml;n ausgerichtet: drastische K&uuml;rzungen beim Arbeitslosengeld, Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe, Runterfahren der gesetzlichen Gesundheitsversorgung auf das &#8222;notwendige Mindestma&szlig;&#8220;, Erh&ouml;hung des Renteneinstiegsalters bei K&uuml;rzung der Rentenbez&uuml;ge. Am Ende soll das bisherige Sozialversicherungssystem verschwunden sein.<\/p>\n<p>  Angriffe auf die Besch&auml;ftigten des &Ouml;ffentlichen Dienstes<\/p>\n<p>  Konfrontiert mit leeren Staatskassen gehen die Regierungen in Bund, L&auml;ndern und Gemeinden zum Generalangriff auf die Besch&auml;ftigten des &ouml;ffentlichen Dienstes &uuml;ber. Statt moderater Lohnerh&ouml;hung wollen die Arbeitgeber eine Nullrunde, K&uuml;rzungen bei Weihnachts- und Urlaubsgeld, Abkopplung der Beamtenbesoldung. Ausgerechnet der SPD\/PDS-Senat in Berlin &uuml;bernimmt die Vorreiterrolle im Kampf gegen Lohn- und Arbeitsbedingungen und gewerkschaftliche Rechte. Mit dem Austritt aus dem kommunalen Arbeitgeberverband wird der Fl&auml;chentarif unterlaufen und ein Frontalangriff auf die &ouml;ffentlichen Besch&auml;ftigten Berlins, inklusive der Arbeitszeitverl&auml;ngerung f&uuml;r LehrerInnen und BeamtInnen,  umgesetzt. K&uuml;rzungen und Arbeitsplatzabbau in den Kommunen wird angesichts der katastrophalen Finanzlage er Kommunen, von denen viele vor einer faktische Pleite stehen, ebenfalls ein drastisch zunehmendes Ph&auml;nomen sein.<\/p>\n<p>  Pleitenrekord und Arbeitsplatzabbau in der Privatindustrie<\/p>\n<p>  F&uuml;r das Jahr 2002 wird mit einem neuen Pleitenrekord gerechnet, dem 700.000 Arbeitspl&auml;tze zum Opfer fallen werden. Bei der Telekom stehen 54.000 Arbeitspl&auml;tze zur Disposition, die Bahn will 36.000 Arbeitspl&auml;tze vernichten, Siemens weltweit 35.000, Babcock-Borsig hat 4.000 Stellen vernichtet, MAN plant nach schon vernichteten 6.000 Arbeitspl&auml;tzen nun 1.000 weitere, Alcatel-SEL will in zwei Jahren &uuml;ber 10.000 Besch&auml;ftigte loswerden &#8211; die Liste lie&szlig;e sich fortsetzen.<\/p>\n<p>  Ladenschlussgesetz <\/p>\n<p>  Gleichzeitig werden die Rechte der Arbeiterklasse an anderen Fronten angegriffen. Die Verl&auml;ngerung der Laden&ouml;ffnungszeiten ist dabei nur ein Beispiel, welches aber einen hohen symbolischen Wert hat. Denn die Beibehaltung der Laden&ouml;ffnungszeiten war ein Zugest&auml;ndnis Schr&ouml;ders an die Gewerkschaftsf&uuml;hrung, mit der er sich die Unterst&uuml;tzung zu anderen Ma&szlig;nahmen &#8222;erkauft&#8220; hat. <\/p>\n<p>  Die Krise der Regierung<\/p>\n<p>  Die Regierungskrise ist tiefer und geht weiter als nach der Bundestagswahl 1998. Ihre Grundlage sind die versch&auml;rften Klassenkonflikte und die Kriegsfrage. SPD und Gr&uuml;ne sind zur Zeit nicht in der Lage eine einheitliche Politik zu formulieren. Schr&ouml;der hat in der SPD und Fischer bei B&uuml;ndnis 90\/ Die Gr&uuml;nen einen erheblichen Autorit&auml;tsverlust erlitten. Es ist zwar noch kein offener Machtkampf ausgebrochen, aber die permanenten Misstrauensbekundungen, die Diskussion &uuml;ber eine m&ouml;gliche Gro&szlig;e Koalition, Schr&ouml;ders faktische R&uuml;cktrittsdrohung, der Verlauf des gr&uuml;nen Parteitages machen deutlich, dass diese Regierung eine Instabilit&auml;t erreicht hat, die ihre Fortexistenz in Frage stellen kann. Eine Vertiefung der wirtschaftlichen Probleme, ein Streik im &ouml;ffentlichen Dienst, die Pleite eines Gro&szlig;konzerns wie bei Enron oder United Airlines in den USA, ein Krieg gegen den Irak &#8211; all das k&ouml;nnen Ausl&ouml;ser f&uuml;r ein Auseinanderbrechen der Koalition sein. <\/p>\n<p>  Auswirkungen auf das Massenbewusstsein<\/p>\n<p>  Diese dramatische Lage hat tiefgreifende Auswirkungen auf das Bewusstsein der Arbeiterklasse, wenn diese zur Zeit auch noch weitgehend unter der Oberfl&auml;che stattfinden. Aufgrund des Fehlens eines Arbeiterpartei, die dieser Wut und Unzufriedenheit einen politischen Ausdruck geben k&ouml;nnte, ist es auch m&ouml;glich, dass die CDU bei den anstehenden Landtagswahlen deutlich gewinnen wird. Es w&auml;re falsch, daraus die Schlussfolgerung zu ziehen, dass es auf der politischen Ebene einfach einen Umschwung zugunsten der Konservativen geben w&uuml;rde. Das tiefliegende Misstrauen gegen&uuml;ber allen Parteien und b&uuml;rgerlichen Institutionen w&auml;chst weiter. Das bedeutet auch, dass nun auch gr&ouml;&szlig;ere Teile de Arbeiterklasse erstens in den Kampf treten werden und zweitens sich auf die Suche nach politischen Alternativen begeben werden und die Offenheit f&uuml;r antikapitalistische und sozialistische Ideen zunehmen wird. Die Entfremdung von der kapitalistischen Gesellschaft  wird sich wahrscheinlich erst einmal wieder in weiter sinkender Wahlbeteiligung niederschlagen. Fr&uuml;her oder sp&auml;ter wird es aber gr&ouml;&szlig;ere Verwerfungen auch auf der parteipolitischen Ebene geben &#8211; dabei ist nichts auszuschlie&szlig;en: die Entstehung einer rechtspopulistischen Partei mit bundesweiter Bedeutung, ein Wiedereinzug der PDS in den Bundestag bei m&ouml;glichen vorgezogenen Neuwahlen, ein Zerfallsprozess der SPD, bei dem es zu einer tiefen Polarisierung kommen kann, Lafontaine ein Comeback erlebt und es sogar Abspaltungen aus der Partei geben k&ouml;nnte. <br \/>  Weil aber der parteipolitische Weg f&uuml;r die Arbeiterklasse zur Zeit nicht offen ist, wird der Klassenkampf seine Zuspitzung auf der betrieblichen und gewerkschaftlichen Ebene und in sozialen Protesten und Bewegungen finden.<\/p>\n<p>  Tarifrunde und Klassenk&auml;mpfe<\/p>\n<p>  Alle Zutaten f&uuml;r einen Ausbruch gro&szlig;er Klassenk&auml;mpfe sind vorhanden &#8211; mit Ausnahme einer kampfbereiten F&uuml;hrung in den Gewerkschaften. Diese ger&auml;t aber zunehmend unter den Druck der Basis in den Betrieben und wird in der aktuellen Tarifrunde gerade zu deutlich radikaleren T&ouml;nen gezwungen. Die Gewerkschaftsf&uuml;hrung wird immer gr&ouml;&szlig;ere Schwierigkeiten damit haben, den Dampf im Kessel zu halten. In der Tarifrunde ist zwar ein Kompromiss nicht ausgeschlossen, die Zeichen stehen aber auf Sturm. Ein Streik ist m&ouml;glich, nicht zuletzt weil die Kolleginnen und Kollegen in den Betrieben und Verwaltungen verstehen, dass es diesmal nicht um ein oder zwei Prozent mehr oder weniger Lohn geht, sondern um das Zur&uuml;ckschlagen von Arbeitgeberprovokationen, die die Lohn- und Arbeitsbedingungen nachhaltig verschlechtern w&uuml;rden. Gleichzeitig sehen sich die Arbeitgeber gezwungen eine harte Linie beizubehalten und die Bsirske-F&uuml;hrung will nicht so scheitern, wie Monika Wulff-Matthies und Herbert Mai vor ihr gescheitert sind und hat deshalb weniger Spielraum f&uuml;r einen faulen Kompromiss. Ein solcher ist nicht ausgeschlossen, w&uuml;rde aber die Polarisierung innerhalb von verdi enorm beschleunigen. <br \/>  Die Tarifrunde im &ouml;ffentlichen Dienst betrifft direkt und indirekt 10 Millionen Menschen in der Bundesrepublik. Ein Streik im &ouml;ffentlichen Dienst k&ouml;nnte ein Katalysator f&uuml;r K&auml;mpfe gegen Sozialabbau, gegen kommunale K&uuml;rzungen, gegen Arbeitsplatzabbau in der Privatindustrie und gegen die Politik der Regierung im allgemeinen sein. K&auml;me ein gr&ouml;&szlig;erer betrieblicher Kampf dazu, kann eine Situation entstehen, in der &#x96; ansatzweise verallgemeinerte &#8211; Klassenk&auml;mpfe das Land dominieren w&uuml;rden, die Arbeiterklasse als organisierte Kraft in Erscheinung treten w&uuml;rde und diese Republik bis in ihre Grundfesten ersch&uuml;ttert w&uuml;rde. <br \/>  Das k&ouml;nnte zu einer Welle von Streiks, und auch von Betriebsbesetzungen, f&uuml;hren. Die Gewerkschaften k&ouml;nnten dazu gezwungen werden, gro&szlig;e Mobilisierungen durchzuf&uuml;hren, die die Demonstration von 500.000 im Juni 1996 gegen die Kohlregierung in den Schatten stellen k&ouml;nnen. Die Forderung nach einem Generalstreik w&uuml;rde in den Gewerkschaften aufkommen und gro&szlig;e Unterst&uuml;tzung bekommen. Anders als 1996\/97, nach der Massendemonstration, den Streiks gegen die Streichung der Lohnfortzahlung und den Protesten der Bergarbeiter,  kann die Gewerkschaftsf&uuml;hrung heute nicht den Unmut der Besch&auml;ftigten auf eine Regierungs&auml;nderung lenken und somit f&uuml;r eine vor&uuml;bergehende Ruhe sorgen. <\/p>\n<p>  Kriegsgefahr und Antikriegsbewegung<\/p>\n<p>  Die Kapitalisten k&ouml;nnten mit einer sozialen Protestbewegung der Arbeiterklasse und einer massenhaften Antikriegsbewegung konfrontiert sein. Ein Einknicken der Bundesregierung in der Kriegsfrage (was nicht zuletzt aufgrund der Mitgliedschaft im UN-Sicherheitsrat am Januar 2003 zu erwarten ist), wenn auch nur in vergleichsweise &#8222;kleinen&#8220; Fragen wie der Bereitstellung deutscher Besatzungen f&uuml;r die AWACS-Aufkl&auml;rungsflugzeuge oder einer finanziellen Unterst&uuml;tzung des US-amerikanischen Irak-Feldzuges, w&uuml;rde die Krise der Regierung enorm versch&auml;rfen, die Opposition gegen den Krieg nicht nur anwachsen lassen, sondern auch radikalisieren und die M&ouml;glichkeit er&ouml;ffnen, dass die soziale Frage mit der Kriegsfrage verbunden wird. <br \/>  Der Ausbruch des Krieges vor M&auml;rz 2003 ist weiterhin die wahrscheinliche Perspektive. Es ist aber auch nicht ausgeschlossen, dass die USA ihre Kriegspl&auml;ne verschieben m&uuml;ssen oder auf anderem Wege einen Regimewechsel im Irak erzielen. Das k&ouml;nnte zur Folge haben, dass nicht die Antikriegsbewegung, sondern der Klassenkampf zwischen Arbeit und Kapital im Vordergrund der ersten Monate des neuen Jahres steht.<br \/>  In jedem Fall wird der Klassenkampf und die politische und soziale Krise die Bewegung gegen die kapitalistische Globalisierung beeinflussen. F&uuml;r Attac wird sich die Frage stellen, ob die Organisation an den Klassenk&auml;mpfen teilnimmt und diese aktiv unterst&uuml;tzt. Die wirtschaftliche Krise wird auch hier zu mehr Debatten &uuml;ber Alternativen zum kapitalistischen Wirtschaftssystem f&uuml;hren. Es ist bedeutend, dass f&uuml;hrende Attac-Mitglieder eine solche Diskussion nach dem ESF in Florenz eingefordert haben. Es ist m&ouml;glich, dass der rechte Fl&uuml;gel bei Attac zu einer Blockade wird und Attac sich als unf&auml;hig erweist sich angesichts der ver&auml;nderten Lage weiter zu entwickeln. In jedem Fall werden aber wichtige Auseinandersetzungen und Debatten stattfinden, an denen SozialistInnen teilnehmen m&uuml;ssen.<\/p>\n<p>  Eine Kampfstrategie f&uuml;r die Arbeiterklasse<\/p>\n<p>  Die Angriffe von Regierung und Kapital und ein Krieg gegen den Irak k&ouml;nnen nur durch eine massenhafte Mobilisierung der Arbeiterklasse und der Jugend verhindert werden. Die zentralen Aufgaben dazu sind:<\/p>\n<p>  &#8211; Vollstreik im &ouml;ffentlichen Dienst <br \/>  &#8211; Durchf&uuml;hrung einer bundesweiten Gro&szlig;demonstration &#8211; eines Marsches auf Berlin &#8211; durch die Gewerkschaften gegen die Angriffe von Regierung und Kapital<br \/>  &#8211; Vorbereitung eines eint&auml;gigen Generalstreiks<br \/>  &#8211; Massive gewerkschaftliche Beteiligung an de bundesweiten Antikriegsdemonstration am 15. Februar in Berlin<\/p>\n<p>  Aus diesen Mobilisierungen und K&auml;mpfen heraus k&ouml;nnen die ersten Ans&auml;tze f&uuml;r eine neue politische Interessenvertretung f&uuml;r ArbeiterInnen, Erwerbslose und Jugendliche entstehen. Die SAV tritt ein f&uuml;r den Aufbau einer neuen Arbeiterpartei auf Basis eines sozialistischen Programms!<\/p>\n<p>  Ein sozialistisches Programm gegen Krieg und Krise<\/p>\n<p>  Die Krise in Deutschland wirft vor allem politische Fragen auf. Erste Aufgabe ist es daher, eine politische Antwort zu formulieren. Die SAV bietet ein sozialistisches Programm gegen Krieg und Krise an. Eckpunkte davon sind eine massive Besteuerung von Gewinnen und Verm&ouml;gen, die &Ouml;ffnung der Gesch&auml;ftsb&uuml;cher der Banken und Konzerne, eine massive Arbeitszeitverk&uuml;rzung bei vollem Lohn- und Personalausgleich zur Schaffung neuer Arbeitspl&auml;tze, ein milliardenschweres Investitionsprogramm in den Bereichen Gesundheit, Bildung, Umwelt, Verkehr. Zur Durchsetzung solcher Ma&szlig;nahmen ist die &Uuml;berf&uuml;hrung der 200 gr&ouml;&szlig;ten Banken und Konzerne in &ouml;ffentliches Eigentum notwendig &#8211; in ein &ouml;ffentliches Eigentum, dass nicht von abgehobenen B&uuml;rokratien verwaltet wird, sondern durch die arbeitende Bev&ouml;lkerung und demokratisch gew&auml;hlte Organe selber kontrolliert und verwaltet wird. Der Anarchie des kapitalistischen Marktes und der Profitproduktion, die letztlich f&uuml;r die wiederkehrenden Krisen der kapitalistischen Wirtschaft verantwortlich sind, setzen wir eine demokratisch geplante Wirtschaft entgegen, die sich an den Bed&uuml;rfnissen von Mensch und Natur orientie.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Resolution der Bundesleitung der Sozialistischen Alternative (SAV), 13. 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