{"id":10236,"date":"2002-11-22T00:00:00","date_gmt":"2002-11-22T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=10236"},"modified":"2002-11-22T00:00:00","modified_gmt":"2002-11-22T00:00:00","slug":"10236","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2002\/11\/10236\/","title":{"rendered":"&Ouml;sterreich: Das Ende der FP&Ouml;?"},"content":{"rendered":"<p>Haider geht, er kommt, er zieht sich &#x84;endg&uuml;ltig&#x94; zur&uuml;ck, fliegt in den Irak, br&uuml;skiert die Regierungsmannschaft seiner Partei und will wieder den Parteivorsitz. Die Zeitungen &uuml;berschlagen sich in psychologischen Erkl&auml;rungen &uuml;ber Haiders Ego. Zweifellos ist ein Element von Irrationalit&auml;t dabei, aber weder der Aufstieg der FP&Ouml; noch ihre momentane Krise lassen sich allein mit der Person Haiders erkl&auml;ren. Die FP&Ouml; ist in der Krise &#x96; aber das Ende des Rechtsextremismus in &Ouml;sterreich bedeutet das nicht.<\/p>\n<p>  von Sonja Grusch, Wien<!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\nDer Aufstieg der FP&Ouml; in den 80er und 90er Jahren war rasant. Von einer vier bis sechs Prozent Partei stieg sie auf &uuml;ber 26 Prozent bei den Nationalratswahlen 1999. Basis des Erfolges war die Privatisierungspolitik der 80er und der Sozialabbau der 90er Jahre. Haider nutze den Unmut &uuml;ber die SP&Ouml;-&Ouml;VP-Regierung, pr&auml;sentierte die FP&Ouml; als Opposition. Im Februar 2000 trat sie als bis dahin st&auml;rkste rechtsextreme Partei Europas in eine Regierung mit der &Ouml;VP ein. Viele meinten, &#x84;lasst sie machen, dann erledigt sich das Problem von selbst&#x94;. Hat sich diese These nun best&auml;tigt?<\/p>\n<p>  Populismus macht instabil<\/p>\n<p>  In den 80er Jahren vollzog sich in der FP&Ouml; ein Wandel. Die traditionellen deutsch-nationalen Elemente wurden zugunsten eines aggressiven Populismus in den Hintergrund gedr&auml;ngt. Obwohl Haider selbst aus diesem ewiggestrigen Sumpf stammt setzte er auf &#x84;&Ouml;sterreich zuerst&#x94;-Rasissmus und Robin-Hood-Rhetorik. Solange die FP&Ouml; in der Opposition war, lies sich der neoliberale Wirtschaftskurs mit sozialem Gerede vom &#x84;Kleinen Mann&#x94; verbinden. Der Populismus erm&ouml;glichte der FP&Ouml; eine extreme Flexibilit&auml;t bei den pr&auml;sentierten Positionen. <br \/>  Der Wechsel in die Regierung brachte die Spannungen, die der Populismus mit sich bringt, an die Oberfl&auml;che. Rasch kam es zu Konflikten zwischen dem &#x84;pragmatischen&#x94; Fl&uuml;gel der Regierungsmannschaft, der die soziale Basis der FP&Ouml;, die Unternehmer, zufrieden stellt und dem populistischen Fl&uuml;gel, der die W&auml;hlerInnen heranschaffen soll. Krisen und Spaltungen gab es in der FP&Ouml; immer schon, sie sind ein Ausdruck f&uuml;r diesen Spagat und den durch das rasche Wachstum bedingten Mangel an erfahrenem Personal.<br \/>  Die Regierungsbeteiligung der FP&Ouml; hat diese entzaubert, das Saubermann-Image ist dahin. Haider hat einen guten Riecher daf&uuml;r, wenn W&auml;hlerInnen entt&auml;uscht sind. Sein Angriff auf die Regierungsmannschaft war weniger unvern&uuml;nftig, als es aufs erst scheint. Er wollte vor Wahlen die mit dem Sozialabbau identifizierte Parteispitze abschie&szlig;en und eine gel&auml;uterte &#x84;FP&Ouml;-neu&#x94; pr&auml;sentieren. Das dies eine Schw&auml;chung der FP&Ouml; bedeutet, weil die Regierungsmannschaft nicht schweigend den Hut nahm und Unterst&uuml;tzung aus Teilen der Partei erh&auml;lt, nimmt Haider in Kauf.<\/p>\n<p>  Rechtsruck in &Ouml;sterreich<\/p>\n<p>  Ob der Rechtsextremismus durch eine zu erwartende Wahlniederlage der FP&Ouml; bei den Parlamentswahlen am 24. November (in Umfragen liegt sie um die 10 Prozent, Ziel sind 15 Prozent) geschw&auml;cht wird, ist allerdings fraglich. Hauptgewinner der FP&Ouml;-Krise ist keineswegs die SP&Ouml;, sondern die &Ouml;VP, die in den Umfragen zumindest gleichauf, wenn nicht sogar vor der SP&Ouml; liegt. Bei der Wahl 1999 war die &Ouml;VP nur dritte geworden. <br \/>  Die blau-schwarze Regierung hat einige Kernprojekte der extremen Rechten im Justiz-, Bildungs-, Frauen- und ImmigrantInnenbereich durchgesetzt und Sch&uuml;ssel hat durch die R&uuml;ckkehr zur Opferthese (&Ouml;sterreich sei das erste Opfer des Nationalsozialismus gewesen, also unschuldig) aufhorchen lassen. Schwarz-blau wird in der Summe nach den Wahlen nicht ma&szlig;geblich geschw&auml;cht sein. Dass die &Ouml;VP den Ex-FP&Ouml;-Finanzminister Grasser ins Team holt, zeigt, wie nah sich die beiden Parteien inhaltlich stehen. <br \/>  Der Aufstieg der FP&Ouml; war m&ouml;glich, weil die Gewerkschaften nichts gegen die permanenten Angriffe taten und weil keine sozialistische ArbeiterInnenpartei den Unmut auffangen und Widerstand organisieren konnte. Fehlt beides auch k&uuml;nftig, ist ein neuerlicher Aufstieg zu bef&uuml;rchten. Eine R&uuml;ckkehr einer FP&Ouml;-neu beziehungsweise einer anderen rechtsextremen Partei (mit oder ohne Haider) h&auml;ngt wesentlich von der Entwicklung von Klassenk&auml;mpfen und dem Aufbau einer linken Alternative ab.<\/p>\n<p>  Sonja Grusch ist Bundessprecherin der Sozialistischen LinksPartei, der &ouml;sterreichischen Schwesterpartei der SAV<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Haider geht, er kommt, er zieht sich &#x84;endg&uuml;ltig&#x94; zur&uuml;ck, fliegt in den Irak, br&uuml;skiert die Regierungsmannschaft seiner Partei und will wieder den Parteivorsitz. Die Zeitungen &uuml;berschlagen sich in psychologischen Erkl&auml;rungen &uuml;ber Haiders Ego. Zweifellos ist ein Element von Irrationalit&auml;t dabei, aber weder der Aufstieg der FP&Ouml; noch ihre momentane Krise lassen sich allein mit der Person Haiders erkl&auml;ren. 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