{"id":10231,"date":"2002-11-18T00:00:00","date_gmt":"2002-11-17T23:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=10231"},"modified":"2012-05-29T13:20:18","modified_gmt":"2012-05-29T11:20:18","slug":"10231","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2002\/11\/10231\/","title":{"rendered":"Klinikum Kassel: Schlacht geschlagen &amp;#x96 der Kampf geht weiter"},"content":{"rendered":"<p>  von Steffi Nitschke<\/p>\n<p>Vertrauensleutesprecherin im Klinikum Kassel   und Mitglied im Sprecherrat des &quot;Netzwerk f&#252;r eine k&#228;mpferische und   demokratische ver.di&quot; (Angaben nur zur Kenntlichmachung der Person)<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<div align=\"justify\">  Die seit 10 Jahren dauernde Auseinandersetzung um die Privatisierung der   ehemals st&#228;dtischen Kliniken ging am 1. September in eine neue Phase.   1992 erreichten die Besch&#228;ftigten und ihre k&#228;mpferischen Betriebsr&#228;te   und Vertrauensleute, dass es bei der Umwandlung in einen Eigenbetrieb   zur Bildung einer gemeinn&#252;tzigen Gmbh kam. Die Stadt blieb   hundertprozentiger Eigent&#252;mer. Verbesserte Mitbestimmungrechte, ein   Besch&#228;ftigungssicherungsvertrag und der Erhalt des Fl&#228;chentarifvertrags   des &#246;ffentlichen Dienstes konnten durchgesetzt werden. Obwohl die damals   verantwortlichen st&#228;dtischen SPD-Politiker eine Privatisierung   ausschlossen, ging es bereits 1995 los mit st&#228;ndigem Stellenabbau und   Teilprivatisierungen. 1999 wollte der SPD-gef&#252;hrt Stadtrat das Klinikum   ganz verkaufen.<br \/>Unsere &#214;TV-Betriebsgruppe organisierte unter dem   Motto &quot;Kein Verspielen der Kasseler Gesundheitspolitik &amp;#x96 H&#228;nde weg   vom Klinikum Kassel&quot; eine beispiellose Kampagne, die weit &#252;ber Kassel   hinaus Beachtung fand. Politisch unterst&#252;tzt wurde die Kampagne von der   SAV und der &#246;rtlichen PDS. So kam es zum Beispiel zum Entsetzen der   SPD-Funktion&#228;re zu einer Protestdemo, organisiert von &#214;TV, SAV und PDS   vor dem SPD-Unterbezirksparteitag, bei dem der Verkauf beschlossen   werden sollte. Unter dem Druck der Demo kam nur eine sehr knappe   Mehrheit f&#252;r den Verkauf zustande.<br \/>Dass es trotzdem bis heute   nicht zum Totalverkauf kam, liegt einzig und allein an der   aufopferungsvollen und dem extrem engagierten Einsatz des Betriebsrats,   der Vertrauensleute und Aktivisten im Betrieb. In einer absolut   nervenaufreibenden Auseinandersetzung mussten wir vor allem in den   letzten 2 Jahren der zugespitzten Auseinandersetzung eine Attacke nach   der anderen abwehren. Immer wieder musste die Belegschaft zu   Betriebsversammlungen und Aktionen im Betrieb, auf der Stra&#223;e, vor und   im Rathaus mobilisiert werden. Flugbl&#228;tter und Betriebszeitungen,   Plakate und Unterschriftensammlungen mussten geschrieben werden. Eine   der gr&#246;&#223;ten Angriffe, die es abzuwehren galt, war dabei der Ausstieg aus   dem BAT.<br \/>Nach einem langen zerm&#252;rbendem Kampf kam es jetzt zu einem   Kompromiss. Es wurde eine rein privatrechtliche &quot;Gesundheitsholding   Nordhessen AG&quot; gegr&#252;ndet, in die das Klinikum Kassel zusammen mit 3   Krankenh&#228;usern aus dem Landkreis aufgeht. Die Gemeinn&#252;tzigkeit wurde   abgeschafft. Das Klinikum wird dem kommerziellen Aktienrecht   ausgeliefert. Es wurde eine kommunale Mehrheit von mindestens 51% f&#252;r   die n&#228;chsten 10 Jahre vereinbart. Oder anders ausgedr&#252;ckt: bis zu 49%   der Aktien d&#252;rfen in den n&#228;chsten 5 Jahren an private Anleger verkauft   werden. Nach 5 Jahren besteht f&#252;r die Stadt ein au&#223;erordentliches   K&#252;ndigungsrecht, wenn das Klinikum in eine wirtschaftliche Notlage   ger&#228;t. Allerdings muss dann erst wieder verhandelt werden.<br \/>Wir   haben damit also den geplanten Totalverkauf unseres Krankenhauses   verhindert, konnten aber einen weiteren Schritt in Richtung   Privatisierung nicht abwehren. Als Erfolg f&#252;r uns ist aber zu werten,   dass alle Tarifvertr&#228;ge f&#252;r die derzeit 3.500 Besch&#228;ftigten und f&#252;r   k&#252;nftig Neueingestellte, alle Betriebsvereinbarungen und   arbeitsrechtlichen Verpflichtungen &#252;bernommen werden m&#252;ssen.   Betriebsbedingte K&#252;ndigungen sind ausgeschlossen. Die neue Gesellschaft   bleibt Mitglied im Kommunalen Arbeitgeberverband. CDU und FDP im   Stadtrat haben am Schluss noch versucht einen Teil der Zugest&#228;ndnisse zu   verhindern. Sie warfen der SPD vor, &quot;die Gewerkschaft habe zu   erfolgreich verhandelt.&quot; Und Fakt ist auch, dass die SPD die   Zugest&#228;ndnisse auch nur machte, weil wir soviel politischen Druck durch   unsere Kampagne ausge&#252;bt haben.<br \/>Diesen Kampf so lange   durchzustehen ist keine Selbstverst&#228;ndlichkeit, schon gar nicht f&#252;r eine   Krankenhaus. Denn die Arbeitsbelastung ist auch im Klinikum Kassel, wie   in allen Krankenh&#228;usern in den letzten Jahren, ins Unertr&#228;gliche   gesteigert worden. Und obendrauf mussten viele KollegInnen ungemein viel   Freizeit und Nerven opfern f&#252;r unseren Abwehrkampf. Auf sich alleine   gestellt gab es zu diesem Kompromiss keine Alternative. Wir k&#246;nnen uns   damit aber nicht zufrieden geben. Vielmehr muss ver.di endlich einen   bundesweiten Kampf gegen die Kahlschlagspolitik im Gesundheitswesen und   gegen Privatisierung f&#252;hren. Wir sind ja kein Einzelfall. In ganz   Deutschland gibt es Krankenh&#228;user, die Privatisierungsbestrebungen   ausgesetzt sind.<br \/>Deshalb hat der &#214;TV-Kreisvorstand Kassel zusammen   mit den Kolleginnen der Abteilung Krankenh&#228;user der &#214;TV   Stuttgart-B&#246;blingen bereits Ende 2000 eine bundesweite Konferenz von   Vertrauensleuten, Betriebs- und Personalr&#228;ten gefordert, um einen   gemeinsamen Kampf gegen Privatisierung und Tarifflucht zu organisieren.   Der damalige &#214;TV-Vorstand hat das mit fadenscheinigen Argumenten   abgelehnt.<br \/>Unser Vertragsabschluss ist alles andere als eine   Entwarnung f&#252;r die Belegschaft. Der Zwang zur Gewinnerzielung bei   gleichzeitiger Einf&#252;hrung von Fallpauschalen und quasi stagnierenden   Budgets wird den Druck auf die Kasseler KollegInnen und alle   Krankenh&#228;user weiter erh&#246;hen. Unser hart erk&#228;mpfter Absicherungsvertrag   wird jetzt durch einen bundesweiten Vorstoss der Krankenhaustr&#228;ger in   Frage gestellt. Sie wollen die Ausgaben f&#252;r L&#246;hne um 10 bis 20%   absenken. So fordern sie z.B. einen zuschlagsfreien Arbeitszeitkorridor   von 48 Stunden in der Woche. Damit ist es jetzt h&#246;chste Eisenbahn f&#252;r   bundesweite Gegenwehr.<br \/>Und die ist auch notwendig um das Vertrauen in   die Gewerkschaft insgesamt wieder herzustellen. Denn eines ist hier auch   klar geworden. Unser Kampf war die beste Mitgliederwerbekampagne, die   wir jemals hatten. &#220;ber 200 KollegInnen konnten wir neu f&#252;r die   &#214;TV\/ver.di gewinnen. Wenn die ver.di-Spitze mit ihrer Politik so   weitermacht, wird die Mitgliederentwicklung in die andere Richtung   weitergehen. Unser Mitglieder sagen sich dann: &quot;Zum Verzichten brauche   ich keine Gewerkschaft&quot;. Und sie haben recht damit. Deshalb m&#252;ssen wir   den Druck auf die F&#252;hrung massiv erh&#246;hen und eine starke   innergewerkschaftliche Opposition aufbauen.<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      von Steffi Nitschke<\/p>\n<p>Vertrauensleutesprecherin im Klinikum Kassel<br \/>\n      und Mitglied im Sprecherrat des &quot;Netzwerk f&#252;r eine k&#228;mpferische und<br \/>\n      demokratische ver.di&quot; (Angaben nur zur Kenntlichmachung der Person)\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[14],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10231"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10231"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10231\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10231"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10231"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10231"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}